Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-22 · 4 (22.1.1915) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
4 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022147--23811-3049028
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Rr. 4 Dr> Bloch s Lachenschrifl S#it? 7* schweigen!"' Wer hat das gesagt? Tolstoj! . . . Warum habe ich dich nicht: gehört! Maria, so hilf mir doch! Wie deine Hände schimmern! Dein Sohn ist tot, dem kannst du nicht mehr Hefen, hilf mir, Maria! Aber du hattest doch keinen Sohn, wir hatten eine Tochter, sie hieß Ruth. Ich habe sie nie gesehen, aber sie soll sehr schön gewesen sein. . . . Wie man ihr Kolbenstöße versetzt hat, da hat sie gelacht. ... Ich träume ja bloß, ich kann ja auswachen, wenn ich will — — aber ich min weiterträumen, von dir, meine Mirjam! Pater Jgnatiew (tritt ein). Pater: Majestät, verzeihen die Störung, aber die Stadt ist in Aufruhr. . . . Majestät sind noch nicht zu Bette gegangen? Zar: Du hast mich lieb gehabt, Mirjam. . . . Heute habe ich dich erschossen. . . . Aber nein, Ruth haben sie ans Kreuz geschlagen und sie liegt jetzt in deinem Schoß. Pater: Majestät, kommen Sie zur Besinnung^! Die Kosaken haben auf die Juden geschossen und die Juden wehren sich und die Studenten und die Arbeiter helfen ihnen. Sie bauen Barrikaden. Zar: Beten wir! . . . Man soll nicht auf Mädchen schießen, die blauschwarzes Haar haben. . . . Pater: Von der Grenze sind schlechte Nachrichten da, im Innern ist Revolution, Majestät müssen Befehle geben, wohin wir fliehen sollen. Zar: Weißt du noch, Mirjam? Ich habe dir immer cote Rosen gebracht. . . . Und mein Prinzeßchen Hab' ich dich genannt. So dankbar warst du für jedes liebe Wort. Pater: Majestät sind in höchster Gefahr! Zar: Aug' um Auge, Zahn um Zahn! Pater: Der Heiland hat für uns alle gebüßt. Zar: Für mich nicht! Meine Verbrechen schreien zum Himmel. — — An deinem Haar, an deinem schönen, dunklen Haar haben sie dich durch die Straßen geschleift, Mirjam, Liebling. Deine alten Eltern haben sie verhöhnt und mit Kot beworfen, deinem jungen Bruder haben sie die Augen ausgerissen und haben ihn in Ketten geschmiedet wie ein wildes Tier. Und alles in meinem Namen! Keiner von denen hatte mir etwas zuleide getan. Pater: Majestät, hören Sie! Es wird in den Straßen geschossen. Es geht um's Leben, Majestät! Zar: Ich — träume ja bloß — — Ich war nicht schlecht, ich war nur schwach. . . . Und heute ist. eine von meinen Soldaten erschossen worden, das war meine Tochter. Ruth, süße, kleine Ruth! Deine Mutter ist tot und du bist tot. ... Es regnet noch immer. Ueberall kämpfen sie und ich bin schuld daran. Ich kann das unsägliche Leid der Menschheit nicht fühlen, es ist zuviel für mich, aber ich sehne mich so nach dir, meine kleine Ruth, ich möchte dir rote Rosen aufs Grab legen, meine Mirjam. . . . Gouverneur (tritt ein). Go uv.: Der Kreml brennt, Majestät! Der Pöbel wirft Bomben gegen die Mauern! (Explosionen und Feuerschein.) Stimmen: Nieder mit dem Zaren! Rache für Sibirien! Rache für die Pogroms! Revolution? Hoch Oesterreich! Hoch Deutschland! Pater: Man soll aus allen Fenstern siedendes Oel gießen! Gouv.: Das geht nicht, der Kreml'brennt! Zar: Das — ist — kein — Traum — mechr. . . . Vorhang. Theater und Literatur. Kammersänger Jadlowker. Im „Bert. Lokalanzeiger" vom 15. d. M. war zu lesen: „Kammersänger Hermann Jadlowker, der vier Jahre der Königlichen Oper augehörte, hat gestern abend vorläusig seinen Abschied vom Berliner Publikum genommen. Er sang den Troubadour und wurde von allen Seiten durch Ovationen und Ueberreichung von Blumen, geehrt. Kammersänger Jadlowker scheidet bis aus weiteres aus dem Verbände der Königlichen Bühnen aus." — Dieser Meldung gegenüber sah sich der köngl. preußische Generalintendant durch eine Erklärung in den Berliner Tagesblättern das Ausscheiden Jadlowkers aus dem Verbände der Königlichen Oper zu dementieren. Er habe lediglich einen erbetenen Urlaub bis 1. Mai erhalten; vom Mai bis 1. September habe er seinen kontraktlichen Urlaub und am l. September 1915 werde Jadlowker seine Tätigkeit als Kammersänger bei den Königlichen Bühnen wieder ausnehmen. Vom Bureau der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft geht uns die Mitteilung zu, daß die Drucklegung des Jahrbuchs sich infolge des Krieges verzögert und der Borstand deshalb beschlossen hat, den Mitgliedern je ein Exemplar der soeben von ihnen herausgegebenen „Geschichte der Juden" von Dr. Kottek in einer eigens zu diesem Zwecke hergrstellten und nicht in den Buchhandel gelangenden Ausstattung zu überreichen. Der Versand der Bücher ist im Gange und sie werden in den nächsten Tagen in den Händen aller Mitglieder sein. Das aus kosten der Gesellschaft ge druckte Goldhorsche Werk über „Die Geographie Palästinas" ist erschienen. - Die große Ausgabe des Scherirabriefes nähert sich ihrer Vollendung. - Aus dem Nachlaß Halevys wird ein weiterer Teil des Werkes „Daurauth Horischaunim" veröffentlicht werden, dessen Drucklegung bereits bis zum 131 Bogen fortgeschritten ist. Dr. Mayer Prager )N. Löwit Verlag, Wien. 1. Beziri. Rotenturmstratze 22) plant die Herausgabe des Nachlasses von Dr. Hugo Zuckermann, in dem die neue jüdische Dichtung eine ihrer _ reichsten Begabungen verloren hat. Die Dichtungen und Üebersetzungen des viel zu früh Verstorbenen sind verstreut in jüdischen und nichtjüdischen Blättern erschienen, manche auch wohl in Handschrift als persönliche Widmung an seine Freunde und Bekannte gelangt. Der Herausgeber wäre deshalb besonders dankbar, wenn ihm, namentlich aus jüdischen nationalen Kreisen, die Dichtungen oder Üebersetzungen von Dr. Hugo Zuckermann im Original oder Abschrift zugesandt würden, und verpflichtet sich, die Manuskripte sofort nach erfolgter Drucklegung dem Eigentümer zurück zu stellen. Des Verstorbenen ungemein schöne und kongeniale Uebersetzung von Perez „Die Nacht auf dem alten Markt" befindet sich bereits im Drucke und wird voraussichtlich im Frühjahr als erster jüdischer Liebhaberdruck in einer numerierten Auslage von 509 Exemplaren erscheinen. Krieg und Evangelium. Kriegspredigten von Anton Worlnjcheck, Stadtpfarrprediger in München. Erstes Bändchen. 2. Ausl. Preis 75. Pfennig, geb. Mk. 1.20. Zweites Bändchen. Preis 80 Pfennig, geb. in Leinwand Mk. 1.30. Freiburg i. Br., 1914, Herderfche Verlagshandlung. Diese meisterhaften Kriegsreden, wie eigens für Feldgeistliche bestimmt, können auch unseren Feldrabbinern nur mit bestem Nutzen zur Anregung und als Vorbild dienen. Abgesehen davon, daß markante Stellen aus dem Alten Testament angeführt werden, Psalm 90, 11 sogar den Text einer dieser Predigten bildet, ist die Art. wie das ganze stürmische Kriegstreiben unserer Tage mitten in die Bibel hineingestellt wird, musterhaft zu nennen. Dem jüdischen Prediger wird natürlich dank dem Charakter des Alten Testamentes, die Brücke zwischen bibl scher Zeit und Gegenwart zu schlagen, noch weit leichter fallen. M. W. Penn, Früchte der Eins ami k e i t. Ins Deutsche übertragen von zDr. Siegfried Grasen von Dönboff. Mit einem Begleitwort von Prof. Schröer. Heidelberg 1914. Carl Winters Universitätsbuchhandlung. Preis Mark 2.50. Diese von dem Stiefsohn des Fürsten Bülow übertragenen Gedanken eines wahren Weisen haben trotz ihres Alters nichts an Aktualität eingebüßt. Manche dieser kernigen Marimen wirkt geradezu wie eine Satire aus Zustände der Gegenwart. Daß unsere Bibel in dem Büchlein kräftig zu Worte kommt, ist bei dem Standpunkt dieses Erzpuritaners nur selbstverständlich. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.