Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 4 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 59 welche Fortschritte hat seither die Kultur der Menschheit aus ihrem Gewinstkonto zu verzeichnen und wie weit entfernt erweisen sich die Konnationalen dieses Gelehrten mitsamt ihren vielfarbigen Bundesgenossen aus aller Herren Ländern von diesen einfachen Grundsätzen der Menschlichkeit. Wie tief gesunken zeigt sich der Genius der Humanität in den Repressalien dieser Kriegszeit, die Unschuldige interniert, martert,quält, peinigt, ohne Unterschied von Mann und Weib, von Kind und Greis, von Kranken und von Krüppeln! Woher das wohl kommen mag!? Gewiß, es ist nicht eine urplötzliche Erscheinung, ist doch der unmittelbar 'vorhergegangene zweijährige Balkankrieg ein Muster und Vorbild an Grausamkeiten gewesen — aber man sagte sich da noch immer, diese können nur in einem Balkankriege Vorkommen; da dort Natiönchen sich bekämpfen, die noch tief in der Unkultur stecken, wo Komitatschis den Ton angeben und die Armeen der Balkanvölkchen nicht viel bester als Räuberbanden sind. Im Innern aber sagte sich stolz jeder Europäer, in einem Kriege der Großmächte untereinander wird selbst im hitzigsten Kampfe die Menschlichkeit, ihr Kulturschatz, ihre Bildung, nicht versagen; höchstens daß 'man sich den Russen als Kulturschänder im Kriege vorstellen konnte. Aber Frankreich, England, das kulturvollgesogene Belgien, die werden Unschuldige verjagen, schänden, bespucken, das stellte man sich nicht vor — und dennoch!? Das' kommt daher, weil die Grundlage des Krieges eine solch schreckliche, unglaubliche, auf humanem Standpunkt kaum zu fassende ist. Unsere Feinde haben sich eines Meuchelmörders angenommen; aus einem Morde ist der Weltkrieg herausgewachsen; diese Giftquelle dürfen wir nie außer acht lassen; die mit Mord wirtschaftende Politik, die in Serbien seit Aufrichtung der neuen Dynastie zum politischen Gewerbe geworden ist, sollte ihrer Strafe zugeführt werden; unsere Feinde sind die Beschützer eines Mordgesellen unter den Völkern, das steht beispiellos in der Weltgeschichte da, bei solcher Basis der Kriegserklärungen gegen uns, da fehlt jedes humane Motiv, und so ist auch ihre Kriegführung inhuman, bestialisch, mit allen vorhergegangenen Kriegen unvergleichbar. Die Parteinahme für das in Meuchelmord ausgewachsene Serbien paßt wohl für seinen Parteigänger Rußland, welches von der Geschichte als ein von Meuchelmord gemilderter Absolutismus gekennzeichnet ist; die Westmächte haben sich in ihrer Verblendung, gemischt aus Rachsucht, der „Revanche", und Feindschaft aus Brotneid, angeschlossen, und so sind sie von ihrer einstigen Höhe in die Tiefe der Verächtlichkeit herabgesunken, über welche die Weltgeschichte ihr unbestechliches Weltgericht wird ergehen lassen. Dem schuldigen Usurpator der blutgetränkten serbischen Krone mag es zu Mute sein, wie es Angus im Drama „Macbeth" so grausig charakterisiert: „Jetzt empfindet er geheimen Mord, an seinen Händen klebend; jetzt straft Empörung stündlich seinen Treubruch. Die er befehligt, handeln auf Befehl, aus Liebe nicht. Jetzt fühlt er seine Würde, zu weit und lose wie des Riesen Rock hängt um den diebischen Zwerg." vom Aabrmarkl des Lebens. Auszeichnung eines gefabenen Stabsoffiziers. Seine Majestät der Kaiser hat dem vor dem Feinde gefallenen Oberstleutnant d. R. Adolf Fleischer, Kommandant des 52. Landst.-Terr.-Bataillons, in Anerkennung tapferen Verhaltens den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Oberstleutnant Fleischer, der einer angesehenen jüdischen Familie in Prag angehört, harte sich zu Beginn des Krieges freiwillig zum Frontdienst gemeldet und ist leider in den ersten Dezembertagen am südlichen Kriegsschauplätze an der Spitze seines Bataillons gefallen. Sonstige Dekorierungen. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde dem Stabsarzt Felix Hahn, Kommandant der Jnf.-Div.- Sanitätsanstalt Nr. 43; ferner anbefohlen, daß die kaiserliche belobende Anerkennung ausgesprochen werde (Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes) den Leutnants und Freiwilligen-Motorfahrern Walter Goldschmied und Richard L ö w i t; den Leutnants Jakob Baumgartner, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 22; Robert Altmann, Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 8, und Artur Schön, Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 31; dem Oberarzt d. R. Dr. Maximilian Weiß, Jnf.-Reg. Nr. 69. Silberne Tapferkeitsmedaille er st er Klasse: Assistenzarzt-Stellvertreter Doktor Chaim Wasserberger, Jnf.-Reg. Nr. 13; Kadett Hermann (Steiner, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 21; Korporal Leo Rosen Hain, Jnf.-Reg. Nr. 67; Reservefähnrich Dr. Heinrich Kaßner, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 25; Zugsführer Ehaim Bergmann, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 35; Korporal Juda Leib Schreier, Korporal Moses Rosner, Kadettaspirant Samuel Reißler und Zugsführer Jsak Schüler, alle vier beim Landw.-Jnf.- Reg. Nr. 22 (Czernowitz); Kadett d. R. Siegfried Graubart, 4. Tiroler Jäger-Regiment; Ersatzreservist Jakob Thron, Infanterieregiment Nr. 30; Fähnrich im 13. Feldjägerbataillon Rudolf L ö w, Sohn des Herrn I. Löw, Religionslehrers und Amtsleiters der Kultusgemeinde des 21. Bezirkes, Wien. Silber-ne Tapferkeitsmedaille zweiter K lasse: Gefreiter Ludwig Weiß, Jnf.-Reg. Nr. 67; Zugsführer Samuel Krauß, Ulanen-Reg. Nr. 5; Korporal Simon Feldmann, reit. Art.-Div. Nr. 5; Zugsführer Josef Goldberg, Landw.-Haubitzen-Div. Nr. 13; Infanterist Siegfried Berl, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 32; Gefreiter Abraham Wachs und Infanterist Moses Storper, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 36; Zugsführer Elias Kriegs mann, Landw.-Feldkanonen-Div. Nr. 43; Tit.- Feldwebel Edmund Byk, Div.-Telephon-Abt. Nr. 43; Kadett Siegmund Vogel, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 22; Gefreiter Richard Schwarz, Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 21. Korporal Arnold Siegelmann, Landw.-Jnf.-R^g. Nr. 32, erhielt wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde die silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse. Arnold Siegel mann ist ein Wiener Kind. Belobende Anerkennung des Armeekommandos: Feldwebel Samuel Filo, Feldwebel Jakob Freund, Feldwebel Wilhelm Ster n. Beförderungen im Klaalsöahndienffe. Der Titel eines Oberstaatsbahnrates wurde verliehen dem Staatsbahnrat Isidor Grüder, der Titel eines Staatsbahnrates dem Oberkommissär Sigmund Pfau (Staatsbahndirektion Lemberg). Auszeichnung Dr. Machrachs. Der Assistent des Professors Dr. O. Z u ck e r k a n d l, Dr. Robert Bachrach, der als-Regimentsarzt im Felde steht, wurde durch die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.