Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Dr. Bloch's Wochenschrift Serie 7b — und wirkte sohann auch seil dem Jahre 1863 als Lehrer der Wiener Hochschuljugend in ersprießlichster Weise bildend und vorbildlich. Zum Behufe der «Erreichung des heißerstrebten Zieles, einer eigenen evangelischen Garnisonskirche bedurfte es damals der — durch ihn veranlagten — direkten Intervention unseres Monarchen. Sowohl dieses Ereignis, wiepuch die Neu-Systemisierung der Militär-Seelsorgerposten bilden einen wichtigen Abschnitt in der Entwicklung des österreichischen Protestantismus. Letztere ist auf den Krieg des Jahres 1859 zurückzuführen, in dem es sich ereignete, daß die evangelischen österreichischen Soldaten ihren Seelentrost bei den französischen Militärgeistlichen suchen mußten, welchen Mangel Kaiser Napoleon III. einer sehr hochstehenden Persönlichkeit persönlich zur Kenntnis brachte. Vielleicht aus der näheren persönlichen Fühlung mit den Schrecken der starren Reaktion unserer vormärzlichen Periode heraus festigte und vertiefte sich Szeberinys ohnehin menschenfreundlich angelegter Sinn noch weiter, da er seinen Vater in der damals (1849) berüchtigten Festung Komorn als politischen Häftling schmachten sah. Seine Vorträge über „Glauben und Geschichte des Christentumes", welche auch in einem Buche gesammelt erschienen, atmen denn auch durchaus Versöhnung und Milde der Auffassung, sowie auch seine öffentlichen Reden, die stets den tiefsten Eindruck hervorriefen, immer auf einen weihevollen, höheren Ton gestimmt waren. Auch ohne Talar war sofort der vollendete Kanzelredner aus ihm herauszühören. Er betätigte auch weiter die seinem Berufe innewohnende Mission dadurch, daß er in die oberste Leitung des von Professor v. Oppolzer gegründeten Studentenkrankenvereins eintrat, in welchem er am 27. November 1886 anläßlich der 25 jährigen Wiederkehr der Gründung eine vielbemerkte Gedenkrede hielt. Bei feinem vertieften Gemüte erscheint es keineswegs ausgeschlossen, daß die gegenwärtig tobende und die ganze Welt in das Zeitalter der Bestialität zurückschleudernde Kriegsfurie, die natürlich das größte Grauen in ihn: hervorrief, sein Ende beschleunigte. Aeußerte er sich doch im Freundeskreise wiederholt mit größter Niedergeschlagenheit über das vergebliche, hoffnungslose Bemühen feiner selbst und anderer, die Nächstenliebe in die Menschen zu verpflanzen und in ihnen zu erhalten! Auch auf rein persönliche Dinge und Umstände übertrug er die erhebenden Lehren seines Berufes im Sinne der Mutter der christlichen Kirchen. So war fein Familienleben, namentlich das Verhältnis zu seiner ihm in treuester Liebe zugetanenen Gattin ein geradezu Ideales. Die Wertschätzung, deren sich, der Dahingeschiedene allseitig erfreute, kam denn auch anläßlich seines Begräbnisses zum Ausdruck. Nicht nur waren, wie selbstverständlich, die Funktionäre des Vereins ^zur Abwehr des Antisemitismus erschienen, auch der ehrwürdige Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, mit dem I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben hatten sich eingefunden, um ihre Teilnahme zum Ausdruck zu bringen. Von Seite des Präsidiums der ifrael. Kultusgemeinde erfolgte überdies noch ein sehr warmes Beileidsschreiben, das im wesentlichen lautete: „Das Ableben Seiner Hochwürden des Herrn k. u. k. Militär-Superintendenten Universitätsprofeffor Doktor Joh. Mich. Szeberiny bedeutet nicht nur für den Verein zur Abwehr des Antisemitismus und für die Gemeinde, deren treuer, hingebungsvoller Seelsorger der Verblichene gewesen, sondern für die gesamte Kulturwelt, in welcher der Sinn für Gerechtigkeit und Nächstenliebe noch lebt, einen unermeßlichen Verlust. Ganz besonders ist es die Judenschaft, welche in dem Heimgegangenen den Abgang eines Freundes beklagt, der aus der Kenntnis des Wesens der jüdischen Religion die tiefe Ueberzeugung schöpfte, daß all die Angriffe, denen Juden und ihre Religion in den letzten Jahrzehnten ausgesetzt waren, jedes wissenschaftlichen und ethischen Grundes entbehren und daß es jeden Ehrenmannes Sache sei, sein Wort gegen diese Angriffe zu erheben. Du Joh. Mich. Szeberiny hatte auch den Mut der Ueberzeugung. Dankbarst gedenken wir seines mannesmutigen Auftretens, als es galt, den Sturm von Verleumdungen in jenen Tagen, welche durch die Namen Tisza-Eszlar, Hilsner und Beilis gekennzeichnet sind, offen und mit der Wucht ehrlicher Entrüstung abzuwehren. Leider war es ihm nicht vergönnt, seine Bemühungen in der Affäre Hilsner, das auch seiner Ueberzeugung nach gebeugte Recht wiederherzustellen, von Erfolg gekrönt zu sehen. Das Andenken dieses hervorragenden Mannes wird auch in unserer Gemeinde stets in Ehren fortleben." Die Israelitische Allianz schrieb : „. . . . Der Dahingeschiedene war während seiner langjährigen segensreichen Tätigkeit als Geistlicher wie auch sonst im öffentlichen Leben und insbesonders an der Spitze Ihres geschätzten Vereines immer bestrebt, die konfessionelle Duldsamkeit, den Idealismus und die Menschenliebe zu fördern. Sein Andenken wird daher auch in der Mitte unseres Vereines immer ein gesegnetes fein." Der Zentralverein zur Pflege jüd. Angelegenheiten in Prag äußerte sich in seinem Beileidsschreiben: „Mit aufrichtiger Anteilnahme haben wir von dem Hinscheiden Ihres greisen, verehrungswürdigen Präsidenten, des Herrn Superintendent Pros. Dr. Szeberiny, vernommen. Das von echter Menschlichkeit getragene Wirken des nun Verewigten sowie seine von Güte und Friedfertigkeit getragene Lichtgestalt wird in den Kreisen der jüdischen Glaubensgemeinschaft stets in Ehren und Dankbarkeit im Andenken bewahrt werden. In vollster Würdigung des schweren Verlustes rc." In der Tat, sein Abgang bedeutet eine kaum ausfüllbare Lücke.- Ehre seinem Andenken! Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Vom Aabrmarkt des Lebens. Erzherzog Josef über Soldaten jüdischer Konfession. Der Redakteur des Blattes „Egyenlösseg" richtete an den Korpskommandanten Erzherzog Josef die Bitte, der Erzherzog möge seine Meinung über die Haltung der seinem Kommando unterstehenden ungarischen Soldaten jüdischer Konfession abgeben. Der Erzherzog antwortete darauf mit folgendem Schreiben. „Ich hatte häufig Gelegenheit, meine Soldaten jüdischer Konfession zu beobachten und fand keinen Unterschied zwischen ihnen und meinen anderen Soldaten. Ihr Heldenmut ist bewundernswert, ihre Entschlossenheit über alles Lob erhaben. L-ie kämpften unter den ungarischen Jungen als wahre Ungarn Schulter an Schulter gegen die blutrünstigen Serben und die mächtigen Russen. Sie haben an unseren Erfolgen denselben Anteil wie ihre Kameraden. Unter den hervorragendsten Helden gibt es nicht wenige ungarffche Juden. Oft sah ich diese mit meinen Augen inmitten der verzweifelten Phasen der entsetzlichen Kämpfe und bewunderte gehobenen Herzens ihren Heldenmut. Auch der Jude hat gezeigt, daß er ein ebenso guter als tapferer Soldat ist wie die anderen."