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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-01 · 1 (1.1.1915) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 13 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 1 Wort die treibende Kraft in allen diesen Wohlfahrtseinrichtungen. Der Kultusvorsteher Herr Jos. Holländer hat eine Aktion eingeleitet und seinen Einfluß dahin geltend gemacht, für die Flüchtlinge auch von Seite der Regierung eine Unterstützung Zu erwirken. Aber auch jenen, die nicht Aufenthalt nehmen iit den Mauern Lundenburgs, jenen, die ein gastlich Dach suchen in anderen Orten, gilt die Fürsorge unserer Glaubensgenossen. Den energievollen Bemühungen der Präsidentin des israelitischen Frauenvereines in Lundenburg, Frau Dr. Regine Bauer, ist es gelungen, ein Komitee zu gründend das die Aufgabe hat, die durchziehenden Heimatlosen mit Speise und Trank zu laben. Und wenn so manche arischen Damen von der Labestation des hiesigen Roten Kreuzes, bei denen der atavistische Judenhaß den Bildungsfirnis durchbrochen, sich liebloser Aeußerungen schuldig gemacht haben, so fei ihnen von dieser Stelle bedeutet, daß die Mittel für diesen humanen Zweck aus den Taschen der Juden ausgebracht werden, jener Juden, die schon so viel für die allgemeine Fürsorge geleistet, jener Juden, welche beim Wohltun nach Konfession, Nation und Klasse der Bedürftigen nicht fragen. Unterstützt wird Frau Dr. Bauer in ihrem hilfreichen Wirken von Frau und Herrn Karl Künstler jun. und noch vielen anderen, die namentlich anzuführer uns der Raum mangelt. Alle diejenigen, die ihre Kraft einsetzen, große materielle Opfer bringen, um das Los so vieler Beklagenswerter zu erleichtern und erträglich; zu machen, üben ein humanes Werk und können das Bewußtsein in sich tragen, als gute, edle Menschen gehandelt zu haben. S a l. Fried. Bodenbach. Wenn wir in Friedenszeiwn Ihnen, sehr geehrter Herr Schriftleiter, von unseren öffentlichen Veranstaltungen häufig Nachrichten gegeben haben und Sie dieselben in Ihrem in der jüdischen Öffentlichkeit gerne gelesenen Blatte veröffentlicht haben, will ich Ihnen auch einen .kurzeil Kriegsbrief senden, und ich bi te. da ich glaube, daß er des Interesses für die Oeffentlichkeit nicht entbehrt, ihn gefälligst zu veröffentlichen. Aus unserer kleinen Geineinde sind über sechzig Mann (verheiratete und ledige) bereits eingerückt. Bisher haben wir einen Toten zu beklagen: den auf dem nördlichen Kriegsschauplatz bei Komarow beim tapferen Vordringen auf dem Felde der Ehre gefallenen Leutnant der Infanterie Fritz Rothschild, Direktorstellvertreter des Wiener- Bankvereins, der allgemein beliebt war und sehr betrauert wird. — Vor einigen Tagen starb hier ein aus der Bukowina stammender Infanterist B e r n a r d Kirmeier aus Piedykoutz (Bukowina), der als Verwundeter nach Tetschen gebracht worden war. Die Stadt Tetschen veranstaltete dem ersten in der Stadt zu Grabe getragenen Soldaten ein prunkvolles Leichenbegängnis. Die Bezirksbehörden, die Bürgermeister der beiden Städte Bodenbach und Tetschen, Beamte, uniformierte Vereine und eine zahlreiche Menschenmenge begleiteten den Sarg auf den isr. Friedhof in Rosawitz. Zweimal sprach der Ortsrabbiner: in Tetschen. wo der Sarg aufgebahrt war. und am Friedhof. Hier nahm auch ein Offizier Abschied von dem Kameraden. — Der Krieg bat uns auch galizische Flüchtlinge beschieden, und zwar für die Schultern unserer kleinen Gemeinde nicht zu wenige. 1700 Flüchtlinge kamen hier an und wurden ans 28 Stationen verteilt, da unsere Gemeinde 84 politische Gemeinden in sich schfteßtz Anfangs in Massenauartier.-n nntergebracht, hat ein Hilfskomitee, an dessen Sv'tze der Kultusvorsteher Herr Adolf Pächter und der Rabbiner- Herr M. Freund loww mehrere Herren und der Frauenverein steben. die Flüchtlinge in Privatquartieren untergebracht und für Strohsäcke und Decken, weiters für Kleidung und Wäsche gesorgt. Die einzelnen Stationen unterstehen Pflegern, die die Kolonisten ihrer Station zu betreuen haben. Die Unterstützungsgelder des Staates erhalten die Flüchtlinge auf die Hand, doch hat man durch Einkauf im Großen denselben billigere Nahrungsmittel zu verschaffen gesucht. — Die Bevölkerung hat sich wahrhaft edel diesen hier in Nordböhmen seltenen orthodoxen Juden gegenüber benommen. Si: brachte Spenden an Kleidern und Wäsche in Menge, Leider spendete sie in ihrem Eifer auch g kochte Speisen und erlebte: eine mißverstandene Ablehnung. Ganze Töpse mit gekochten Würsteln, ganze Berge vo?l geschmierten Fettschnitten blieben unberührt. Doch gelang es uns, aufklärend zu wirken. Die Kinder der Flüchtlinge, auf deren Ausstattung wir große Aufmerksamkeit verwandt haben, besuchen nunmehr die Schule und bieten das treffliche Beispiel, wie sehr unrecht den armen Gäliziänern getan wurde, da man sie alle ob ihrer Schlamperei verurteilte. Die Kinder sind sauber und blank und erstellen das Herz des Lehrers, der die wissensdurstigen Kleinen liebgewinnen muß. Im großen und ganzen haben wir es vermocht, mit unseren schwachen Kräften, die wir aber zusammengehalten haben, den lieben Gästen die Zeit ihres Exils, die Gott nur bald kürzen möge, menschlich zu gestalten-. F- Die Lage der Juden in Lodz. Der auf dem östlichen Kriegsschauplatz der deutschen Armee entsendete Spezialberichterstatter des „Az Est" Andor Adorian veröffentlicht in der Weihnachtsnummer des genannten Blattes mit Genehmigung des deutschen Generalstabes unter dem Titel „In Lodz mit der deutschen Armee" einen sehr interessanteil Artikel, dem wir die folgenden Stellen entnnehmen: „Seit dem Kriegsausbruch wird Lodz von wahrem Unglück verfolgt. Als die Deutschen noch im August das erstemal vorrückten, haben die großen Fabriken die Arbeit eingestellt und die Arbeiter, welche nicht einrücken mußten, wurden brotlos. Da ein großer Teil der Fabriksbesitzer Deutsche waren und noch vor Ausbruch der Feindseligkeiten flüchten mußten, hat die Arbeit in den Fabriken aufgehört und die Arbeiter blieben ohne Arbeit. Die Lage der Stadt muß vordem auch nicht sehr trostvoll gewesen sein. Die Stadt besaß nie eine Selbstverwaltung, sie hat keinen Magistrat. Ihre 600.009 Einwohner sind unorganisiert und leben ohne wirkliche städtische Verwaltung. Alles, selbst die Kanalisierung, geht ihr ab. Die Stadt stand unter der Herrschaft des Gouverneurs und der Gendarmeriechef war der Herr. Weisungen erhielten sie immer von Petersburg. Ein großer Teil der Arbeiter ist sozialistisch gesinnt, ein Grund mehr, daß die Regierung ihnen Mißtrauen entgegenbringt. Ein Drittel der SBeböKleruitej besteht aus Juden, welche von den polnischen Bewohnern gemieden werden. Die Judenfrage hat hier eine große Bedeutung. Der Russe verachtet den Juden, duldet ihn aber neben sich. Besonders in Polen. Mit Hilfe der Juden hält die russische Regierung die Polen in der Hand. Den Polen hinwieder gestattet sie, daß sie die Juden tyrannisieren. Sie spielt eben die einen gegen die anderen aus. Beim ersten Herannahen der Deutschen haben die Juden dieselben als Befreier begrüßt, während dre Polen aus Angst vor russischer Vergeltung sehr zurückhaltend waren. Als die Deutschen zum erstenmal aus der Stadt zogen, haben die Russen an den Juden erbarmungslose Rache genommen. Die Denunziationen haben Kets die Polen besorgt, teils aus Haß und teils aus Brotneid. Es brachen wahre Schreckenstage herein. General T e o d o r o w i t s ch, der russische Gouverneur, entzog sämtlichen Juden das Recht des Teeverkaufes. Bald darauf

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