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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-08 · 2 (8.1.1915) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
2 (8.1.1915)
Date
1915-01-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 33 Bereits vor zwei Monaten wies ich auf die drohende Katastrophe hin, welche das Ausbleiben der regelmäßigen Unterstützungsgelder im Gefolge haben muß. Leider ist das Gefürchtete eingetreten. Tausende von Menschenleben, die mittelbar oder unmittelbar von den großen Anstalten abhängig sind, stehen buchstäblich vor dem Verhungern. Der Handel liegt fast völlig brach. Der Export von Wein und Orangen ist unterbunden. Die Orangenernte im Werte von drei Millionen Frcs. ist so gut wie verloren. Zu dieser Notlage kommen noch die militärischen Sorgen. Viele Familienväter sind eingezogen, ohne daß sie oder Freunde für die Familie sorgen konnten. Außerdem herrscht noch die furchtbarste Teuerung. Ausländisches Mehl ist nicht mehr vorhanden: das inländische kostet ungefähr das Doppelte des normalen Preises. Ebenso teuer ist Zucker, der immer knapper wird; für ein Pfund Kartoffel müssen etwa 14 Pfennig bezahlt werden. Vor etwa vierzehn Tag e n v e r s u ch t e man, auf e i lt e m neutrale n Schiff grüße r e Mengen von Lebensmitteln h ierher zu bringen, doch w u r d e n sie von den Engländern als Kriegskonterbande b e s ch l a gn a h in t. Die durch die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung überwiesenen Geldmittel waren für den Augenblick eine rettende Tat, nur reichen diese Summen bei weitem nicht aus, um dem großen Kreise von Gefährdeten zu helfen. Schnell ste weitere Hilfeleistung i st dringend notwendig. Aus Saffed wird der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung geschrieben: Die Lage der Armen ist verzweifelt. Wir bitten vor allem um Erhöhung des Budgets für Krankenhilf e, da das jüdische Spital leider aus Mangel an Mitteln geschlossen werden mußte und andererseits zum Glück die englischen Missionäre ihre Tätigkeit auf dem Gebiet der Krankenpflege seit der Kriegserklärung einstellen mußten. Wenn nun auch die Arbeit unseres Komitees für ärztliche Besuche und Krankenhilfe aus Mangel an Mitteln aufgehoben werden würde, so wäre dies eine schwere Katastrophe für unsere arme Bevölkerung, der zurzeit keine andere Hilfe zur Verfügung steht. Die hier veröffentlichten Briefe sprechen für sich selbst. Nur ein kräftiges, von den weitesten Kreiselt unterstütztes Eingreifen kann eine Katastrophe abwenden. Spenden für Erez-Jisroel nehmen außer den bekannten Vertrauensmännern der Deutsch-Holländischen Palästina Verwaltung deren Zentralen in Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, Berlin, Heidereutergasse 4, sowie auch sämtliche Filialen der Deutschen Bank (Konto Deutsch Holländische Palästina-Verwaltung) entgegen. Vermischtes. Vortrag aus;üd. Geschichte, Lteratur und Kultur. Donnerstag, den 14. Januar 1915, Z8 Uhr abends' findet int Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1^, Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. C Hajes aus Triest statt. Thema: „In A l e x a n d r i e n — vor zweitausend Iah r e n." Eintritt frei — ohne Karten. * Oberrabbiner Dr. Güdemann in der Wiener Urania. Samstag, den 0. d. M., abends 1ä>8 Uhr, hält Oberrabbiner Dr. Güdemann in der Wiener Urania den angekündigten Vortrag. Das Thema lautet: „Der jehige Weltkrieg und die Bibel." Hilfsaktion der Israelitischen Allianz zu Wien zugunsten der Flüchtlinge aus Galizien. (Vierter Spendenausweis.) Der Israelitischen Allianz zu Wien sind zu den Kosten der von ihr für die gal.zischen Flüchtlinge eingeleiteten Hilfsaktion folgende weitere Spenden zuge;angen: Sammlung galizisch-jüdischer Vereine in Nordamerika (B. Gordon, Walhalla N. Y. 2.-, Relief Committee of the Federation of Bukowinian an 1 Galician Jews 1000.— , Dembitzer V. AI. B. S. 150.—, Relief Committee of the United Soeieties of Lemberg 400.—, 1. Solotwiner Kranken-Unterstützungsverein in New-York 100—, Lancuter Unterstützungsverein in Ntw-York 100.—, Kollekte der Ida Fleisrhhacker in Aliquippa Pa. 57 15, Gustav Pollak 15—; zusammen 1824 25 Dollars K >0.124 —. Hilfskomitee für galizische Flüchtlinge in Brünn: als Beitrag zur Chanukaspende der Israelitischen Allianz für Barackenlager, dann enthalten K 500.—, als Spende des Statthalters von Mähren F.xzellenz Dr. Oktavian Regner, Frh. v. Bleyl ben K 3<>00.—, Kultusgemeinde Esseg 1500.—, Max Wolf in Raab (durch Frau Mina Pick) 400.—, Karl Schütz, k. k. Kommerzialrat 310.—, Theodor Reitlinger (durch Kultusgemeinde Wien) 250.—, Familie P. anläßlich einer frohen Feier (durch Herrn N. Perles) 250.—, Heinrich Pollak 200.—, Richard Stein 150.—, Helene Kurth 100.—, Josefine Adler 100.—, Albert Friedmann (durch Kultusgemeinde Wien) 100.—, Salomon Tauber in Mistek (II. Spende) 80.—. Josef Klein 50—, F. H. in Wien 50.— , Ludwig C'.erwenka. Bankdirektor in Linz 50.—, Jacques Karpeles (durch Kultusgemeinde Wien) 30. , Lotti Storch in Tobitschau (dreimal je K 10—) 30.—, Max Loewy in Napagedl 25 —, Alb rt Oszmann in Kaposvär 20.—, Anton Beck 20.—, Hermann Engel (III. Rate) 10.—, Moritz Perles, k. u. k. Hofbuchhandlung 9.10; zusammen K 16.848 40, samt dem bereits ausgewiesenen Samnlungsergebnisse K 103.256 50 und K 1000.— österr. Rente. Weitere Geld- und Naturalspenden werden im Bureau der Israelitischen Allianz, II., Unt re Donaustrasse 33, dankend entgegen cenommen. Ge dsendungen können auch durch die Postsparkassa (Scheckko tto Nr. 8152) übermittelt werden. Josef Kohn. Da stand letzthin zu lesen, daß ein Mann, der diesen Namen trägt, sechzig Jahre alt geworden und gefeiert worden ist. Wer ist Josef K o h n? Vormals bestand der Brauch, der Namen markanter Individualitäten mit ihrer örtlichen Zugehörigkeit zu verschmelzen. Tue ich das, so werden viele wissen, wer da gemeint tvar. Josef Kohn-Brigittenau. Sie gehören zusammen: das weiß der Präsident unserer Gemeinde ebensowohl, wie die Bürgermeister-Exzellenz unserer Stadt. Joses K o h n ist mit dem jüdischen Leben der Brigittenau innig verwachsen von dem Tage an, da in dieses jüdische Neuland das winzige Keimchen gelegt wurde, das heute so üppig in die Höhe geschossen ist. Er war der treue Gärtner dieser Pflanze, und er hat ivacker mitgeholfen und mitgestritten, daß sie nicht verdorre. Und sie ist nicht verdorrt! Mochte es sich um den Tempel handeln, der ein wahres Sorgenkind war, unter seiner Mitarbeit würdig erstand und heute schon längst zu enge geworden ist; 'mochte es dem Frauenverein gelten, den er zu ungeahnter Entwicklung emporgetragen hat: mochte die Männerfürforge, der Schutz der Kinder, die Bibelschule zumal und wie alle die Einrichtungen eines geordneten Gemeinwesens heißen, den jüdischen Mitbürgern am Herzen liegen, überall und überall stand er in vorderster Reihe, unermüdlich und richtunggebend, aneifernd utld energisch. Nicht in bloßer Humanitätsdnselei erschöpft er sich, nein! Entschiedenheit und Unbeugsamkeit waren und sind sein Panier. Freilich gibt es da auch Reibungen, sprühen Funken, die manchen versengt haben. Was verschlägts? Er stellt seinen Mann. Auch darf ihm nicht vergessen werden, daß er als Vertrauensperson des Hauses Auspitz die Gaben dieser Familie nach dem Bezirke geleitet hat.

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