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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-15 · 3 (15.1.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
3 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 42 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 3. Webstoffe im Werte von 1,683 564 Frcs. Petroleum und Teer „ „ „ 1,456 299 „ Zucker „ . „ „ 1,430.773 „ Reis „ „ 1,322.705 „ Verschiedene Holzsorten „ „ „ 1,108.574 „ zusammen im Werte von 7,001.915 Frcs. Das sind überaus wichtige Bedarfsgegenstände. Da nun im ganzen für 14.569.572 Franken eingeführt worden ist, betrug also ihre Anschaffung nahezu 50 % der Gesamteinfuhr. Man sieht, in welcher Abhängigkeit sich Palästina vom Ausland befindet. Es ist eine Abhängigkeit, die sich nicht auf die Zufuhr von Nahrungsmitteln beschränkt, sondern sich gleichzeitig auf die Beschaffung von Kapitalien erstreckt, die den Erwerb der Nahrungsmittel erst möglich machen. Allein gerade dieser Geldzufluß versiegte zum großen Teil in letzter Zeit. Ich rede schon nicht von jenen Reichen, die jetzt arm, von jenen Armen, die noch ärmer geworden sind, und die dadurch sich zur Einstellung ihrer früher gewährten Unterstützungen gezwungen sahen. Selbst unter denen vielmehr, die ihren Obolus auch jetzt zu zahlen wohl in der Lage wären, gibt es nicht wenige, die in einem Anfall von Kleinmut und Verzagtheit seine Weiterentrichtung verweigern, ohne dabei zu bedenken, daß in diesen Tagen allgemeiner Unruhe und Unsicherheit ein solches Verhalten die Bevölkerung im Heiligen Lande doppelt schwer treffen muß. Es kommt hinzu, daß man zurzeit, selbst wenn man wollte, Geld nach Palästina nicht einmal überweisen könnte. Ich habe mich diesbezüglich bei hiesigen Banken, auch solchen, die im Orient dauernde Verbindungen unterhalten, wiederholt erkundigt und dabei stets zur Antwort bekommen, daß so etwas im Augenblicke ganz unausführbar sei. Die Banken Palästinas, hieß es, hätten ihren Betrieb eingestellt, wodurch sich! die Aufrechterhaltung eines geschäftlichen Verkehrs mit ihnen von selbst unmöglich mache. /Das Schlimmste ist natürlich, daß unter den erwähnten. Umständen auch die Nahrungsmittelzufuhr aufhören oder doch zum mindesten starken Abbruch erleiden mußte. Zumal ja die meisten Staaten, mit denen in normalen Zeiten das Heilige Land in Geschäftsverbindung zu stehen pflegte, schon mit dem Beginn des europäischen Krieges für die wichtigsten Bedarfsartikel ein Ausfuhrverbot erlassen und jetzt, nach Ausbruch der Feindseligkeiten mit der Türkei, überhaupt jede Handelsbeziehung zu Palästina abgebrochen haben. Was da ist, ist da; Neues dürfte kaum, jedenfalls nur wenig und sehr schwer ins Land kommen. Allein damit war dem Wucher Tür und Tor geöffnet. Denn daß die Behörden -einschreiten, zur Regelung des Lebensmittelmarktes zweckdienliche Maßnahmen ergreifen und einer Ausbeutung und Uebervorteilung der ärmeren Volksschichten durch Einführung von Höchstpreisen Vorbeugen könnten, wie dies in solchen Fällen hier zu geschehen pflegt, — auf diesen Gedanken scheint man im Reiche des Halbmonds bislang nicht überall verfallen zu sein. Und als ob das Maß des Leides noch nicht voll genug gewesen wäre, kam auch bald die Heeresmobilmachung hinzu. Schon gleich nach Ausbruch des Krieges begann in der Türkei ein eifriges Rüsten, das mit wachsender Stärke und Kraft bis zum heutigen Tage fortgesetzt wird. Als Grenzland Aegyptens bekam Palästina diese Maßnahmen besonders hart zu spüren. So wurden beispielsweise in Jerusalem, wo sonst kaum mehr als 300 Soldaten sich befinden, in letzter Zeit mindestens 25.000 Mann zum -Heeresdienst herangeholt. Der 'Sandschak Jerusalem dürste 200.000 bis 250.000 Einwohner umfassen. Zieht man die Hälfte davon, als dem weiblichen Geschlecht angehörend, sowie die gar nicht geringe Zahl der Ausländer ab, dann ergibt sich, daß vielleicht 25 bis 30 o/o aller dort lebenden Osmanen zum Militär gerufen worden sind. In einem mir kürzlich vorgelegenen Schreiben aus Jerusalem wird geschildert, in welcher Weise man hierbei zu Werke ging. „Bei der Mobilmachung," heißt es Imrm, „wird mit äußerster Strenge Verfahren, und selbst 45 jährige bleiben nicht verschont. Die Stadt wimmelt von Soldaten, und da die Militärverwaltung nicht in der Lage ist, solch starke Trnppenmassen zu beköstigen, requiriert sie alles, was sie nur auftreiben kann. Die Konsumgeschäfte sind verpflichtet worden, Lebensmittel in großen Mengen zu liefern; bei zwei Mehlhändlern, von denen einer sogar ein Ausländer ist, wurden 100 Sack Mehl mit Beschlag belegt. Aller Einspruch des Ausländers half nichts. Ueberhaupt wird seitens der Regierung zwischen Osmanen und Angehörigen anderer Staaten, die sich sonst großer Schonung zu erfreuen Pflegten, jetzt wenig Unterschied gemacht; sie. geht rücksichtslos vor, wo sie glaubt, für ihre Sache Nutzen zu ziehen. Natürlich ist jetzt alles fürchterlich teuer, und Man muß noch froh sein, daß man etwas bekommt. Die Lage ist schrecklich, das Elend 'groß, und wenn nicht ein Wunder geschieht, ist allen Ernstes eine Hungersnot zu befürchten." Nun hatten viele der Einberufenen nie zuvor eine Waffe berührt, weil sie nicht dienstpflichtig waren. Ausnahmslos sogar trifft dies auf alle Juden und Christen zu, welche schon ein Alter von 32 Jahren erreicht haben. Denn ursprünglich waren die Nichtmohammedaner in der Türkei überhaupt militärfrei. Erst nach Einführung der Verfassung wurde durch Gesetz bestimmt, daß künftighin auch die nichtmohammedanische Bevölkerung zum Heeresdienst heranzuziehen sei. Als Altersgrenze wurde damals das vollendete 26. Lebensjahr festgelegt, so daß die neuen Bestimmungen auf alle diejenigen, die zur Zeit der Annahme des Gesetzes dieses Alter bereits erreicht oder überschritten hatten, keine Anwendung mehr finden konnten. Aber durch Jrade des Sultans war jetzt in Form eines provisorischen Gesetzes verfügt worden, daß der angeordneten Mobilmachung sämtliche Osmanen unter 45 Jahren, also auch jene, die nie gedient haben und laut Gesetz bisher militärfrei waren, Folge zu leisten hätten. Freilich tauchte damit zugleich die Frage auf, was mit der Schar der wenig oder gar nicht Tauglichen anzufangen wäre. Als Mittel, dem Uebel zu steuern, sollte daher die Möglichkeit des Loskaufes dienen, dessen Taxe man aus demselben Grunde auch auf die verhältnismäßig niedrige Summe von 30 türkischen Pfund festsetzte, wenn schon in Wirklichkeit der Betrag, durch Hinzurechnung gewisser Nebengebühren, auf 43 Pfund (gleich 827.75 Mark) zu stehen kam. In der Tat verstanden sich auch sehr viele dazu, ihren Loskauf vom Militärdienst zu erwirken. Jedoch konnte dies häufig nur unter den denkbar schwierigsten Bedingungen geschehen, so daß manch einer sich auf diese Weise seines Letzten beraubte oder gar in brückende Schulden stürzte. Gewiß ist nicht überall die Not gleich groß in Palästina. An einzelnen Orten verstand inan es sogar recht gut, sich für die kommenden Ereignisse zu rüsten und mit Erfolg mancherlei Vorbeugungsmaßregeln zu treffen. So wählte beispielsweise das in Tel Awiw bestehende „Komitee für städtische Angelegenheiten" (Wa'ad Ha'ir) eine besondere Kommission, der die Aufgabe zuteil wurde, Lebensmittel in großen Mengen aufzukaufen und zum Selbstkostenpreis an die Konsumenten weiter abzugeben, um auf diese Weise allen wucherischen Umtrieben von vornherein einen Riegel vorzuschieben. In paffa wurde außerdem ein „Allgemeines Komitee zur

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