Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 3 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 50 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 3 - Ferner ging 'demselben das nachstehende Telegramm zu: Kultusvorsteher Ludwig M o s e r, Karlsbad. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde sendet dem um die Kultusgemeinde Karlsbad hochverdienten Vorsteher Ludwig Moser anläßlich des vierzigjährigen Amtsjubiläums die herzlichsten Glückwünsche. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, -Sekretär Dr. Emil Adler. Weiters ging ein Schreiben der israelitischen Beerdigungsbrüderschast Chewra-Kadischa in Wien ein, das folgenden Wortlaut hat: Wien, am 30. Dezember 1914. Euer Hochwohlgeboren! Der Vorstand der Wiener Chewra-Kadischa hat erst heute von Ihrem vierzigjährigen Jubiläum als Kultusvorsteher Kenntnis erhalten. .. Der Unterzeichnete Vorstand beglückwünscht Sie zu Ihrer segensreichen Tätigkeit für das Ansehen und Gedeihen Ihrer musterhaft verwalteten Gemeinde und g'bt dem herzlichen Wunsche Ausdruck, daß es Ihnen, hochgeehrter Herr, gegönnt sein möge, in noch vielen Jahren des Friedens in ungebrochener Kraft zum Wohle Ihrer Gemeinde zu wirken. Mit vorzüglicher Hochachtung Salo Cohn, Präsident. Jacob Rau, S. Simon, Schriftführer. Kassaführer. Hochwohlgeboren Herrn Ludwig Ai o f e r, Vorsteher der israel/ Kultusgemeinde t Karlsbad. Vermischtes. Patriotisches Konzert. Das Reinerträgnis des von Herrn Oberkanror Fuchs veranstalteten patriotischen Konzertes am 17. Dezember im Betrage von 6055 Kronen wurde zur Hälfte für die Gesellschaft vom Roten Kreuze, zur anderen Hälfte für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, zu Händen des Herrn Gemeinderates Dr. Schwarz- Hill e r abgeführt. Ernennung von Feldrabbinern. Se. Majestät der Kaiser hat die Religionsprofessoreil Rabbiner Dr. Bernhard Templer (Wien) und Rabb. Dr. Majer Tauber (Lemberg) zu Feldrabbinern in der Reserve der Landwehr ernannt. Ersterer erhielt seine Einteilung beim Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 1, letzterer beim Landw.-Jnf.-Reg. Nr. 35. Wien. (IubiIäu m.) Samstag den 9. d. M. fand im Bethause „Machsite Thora", Wiedner Hauptstraße 83, eine schöne und würdige Doppelfeier statt, und zwar begingen Herr Rabbiner O. Weiner und Herr Kantor Jos. Revesz ihren 70. Geburtstag, der letztere auch sein 50jähriges Kantorenjubiläum. Diese seltene Doppelfeier gab den zahlreichen Verehrern der beiden Jubilare Gelegenheit, ihre Sympathien für die beiden Tempelsunktionäre Ausdruck zu geben, und das Bethaus war bis auf das letzte Plätzchen von einem zahlreichen Publikum gefüllt. Den gesanglichen Teil absolvierte Herr Oberkantor S. Weisz vom Kaiser-Jubiläumsteiüpel, 5/ Bezirk, zu Ehren der Jubilare in solenner Weise. Der Obmann, Herr Philipp N u ß b a u m, hielt an die verdienten Tempelfunktionäre eine herzliche Ansprache, auf welche Herr Rabbiner Weiner in bewegten Worten dankend erwiderte und die Verdienste des Kantors R<ö v e s z' hervorhob. Am folgenden Sonntag wurden beide Jubilare von dem gesamten Vorstande durch Ueberreichung von herrlichen silbernen Pokalen ausgezeichnet. Das Konzert des k. k. Hoftnusikers Prof. Josef Sulzer. Es war eine des genialen Meisters würdige Idee, sein diesjähriges Konzert unter das Zeichen des türkischen Roten Halbmondes zu stellen, wiewohl es strittig ist, ob die illustre Gesellschaft, die am 5. d. M. den großen Musikvereinssaal bis auf das letzte Plätzchen füllte, mehr oder weniger dem ausgezeichneten Meistercellisten und Konzertgeber oder dem so sympathischen wohltätigen Zwecke galt. Jedenfalls aber wirkten beide Umstände zusammen zu einem äußerst genuß- und kunstreichen Konzertabend. Eingeleilet wurde das Konzert mit einem türkischen Marsch von Bittner-Waldmüller, den das Tonkünstlerorchester unter der Führung des Kapellmeisters N i l i u s sehr gut spielte. Dann folgte die Volkshymne und das „Heil Dir im Siegerkranz". Prof. Sulz er, der Veranstalter der Akademie, wurde in dreifacher künstlerischer Eigenschaft gefeiert: als Komponist, als Dirigent und dort, wo er dem Publikum am vertrautesten ist: an seinem Cello, dessen Meister er ist. Man kennt sein kleines „Thüringer Volkslied", das voll reizvoller Sentimentalität steckt. Die obligate Harsenpartie hatte Fräulein Steffi G o l d n e r inne. Ihm folgte „Watan", ein türkisches Volkslied, nach einem Tert von Achmed Svadeddin, mit Orchester, in dem Sulzer abermals bewies, daß er dem Geist der Ottomanen nicht erst seit unserer Kriegsbrüderschaft nahesteht. Aber auch die türkische Komposition eines echten Türken bekam man zu hören: eine Hymne von Tewfik-Bei-Daroud. Sie ist von unverfälscht orientalischem Wesen getragen und steckt voll origineller Harmonien. In einem groß angelegten Psalm für Solo, Chor und Orchester, den der Vater des Meistercellisten Ustb Konzertgebers anläßlich der Thronbesteigung unseres Kaisers komponiert hatte, fiel namentlich die schöne Behandlung des Chors auf. Die in unseren Konzertsälen ungewohnten Knabenstimmen sprachen sympathisch an. Machtvoll klangen die von Damenstimmen verstärkten Gesänge der vereinigten Chöre des Stadt- und Leopoldstädler Tempels. Alexander N o s a l e w i c z von der Volksoper sang das breit angelegte Solo und ließ sich im weiteren Verlause des Abends noch mit Liedern von Hugo Wolf und Richard Strauß hören, die sehr gefielen. Getrude F o e r st l hat wieder einmal ihre meisterhafte Technik bewiesen. Ihr überlegenes Virtuosentum glänzte in Richard Strauß und Pfitzner und in „Solreigs Lied" gab sie ihr bestes Könnest, Gewaltiger Applaus lohnte ihr. Geradezu wild umjubelt wurde Meister Prof. Grünfeld, der unvergleichliche Lyriker am Klavier. Unendlich weich und schmeichelnd, förmlich liebkosend glitten seine Rhythmen in den Saal, erst in Schubert, dann im Grieg, bis sein entfesseltes Temperament unter den heißen Zimbalklängen seiner schönen Rhapsodie hinstürmte. Das begeisterte Publikum jubelte den Künstler immer wieder aufs Podium und zwang ihm immer neue Zugaben ab. Das letzte Wort sprach wieder das weiche Cello Sulzers mit seinem schönen vollen Ton. Er spielte Haydn, Schumann und den Vito von David Popper. Konzertmeister Rudolf N i l i u s führte das Orchester. Das Konzert war vorzüglich besucht. Es hat die Leuchtkraft des Roten Halbmondes sicherlich noch erhöht und sein Symbol bei uns womöglich noch populärer gemacht. Man bemerkte in einer Loge den Khedive von'Aegypt e n, in einer anderen den Protektor des Konzertes den kaiserl. oltomanischen Botschafter Hussein Hilmi Pascha, dann den türkischen Militärattache Major Hayasi-Bei, und die Botschaftssekretäre Fuad-Bei, Tewfik-Bei und E s s a d - B e i, ferner Gras Hans Wilczek, Exzellenz Feldmarschalleutnant L ö b I und Frau, Gräfin Auersperg, Baron Tallinn, Baron Dirsztay, Baron Sigismund Springer-Rothschild, Baron Gustav Springer, Major P a t t n e r, Konsul S1 i a h n y, Herr von S z e m e r e, von Baltazzi, Mathilde von Gutmann und Familie, M'Hardy die Banez, die Direktoren Kuranda, Broch, Schreyer, Baron L i e b i g, die kaiserl. Räte Arnold R o s e n t h a l, Kommerzialrat W e tz l e r, Dr. von Hohenlangen, Ministerialrat Camillo Ku.randa, die türkischen Familien A d u t t, R u s s o, Hassan, Elias u. v. a. Erzherzog Leopold Salvator hat dem Konzertgeber Prof. Sulzer seine Verhinderung im Konzerte zu erscheinen telegraphisch angezeigt. Wien. Am 26. v. M., nachmittags, veranstaltete der „Oktavabund", eine geschlossene Gesellschaft, unter der Leitung des Herrn Leo Heller in den Lokalitäten des Cafe Prückel ein Fest, welches mit einer Begrüßungsrede von Richard H e y e k eröffnet wurde. Um das übrige Programm machten sich besonders verdient die Damen Grete Berger, Bini Friedmann, Annie Wimmer und die Herren Berger, Gerlei (Klavier), K o k e s (ernste Gedichte, Violine), Leo Reumann (Humor. Vorträge) und Komiker Gustav Reumann. Ein flotter Schwank „Binnen 24 Stunden" von Leo Reumann beendete die äußerst gelungene Veranstaltung, durch welche die gesamte Einnahme von 116 Kr. dem hum. Verein der gallischen Flüchtlinge zufloß. ''