Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 4 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite <61 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 4 aufs Neue auf sie ein und jede Erkrankung, jede Gefährdung ihrer Gesundheit raubt ihnen, Stück für Stück, die Hofftlung auf eine bessere Zukunft. Ihnen nach Möglichkeit zu helfen, diese Gefahr so weit als tunlich von chnen abzuwenden, tritt das Unterzeichnete Komitee Vertrauensvoll an die Oeffentlichkeit heran und bittet: Gedenket dieser Armen, gedenket der Verherrlicher des jüdischen Gottesdienstes, ihrer unglücklichen Frauen und Kinder, die im Elend schmachten' und in Not zu verkommen drohen. Helfet jeder nach Euren Kräften, nach dem Maße Eurer Mittel; seid eingedenk der Pflichten des Besitzes, deren edelste die des Wohltuns ist. Auch die kleinste Gabe wird mit Dank angenommen, allwöchentlich durch die „Oesterreichische Wochenschrift" ausgewiesen, und sind freundliche Zusendungen erbeten an die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien, II., Praterstraße Nr. 9, oder an Oberkantor Don Fuchs, L, Postgasse 16. Das Komitee: Don Fuchs, Oberkantor der isr. Kultusgemeinde im Stadt-Tempel. L. Müller, Oberkantor. , M. M a t y a s, M. B. Kaufmann, Erste Kantoren. I. L ö w i t, Kantor und Chordirigent. Malaczka. (F ü r s o r g e für g a l r z i s ch e F l ü ch t - linge.) Seit drei Monaten weilen hier in Malaczka ca. 80 jüdische Flüchtlinge aus Galizien, der sich unsere braven Glaubensgenossen väterlich annehmen und sie nach - Möglichkeit unterstützen. Man wetteifert darin, chnen Liebe zu erweisen und ihre traurige Lage zu. erleichtern. An der Spitze dieses humanen Werkes stehen die Gattin des Präsidenten der Kultusgemeinde Malaczka, Frau Berta W e i n w u r m und Fräü Lina S p i tz e r, welche im Dienste dieser Wohltätigkeit einen tüchtigen Mitarbeiterstab um sich versammelt haben. Ein christlicher Bürger aus Malaczka meldet der Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" in Wien voll Bewunderung von der menschenfreundlichen Tätigkeit dieser Damen und ersucht, denselben die öffentliche Anerkennung auszusprecheu, was hiermit nach Verdienst geschieht. Klein-Pöchlarn a. D. Der Ort Klein-Pöchlarn ist gar manchem unbekannt und dennoch gelangten wir galizischen Flüchtlinge nach vielen Wanderungen und Strapazen vor zwölf Wochen, 400 an der Zahl, dorthin. Die ganze Bevölkerung und vor allem - der Herr Pfarrer, der Herr Bürgermeister, der Herr Oberlehrer und Herr Sigmund Mautner kamen uns in jeder Weise entgegen und stellten uns verschiedene Wohnungen zur Verfügung. Auf Anregung des Herrck Bezirksrabbiners Dr. Ch. Bertisch aus Amstetten, zu dessen Sprengel Klein- Pöchlarn gehört, bildere sich ein Komitee, bestehend aus dem Herrn Rabbiner, Herrn Kultusvorsteher Gottlieb Mahler in Kemmelbach, Herrn Sigmund Mautner und Herrn Max S ch a n z e r in Groß-Pöchlarn, au dessen Spitze die Präsidentinnen des Frauenvereines, die Damen Jda und Lora Mahler, stehen. Es wurden bis nun dreimal Verteilungen vorgenommen. Mehr als 150 ganz neue Decken, Strohsäcke, Polster, Winterkleider, Schuhe, Wäsche, wie auch Naturalien wurden verteilt. Jede Verteilung dauerte fast den ganzen Tag und die Damen und Herren arbeiteten ununterbrochen neun bis zehn Stunden - nichts zu sich nehmend —, erquickt durch die Genugtuung, so viel Gutes geleistet zu haben. Herr Rabbiner B er tisch weilt jede Woche einen Tag in unserer Mitte, und er verschaffte uns aus seinem Besitz Sidurim, Pentateuchs, Gemaras, Zizes, Mesusas usw. Die Damen Mahler und Herr Schanz er nehmen sich unser bei jeder Gelegenheit an, so z. B. als unlängst ein Knabe geboren wurde, war Herr Schanz er samt seiner Frau Gemahlin Quatter und der Sude wohnten auch der alte Herr Hermann Schanz er und der Kultusvorsteher Herr Mahler bei. Selbstverständlich wurde für alles Nötige wie auch für eine Hebamme und Mohel gesorgt. Wir sprechen also auf diesem Wege dem ehrwürdigen Herrn Rabbiner, den sehr geehrten Familien Mahler und Schanzer, dem Herrn S. Mautner wie auch allen edlen Spendern unseren herzlichsten Dank aus. Der liebe Himmel möge es ihnen allen vergelten. Die Flüchtlinge aus Kl.- Pöchlarn. Pardubitz. Unter den Gemeinden, die sich in dieser schweren Zeit durch ihre Opferwilligkeit und zielbewußte Wohltätigkeit auszeichnen, darf die jüdische Gemeinde in Pardubitz einen ersten Platz einnehmen. Ich lebe seit nahezu zwei Monaten als galizischer Flüchtling hier und hatte Gelegenheit, die Wohltätigkeitsaktion aus aller Nähe zu betrachten und Zu würdigen. Zur Zeit der großen Flüchtlingstransporte nach Böhmen leistete die hier von der jüdischen Gemeinde eingerichtete Labestation geradezu Uebermenschliches. In der am Bahnhofe zu diesem Zwecke eingerichteten Küche wurde Tag und Nacht der Dienst versehen, und kein Zug durste unbewirtet die Station passieren. Der Dienst bei den Zügen war ein überaus schwerer, die armen Menschen kamen halbverhungert hier an, jammerten und flehten, ja kämpften sogar um das bereitgehaltene Brot und einen Kaffee. Hier konnte man es sehen, wie sehr Hunger weh tut, und aus tiefstem Herzen mußte man Dank empfinden für die edlen Initiatoren dieser großen Aktion. Für die Flüchtlinge in Pardubitz selbst wurde eine sehr ersprießliche Tätigkeit eingeleitet und übersteigt auch hier das Maß der Leistung, die Kraft, der doch nur kleinen Gemeinde: An der Spitze der Aktion stehen die Herren JUDr. T h e i n, Arthur Steiner, Rudolf und Waldemar Weiß, H. Rix, Jacob Oe stierreicher, Isidor Fleisch ner, Bernhard Schütz, Joses Kohn, Adolf Groß sowie Herr Direktor Fischer, ebenso deren Frauen, die sich in dem schweren Dienste besonders ausgezeichnet haben. Herr Arthur Steiner leistet als Komiteemitglied die meiste Arbeit und widmet ihr seine beste und kostbarste Zeit. An dieser Stelle sei herzlichen Dank gesagt der Firma Heinrich Franck Söhne, welche dem Komitee eine ansehnliche Geldspende sowie 5 Kisten Kaffeekonserven widmete. Ebenso herzlichen Dank Herrn Raffineriedirektor M a n n a b e r g e r für dessen warme Beteiligung sowie Herrn Filialdirektor Schick der Anglo- Oesterreichischen Bank in Pardubitz, welcher eine der Bank gehörige Villa den Flüchtlingen unentgeltlich zur Verfügung stellte. Schließlich sei der überaus wohltätigen Herren Brüder W i n t e r n i tz gedacht, im Besonderen verdient aber die Gutherzigkeit und der Wohltätigkettssinn der Frau Olga Winternitz als mustergiltig hervorgehoben tzu werden, welche, nachdem ihr Gatte als Reserve- Leutnant in der Armee dient, die ihr als Offiziersgattin zukommende Gage humanen Zwecken widmet. I. Wendum. Vermischtes. K anzablösuugsfpenden zirgnnsteu der Chewra-Kadischa in Wien I., Settenstetten gaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen Anläßlich des Ablebens des sel. Rudolf Tauber: Heinrich Klappholz Kr. 20.—. Karl Schmeichler 20.—, Brüd. Schwitzer 20.— Jonas Weil 20.—, Julius Frankl 20.—, Artur Nascher 20.—, Ignaz Kauders 20.—, Ignaz Nascher 20.—, Eduard und Berta Löwy 20.—. Zusammen Kr. 180.—.