Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 4 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 4 Seite 67 Dr. Bloch's Kleidung, Wäsche, den neuesten Erfindungen aus dem Gebiete des Kälteschutzes ausgestattet, selbst für die praktischesten Pseisenzünder ist Sorge getragen. __ . Auch die jüdischen Pfleglinge wissen die fürsorgliche Güte des ällwaltenden Hausgeistes nicht begeistert genug zu preisen. Der eine, ein Galizianer, der Dch aus rituellen Gründen sogar täglich die Milch selbst einkauft, erhält außer beliebiger Benützung der Hausküche (Eier, Tee, Brot usw.) für feine Extraausgaben vom Pflegevater täglich eine Krone. Auf 21 Insassen ist die Frequenz bereits gestiegen. Herr Hardy führt hierüber genaue statistische Aufzeichnungen, aus denen zu ersehen ist, daß die Unterhaltung dieses Heims, von den Investierungen abgesehen, auf etwa 3000 Kronen Monatlich zu stehen kommt. Zum Andenken an die Weihnachtsfeier, an der auch die in Wien anwesenden Frauen und Kinder der Insassen teilnahmen, hat Herr Hardy eine sehr geschmackvolle Plakette verteilt. Sein Erholungsheim ist eine wahre Sehenswürdigkeit. Es atmet in allen Winkeln den Geist eines wahren Menschenfreundes. M. Tie neue Tee- und Suppenanstalt der Frau Anita Müller-Roftnzweig, II., Glockengasse 20. Diese unermüdliche Organisatorin, die' sich in der Schule. Grünfeld ihre ersten Sporen verdient hat und unserem wohltätigen Wien und ihrer ersten Lehrmeisterin alle Ehre nlacht, hat am 16. Januar in aller Stille, nur in Anwesenheit ihrer Familie und der Hilfsdamen, ihre vom Galizischen Hilfskomitee inaugurierte Teeanstalt, die erst nächste Woche eine Suppenanstalt sein wird, eröffnet. 1500 Personen waren dieser Joureinlädung gefolgt, darunter auch viele nichtflüchtige Arme aller Konfessionen aus der nächsten Nachbarschaft. Von jetzt ab kostet eine Tasse Tee mit drei Stück Zucker, sehr gutem Brot und einem Stück Zitrone 4 Heller. Das Lokal, ein ehemaliges Vergnügungslokal, ist so schön und geräumig, so nett, fast elegant, daß nur wenige Oststädte ähnliche Cafes ihren Gästen bieten werden. Stadtbekannte, ungenannt sein wollende Wohltäterinnen haben die Errichtung gefördert, reizende weibliche Hilfskräfte aus den Reihen der Flüchtlinge in eleganten Kostümen und Damen der vornehmsten Kreise in Abwaschmädchentoilette bedienen gemeinsam. Ueber dem Werk ihrer Schwester wacht als anmutige Küchenfee Fräulein Gretl Rosen zweig, die Grazie mit hausfraulicher Tüchtigkeit vereint. Wie ich mich durch Kostprobe überzeugt, ist Tee und Brot vortrefflich. Die Gesellschaft ist aus östlichem Proletariat und wohlhabend und angesehen Gewesenen bunt zusammengesetzt. Die Wiener Gastfreundschaft und gemeinsames Leid verwischen die im Osten sonst scharf gezogenen Grenzen, und alle sind einig im Lobe der energischen jungen Dame, die in vier Richtungen (Kinderschutz, Ausspeisung, Mutterschutz und Flüchtlingsfürsorge) so Großes leistet. C. Benedikt. Aufruf des „Jüdischen Kriegsarchivs". Jüdische Mitbürger! Der gegenwärtige Weltkrieg ist sicherlich ein Markstein auf dem Entwicklungswege der Menschheit. Auch wir Juden Machen darin keine Ausnahme. Wir stehen vor großen Wendungen unseres Schicksals. Zum Guten oder zum Bösen — je nachdem wir uns der Situation gewachsen zeigen oder nicht. Es kann kein Zweifel mehr sein, daß alle Feinde und Neider der Judenschaft emsig an der Arbeit sind, um aus dem Kriege Materiale gegen uns zu sammeln, und daß sofort nach dem Kriege eine alles Dagewefene Wochenschrift überbietende Agitation gegen uns einsetzen wird. Die Anzeichen hierfür find vorhanden, denn schon jetzt setzt eine, an die niedrigsten Instinkte sich wendende Agitation ein. Dieser Gefahr gilt es zu begegnen. Und wir können es, weil wir uns in diesem Krieg über alle Erwartung hinaus bewährt haben. Nicht nur sind auf den Schlachtfeldern selbst hervorragende Leistungen von jüdischen Soldaten vollbracht worden, sondern es hat sich ganz besonders auch unsere rückhaltlose patriotische Treue als ein Faktor von wirklich staatserhaltendem Wert erwiesen. Aber die Tatsachen allein genügen nicht. Zu leicht entschwinden sie dem Gedächtnisse der Völker und Maßgebenden, umsomehr als unsere wühlenden Feinde darauf hinarbeiten, sie zu verdunkeln. Wir müssen sie daher für ewige Zeiten feststellen. Bis in die letzten Details müssen wir alle Vorkommnisse buchen, die unser Verhalten in diesem Kriege, sowie überhaupt gegen den Staat und das Verhalten aller Staatsfaktoren gegen uns betreffend Mit einem Worte, wenn wir in unserem Kampfe gegen das Uebelwollen und für unser volles Recht gerüstet sein wollen, dann müssen wir das „Jüdische Kriegsarchiv" schaffen. Jüdische Mitbürger! Wir Gefertigte sind überzeugt, daß Ihr alle die Notwendigkeit dieser Gründung einseht und wir dürfen daher auch hoffen, daß Ihr uns helfen werdet, sie durchtzuführen. H^rzu benötigen wir vor allem Eurer wertvollen Mitarbeit und gelegentlich für das Archiv bestimmter Mitteilungen. Aber wir erlauben uns auch darauf aufmerksam zu machen, daß eine Aufgabe, wie die oben geschilderte, nicht ohne beträchtlichen Auftvand erfüllt werden kann. Es ist eine regelmäßige Amtsführung erforderlich, die sich auf dem ganzen weiten Gebiete der heutigen Ereignisse nichts entgehen lassen darf, was mit dem jüdischen Interesse .zusammenhängt. Daher, müssen wir Gefertigte an Eure Mithilfe auch nach der Richtung appellieren, daß Ihr Euch entschließt, zur Deckung der Kosten unserer Aktion beizutragen. Ihr könnt dies entweder als Stifter des Archivs tun, wenn Ihr eine einmalige Zuwendung macht, oder als Förderer in Form einer regelmäßig monatlichen Beitragsleistung für die Dauer des Archivbestandes. Zuschriften und Beitrittserklärungen sind zu richten an das „Jüdische Kriegsarchiv", Wien, II., Zirkusgasse 33, Geldsendungen an das Bankhaus I. & A. Brecher, Wien, IX., Peregringasse 1 (Postsparkassen-Konto Nr. 16.601). Für das vorbereitende Komitee zur Anlegung des „Jüdischen Kriegsarchiv": Oberingenieur Robert Stricker, Vorstandsmitglied der Wiener israel. Kultusgemeinde, dz. Obmann; Doktor N. Birnbaum, dz. Archivleiter; Ludwig Bato; Börsenrat Adolf Brecher; Dr. Leopold Ehrlich: Dr. E. Ritter v. Kahler; Dr. A. Lanzer; Redakteur Julius Löwy; Dr. Isidor Margulies; Dr.Wilhelm Stein; Dr. H. Sußmann; k. k. Reichsratsrevisor Rudolf Taufsig; I. H. Waltuch; Dr. F.Waschitz; Dr. Paul W e i s e n g r ü n. Aufruf! Zu den Allerunglücklichsten unter den Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina zählen die Kantoren. Ihnen droht nebst dem Verluste ihrer Habe, neben der Zerstörung chres Wohnsitzes, der Verlust ihres teuersten Gutes, des einzigen Besitzes, auf dem sie ihren Familienstand gründeten, der Verlust ihrer Stimme. Das Elend des Exils, die Unbilden des Wetters stürmen immer