Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 2 (8.1.1915)
- Date
- 1915-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 Dr. Blvchs Wochenschrift. Nr. 2 Leutnant i. A. Akfted Lomveck. Bei Ausbruch des Krieges rückte der k. u. k. Leutnant der Reserve Alfred Lombeck beim k. u. k. Feldjägerbataillon Nr. 13 nach Tirol ein. Das Bataillon ging sofort aus das Schlachtfeld nach Galizien und wurde er bei dem ersten Gefechte bei Krasnik durch einen Schuß verwundet und kehrte zur Genesung nach Wien zurück. Kaum gesund, rückte er wieder zu seinem Bataillon ein und zeichnete sich bei dem großen Gefechte am Dunajec derartig aus, daß er Kompagniekommandant wurde; den nächsten Tag nahm er 200 Russen gefangen. Er wurde infolge seines hervorragenden Auftretens gegenüber dem Feinde von dem Bataillonskommandanten zum Oberleutnant und für die Auszeichnung Siguum laudis vorgeschlagen. Schon nach, einigen Tagen, bei einem weiteren großen 'Gefechte am 21. Dezember fiel er an der Spitze feiner Kompagnie für Kaiser, Reich und Vaterland. Wie der Oberst in einem Briefe schreibt, war Lombeck einer der tüchtigsten und tapfersten Offiziere. Wie seine Kameraden in einem zweiten Briefe mitteilen, auch einer der beliebtesten und angesehensten Offiziere des Bataillons. Alfred Lombeck war Disponent, trotz seiner 28 Jahre, bei der Metallwarenfabrik Brüder Eifert, wo er als Teilhaber der Firma demnächst eintreten sollte. Er war vor Jahren im Auslande tätig und beherrschte mehrere Sprachen und stand chm durch sein Benehmen und seine hervorragende Bildung, wie auch durch seine Tüchtigkeit eine schöne Zukunft bevor. Korporal Kndre pollak. „Egyenlösseg" berichtet: Endre Pollak war Freiwilligenkorporal des 46. Infanterieregimentes, als der Krieg ausgebrochen war. Er war unter den ersten, die zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen waren und hat bisher insgesamt an achtzehn Schlachten teilgenommen. In einer der letzten Schlachten steht sein Regiment den Russen gegenüber und unerwartet tritt der Feind auch in der Flanke auf. Der Kommandant befahl, nachdem er einsehen mußte, daß seine Leute dem Tode oder der Gefangenschaft preisgegeben werden müßten, den Rückzug an. Der Feind verfolgt sie und das Feuern desselben wird immer heftiger. Hier beginnt nun die Rolle des Endre Pollak. Er erfaßt die große Gefahr und im Bewußtsein dessen, daß in diesem furchtbaren Feuer seinem ganzen Regimente die Vernichtung droht, springt er vor seine kleine Abteilung, ergreift mit Gefährdung seines Lebens das Gewehr eines gefallenen Kameraden und zwingt seine Leute zum Stehenbleiben. Das soldatische Auftreten des mutigen Korporals hatte gewirkt. Die fünfundzwanzig Mann machen Halt, ändern die Front und bringen durch heftiges Feuer den Feind zum Stehen. Das Regiment konnte fast ohne Verluste den Rückzug durchführen. Nach einstündigem Feuer brach der Abend herein und der heldenmütige Korporal erreichte mit seinen fünfundzwanzig Mann in Ruhe sein Regiment. Der Hauptmann überreichte Endre Pollak unter Freudentränen seinen Säbel und sprach: „In diesem Augenblicke vermag ich keine größere Anerkennung zu bieten!" Pollak, welcher für seinen unerschrockenen Heldenmut außertourlich Zum Kadett befördert und mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde, liegt jetzt krank im Spitale in Szabadka. ..WirAoffen, es wird aües gut, sehr gut werden!" Aus Budapest wird berichtet: Bei feiner Inspektionsreise in Oberungarn ist der Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef samt Gefolge per Automobil durchs Huszt gefahren, wo er eine kurze Rast hielt und von einer mehrtausendköpfigen Menge mit großem Enthusiasmus begrüßt wurde. Unter den vielen Deputationen, die zu seinem Empfange erschienen, befand sich auch eine Deputation der dortigen israelitischen Kultusgemeinde unter Führung des Rabbiners I. Grünwald. Der Thronfolger, dessen unbeschreibliche Liebenswürdigkeit auf die Anwesenden bezaubernd wirkte, hat, wie der „Allgemeinen Jüdischen Zeitung" telegraphiert wird, den Rabbiner mit warmem Handdruck und einer Anrede ausgezeichnet. Die erste Frage des Erzherzogs war, ob seine Ehrwürden deutsch spreche. „Jawohl, Hoheit, auch ungarisch", lautete die Antwort. Dann setzte der Thronfolger das Gespräch in ungarischer Sprache fort. Er fragte, aus wieviel Seelen die Kultusgemeinde bestehe und ob viele von ihnen in den Krieg gezogen seien. Ferner erkundigte er sich über die materielle Lage der Juden in dieser Gegend. Auf die Antwort des Rabbiners, in welcher er unter anderen! sagte, daß sehr viele durch den Krieg hart betroffen seien, schloß der Thronfolger das leutselige Gespräch mit folgenden Worten: „Wir hoffen, es wird alles gut, sehr gut werden!" Nach Beendigung des Empfanges der Deputationen hat der Thronfolger die Fahrt zu den Truppen im Norden des Maramaroser Komitats fortgesetzt. Jüdische Kriegergraßstälte in Krakau. Die „Nova Reforma" berichtet, daß bisher am jüdischen Friedhofe in Krakau 8 Offiziere und 67 Soldaten jüdischen Glaubens, die in den dortigen Spitälern ihren Wunden erlegen sind, in einer von der Kultusgemeinde hiefür reservierten Abteilung bestattet wurden. Bei den Beerdigungen fungiert jedesmal ein Feldrabbiner im militärischen Ornat. Kin jüdisches Kriegerdenkmal. Wien, 3. Januar 1915. Löbliche Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift" Wien II. Im Frühjahr war ich, wie alljährlich, auf dem Zentralfriedhofe, um einige traute Gräber lieber Verwandten und guter Bekannten zu besuchen. Nach Absolvierung dieser Pietätsvisiten ging ich in der Grenzallee zwischen dem jüdischen und katholischen Friedhofe dem Ausgangstore zu. Einige Schritte vor mir geht ein biederer Wiener mit einem etwa achtjährigen Knaben, der nach Kinderart alle möglichen Fragen an seinen Vater stellte. Plötzlich bleibt der kleine Junge stehen, zeigt auf ein linksseits stehendes großes Grabdenkmal und ruft: „Vater, da schau, da is ja gar kein Kreuz drauf!" Der Vater antwortete in ruhigem und geduldigem Tone: „Ja, dort ist ein Jud' begraben." — „Aber Vater, da steht doch: hier ruht in Gott." Der Vater: „Die Juden haben ja auch einen Gott." Der Junge: „Wer naa, Vater, da Hab' ich ja noch nie net davon gehört." Diese Episode kommt mir in Erinnerung, als ich in jüngster Zeit wiederholt höre und lese, daß jüdische Soldaten, die an den Folgen der auf dem Felde der Ehre geholten Wunden hier sterben, in dem von der Kommunc Wien loyal zur Verfügung gestellten gemeinsamen Grabc beerdigt werden. Es ist gewiß hoch zu schätzen, daß die Gemeinde Wien zwischen den Helden, die ihr Leben fürs Vaterland geopfert haben, keinen Unterschied machen und sie alle gleichmäßig ehren will. Trotzdem würde ich mir gestatten, die Anregung zu geben, eine Anzahl jüdischer Gefallener, möglichst in eine Gruppe geordnet, auf der jüdischen Abteilung zu beerdigen, schon aus dem Grunde, daß es uns ermöglicht werde, in ruhigen Zeiten auch die jüdische Friedhofabteilung durch ein Kriegerdenkmal zu ehren, damit der Mangel eines solchen bei der nächst-