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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-15 · 3 (15.1.1915) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
3 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift Linderung der wirtschaftlichen Notlage" ins Leben gerufen, das, in mehreren Untergruppen mit Sonderausgaben zerfallend, sich als wichtigstes Ziel fetzte, an die Armen Speisen und Getränke zu billigem Preise, teil weise sogar ganz kostenlos zu verabreichen oder ihnen auch kleine Beträge in bar als Darlehen zur Verfügung zu stellen. Einen dankenswerten Schritt unternah in ferner die Jaffaer Handwerkerzentrale, die für ihre Mitglieder in weitgehendem Maße das Kreditwesen durchsührte und damit zur Aufrechterhaltung zahlreicher Betriebe ein gut Teil beitrug. Auch in den jüdischen Kolonien ist auf dem Wege der Selbsthilfe ziemlich vieles geschehen, so daß die dortige Bevölkerung, für die nächste Zukunft wenigstens, mit dem Nötigsten versorgt zu sein scheint. Sehrpraktisch fand ich hierbei das Vorgehen der Landarbeiter einiger Kolonien, die zum Zwecke einer gleichmäßigen Verteilung der Arbeitsgelegenheiten wie der Verpflegung sich zu einer Art Kommune zusammengeschlossen haben, wodurch es ihnen in der Tat gelungen ist, die traurigsten Erscheinungen der Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen wirtschaftlichen Not abzuwenden. Im übrigen dürfte es auch um die wichtigeren christlichen Niederlassungen nicht gar zu schlimm bestellt sein, die im allgemeinen gut organisiert sind und wohl in diesen schweren Zeiten ebenfalls nicht ganz ungerüstet dastehen werden. Ueber alle Maßen jammervoll ist hingegen die Lage der städtischen Bevölkerung, namentlich der jüdischen, die, wie in Jerusalem, Hebron, Sased, Liberias, zum überwiegenden Teile als kleine Handwerker oder von Unterstützungen, die aus dem Auslande kommen, ihr Dasein fristet. Arm, ohne Besitz und ohne Vermögen, auch unter normalen Verhältnissen nur von der Hand in den Mund lebend, ist sie den schwierigen Bedingungen, die der Krieg geschaffen hat, in keiner Weise gewachsen. Die Zustände sind geradezu entsetzlich und müssen, fürchte ich, unweigerlich zu einer Katastrophe führen, wenn nicht binnen kurzem zu entscheidenden Gegenmaßnahmen gegriffen wird. Nun ist allerdings etwas bereits geschehen: V o u Amerika wurden 40.000 Dollar nach Palästina ü b e r s a n d t. Auf Veranlassung Henry Morgenthaus, des Botschafters der Vereinigten Staaten in Konstantinopel, übernahm sein bei ihm gerade zu Besuch weilender Schwiegersohn, Herr Wertheim, die Ueberführung des Geldes auf einem damals im Mittelmeer kreuzenden amerikanischen Kriegsschiff. Wertheim kümmerte sich um die Angelegenhei während seiner Anwesenheit in Palästina und leitete die Verhandlungen über den zu wählenden Modus bei Gewährung der Unterstützungen. Es erwies sich, daß man gleich mit den verschiedensten Bedürfnissen beginnen müsse. Danach wurde bestimmt, einen Teil des Geldes zum Ankauf von Lebensmitteln.zu verwenden, die dann zum Selbstkostenpreis weiter abgegeben werden sollten, einen Teil ferner zur 'Anschaffung von Lebensmitteln und Speisen für wohltätige Anstalten, wo sie den gänzlich Mittellosen zugute kämen, und einen Teil schließlich zur Unterhaltung eines Darlehensfonds für private Arbeitgeber oder gemeinnützige Körperschaften, um auf diese Weise die Beschäftigung jüdischer Arbeiter zu ermöglichen. Vieles ist ohne Zweifel damit erreicht worden. Denn zum mindesten war es gelungen, die e r st e Sorgenwelle zu brechen, den ersten Verzweiflungssturm zu beschwören. Allein, was will das für die Dauer bedeuten? Was wollen auf die Dauer die 160.000 Mark besagen angesichts solch unermeßlicher Not, solch unerschöpflichen . Elends? Ich möchte den eigentlichen Wert der aus Amerika erfolgten Beistandsleistung wen mehr in der Art des Vorgehens als im Vorgeyen selbst erblicken. Mit dem eingeichlagenen Verfahren traf man den Aern des Uebels, und wenn auch dessen gänzliche Beseitigung nicht -erreicht werden konnte, ist docy für einen weferccluyeu Teil desselben Abhilfe geschaffen worden. Der Wwcschaftsmarkt in Palästina nurd ftvce ja überhaupt im Trieurausschlietzcich vom Metallgeld beherrscht. Noten kennt man dort zulande llichr uuo die Anuayme von Scheinen ist reine Vertrauenssache. Die durch den Ariegszupano bedingte Stockung in der Eoelmecattzusuhr harre nun nicht blog das fast völlige Verschwinden bes Hartgeldes vom öffentlichen Verkehr zur Folge, sondern bewirke zugleich auch noch eine außerordenUich starte Entwertung des wirtschaftlichen Kreditsystems. Gerade dem aber half Amerika dadurch, daß es bares Geld ins Land einführte, ab; und weit über den Wert des Betrages hinaus vermochte es das Wirtschaftsleben von neuem in Schwung zu bringen. In diesem Sinne müßte also auch weiterhin verfahren werden nur diesmal durchgreifend, umfassend, entscheidend. Man hätte demgemäß mit allen Mitteln danach zu trachten, genügend Gold und Silber nach Palästina zu schaffen, um die Geldkraft des Landes zu heben und damit das Rückgrat des dortigen Wirtschaftslebens in hinlänglichem Maße zu stärken. Zu diesem Zw-ecke wäre es nicht einmal nötig, daß Gold- und Silbermünzen als einziges Lösungsmittel dienten: es müßte nur mit der ausschließlichen, bisher ganz ungewollten Benutzung der Papieranweisung aufgeräumt werden. Danach würde es schon genügen, wenn sich bei der Bevölkerung die Ueberzeugung Bahn bricht, daß die Banken über einen ausreichenden Geldvorrat verfügen und diese zudem dazu angehalten werden, ihre Zahlungen zu einem weil in bar zu leisten und die ihnen präsentierten Schecks teilweise in Geld auszuwechseln. Um den eben skizzierten Plan zur Durchführung zu bringen, bedürfte es freilich einer großzügigen Aktion, an der sich alle in Betracht kommenden Streife zu beteiligen hätten. Die Bankinstitute, die im Trient interessiert sind, und die verschiedenen Organisationen, denen das Heilige Land anr Herzen liegt, müßten sich zusammentun und gemeinsanr die Ermöglichung eines Goldtransports im Umfang des geschilderten Beoürsnisses in die Wege leiten. Es bleibt natürlich die Frage, wie sich die Regierung bei ihrem Bestreben, möglichst viel Gold für eigene Zwecke zu reservieren, zu eineni solchen Vorhaben verhalten würde. Meines Erachtens kann jedoch darüber nicht der geringste Zweifel herrschen, daß sie ein derartiges Vorgehen nicht allein - gewähren, sondern ihm sogar ihre Unterstützung angedeihen lassen würde. Das zu tun, dürfte sie sich schon veranlaßt sehen im Hinblicke auf ihre allgemeinen Beziehungen zu der Türkei, mehr aber noch in Anbetracht der ganz besonderen Rolle, die Palästina in dem jetzigen Kriege zu spielen berufen zu fein scheint. Was fehlt, ist jemand, der die Initiative ergreifen und die Sache mit Erfolg durchführen möchte. Wie von selbst richten sich meine Blicke in Gedanken auf den Hilssverein der deutschen Juden. Er hat sich um die Entwicklung Palästinas die größten Verdienste erworben; es wäre ganz seiner würdig, sich nun auch dieser ehrenvollen Aufgabe zu unterziehen.

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