Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 3 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 49 da die südmährischen Asylorte Nikolsburg, Pohrlitz, Gaya usw. schon überfüllt waren. Für Brünn, dessen Kultusgemeindevorstand die genannten Asyle bereits anerkennenswert bedacht hatte, ergab sich nun ein höchst schwieriges Werk, dessen Gelingen in erster Reihe dem erst seit wenigen Jahren und unter großen Schwierigkeiten, aber unermüdlich und segensreichst wirkenden Bethaus¬ und Schulverein „Machsike hadas", bezw. dessen Leitern zu danken ist. Bon Anbeginn stellten sich die maßgebenden Männer dieses überaus rührigen Vereines kraftvoll und zielbewußt in den fast übermenschlich anstrengenden Dienst zum Schutze und zur Stütze unserer so hart Heimgesuchteil Brüder und Schwestern aus dem österreichischen Osten. Die Zahl und die Not der Flüchtlinge stieg immer bedenklicher, aber nicht hoffnungslos; das jüdische Herz versagte auch in Brünn nicht! Diese Zeilen sollen sich nur in ganz kurzen Zügen mit den Leistungen des „Machsike hadas"-Hilfsausschusses befassen, außer welchem noch andere Hilfsstellen die rege Liebestätigkeit der Brünner Judenschaft bekunden. Sogleich zu Anfang des großen Flüchtlingszuzuges führte das genannte Hilfskomitee einen Tag- und Nachtempfangsdienst im Bahnhofe ein; die Ankömmlinge wurden empfangen, beraten, in die Stadt gebracht und mit Wohnungen versorgt; auch bei der Labung der bloß durchfahrenden Flüchtlinge, deren es etwa 20.000 gab. wurde kräftigst mitgewirkt. Nebst einer Beratungsstelle im Vereinslokal, Adlergasse 12, wurde ein großes Bethaus-Flüchtlingsheim mit eigener Kanzlei eingerichtet, das nun noch bedeutend vergrößert wird und im Fabrikshauptviertel, Zeile 25, nahe dem Stadtkern untergebracht ist. In diesen Räumlichkeiten wurde soeben auch eine Talmud-Thora-Schule in fünf Klassen und mit 400 Schülern eröffnet. Die,über auch zuini Teil außerhebräischen Unterricht erhalten sollen; desgleichen wurde jetzt ein ärztliches Ambulatorium für die Flüchtlinge ins Werk gesetzt wie auch die von einem eigenen Komitee am 28. v. M. dem Betrieb übergebene jüdische Volksküche von dem Hilfsausschuß des Vereines „Machsike hadas" angeregt und in die Wege geleitet wurde. Unter den Bedürftigen gelangten viele hundert Strohsäcke, Decken. Matratzen, Polster und allernötigste Einrichtungsstücke zur Verteilung. 5000—6000 Personen wurden mir Wäsche, Schuhen und Kleidern versehen, tagtäglich wurden 500—600 Flüchtlinge in Fabriken und in einem eigenen Nachtasyl beherbergt und auch verköstigt. Ueber tausend Arbeitern und Arbeiterinnen konnte in Fabriken und bei Gewerbetreibenden Arbeit verschafft werden, an Heimarbeiterinnen wurden fünfzig Nähmaschinen überlassen. Gesorgt wurde ferner für die Errichtung koscherer Fleischbänke, Auskochereien und Milchhallen. Aber noch ein sehr bedeutendes Verdienst erwarb sich der rastlose Hilfsausschuß des Vereines „Machsike hadas". dessen treibende Kraft im jüdischen Brünn so allbekannt ist, daß sich die Nennung des Namens erübrigt. Die in der vorigen Woche vom Ministerium des Innern auch den in Brünn zu einem provisorischen und relativ sehr guten Heim gelangten Flüchtlingen endlich nun bewilligte Siaatsunterstützung von 70 Hellern pro Person und Tag darf ohne weiteres der regen Fürsprache und warmen Fürsorge des genannten Ausschusses zugeschrieben werden, dem hiebei der Reichsratsabgeordnete Herr Heinrich Reitzes große Dienste leistete, wie auch Herr Sektionsrat Baron M a r q u e t nebst andern höheren Beamten sowie der Brünner Bürgermeister Herr Doktor August Ritter von Wieser große Anerkennung verdienen. Mögen die Flüchtlinge bald wieder glücklich heimkehren körinen. Sie haben das jüdische Herz auch in Brünn reichlich kennen gekernt. L- S. Chanukafeier für russische Kriegsgefangene. Okmütz. Da nach einer kriegsministeriellen Verordnung um die Weihnachtszeit auch für die Gefangener: Gottesdienste stattfinden sollten, wurde für die im Detachement für Hufeisenerzeugung des Ersatzdepots der Traindivision Nr. 1 in Hrzepschein arbeitenden gefangenen russischen Juden in der Direktionskanzlei daselbst am Sabbat (Chanuka) ein feierlicher Gottesdienst vom Feldrabbiner Dr. G. Sicher veranstaltet. Der Russe Koppel Lerner aus Chotyen (Bessarabien) fungierte in ergreifender Weise als Vorbeter. Der Feldrabbiner deutete in seiner Ansprache das Sidrawort von Efraim: „Gott machte mich zahlreich im Lande meines Elends" auf Rußland und das von Menasche: „Gott ließ mich vergessen all mein Elend" auf das Leben der jüdischen Russen in österreichischer Gefangenschaft. Anwesend waren Herr Oberleutnant Katz, Leutnant Reis und einige Offiziersdamen. — Besonderer Dank gebührt dem Kommandanten des hiesigen Landwehrspitals Herrn Oberstabsarzt Dr. Sab ata, welcher aus eigener Initiative es unseren Glaubensgenossen ermöglichte, in der ihm unterstehenden Anstalt rituell zu kochen und im gemeinsamen Zimmer mit dem Feldrabbiner Minjan gözuhalten. — Höchstes Lob gebührt vor allem den: imponierend ausgestatteten „Roten Kreuz" in Olmütz, an dessen Spitze auch rühmlichst bekannte Wohltäterinnen — die beiden Damen von May — stehen, und dessen reiche Vorräte an Wäsche, Zigaretten, Wein, Schokolade usw. für alle kranken Soldaten eine nicht genug anzuerkennende Wohltat bedeuten. Auch den Damen Frau Oberbezirksarzt Dr. Lewith und Frau Bankdirektor kais. Rat Kraus sei für ihre Labemittel, Geldbeiträge zur Anschaffung religiöser Gebrauchsgegenstände für die Soldaten gedankt, ebenso dem Vorstande der hiesigen Kultusgemeinde, auch dem Infanteristen Seelen freund, welche zahlreiche Gebetbücher spendeten. Anerkennung verdient auch der röm.-kath. Feldkurat Herr Ce ha k, der einem kranken jüdischen Soldaten ein schönes Gebetbuch kaufte. — Um gütige Zuwendung von Unterhaltungslektüre im Jargon und hebräischer Sprache für die militärischen Patienten aus Galizien und Rußland bittet Feldrabbiner Dr. Sicher, Okmütz, Josef v. Engelstraße Nr. 619/IIL Ehrung des Vorstehers Herr Ludwig Möser in Karlsbad. Anläßlich des 40jährigen Jubiläums seiner Amtstätigkeit ist dem Herrn Kultusvorsteher Ludwig Moser folgende Zuschrift zugegangen: Karlsbad, den 29. Dezember 1914. Wohlgeboren Herrn Ludwig Moser, Vorsteher der israel. Kultusgemeinde in Karlsbad. Der Umstand, daß sich am 25. d. M. zum vierzigstenmale der Tag geführt hat, an dem Euer Wohlgeboren zum Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde gewählt wurden, gibt mir den willkommenen Anlaß, Euer Wohlgeboren zu diesem seltenen Jubiläum herzlichst zu beglückwünschen und gleichzeitig wiederholt meinen herzlichsten Dank und vollste Anerkennung für die seltene Pflichttreue und Hingebung, mit welcher Euer Wohlgeboren das Ehrenamt eines Vorstandes erfüllen, anszusprechen. Es freut mich, gleichzeitig seststellen zu können, daß die hiesige israelitische Kultusgemeinde während der jetzigen Kriegszeit durch ihre zielbewußte, selbstlose Tätigkeit sich den ernsten Verhältnissen vollkommen gewachsen zeigt, wofür ich der geehrten Kultusgemeinde hiemit meine besondere Anerkennung auszusprechen mir erlaube. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung ergebenster E. Ritter v. Jordan, kk. Statthaltereirat.