Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 3 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 54 Die Bibel hat diesen Namen an die Spitze einer Vorlesung gestellt und iyn so für alle Ewigkeit: wie die Zntunsl oes Mischen Gemeinoelebens voraynend, gezeichnet. Wehe der Gemeinde, in der \idy auch nur eine solche Person findet, sie ist für die,elve ein Schrecken ohne Ende, wenn ihr die Vorsehung nicht selbst ein Ende mrt Schrecken bereitet. Dre Korachgeschichte erscheint nämlich noch rätselhafter, als die der zehn Kunofryasrer. Daß sich, eine ganze reoelnsche Welt plötzlich erheben konnte gegen euren Gortes? mann, der ' altein mehr als eine ganze Morsche Welt repräsentierte; gegen einen Jsch Eloyun — wie Moses, der seurem Volre Netter, Erlöser, Wohl- und Wundertäter war!? Der Midrasch erklärt das Rätsel durch folgendes aufreizende, aufrührerische Bild. Äorach hatte eine Anrede an das Volk gehalten, in der er demselben erzählte: In meiner Nachbarschaft wohnt eine Witwe mit ihren zwei jungen Töchtern; sie hatte ein Feld, von dessen Erträgnis, en sie sich ernähren konnte. Zur Ackerszeit kam Moses zu chr und sprach: Die Thora verbietet, Ochs und Esel zusammen vor dem Pflug zu spannen; zur Zeit der Aussaat sprach Moses: Die Thora verbietet, zweierlei Saaten zusammen auszusäen. Endlich kam die Schnittzeit, da hieß es wieder: Du mußt zurücklassen das Eckstück des Feldes, ferner alle Aehren, die beim Einsammeln liegen geolieben« sind. Die Frucht wird in die Tenne gebracht, da verlangte man die Abgaben, die Hebe, den ersten und zweiten Zehenten. Der vielen Quälereien müde, verkaufte die Witwe das Feld und kaufte sich, von dem Erlöse zwei Schafe, die ihr kümmerliche Nahrung bringen sollten. Die Schafe warfen Junge. Nun stellte sich Moses wieder mir neuen Ansprüchen ein. Das Erstgeborene gehört dem Priester. Zur Schurzeit kam er und sprach/ die erste Wolle gehört nicht dir. Ich kann diese ewigen Verfolgungen nicht länger aushalten, sprach die Wrtwe. Sie schlachtete das übriggebliebene eiirzige Schaf. Zu ihrem Schrecken stand wieder Moses da und verlangte für den Priester Schulter, Kniestück und Magen, als die demselben zukommenden Gaben. Die Frau verlor ihre Fassung. Nach der Schlachtung des Schafes habe ich auch noch keine Ruhe, rief sie verzweifelt aus. Ich will gar nichts davon Haben. Es sei verbanntes Gut! Dann gehört erst recht alles dem Priester, wurde ihr nun zugerufen. Die Witwe und chre Töchter brachen in Wehklagen aus, sie hatten nun üou ihrer Habe gar nichts mehr! So machen es, schloß Korach seine Rede, eure Häupter Moses und Aron, und alles, was sie tun, geschieht für ihren eigenen Vorteil! So machte einst eine geschickte Zunge ein ganzes Volk rebellisch. Heutzutage sind die Zungen tausendfach vervielfältigt, durch die Presse, den Buchdruck, die öffentliche Tribüne. Wenn da tagtäglich dasselbe böse politische Lied angestimmt wird, ist es da zu verwundern, wenn ganze Länderreihen mit Blindheit geschlagen werden können, wenn es einzelnen Aufwieglern, wie es ein Greh in England, ein Jswolsky in Rußland und ein Aufwieglerpaar wie Poincare und D e l c a s s e in Frankreich sind, gelingt, daß sie solch verschieden, geartete Staaten mit in die Augen springenden gegensätzlichen, phänomenal kontradiktorischen Interessen in ein Joch zusammenspannen können!? Es sind die Korachiden der Menschheit, die über die Welt das Unheil brachten, und sie werden in den Schlund der Erde versinken, die sie mutwillig uud verbrecherisch aufgerissen haben mit der künstlich entfesselten ungesunden Volksstimmung ihrer irregeleiteten Staaten! Nr. 3 Atermtur. Judith von Bethulien. Am 7. d. M. wurde im Opernkino einem geladenen Publikum unter vorstehenden! Titel ein Film. vorgeführt, der durch glänzende Regie, durch Pracht der Ausführung, durch archäologische Treue der Einzelheiten und technische Vollendung die durch den Gegenstand an sich gegebene fesselnde Kraft und spannende Wirkung aufs Höchste steigert. In. Miß Daphne Wahn c findet die Titelrolle die berufenste Darstellerin. Den .Gedanken, Themen der israelitischen Geschichte im Kino dem Geist und Herzen, vor allem der Schuljugend, näherzubringen, sind solche Darstellungen zu empfehlen geeignet. Auch dem historisch Interessierten wird eine wertvolle Anschauung geboten. G. Im k. k. Schnlbücherverlng, Wien, I., Schwarzenbergßraße 5, sind soeben erschienen: Deutsche und fremde Märchen, Ausgewühlt, zum Teil bearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Klothilde und Adolf Hauffen. Mit Federzeichnungen und bunten Bildern von Otty Schne der. Das. Ziel, das den Herausgebern vor Angen schwebte, aus der immer mächtiger anschwellendenLiteratur nationaler Märchensammlungen einiges zu biercn, was eine Bereicherung der weitverbreiteten Grimmschen und Bechstein'schen Märchenschätze für unsere Kinder bilden könne, ist vollauf erreicht. Die Auswahl wie der Ton sind gut getroffen, die Ausstattung durchaus geschmackvoll. Die Hausschlange" (Nr. 27) ließe sich vielleicht durch ein anderes, dem kindlichen Gemüt entsprechenderes S ück ersetzen. Anklänge an unsere jüdischen Märchen finden sich z. B. in Nr. 10 („Das goldene Schwalbennest ). Schulrat Rudolf Fiedler, Deutsches Lesebuch für österreichische Werkm.'isterschulen und einzelne Fachschulen. Mil 2 Farbendruck- und J15 Textbildern, geb. K 4.70. Man kommt beim Durchblätlern dieses prächtigen Bandes nicht aus dem Staunen heraus. Also so sieht heutzutage ein Schnllescbuch aus! Man weiß nicht, was man zuerst daran rühmen soll. Die erste Abteilung: „Naturerzeugnisse und ihre Verwendung, Länderkunde" enthält Aufsätze, die in dieser sinnigen, übersichtlichen Zusammenstellung selbst Längstbekannles mit neuer Anziehungskraft auf uns wirken lassen. Schon' hier, wie allen späteren Abteilungen, treten zwei Gesichtspunkte wohltuend hervor: sowohl besondere Berücksichtigung des Heimailichen im Stoff wie in der Wahl des Verfassers, als auch Heranziehung des allerneuesten Schriftrums. Daß diese noch kräftiger in den folgenden Kapiteln (II. Mythe, Geschichte nsw. III. Volkswirtschaft, IV. Erfindungen, V. Verkehrsmittel und Verkehrswege) betont werden, gibt schon der Gegenstand an die Hand. In der Abteilung V. „Für Herz und Geist", freuen wir uns, auch einem Julius Moser, Berthold Auerbach und Hugo Salus zu begegnen. Die Ausstattung des Buches ist, wie schon einleitend bemerkt, prachtvoll. Leideusschule, Bon Dr. Paul Wilhelm von Kcppler, Bischof von Rottenburg Erstes bis sünsundzwanzigstes Tausend. S° <X. «.150 S.) Freiburg ft B. 1914, Herder'sche Berlagshandlung. Mk. 1.50; geb. in Leinwand Mk. 2.40. Ein Buch der Zeit, das, Trost spenden und im Ausharren bestärken will, das aber auch über den Krieg hinaus seiner! Wert behaupten wird. Obwohl, wie natürlich, auf katholischer Grundlage aufgebaut, bietet es allen erhebende Gedanken, einen jeden in vollendeter Form. Perles F.. Der Krieg und die polnischen Inden in ihrem Verhältnis zu Deutschland. Königsberg i. Pr. 1914. Gräfe und Unzer. Mk. 0.50: Der Verfasser will in der Voraussicht einer Einverleibung russisch-polnischer Gebietsteile m das Deutsche Reich in deutsche» Kreisen e'n besseres Verständnis für die Eigenart der polnischen Inden anbahnen. _ Das neue Europa, herausgegebrn von Dr. Paul Cohn und Alfred Weiß. Monatsschrift. Verlag Zürich, Druck und Verlagshaus. Es war zu erwarten, daß Dr. Paul Cohn (Paul von Hohenau), der rege Vermittler französischen und deutschen Geisteslebens, sich in der Kriegszeit der Pflichten seines Talentes und seiner Verbindungen bewußt, seine Feder in den Dienst des Vaterlandes stellen werde. Sein Blatt gibt Oesterreichern und Neutralen Gelegenheit, ausklärend im Sinne unserer Macht zu wirken und die Entente über uns aufzuklären, so wie uns über den Gegner. Dieser Tendenz folgen die wisfenschaftlichen Artikel der Schweizer und Wiener in den zwei ersten Nummern. Die zweite enthält außerdem eine reizende Kriegsnovelle ,,S o n j a" des Herausgebers, in der Hohenau sehr lebendig die Rettung eines österreichischen gefangenen Offiziers durch ein russisches Erafentöchterlein schildert. Möge unseren Helden in Feindesland oft ein so freundliches Schicksal beschieden sein. C. B e n e d i k t. Dr. Bloch's Wochenschrift ix?:jg.sssssrj3iEss: