Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 2 (8.1.1915)
- Date
- 1915-01-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 28 Dr. Bloch's Wochenschrift er in tief bewegenden Worten namens der genannten Gesellschaft und namens der Musikfreunde der ganzen Welt von dem Toten Abschied nahm. Dann überreichte der Bureauvorstand der Gesellschaft Maurice Krumpholz eine prachtvolle Kranzspende. Auf dem Zentralfriedhofe hielt Rabbiner Dr. Max Grün Wald eine gedankentiefe, den Mann, den Künstler Gold mark gut erfassende, seine Lebensschicksale sowie die jüdischen Elemente seiner Genialität getreu und in poetischer Formvollendung zeichnende Trauerrede. Den musikalischen Teil der Trauerfeier besorgten Oberkantor Josef Morgenstern und der vollzählige Tempelchor. Zum Schlüsse trat der Abgesandte der königlich ungarischen Oper in Budapest Dr. Franz von Szekelyhidy an die Bahre und verabschiedete sich von dem Toten in ungarischer Sprache, und zwar im Namen der königlichen Oper und der Philharmonischen Gesellschaft in Budapest. Sodann wurde der Sarg zu dem Ehrengrabe getragen und in die Tiefe gesenkt. Wem Leben und mein Schaffen. Erinnerungen von Kart Gotdmar? Aus einer Unterredung des Wiener Korrespondenten des „Neuen Budapester Abendblattes". Ich habe eine traurige Jugend verlebt — Frau Sorge lag an der Schwelle meines Elternhauses. Meine Kinderjahre verbrachte ich auf einem einsamen Dorfe. Dort gab es keine „mächtigen Eindrücke", keine Eindrücke, die mich für die Musik gewonnen hätten. Nur eine Episode steht heute noch klar vor meinem geistigen Auge. Als die Musik zum erstenmal in mein Leben trat. Ein Gast unseres Hauses spielte Geige. Dieser Mann ward mein erster Lehrer. Meine Ausbildung gewann ich in einer höchst primitiven Schule in Sopron. Wohl war der Weg nach dieser Schule von meinem Heimatsdorf $nid Stunden weit, allein ich ertrug gerne alle Wetterunbill, lief zwei Stunden hin, zwei Stunden zurück, nur um das Violinspielen zu erlernen. Es war meine glücklichste Zeit. Mein größtes Glück, als ich selbst die Fortschritte in meinem Spiel wahrnahm und diese auch von meinen Lehrern anerkannt wurden. Nun brauchte ich nicht mehr Wassergläsern, die ich auf den Kasten stellte, Akkorde zu entlocken — nun bekam ich Gewalt über die Töne eines wirklichen Musikinstrumentes! Zwölf Jahre alt, trat ich vor die Oeffentlichkeit. In Sopron gab man ein Konzert. Ich debütierte mit viel Glück: «meine Fertigkeit wurde allgemein gerühmt und man prophezeite mir eine große Zukunft. Sehen Sie, was der Zufall will: vor einigen Jahren hat man in Sopron mein „Heimchen" aufgeführt, just an demselben Tage, an dem ich vor sechzig Jahren dort zum erstenmale öffentlich spielte. . . . Zwei Jahre nach meinem Soproner Debüt kam ich nach Wien und nahm dort Violinunterrickt bei Jansa, der damals Musiklehrer bei Sankt Anna (Pädagogium der Ursulinermnen. Anm. des Korrespondenten) war, später jedoch diesen Posten verlor, weil er bei einem Aufenthalte in London zugunsten der ungarischen Emigranten konzertierte. Mck Ehrfurcht und aufrichtiger Verehrung nenne ich diesen Namen. . . . Meine erste Anstellung erhielt ich am Wiener Carl- Theater unter der Direktion Nestroy als Geiger für 20 — sage zwanzig Gulden Monatsgage. Aber ich erhielt den Titel „Konzertmeister". In den Zwischenakten und auch während des Spieles auf der Bühne, da für das Orchester Pause war, komponierte ich. Die Notenblätter auf meinen Knien bedeckten sich mit Zeichen — Lieder, Klavierstücke und Kammermusik wurden so im Orchester geboren. Das Agieren auf der Bühne genierte mich absolut nicht. Von diesen meinen Erstlingswerken existiert kein Blättchen mehr, jede Erinnerung daran Nr. ist verschwunden. Ich - glaube, mein Opus 1 war eiu Violinduett. Alle Kinder zneiner Phantasie bis zu -'meinem 27. Lebensjahre flogen in einem trüben Augenblick ins Feuer. . . . Mein erster Erfolg war. „Die Königin von Saba", und ich hege unschätzbare persönliche Erinnerungen an diese schöne Zeit. Die Anregung 6azu? Meine damalige Schülerin, die berühmte Sängerin Frau Gomperz- B e t t e l h e i m, kam zu mir und erzählte Mir, der Kapellmeister habe ihr auf der Probe gesagt, sie sei ganz die Königin von Saba. Und schon diese wenigen Worte ließen mir im Geiste den ganzen Opernentwurf urplötzlich entstehen. . . . Mein Lieblingswerk ist aber „Die Kriegsgefangene", trotzdem sie den großen Massen noch immer fernesteht. Vor allem muß mich der Stoff packen. Elementar, urkräftig und urgewaltig, wie in der „Königin von Saba", in „Merlin", im „Götz" .... Solche Motive haben stets stark auf mich gewirkt. Schon in meiner frühesten Kindheit. Es war zur Zeit meines Aufenthaltes in Sopron. Auf einer Schmiere wurde der „Verschwender" gespielt. Nach einstündigem, mühevollen Weg hoch oben auf dem Olymp. Draußen stürmte und tobte der Sturm, und vor mir noch ein beschwerlicher Weg in stockfinsterer Nacht. Aber was tat's! Hier hörte ich die Zaubersprache der Feen und Genien Raimunds, sah mit fieberigen Augen, hörte mit gespanntem Ohre. . . eine neue Sprache, eine neue Stimmung, eine wunderbare, herrliche Welt. Damals erwachte in meiner jungen Seele der fieberheiße Wunsch, dereinst ebenso über die Stimmungen und über das Gemüt der Menschen zu herrschen. Später haben mich die Opern Wagners ähnlich ergriffen. Rasch arbeite ich nicht. An der „Königin von Saba" arbeitete ich sieben volle. Jahre. Jeden Akt habe ich zweimal durchkomponiert. Am schnellsten ging „Brisis, der Kriegsgefangene". Am liebsten arbeite ich. im Sommer, früh und vormittags. Korrespondenzen. Ans der öffentlichen Wenarsthrmg des Wiener israelitischen Kultusvorstandes vom 30. Aezemßer 1914 unter dem Borfitz des Präfidenten Dr. Alfred Stern. Der Präsident eröffnet die Sitzung, konstatiert die Beschlußfähigkeit und widmet zunächst den beiden jüngst verstorbenen ehemaligen Kultusvorstehern, dem Bethausvorsteher Dr. Herrmann L ö w i und dem Herrn Dr. Anselm H a l p e r n Worte warmen Gedenkens. Die Versammlung ehrte die Verewigten durch Erheben von den Sitzen. Erster Sekretär kaiserl. Rat Dr. Th. Liebe n verliest den Einlauf, worauf der Finanzreferent Kultusvertreter Doktor Leopold K o h n über den Voranschlag Bericht erstattet. Seinem hochinteressanten instruktiven Bericht entnehmen wir folgende Daten: Die Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben unsere - Kultusgemeinde, über welche ich sthnen heute zu berichten die Ehre habe, sind wesentlich beeinflußt durch die schwerwiegenden, in ihrer Folge und in ihrer Tragweite unberechenbaren Ereignisse, deren Zeugen wir sind, die sich vor unseren Augen vollziehen. In einer Zeit und unter Verhältnissen, wo in jedem Betriebe der verläßliche Maßstab für die wirtschaftliche Bewertung von Soll und Haben fehlt, mußten wir bei Aufstellung des Budgets und dessen einzelnen Bestandteilen darauf Bedacht nehmen, ein solches Budget vorzulegen, wo wir uns eher eines Fehlers nach unten als nach oben schuldig machen und uns nicht einer nach jeder Richtung hin unangenehmen' Enttäuschung aussetzten. Dieser Auffassung entsprechen die vorliegenden