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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-08 · 2 (8.1.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
2 (8.1.1915)
Date
1915-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 2b unb nächstnächsteil Generation nicht unliebsam ausfalle und ein späterer Knabe nicht etwa seinen Vater fragen müßte: „Haben die Juden im Jahre 1914 nicht mit gekämpft, weil auf dem jüdischen Friedhofe kein Kriegerdenkmal steht?!" Wenn Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, meine Anregung aktuell finden, bin ich gerne bereit, zur Eröffnung einer Sammlung für das jüdische Kriegerdenkmal 200 Kronen österreichischer Rente an die isr. Kultusgemeinde zu übersenden. Hochachtungsvoll Hermann Stern, XVIII-, Abt Karlgasse 25. Von Beer-Seba zum Berge Sinai. (Aus einem Feldpostbrief eines ottomanifch-jüdischen Soldaten.) Die ausgezeichnet redigierte ungarisch-jüdische Monatsrevue >Mult es J'>vö* in Budapest erhielt von ihrem Ja,faer Mitarbeiter den Feldpostbrief eines jüdischen Soldaten, welcher an dem Feldzuge gegen Aegypten teilnimmt. Der Brief stammt von dem hebräischen Journalisten Hirsch Schapira und ist an seine Eltern in i; I- . >> in Jaffa gerichtet. Diesem äußerst interessanten Zeitdotument entnehmen wir folgende Mitteilung: Unsere Truppe schritt fröhlich, türkische, arabische und hebräische Freiheilslieder singend, vorwärts. Der Marsch in der Ebene auf ziemlich guten und zum Glücke genug trockenen Straßen war nicht übermäßig ermüdend. Nur wegen des Wassermangels halten wir hie und da zu leiden. Meine Kameraden blickten mit geradezu ehrwürdiger Scheu auf die neben uns sich wiegend dahin trabenden zahmen Kamele, welche unter der Last der schweren Wasserschläuche fast zusammenzubrechen Ichienen. Die Kamele knieten mit fast glückseliger Höflichkeit vor uns nieder, damit wir die herabhängenden Wassergefäße ausleeren, worüber sie sich nicht nur deshalb freuten, weil dadurch ihre Last leichter wurde, sondern vielleicht auch deshalb, damit ihre treuen Begleiter ihren brennenden Durst stillen können. Haben wir uns doch unterwegs gegenseitig so lieb gewonnen, daß wir ein gefallenes Kamel ebenso aufrichtig betrauerten, wie einen gefallenen Kameraden. Ich weiß nicht weshalb, aber wir hielten unsere erste längere Rast bei Beer-Seba. Das Anfüllen der Wasserschläuche, der langen Reihen von Kamelen, sowie die sonstige Ausrüstung des Trains hat wohl auch viel Zeit in Anspruch genommen, aber wir verbrachten überdies noch zwei Nächte auf diesem heiligen Platze und in tiefer Andacht von Erinnerungen, überwältigt und geführt, umstanden wir diesen viel Jahrtausende alten „Brunnen des Schwurs", welchen noch unser Urvater Abraham gegraben hatte. (Laut der Erzählung der Bibel, hat Beer-Seba, das heißt Brunnen des Schwurs, daher seinen Namen erhallen, weil Abraham bei diesem Brunnen den Bundeseid mit dem König der Philister, Abimelech, leistete. D. Red.) Ein zionistischer Trainsoldat hatte einen trefflichen Einfall: man sollte die biblische Szene erneuern! Und er führte seinen Plan auch sofort aus. Er trieb sieben Schafe vor den Brunnen, stellte dann die arabischen Jungens auf die eine Seite des Brunnens auf und die jüdischen ihnen gegenüber. Auf ein Kommando erhoben sämtliche ihre Schwerter und schwuren einander bei dem Brunnen des Schwurs Frieden und Treue zu: Araber und Juden sollen fortan im heiligen Lande einander nichts zu Leide tun . . . Nachdem wir das Seir-Eebirge und die Paranwüste gestreift hatten, gelangten wir zu den „Gräbern der Sehnsucht", wo ich wahrhaftig nicht nur Mitgefühl, sondern auch Sympathie zu empfinden begann für jene meine Vorfahren, welche nach ihrem Auszuge aus Aegypten in dieser Gegend von Hunger geplagt, sich zu den alten ägyptischen Fleischtöpfen zurückgesehnt hatten. Und in diesem Augenblicke war ich der Meinung, daß sie vielleicht ungerechterweise mit der so schweren Strafe bedacht wurden, Jahrtausende hindurch in diesen Wüstengräbern ruhen zu müssen . . . Sei mir nicht böse, teurer, guter Vater, daß sich in mir auf diesem heiligen Orte so gottlose Gedanken regten, aber ich selbst war auch so hungrig und sehnte mich gleichfalls nach den ägyptischen Fleischtöpfen, welche wir von dem englischen Train erbeuten werden . . . Die Engländer ließen auch nicht lange auf sich warten. Bei Akaba landete eine recht stattliche Truppe, und wir ließen sie fast bis zum Fuße des Sinaiberges Vordringen. Unsere Artillerie hatte damals bereits längst die Geschütze aus den Sinaiberg hinausgeschleppt und auch der Berg Horeb wurde von einer starken Artillerieabteilung besetzt. Du kannst Dir denken, teurer Vater, welche Freude es war, den Kanonendonner vom Berge Sinai zu hören. Und was für „Offenbarung" war es, für die aus Aegypten ausgezogenen englischen Truppen. Unter Blitz und Donner fielen die „steinernen Tafeln" auf ihre Häupter und die unsrigen standen und feuerten auf dem heiligen Berge wie Halbgötter. Ehrlich gestanden, hat mich ein eigenartiger heiliger Schauer ergriffen, als wir uns dem Sinai näherten, und ich sah, wie arabische Rosse mörderische Maschinen aus jenem Berg hinaufzogen, von welchem unter den zehn Geboten auch der Ruf in die ganze Welt hinausscholl: „Du sollst nicht morden!" Aber wir töi neu wahrlich nichts dafür, daß die englischen Söldner sich hieher gewagt haben, vielleicht um hier für ihr Verbrechen gestraft zu werden. Denn nur wenig englische Soldaten haben das Wort von dem Fuße des Berges Sinai weitergetragen ... _ Als unsere Truppe vom Sinai gegen den ^uezkanal zu marschieren begann, kam es mir in den ^inn, daß wir ungefähr denselben Weg in umgekehrter Richtung von Palästina nach Aegypten zurücklegen, den unsere Vorfahren gewandert sind, als sie aus Aegypten nach Palästina auszogen. Aber damals mutzte der Suezkanal noch nicht gestürmt werden. Damals war das Gebiet bei Baal Zefon und Pi-Hachirot noch trockenes Land, ^-ie hätten übrigens auch den Kanal trockenen Fußes übersetzen können, denn damals geschahen ja noch Wunder. Uns aber wird es wahrscheinlich noch viel Arbeit kosten, um den Suezkanal trocken oder zu Wasser zu übersetzen. Die Hauptsache ist jedoch, daß wir uns ihm schon nähern und daß unsere Kamele, wenn die „Amalekitten" uns nicht irgendwo in der Flanke angreifen werden, bald in Mizrajim im Lande Goschen werden weiden können, und wir uns ergötzen können an den zerfallenen Pyramiden der Pharaonen, welche der ausgezeichneten türkischen Artillerie als großartige Deckung für die Geschütze werden dienen können. Serusiü'em aks Hauptquartier. Jerusalem ist zum Hauptquartier des Heeres gemacht worden, das in Palästina gegen Aegypten operiert. An den Stätten, zu denen sonst aus alten Teilen der Welt fromme Beter wallten, in der Nähe der heiligen Kirche, mit denen die teuersten Ueberlieferungen an das Erdendasein des Herrn geknüpft sind, hallen Kommandorufe und dröhnt der Schritt der marschierenden Regimenter. Die aufregendsten Gerüchte eilen durch die Straßen und entflammen die Wut der Mohammedaner gegen die Engländer immer mehr. So erregte das größte Aufsehen eine Nachricht, daß die Engländer die Gebeine des Propheten gestohlen hätten und daß der Krieg nun geführt werden müsse, um diese geweihten Reliquien des Islam wiederzugewinnen. Die Truppen sind alle gut ausgerüstet und mit modernsten Waffen versehen. Große Mengen von Minen, Gewehren und Munition sind von Konstantinopel nach Jerusalem gebracht worden. Die Beduinen des Gebietes, das an den Grenzen Aegyptens liegt, sind mit deutschen Kanonen ausgerüstet. Sehr stark befestigt ist der Libanon; türkische Truppen haben ihn besetzt, und die Befestigungen sind nach den modernsten Mustern angelegt. WeraTscheöeriaks Müder standrechtlich erschossen. Aus Zürich wird uns geschrieben: Wie Kiewer Blätter melden, wurde Singajewski, ein Bruder der Wera Tscheberiak, welche im Beilisprozeß eine so unheilvolle Rolle gespielt hatte, standrechtlich erschossen, weil er von der Armee, welcher er als Reservist zugeteilt war, vom Schlachtfelde weg desertiert ist. Wie erinnerlich, war der ganze Beilisprozeß auf den Aussagen der Wera Tscheberiak und ihrer Brüder aufgebaut, und es ist bekannt, daß das Untersuchungsmaterial für jeden Unbefangenen ergeben hatte, daß die Wera Tscheberiak und ihre Sippe an der Ermordung des Knaben Juschtfchinsky, wegen welcher Beilis unschuldig zu leiden hatte, beteiligt waren. Trostkostgkeit der -Lage der Süden in Mußkand. Einer dringenden Depesche der Petersburger Abteilung der „Jca" an das amerikanisch-jüdische Kriegshilsskomitee entnehmen wir, daß die Juden in ganz Russisch- Polen und in dem größten Teile der Gouvernements Kowno, Wilna, Grodno, Wolhynien, Podolien und Beßarabien sich in der größten Hungersnot befinden. Die Zahl der Flüchtlinge und Obdachlosen beträgt rund zwei Millionen. Das in Petersburg zustandegekommene Hilfskomitee sei nicht in der Lage, der Situation Herr zu werden. Amerikanische Hilfe, eventuell Entsendung einer Kommission, sei dringend notwendig.

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