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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-01 · 1 (1.1.1915) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 13 erließ er den Befehl, daß sämtliche Juden innerhalb 24 Stunden: die Stadt verlassen müssen, weil sie zugunsten der Deutschen Spionagedienste geleistet hätten, und ihnen behilflich gewesen wären. Diese Verordnung hat der General wohl später widerrufen, legte jedoch den Juden die Verpflichtung auf, die Telegraphenlinie von Lodz bis Kaluski zu bewachen und die gemeinsame Verantwortung dafür zu übernehmen, daß diese Telegraphenlinie liicht beschädigt ivird. Dann wurde den Juden eine besondere Kriegssteuer auferlegt. Groß ist die Zahl derjenigen, welche unter dem Vorwände, daß sie deutsche Spione seien, verurteilt und in den Kerker geworfen wurden. Ein jüdischer junger Mann namens Culeski wurde gehenkt, weil ein Pole ihrr angezeigt halte, daß er mit einenl deutschen Wachtrucister in einem Kalseehause diskutierte. Viele sind verschwunden, über deren Schicksal man bis heute nichts weiß. Die wenigen Wochen, welche die Russen in jener Zeit in Lodz verbrachten, waren eine harte Probe für die Bevölkerung. Die Soldaten plünderten und raubten. Die russische Armee war schlecht verpflegt, weshalb die Geschäfte und selbst die Privatwohnungen gewaltsam geöffnet und alle Lebens mittel fortgeschleppt wurden. Die Preise schnellten in unglaublicher Weise in die Höhe. Als der zweite Einzug der Deutschelt erfolgte, hatten sich die Juden darüber am weiften gefreut. Sie küßten einander auf der Straße und jeder von ihnen hielt den Sieg der Deutschen für den größten Festtag. Alles war auf der Straße, die Geflüchteten und Verborgenen krochen aus ihren Verstecken hervor, und was sie an Lebensmitteln besaßen, boten sie den Deutschen an. Bald erschien jedoch eine Flut voll Bettlern auf den Straßen und alle riefen im Chor: „Chleba! Chleba!" Die deutsche:! Soldaten gaben auch hinreichend und teilten das, was sie von beit Juden erhielten, mit den hungernden Polen. j \ \ ■ 1 Im allgemeinen hat Lodz von der Belagerung wenig gelitten. Bloß in einer oder zwei Straßen sind Spuren größerer Verwüstungen sichtbar. Biel gelitten hat das Viertel der Juden, die sogenannte Altstadt, besonders ihre Synagogen, am schrecklichsten jedoch wurde der jüdische Friedhof verwüstet. Da die russische Artillerie hinter den Judenfriedhof Aufstellung genommen hatte, war der größte Teil der deutschen Granaten hierher gerichtet. Die erhöhten Grabsteine ivurden in Stücke geschlagen, sogax ein großer Teil der Gräber selbst ist vollständig aufgewühlt. Die Graua'en haben tiefe Löcher gebohrt, und an vielen Stellen sind die Gebeine der auf dem Judenfriedhof ruhenden Toten aus der Erde sichtbar. Die Toten wissen hievon nicht viel, aber die Erregung der Bevölkerung wird durch solchen Anblick nur gesteigert. Jeder fürchtet sich, jeder ist mißtrauisch, niemand wagt ein Wort zu sprechen, und die Juden zittern, daß die Polen sie wieder denunzieren werden, daß sie den Deutschen Hilfe geleistet hätten. . . ." Ein Memorandum an die amerikanischen Juden. Wie „Egycnlösseg" mitteilt, hat der Vizepräsident der ungarisch-israelitischen Landeskanzlei königlicher Rat Dr. Franz Mezey auf diplomatischem Wege ein Memorandum an die amerikanischen Juden gerichtet. In diesem Memorandum wird in mehreren Punkten auf die Tatsache hingewiesen, daß aus den von den Russen bei ihren Einbrüchen in den Karpathen besetzten Gebieten hauptsächlich die Juden geflüchtet sind. Die Ursachen, weshalb gerade die Juden und nicht etwa auch die in diesen Gegenden wohnenden Ruthenen und andere nichtungarische Nationalitäten flüchten mußten, wurden in den! Memorandum ausführlich angegeben. Ebenso ivurden die Verheerungen eingehend geschildert, welche die Russen gerade an jüdischem Besitz und jüdischem Vermögen angerichtet haben. Die meisten dieser Flüchtlinge suchten in der Landeshauptstadt Budapest bei ihren dortigen 'Klaubensbrüdern Schutz. Es wird nun dargetan, daß die ungarischen Juden bei allen infolge des Krieges notiv'ndig gewordenen humani ä'en und patriotischen Aktionen in erster Reihe zu finden waren und daher so sehr in Anspruch genommen wurden, daß sie außerstande find, die Flüchtlingsfürsorgeaktion in solchem Maße zu fördern, wie. sie es wünschten und wie es die Sache selbst erfordert. Erschwert wird diese Aktion noch dadurch, daß fast zu gleicher Zeit auch ungefähr 1000 galizische Familien auf ihrer Flucht in Budapest Halt machten und gleichfalls auf die Hilfe der Budapester Judenschaft angewiesen find. Es wird nun festgestellt, daß die ungarischen Juden selbst in dieser schweren Zeit ihre Pflicht erfüllen, daß aber ihre Kräfte nicht ausreichen, um der großen Not dieser Flüchtlinge gewachsen zu sein. Zu anderen Zeiten pflegte sich die ungarische Judenschaft, wenn es sich um eine Hilfsaktion handelte, welche den Rahmen der lokalen philanthropischen Möglichkeiten überschritt, an die Alliance Jsraelite Universelle oder an die Londoner großen jüdischen Hilfsorganisationen zu wenden. Dieses sei in diesem Falle ausgeschlossen, denn der Weltkrieg und seine Folgen haben auch die hunianitären und kulturellen Grenzlinien verschoben. Das Memorandum richtet nun zum Schlüsse an die amerikanischen Inden den warmen Appell, rasche und ausgiebige Hilfe zu leisten, welche es möglich mache, den von der russischen Invasion betroffenen Juden nicht nur momentane Almosen, sondern auch die Möglichkeit zu bieten, nach Eintritt normaler Verhältnisse wieder eine neue Existenz beginnen zu können. Vermischtes. Kranzablöfungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Settenstetteugaffe 4 für arme kranke Gkanbensyrnon n Anläßlich des Ablebens der sel. Rosalie Hossmann: Clara und Josef Bloch (für Flüchtlinge) 100 Kronen, Herr und Frau Back 50, E. und I. F. 20, zusammen 170 Kronen. Anläßlich des Ablebens der sel. Theresir Weiß aus Budapest: Moritz Reiß 10, Mar Weiß 20, Ignatz Neumark 10, Jakob Klein, Ersekujvar 20, zusammen 60 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sel. Julms Leopold Godschmird. Geh. Justizrat Dr. Bachrach 20 Kronen, Mar und Mina Schweiger 20, Richard und Alice Schweiger 20, Biß 10, zusammen 70 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sei. Sig mnd Liebenheimer: Josef Liebenheimer 10 Kronen, Jakob Beckma' 2, Aurelie Liebenheimer, derzeit Wien 4, Heinrich und Amalie Ostemann, Krakau 5, zusammen 21 Kronen. Anläßlich des Absebens der sel. Libuosa Rnzrs: Dr. Leo und Emilie Pick Kr. 20.—, Dr .Arthur u. Melanie Klein, Budapest 20.—, Dr. Hermann und Irma Deutsch 20.—. Zusammen Kr. 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Eduard Kraus: Josef und Ludwig Kraus Kr. 50. -, Kurt Graf, für Flüchtlinge 10. , Dr. Stiedry 20. , Josef Kraus 20.—, Wolf Kraus 10. , W. Kraus 10.—, Gabor Rosenfeld 10. , A. Kompert 10 , Dr. Moritz Politzer 10. , W. Grab Söhne 40.—, Adolf Bruckner 10.—, Rori und Robert Beck 20. , Sigmund Jäger 20. , Anton und Berta Beck 20. —, Prag Rudniler Korbsabrik für Flüchtlinge 400.— , Mar Kraus, Prag 20.—. Zusammen Kr. 360.—. Anläßlich des Ablebens der sei. Irma Horn: Joachim Rittermann Kr. 10. . Anläßlich des Ablebens der sei. Ernestine Pilprl: Eäcilie Dreikurs Kr. 10. , Jenny Lindner 10. , Isidor Förster 10. . Zusammen Kr. 30.—. Anläßlich des Ablebens des scl. O. l r Friedmann: Hermann Schlesinger Kr. 10.—, Emil Spider 10.—, Emil Gei.i igec 10. , Siegfried Eeiringcr 10. . Zusammen Kr. 40.—. Anläßlich des Ablebens des sei. Eduard Kraus: Heinrich Klinger Kr. 30.—.

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