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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-08 · 2 (8.1.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
2 (8.1.1915)
Date
1915-01-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 31 für unzählige arme Flüchtlinge wäre. Jetzt, mitten im Winter, müssen sie — Männer und Frauen, viele Kranke, viele Schwangere, darunter solche mit auf der Flucht geborenen Säuglingen an der Brust - in der bitteren Kälte frieren, ohne zu wissen, wo sie das 9^otm?ubinftt' zur Bekleidung hernehmen sollen, wenn auch die Güte und Barmherzigkeit versagt. Jnständigst bitten wir darum alle Wiener, alle Menschenfreunde und unsere herzensguten Wiener Frauen voran: Erbarmt Euch der Unglücklichen, die vor kurzem selbst noch wohlbegütert und gebensbereit waren? Erbarmt Euch ihrer im Namen der Menschlichkeit und im 'Namen des Vaterlandes, dessen unentwegt treue und in rührender Liebe ergebene Bürger und Untertanen sie stets gewesen sind! Wir können nur immer neu tuteine wiederholen: Sie haben jetzt nicht Schuhe, nickst Wäsche, nicht Kleider zum Schutze vor der Kälte. Darum bitten wir noch einmal: Spendet Geld. Wäsche, Kleider und Schuhe und helfet uns, damit nicht Menschen von unserer Schwelle gewiesen werden müssen, die von uns das Wenigste, das es doch gibt, erhoffen — ein Stück Gewandes für sich, für ihre arme r Frauen und Kinder, zum Schutz vor der grimmigen Strenge des Winters. Jede Gabe, auch die kleinste, ist willkommen. Wenn es uns dank der Herzensgute unserer Wiener nur gelingen sollte, einigen Hunderten noch das Furchtbarste, das Frierenmüssen, zu ersparen, wie glücklich wären wir und für unsere Mühe reich belohnt. « Das Damenkomitee der Kleidersammelstelle, Wien, I., Franz Josefskai Nr. 47. Sarajewo. 3. Dez. 1914. (Empfänge beim Landeschef.) Heute vormittags empfing Seine Exzellenz der Landrschef G. d. I. v. S a r k o t i c im Festsaale des Militärkasinos das Offizierskorps der Garnison und hieraus in der Landesregierung die Beamtenschaft, die Geistlichkeit, das Landtagspräsidium, den Gemeinderat und Deputationen der Handels- und der Advokatenkammer. Nach der Beamtenschaft empfing der Landeschef die Geistlichkeit und zwar wurden der Reihe nach empfangen: Seine Exzellenz Erzbischof Dr. Stadler mit der römisch-katholischen Geistlichkeit; Seine Exzellenz Metropolit L e t i c a mit der serbisch-orthodoxen Geistlichkeit: Reis-nllllema DZemaluddin eff. C a it s e ü t c mit den Mitgliedern des Ulema-Medxlis; der evangelische Pfarrer Schäfer mit dem Presbyterimn. der Kirchengemeinde, Dr. L e v p und der Oberrabbiner der österreichisch-ungarischen israelitischen Knltnsgemeinde Dr. W e s z e l. Der Landesches hatte für jeden der erschienenen geistlichen Würdenträger freundliche Worte. Längere Zeit sprach er mit Sr. Exzellenz Metropoliten L e t i c a. Gegenüber dem Oberrabbiner Dr. W e s z e l hob er die bekannte und bewährte Anhänglichkeit der Juden zum Hcrrscherhause hervor und ersuchte ihn, auch inder jetzigen schweren Zeit in diesem Sinne seelisch auf seine Glaubensgenossen zu wirken, denen er alles Gute wünsche. Brünn. Trotz der gegenwärtigen schweren und ernsten Zeiten hat es der Vorstand der isr. 'Kultusgemeinde für entsprechend erachtet, das 25jährige Amtsjubiläum ihres Oberkantors nicht ungeseiert vorübergehen zu lassen, und so war am 31. Dezember 1914 in den hiesigen Tagesblättern folgende offizielle Anzeige erschienen: „Israelitische Kultusgemeinde. Herr Josef Heller, Oberkantor und Chordirektor der hiesigen israelitischen.Kultusgemeinde, sowie Leiter der Kantorenschule des Proseminars, feiert am Samstag, den 2. Januar, das Jubiläum seiner 25jährigen Amtswirksamkeit. Aus diesem Anlaß findet beim Vormittagsgottesdienst um Voll Uhr eine besondere Ehrung dieses überaus verdienten Gemeindefunktiynärs statt, der auch über die Grenzen unseres Kronlandes hinaus einen Ruf als Musikschriststeller genießt."'.Freitag, vormittag fanden sich bereits Pie ersten Gratulanten ein: die Kantoren beider Tempel unter Führung des Herrn G o l d m a n n und das gesamte Chorpersonal. Kantor G o l d m a n u übergab namens seiner Kollegen dem Jubilar einen prächtigen Silberpokal, ebenso überreichten im Namen des Chorpersonals Frl. Goldberger und Organist Werner eine wertvolle Standuhr mit Widmungen. Samstag vormittag war das große festlich beleuchtete Gotteshaus dicht gefüllt: der Sitz des Jubilars war mit Blumengirlanden und Lorbeer sehr geschmackvoll dekoriert. Der Gottesdienst begann mit einem Orgelpräludium: nachdem der Jubilar als Schelische feierlich aufgerusen worden war, trug Herr- Kantor G o l d m a n n einen von ihm für diesen Anlaß verfaßten schönen Mischeberach vor und der Chor stimmte das Hallelujah an. Hierauf hielt Se. Ehrwürden Herr- Rabbiner Dr. Levp eine meisterhafte, formvollendete Ansprache, in der er den Gefeierten in wahrhaft inniger und herzlicher Weise als begabten Kantor, wahren Künstler, pflichteifrigen Lehrer und tüchtigen Komponisten schilderte, aber auch als edlen Menschen, treuen Gatten und aufopfernden Familienvater. Tie Rede übte einen mächtigen Eindruck aus alle Zuhörer aus. Der Jubilar stattete dem Herrn Rabbiner in hebräischer Sprache seinen Dank ab und trug dann einen innigen Mischeberach für die Führer der Gemeinde und diese selbst vor, der in ein allgemeines Friedensgebet ausklang. Nach deni feierlichen Gottesdienste erschienen die Herren 'Vorsteher im Hause des Jubilars: in ihrem Namen hielt Herr Präsident Gustav Tandler eine herzliche Ansprache, in der er die vornehme Gesinnung. Friedensliebe, Wohltätigkeit und strenge Religiosität des Gefeierten hervorhob, und überreichte ihm einen sehrschönen Brillantring mit Widmung. Der Obmann der Chewra-Kadischa Herr Adolf Herdaudankte dem Jubilar für die vou ihm durch 25 Jahre iu selbstloser Weise versehenen Funktionen bei Begräbnissen Armer. Auch sonst gratulierten Korporationen und Vereine, teils persönlich, teils schriftlich, und von Freunden und Verehrern kamen zahlreiche Glückwünsche und Geschenke. Auch die Redaktion dieses Blattes benützt gerne den Anlaß, um Herrn Oberkantor und Chordirektor Joses H e l l e r, dem begnadeten Sänger und ausgezeichneten Komponisten, dem Schöpfer des für die Entwicklung des Synagogengesanges richtunggebenden Werkes „Kol Thilloh", die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Eröffnungsgottesdienst im Kriegsgefangenenlager zv Linz. Das k. ii. k. Militärkommando in Innsbruck stellte an die Knltusgemeinde in Linz das Ersuchen, für die religiösen Bedürfnisse der Kriegsgefangenen in Oberösterreich Vorsorge zu treffen. In Erfüllung dieses Ansuchens letzte sich der Vorstand mit den Kommandanten der einzelnen Barackenlager ins Einvernehmen, stellte die nötigen Tempelgeräte bei und es fand am Freitag, den 1. Januar l. I.. nachmittags 4 Uhr, im Gefangenenlager zu 'Linz der Eröffnungsgottesdienst statt. Hiezu war der .Kommandant Oberstleutnant Weiß v. Uellög mit dem ge samten Offiziers- und Unteroffizierskorps erschienen. Ein starkes Minjan — etwa 1100 jüdische gefangene Russen - bildeten das Auditorium und lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit und Ruhe dem äußerst stimmungsvollen Vortrage des Linzer Oberkantors B. Löwensohn zu. Vor Uebcrgang zu „Borchu" richtete der anwesende Bor steher Benedikt Schwager in Vertretung des verhinderten Rabbiners eine kurze Ansprache an die jüdischen Gefangenen und ermahnte sie, sich im Gottver trauen in bestehende Verhältnisse zu fügen, sich durch strenge Manneszucht und Adel der Gesinnung ausznzeichnen und den Anordnungen des Kommandos und ihrer sonstigen Vorgesetzten Folge zu leisten, dann würde

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