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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-08 · 2 (8.1.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
2 (8.1.1915)
Date
1915-01-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Moch's Wochenschrift Seite 39 Voranschläge, die mit möglichster Vorsicht behandelt und festgelegt wurden und bitten wir, unter diesen Gesichtspunkten die Vorlage zu prüfen und zu behandeln. Die Gesamteinnahmen sind präliminiert mit dem Betrage von K 8,185.806 09, die Gesamtausgaben K 3,507.048 91. Das Defizit beträgt daher K 321.242 82. Gegenüber dem Vorjahre, in welchem das Defizit mit K 35.680 77 präliminiert war, ergibt sich pro 1915 ein um X 285.562'05 höheres Defizit als dies pro 1914 Präliminiert war, wobei nicht zu übersehen ist, daß die Hauptreserve pro 1915 nur mit K. 100.000, also um K 50.000 niederer angenommen wurde, als im Voranschläge für das Jahr 1914. Das Defizit ist wesentlich herbeigefiihrt du ch vorsichtiges Budgetieren der Eingänge aus den diversen Einnahmsquellen, woraus noch am Schlüsse zurückgekommen werden wird. In den einzelnen Abschnitten bietet der Voranschlag pro 1915 folgendes Bild: A. Bethäuser, Kultus- und rituelle Angelegenheiten. Einnahmen.K 232.768 Ausgaben.„ 581.441 Zuschuß.. 384.681 B. U n t e r r i ch t s a n g e l e g e n h e i t e n. Einnahmen.K 62.744 Ausgaben.„ 401.380 Zuschuß. 338.636 C. Friedhofsunb Beerdigungsangelegenheiten' Einnahmen.K 877.699 Ausgaben.. 428 070 Ueberschuß. 450.629 D. Israelitisches Spital. Einnahmen.K 215.203 Ausgaben .. 491.812 Zuschuß. 276.609 E. Israelitis che B ersorg u ngsa ir st a l l. Einnahmen.K 132.308 Ausgaben.„ 222.642 Zuschuß.„ 90.334 F. Arme n- und Wohltätigkeitsangelegen heilen. Einnahmen.K 53.796 Ausgaben...„ 412.838 Zuschuß. 359.042 G. Finanzielle und administrative Angelegenheiten. Einnahmen. K 1,607.913.93 Ausgaben. 866.368.88 Ueberschuß. 741.545.05 H. Darlehensrückzahlungen und Friedhofannuitäten. Einnahmen.K 2.379.16 Ausgaben..... „ 43.494.03 Zuschuß.„ 41.114.87 I. Besondere Auslage n. Israelitisches Spital.K 5.500 Israelitische Versorgungsanstalt.„ 53.500 Zuschuß zur ordentlichen Gebahrung.K 262.242.82 Besondere Auslagen.„ 59.000. - G e s a m tzu s ch u ß pro 1915 K 321.242.82 Der Referent bespricht in eingehender Darstellung die Details in den einzelnen Abschnitten, vergleicht dieselben mit den entsprechenden Budgetposten des Vorjahres, erklärt überall die eingetretenen Veränderungen nach oben und unten und führt dann in seinen Betrachtungen folgendermaßen fort: Ich habe bereits in meinen einleitenden Bemerkungen die Signatur unserer diesjährigen Voranschläge gekennzeichnet und erlaube mir in dieser Richtung noch Folgendes auszuführen: WaS die Aufstellung und Ansätze der Einnahmsposten betrifft, hielten wir es für richtig, die möglichste Reserve zu beobachten und uns eher eines Fehlers nach unten als eines solchen nach oben schuldig zu machen. Wir haben daher die zu erwartenden Eingänge in einer solchen Höhe angesetzt, auf die wir unter allen Umständen mit Sicherheit rechnen können. Was speziell die Annahme der Post Kultussteuer mit K 1,450.000 betrifft, i)t folgendes zu bemerken: In dem zu Ende gehenden Jahre sind wir gegenüber dem Präliminare per K 1,650,000 mit zirka K 760.000 im Rückstände geblieben, wobei nicht zu übersehen ist, daß in den ersten Monaten, das ist vor dem Kriegsausbrüche, die Einnahmen aus dieser Einnahmsquelle sehr günstige waren. Angesichts der unabsehbaren Tauer des Krieges war daher vor allem Beobachtung äußerster Vorsicht geboten: hiezu trat der Umstand, daß wir infolge der in den letzten Monaten geringer fließenden Einnahmen, sowie infolge unerwarteter Mehrausgaben einen nicht unerheblichen Schuldenstand aus dem Jahre 1914 in das kommende Jahr hinübernehmen. Diese Umstände und endlich die Erwägung, daß wir bei den Eingängen aus der letzten Klasse der Kultussteuer, welche zum großen Teile von Angestellten und kleinen Gewerbetreibenden getragen wird, einen Ausfall zu gewärtigen haben, waren für die Ansetzung der Kultussteuer mit dem im Budget ersichtlichen Betrage bestimmend. Wenn wir bei den Eingängen aus den Kapiteln X^III und XIX, Beerdigungswesen und Zentralfriedhof, nicht unwesentliche Mindereingänge annahmen, so geschah dies aus dem Grunde, weil bei der Post Ueberführungen ein namhafter Ausfall zu erwarten ist und weil auch im allgemeinen mit Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse von den Parteien sich Einschränkungen bei Bestimmung der Klassen auferlegt werden. Was die Aufstellung der Ausgabeposten betrifft, war eine größere Einschränkung als sie vorgenommen wurde, ausgeschlossen, da der größte Teil dieser Auslagen obligatorischer Natur ist und auch bei denjenigen Zuwendungen, die keinen obligatorischen Charakter haben, eine Einschränkung derselben umsoweniger vorgenommen werden kann und darf, als dieselben nahezu zur Gänze charitativen Institutionen und Zwecken zufließen. Wir haben betreffs der Ausgaben eines feftgehalten: Anschaffungen und Herstellungen jeder Art, die nicht unerläßlich sind, sind für das Jahr 1915 zurückgestellt worden. Aus diesem Grunde sind auch fast durchgehends die sonst eingestellten Posten für Unvorhergesehene aufgelaffen worden: aus dem gleichen Grunde haben wir auch die Generalreserve auf K 100.000.— herabgesetzt, wobei nicht unbemerkt bleiben soll, daß dieselbe im Vorjahre aus dem Grunde höher eingesetzt wurde, weil eine Anzahl Ausführungen für das Jahr 1914 in Aussicht genommen wurden, die speziell wegen der eingetretenen Kriegsereignisse unterblieben sind, weil ferner, wie bereits früher angeführt wurde, diese allgemeine Reserve erfahrungsgemäß fast niemals in jener Höhe, wie sie angesetzt war, in Anspruch genommen worden ist. Ich möchte jedoch sofort bemerken: Unter allen Umstünden wird die Anlage des neuen Friedhofes im kommenden Jahre in Angriff genommen werden müssen, da sonst die Gefahr besteht, daß der Gemeinde schwere Verlegenheiten erwachsen. Diese Herstellung ist deshalb äußerst dringlich, weil wir bereits jetzt infolge Ansammlung von Flüchtlingen im Wiener Gemeindegebiete bedeutend mehr Leichenbegängnisse haben als in den gleichen Monaten des Vorjahres, infolgedessen auf demjenigen Teile des Zentralfriedhwes, der noch unbelegt ist, für einen Zeitraum von zwei Jahren kaum ein Auslangen zu finden sein wird. Ich kann nicht umhin, einen Punkt zu berühren, der zwar strenge genommen nicht zum Budget gehört, der aber dennoch heute uicht unerwähnt bleiben soll, und das ist, die uns alle vielfach beschäftigende Angelegenheit: galizische Flüchtlinge. Es ist klar und wohl begreiflich, daß uns diese Frage, seit dem sie entstanden ist, in höchst intensiver Weise beschäftigt, daß sich nicht bloß unser Fühlen und Empfinden denselben zuwendet, sondern, daß wir, unsere Kultusgemeinde sowohl als auch die einzelnen Mitglieder derselben nach Kräften bestrebt waren und sind, die traurige Lage derselben möglichst zu lindern. Daß wir jedoch für diesen Zweck nicht eine Spezialpost ins Budget einstellten, hat seinen Grund darin, daß wir in keiner Weise den Gedanken aufkommen lassen dürfen, daß wir Pflichten, deren Erfüllung in erster Reihe, ja man kann sagen.

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