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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-22 · 4 (22.1.1915) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
4 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 60 Dr. Wachs Wochenschrift. Nr. 4 Gefabene jüdische Militärärzte. In einem Wiener Spital ist Doktor Rudolf Landesberg, Oberarzt und Chefarzt einer Landsturmbrigade, seinen Wunden und einem typhösen Leiden erlegen. Der Verstorbene war ein Sohn des Fabrikanten Landesberg in Lemberg und ein Schwager des Traininspizierenden des 11. Korps Oberst Krauß. Er hat nach dem Tode Professor Schrötters das der internen Klinik ongegliederten Ambulatorium selbständig geleitet. Wie seine Kameraden erzählen, zeichnete er sich im Felde nicht nur als tüchtiger Arzt, sondern auch als tapferer Soldat aus. Zu seinen Verwundungen, die er am südlichen Kriegsschauplätze erhielt, gesellte sich ein schwerer Typhus hin, dem er auch erlag. Um ihn trauern seine in Lemberg weilenden Eltern, eine Schwester, die Gattin des Obersten Kraus, und ein Bruder, Dr. Josef Landesberg. Die letzteren waren auch aus den Karpathen herbeigeeilt, um dem am 18. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnis beizuwohnen. Auf dem Zentralfriedhofe halten sich eine große Anzahl von Freunden und Patienten eingesunden. Von seiner Brigade waren Herr Hauptmann Klatscher und Leutnant Dr. Karpeles mit den dienstfreien Offizieren erschienen, ferner sah man Dozent C a st e l l i, Primarius Dr. Reiter, Primarius Dr. W e i n b e r g e r, die Oberärzte Dr. Bauer, Dr. E h r e n t e i I und viele andere. Vom Vorstande des Vereines für zugereiste kranke Juden waren der Vizepräs. Dr. Carl Natanson mit allen Herren des Vorstandes erschienen. Auch dem Ferienkolonienvereine „Gute Herzen" gehörte der Verstorbene als Vorstandsmitglied und Arzt an. Die Verdienste des Dahingeschiedenen würdigten Feldrabbiner Dr. Frankfurter, Dr. Friedrich Welt und Herr Arnold Schleisser; die kantoralen Funktionen versah Herr erster Kantor Mathias. * Bor dem Kein de gefallen. Herr Dr. Felix Seligmann, Oberarzt d. R. im Infanterieregiment Nr. 52, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes am Bande der Tapferkeitsmedaille, ist am 21. November auf dem südlichen Kriegsschauplätze gefallen. In der Silvesternacht ist auf dem nördlichen Kriegsschauplatz der Ingenieur Paul Heller, Leutnant des 17. Infanterieregiments, bei einem Sturmangriff, an der Spitze feiner Kompagnie vordringend, gefallen. Leutnant Heller hatte erst wenige Tage vorher wegen fernes in fünf Schlachten und 21 Gefechten bewährten besonderen tapferen Verhaltens das Stenum 1; ulis erhalten. Leutnant Heller war in feinem bürgerlichen Berufe Chemiker uifb berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Aetdeulod des Ar. Alexander Kreund. Der Budapester Journalistenverein gibt tiefergriffen Nachricht vom Tode feines hervorragenden jungen Mitgliedes Dr. Alexander Freund, Kadettfeldwebels, Mitarbeiters des „Neuen Pester Journals", der am 26. Dezember 1914 einer Krankheit, die er sich auf dem südlichen Kriegsschauplätze zugezogen hatte, im Rumaer Kriegslazarett im Mer von dreiundzwanzig Jahren erlegen ist. Unser junger Berufsgenofse, der, dem Rufe des Königs folgend, die Feder mit dem Schwerte vertauschte, hat tapfer kämpfend seine Pflicht für das Vaterland erfüllt und fein Leben für dieses geopfert. Wir werden sein Angedenken gleich dem Angedenken unserer übrigen Helden mit Pietät und Verehrung bewahren. Nikolsburg. Das Bürgermeisteramt Nikolsburg meldet uns: „Auf dem nördlichen Kriegsschauplätze haben nachstehende Söhne unserer Gemeinde den Heldentod für Kaiser und Vaterland gefunden: Einj.-Freiw. Richard Mährischl, Kadettaspirant im 39. Infanterieregiment, Sohn weiland Herrn Karl Mährischl, Obmannstellvertreters der „Chewra-Kädischa"., Richard Mährischl gehörte zu unseren besten Söhnen, war Gründer und Turnwart des hiesigen jüdischen Turnvereines und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Er fiel in den Kämpfen bei Czenstochau und wurde von der dortigen Kultusgemeinde bestattet. Emil Spitzer, Jäger im 17. Jägerbataillon, Sohn des hiesigen Produktenhändlers Herrn Sigmund Spitzer s. A." Lch'ma. Ein Abonnent unseres Blattes schreibt uns: Löbliche Redaktion! 'Bezugnehmend auf Ihren Bericht „Der Sch'maruf im Feuer" in Nr. 3 Ihres gesch. Blattes will ich ergänzen, daß die in Oderberg arrgekommenen tschechischen Soldaten, die nicht sehr judenfreundlich! gesinnt sind, selbst erzählt haben, daß die jüdischen Soldaten bei Sturmangriff oder im Kugelfcuer Sch'ma rufen und die Kugeln scheinen sie zu meiden und sie versuchen die gleichen Worte nachzusprechen, und da sie es nicht recht verstehen, so hört man das Wort mit tschechischem Klang rufen: Ctz'ma. Hochachtungsvoll S. Aus der Gefangenschaft entkommen. Der Landsturmmann Abraham Grummet geriet mit einem feiner Kameraden vor der Räumung von Radautz durch unsere Truppen infolge verspäteten Einrückens vom Dienste in die Gefangenschaft einer russischen Patrouille. Eine Eskorte von zwei Mann führte die Gefangenen dem Wachkommandanten eines kleinen Dorfes vor Radautz vor, der sie über Stärke unserer Truppen und über andere militärische Dinge befragte. Sie benützten einen günstigen Moment, erschlugen den Kommandanten und die bestürzt dastehende Eskorte und eilten aus dem Hause. Zwei Pferde, die vor dem Wachthause standen, wurden rasch bestiegen und im Galopp davongejagt. Die wackeren Kumpane kamen auf schaumbedeckten Pferden wohlbehalten zu ihrem Truppenkörper nach Radautz und meldeten dort ihrem Vorgesetzten, was sie getan. Aus Mttvyork. Die Juden der Ostseite von Newyork wollen ein internationales Waisenhaus gründen, in welches die durch den europäischen Krieg verwaisten Kinder ausgenommen werden sollen. Das Gründungskomitee, an dkjsen Spitze Jsaae Stanislaw steht, will 209.000 Dollar als Gründungsfonds aufbringen. Das Waisenhaus soll so geräumig sein, daß es 1000 Kinder aufnehmen kann. Das neue amerikanische Repräsentantenhaus, das am 4. März 1915 eröffnet werden wird, zählt sechs jüdische Mitglieder, nämlich: Jakob A. Cantor, Meyer London und Jsaae Siegel aus Newyork, Jsaae Bacharach. aus New-Jersey, Harry R o s e n h a u p t aus Washington und Julius Kahn aus San Francisco. Japan und die Juden. Ein Deutschamerikaner schreibt der „Tägl. Rundschau": Herr Jakob Schiff,, der berühmte Bankier und jüdische Philanthrop Newyorks, hat der „American- Japan Society", einer Gesellschaft, deren Zweck es ist, freundschaftliche Beziehungen zwischen Amerika und Japan herzustellen, mitgeteilt, daß er sich gezwungen fühle, sich von dieser Gesellschaft zurückzuziehen und daß er auch zu gleicher Zeit den Namen des Herrn Oskar Strauß von der Mitgliederliste gestrichen haben wolle. Er sagt unter anderem: „Wir zwei Juden können nicht Freunde eines Volkes sein, das sich den größten Feinden unseres Volkes angeschlossen hat. Meine Bank hat Japan während des Krieges mit unserem Feinde und Schänder Rußland mehr als 100 Millionen Dollar vorgeschossen, und durch unsere Bemühungen hat Japan den Krieg von hier aus finanzieren können. Aber Japan ist zu dem Feinde unseres Volkes übergegangen, und wir wollen keine weitere Beziehungen mit chm hegen."

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