Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 1 (1.1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 1 Non jeher wurde in unserer Mitte die Pflicht der Gesang nen uns anzunehmen, über alles hochgehaltcn. Jetzt wollen wir diese Gefangenen geistig und seetisch verkommen lassen? Wir hoffen, mit dieser Aure nng, die so geringe Opfer fordert und so viel Segen erstrebt, keine Fehlbitte zu tun und ersuchen, Geldbeträge sowie Bücher der bezeichnetcn Gattung und Geigen, Harmonikas und andere Instrumente an die Adresse des Unterfertigten zu senden. Rabbiner Dr. Max Grunwal- 11/1 Ferdinandsstraße 23. Eine Bitte an den Wiener Kuttusvorstand. Schreiber dieser Zeilen hat in den letzten Wochen Landsleute in den hiesigen Verwundeienspitälern besucht und bei dieser Gelegenheit in Erfahrung gebracht, daß die jüdische Seelsorge mangelhaft organisiert ist uild viel zu wünschen übrig läßt. Auf meine diesbezügliche Anfrage erfuhr ich, daß z. B. in dem einen oder anderen Spital an demselben Tage unnötigerweise mehrere Rabbiner erschienen, während in anderen Anstalten die jüdischen Verwundeten und Kranken monatelang keinen Seelsorger zu Gesicht bekämen, auch solche, die mittlerweile mit dem Tode abgegangen sind — bis heute sind ungefähr dreißig jüdische Krieger in Wien ihren Wunden erlegen. Ich weiß einen Fall, wo ein schwerverwundeter jüdischer Soldat aus Rußland nach einem Rabbiner verlangte, und da keiner da war, hat ein zweiter jüdischer Soldat mit ihm Widuj gesagt. Es scheint mir, daß Abhilfe in dieser Hinsicht dringend erwünscht und leicht erreichbar wäre. Es ist selbstverständlich, daß der amtierende Feldrabbiner die ganze Last der Agenden (Krankenbesuche, Gottesdienste, Leichenbegängnisse u. dgl.) nicht bewältigen kann. Gibt es ja über 100 Spitäler in Wien, die, wenn mindestens einmal wöchentlich besucht, von unseren 'Seelsorgern betreut werden müßten. Vor allem Muß Ordnung in die Sache kommen. Der Kultusvorstand müßte im Einvernehmen mit den in Betracht kommenden Militär- und Zivilseelsorgern einen genauen Turnus feststellen, nach welchem sämtliche Spitäler, auch die in dev entlegensten Bezirken, von Rabbinern besucht würden, eventuell müßte jeder der Herren eine bestimmte Zahl von Spitälern betreuen, die nicht zu weit von einander entfernt sind. Die betreffenden Spitalskommanden müßten dann vom Kultusvorstande ersucht werden, den betreffenden Seelsorger in Evidenz zu führen, ihm in jeder Hinsicht an die Hand zu gehen und von der Ankunft Schwerverivundeter zu verständigen. Bei einer gutorganisierten Seelsorge hätte man auch in der Chanukawoche an die vielen jüdischen Verwundeten in den Wiener Spitälern denken können, wie dies in anderen Gemeinden der Fall war, wo Chanukafeiern für die Soldaten stattfanden. Es wird nicht großer Anstrengung bedürfen, um die jüdische Militärseelsorge in Wien, vor allem während des Krieges, in einer der Großgemeinde würdigen Weise auszugestalten. I. B. EcUe Menschenherzen! Nach langer Mühe ist es dem Verein »Erste Hilfe« endlich gelungen, im 20.8er., Bäuerlegasse 36 eine Tee- und Kaffeeballe für Arme und Flüchtlinge zu errichten, welche in der Zeit von 6 Ubr früh bis %9 Uhr abends geöffnet ist und woselbst Tee, Kaffee, Milch und Gebäck zu ganz kleinen Preisen den Aermsten der Armen, den Flüchtlingen jedoch in der Zeit von 7 Uhr früh bis 10 Uhr vormittags ein Frühstück-Tee mit Gebäck gratis verabreicht wird. Selbe ist auch groß und geräumig, so daß sie besonders jetzt den Leuten vor den Unbilden des Winters Schutz bietet. Die Eröffnung dieser Tee- und Kaffeehalle fand am 13. Dezember 1914 statt und waren u. a. anwesend: Herr kaiserl Rat Philipp Kläger, Herr Dr. Z i p s e r, Herr Dr. Thaler, in Vertretung des Tempelvereines Brigittenau der Obmann Herr Dr. Ernst Rosenthal und der Vizeobmann Herr Leopold Spira sowie die 11» rrcn Saloiuon und Löwy, in Vertretung des Herren-Unterstützun>.svereines Herr Beck; ferner die Präsidentinnen des Frauen-Wohitätigkeitsvereincs Brigittenau Frau Dr. Weiß und Frau Dr. Kohn, in Vertretung des Brodyer Vereines der Obmanfi Herr J. M. Beer und Herr Papernik u. v. a. Für das Gelingen dieses so überaus großen Werkes haben sich besonders einige Herren bemüht und sind bereits folgende Spenden eingelaufen: N. S. K 500.—, Abraham Tiger 200.—, Leo Schächter 150. - , Osias Schmuckler 100.—, Dr. J. Landau 60 —, Israel Kronik 50. - , lsak Kinsbursky 50. , Salomon Blumenstock 50.— , J. M. Beer 55.—, Max lleuberg 50.—. Samuel Taust, g & Söhne 30.— , Diskon'o-Geseilschaft 20. , David Preßburger 10.-, Frau Preßburger 10.—, Mandel 20. , M. Sonnenschein 10.—, J. Popper 10.—, Dr. Heiler 10.— , Vertreter des Brodyer Vereines 20.—, Leopold Spira 20 —, Ileinri. h Salomon 10. - , Löwy 10.—, Becherblüth 10. - , Gärtner 10.—, F. Eilig 10.—, 0 Königsberg 52.—, Dr. Leo Lindenbaum 10.- , Mandl 20.—, Herzfelder 5.—, Zipper 2.—, Fritz Grünwald 2.—, Dr. Veinberger 2.— , Leer 2.—, Deutsch 2.—, Reiter 2.—, Sattler 2. , Adler 2 —, Löffler 5.—, Porges 2.—, M. H. Landau 5.—, Körner 5.—, Jakob Löv 2. — , Satter 1..—, Stricks 2.-, Polilzer 1.—, Fischhof 1.-, Bober 5.—, L. Klinger 2 —, Maier Norwath 5. , Adolf Scböchwetl 3.—, Einfeld 3. , Seifer 2.—, Emil Weiß 2.- , Beck 5.—, Soldingcr 2 — , Kalz 2.— . Herschmann 2.—, Frau Fichtmann 2.— , J. L. Körner 5.—, Markus Hefter 5.—, II. Neuhaus 5.—, H. Sordes 2.—. S. L. Körner 2.—, A. Weiß 2. . Ilirsrhl 5. —, H. Rosenbaum 2.—, J. Popper 5.—, Rosa Schule 2 —, Dr. t'istol 1. — , Pinkas 1.—, A. Altscbul 2. — , 11. Schmidt 1.—, Braun A. 1. , Josef Braun 1. — , Gelbkopf 1. — * M. Pollak 1.—, Heinrich Neuhans 5.—. Nachdem aber die Zahl der Mitglieder leider noch keine sehr große ist und wir nach sn vieler Mühe auch bestrebt sind, dies i Teeun 1 K iffeehalle zu erh ilten, appellieren wir nun an alle edlen .Menschenherzen, durch Geldspend n oder Naturalien auch Ihr Schälilein beitragen. Spenden werten bestens dankend bei Herrn.Hof- und Gerich's-Ad'okaten Dr. J. Landau, Wien, 1., Hoben-taufengasse 7, und im Vereinslokal, XX., Bä”erlegasse 36, entgegengenommen. Hochachtungsvoll Für die Vereinsleitung: Norbert Sabarsky ' Dr. J. Landau Präsident. Vizepräsident. Emil Weiß Max Heuberg Schriftführer. Kassier. kaiserl. Rat Philipp Kläger Revisor. Wovor sie flüchten? Die kolossalen Massen jüdischer Flüchtlinge aus dem galizischen Kriegsterrain, das jammervolle Bild dieser in Schrecken und Verzweiflung in notdürftiger Kleidung davongelaufenen Familien, welche jetzt der öffentlichen Wohltätigkeit stark zur Last fallen, werfen bei manchen! unserer edelsten Mitmenschen die Frage auf: War diese Massenwanderung unbedingt notwendig? Mußten alle diese Menschen den Erwerb langer mühevoller Jahre unbedingt verlassen, oder wäre es für viele dieser, ohne? dies wenig verhätschelten Leute ratsamer gewesen, zu bleiben? Nun will ich mir erlauben, an dieser Stelle die Lage von einem Gesichtspunkte aus zu beleuchten, welcher der breiten Oeffentlichkeir, wie ich glaube, noch ungenügend bekannt ist, und Tatsachen mitteilen, die das Elend der galizischen Flüchtlinge ergänzend illustrieren. Die antisemitische Saat der letzten Jahre, in denen de* Rassenantisemitismus durch den gegen die Juden anfgenommenen Wirtschaftskampf reichlich gestützt und ergänzt wurde, hat seine Früchte gezeitigt. Speziell auf dem Lande und in den kleinen Provinzstädten war den Hetzern kein Mittel zu schlecht, wenn es sich darum handelte, eine jüdische Existenz zu ruinieren. Das wachsame Auge der Behörden hat so manchem Unglück vorgebeugt, denn der Gendarm ist ja für den Landmann ein respektgebietender Faktor.