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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-01 · 1 (1.1.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 1 Allein wir hören, daß die Mutter des abziehenden Kriegers ihm das Gebetbuch „vor dem Auszug ins Feld noch zugesteckt hatte", und da mutz selbst der trockenste Skeptizismus einer frommen Rührung weichen. Leibhaftig entsteht das herzbewegende Bild vor unserem Auge, wie der Sohn zum Abschiede, vielleicht dem letzten, zur Mutter kommt, wie sie ihn umarmt und segnet, ihn zärtlich und ängstlich fragt, ob er auch alles habe, was er da draußen brauchen werde, wie sie das und jenes noch ihm milgeben wolle, damit er nichts Notwendiges entbehren müsse. Drr Landwehrmann ade: zeigt stolz aus seinen vollgefüllten Tornister, für alles hat drr Kaiser gesorgt, Mütterchen möge ganz unbesorgt sein, es werde ihrem Liebling gewiß an nichts fehlen. Und das zitternde Mutterhrrz, das nimmer genug zu tun glaubt, wenn es nicht um etwas zu viel tun kann, rafft sich zu einem erlösenden Gedanken,, zu einer brfrelenden Tat auf. Das Siddur, das auf dem Tische aufgeschlagen liegt, und in welches sie sich jetzt mehr dennje zu versenken pflegt, das kann ihm der Kaiser nicht mitgegeben haben, und mit bebenden Fingern praktiziert sie ihm das Buch in den Tornister hinein. Der Sohn läßt es lächrlnd geschehen. Aus Kindesliebe, die bei so vielen Juden der Gegenwart die vergessene Frömmigkeit und das verlernte Gottverlrauen (vielleicht ,ä-t vollwertig) ersetzt, will er nicht dagegen protestieren, obzwar ihm jedes Mehr an dem ohnedies schweren Tornister als überflüssiger Ballast erscheint. Und aus Kindesliebe und voll Ehrfurcht für den mütterlichen Wunsch läßt er sorgfältig das Gebetbuch im Tornister ruhen, bis zu dem Augenblick, da in dem feindlichen Kugelregen, im todbringenden Hagel der Geschosse der Segen der Mutterliebe und die wunderwirkende Kraft kindlichen Gehorsams mit mathematischer Genauigkeit sich bewährten. Rahel Edel st ein. Die Kochkitte — eine Erfindung der Juden? Man schreibt der„Frks. Ztg.": Die Kochkiste, die unsere Truppen im Felde hie und da mit gutem Erfolge improvisieren — und um deren Verbreitung in Frankfurt die Damen des „Nationalen Frauendienstes" sich bemühen —, scheint eine durch die strenge Sabbatheiligung hervorgerufene Erfindung der Juden zu sein. Der berühmte Satierendichter Juvenal, der unter Trajan und Hadrian schrieb, erwähnt nämlich zweimal „den Korb mit Heu" als bezeichnendes Gerät der Juden in Rom. Der Hausrat der jüdischen Bettler, die sich in dem Hain der Kamenen oder Musen ' vor dem kapenischen Tor in der Nähe der appischen Straße angesiedelt haben, ist der Korb mit Heu (3, 14: .ludaeis. quornm copLinns flenmnque. snpeHex'. Die arme Jüdin, die der vornehmen römischen Dame ihre Träume auslegt, hat ihren Korb mit Heu verlassen, um sich in der Stadt etwas zu verdienen (6, 542: oonln'uo t'aenagua raftet".'! Man hat diese Stellen, obwohl ein alter Scholiast die richtige Erklärung bot, lange mißverstanden, bis der klassische Philologe und Bibelforscher Hermann Rönsch (in „Jahns Jahrbüchern", Band 123, 1881 und 131, 1885) nachwies, daß dieser mit Heu gefüllte Korb zum Warmhalten des Wassers und des Fleisches diente, dessen man am Sabbat bedurfte, ohne doch an dem heiligen Tage selbst etwas dafür tun zu dürfen. Die Erfahrung lehrt, daß eine solche Einrichtung die Speisen nicht nur warn: hält, sondern auch gar macht; der altjüdische Heukorb ist also im Grunde ganz dasselbe wie die moderne Kochkiste. Eine jüdifch-tlieokogische Aakuktät in Saloniki. Zu der Meldung auswärtiger Blätter, daß die griechische Regierung in Saloniki eine Universitätsgründung plane, sei bemerkt, daß im vergangenen Sommer von dem damaligen leitenden Staatsmann in Athen dem Einsender dieses Hinweises die Absicht eröffnet wurde, an dieser neuen Universität auch die jüdisch-theologischen Fächer besonders zu berücksichtigen. Auf den Einwand, daß damit kein Novum zu verzeichnen wäre, da andere Universitäten, auch in Deutschland, derartige Lehrstühle vereinzelt geschaffen hätten und nur die Einrichtung einer besonderen jüdisch-theologischen Fakultät auf die jüdische Bevölkerung Neu-Griechenlands einen nachhaltigen Eiirdruck und Einfluß ausüben könne, wurde auch diese. Gründung in Aussicht gestellt. Ob mit dem inzwischen eingetretenen Wechsel im Ministerium auch ein Wandel in der Stellungnahme zu dieser Frage verbunden ist, läßt sich von chier aus nicht beurteilen. Wir wollen es jedenfalls nicht unterlassen, die führenden jüdischen Kreise auf den Sachverhalt hinzuweisen. Für die Judenheit, die des Ostens vor altem, wäre ein solcher Fortschritt von allergrößter Bedeutung. G. Vertreibung der Juden aus Vufsisch-WoL'en. Einer Züricher Depesche der „Kölnischen Zeitung" zufolge wird dem Mailänder „Avanti" aus Rußland von außerordentlich strenger Reaktion gegen die liberalen Elemente berichtet. Mit besonderer Strenge werde iit Polen gegen die jüdischen Elemente, die deutschfreundlich sind, vorgegangen. Sehr viele Juden seien bereits hingerichtet oder mit schwerem Kerker bestraft worden. Die jüdische Bevölkerung Russisch-Polens wurde innerhalb 24 Stunden ausgewiesen, ihre Besitztümer wurden zerstört, Tausende von Frauen, Greisen und Kindern mußten wochenlang bei schlechtem Wetter zu Fuß abreisen, wobei viele umgekommen sind. Gin christlich sozialer antisemitischer Abgeordnete als „Kriegsfreiwilliger". Wie der deutsche sozialdemokratische Abgeordnete Ludwig F r a n k, so hat auch in Oesterreich ein christlichsozialer antisemitischer Abgeordneter sich als „Freiwilliger" gemeldet. Aus Znaim wird der „Arbeiter-Zeitung" nämlich geschrieben: Unmittelbar nach Kriegsbeginn wußte die Nationalverbandspresse zu melden, daß eine größere Anzahl von Mitgliedern des Deutschen Nationalverbandes nach einer Sitzung zum Landesverteidigungsminister fuhren und sich als Kriegsfreiwillige meldeten. Unter ihnen war der Abgeordnete von Znaim, Oskar Teufel. Es vergingen aber mehrere Monate, ohne daß Abgeordneter Teufel eingerükt wäre; erst in der Zeit, da die Behörden den Auftrag erhielten, die Musterungslisten anzulegen, sah sich Herr Teufel nach einer geeigneten Betätigung um. Hätte der Herr Abgeordnete noch kurze Zeit gezögert, so wäre er wie andere Staatsbürger der Musterung unterzogen worden, hätte dann möglicherweise als Infanterist einrücken müssen, natürlich ohne jede Charge, da er nicht gedient hat. Auch wäre ihm dadurch die Möglichkeit entzogen worden, als Kriegsfreiwilliger einzurücken. Dieses freiwillige Opfer, das Abgeordneter Teufel brachte, fand bemerkenswerte Anerkennung. Er wurde — obwohl er nie Soldat gewesen — sofort Kommandant eines Roten Kreuz-Zuges und steht im Range eines Hauptmannes, mindestens was dessen Gehalt und Kriegszulagen betrifft. Sein monatliches Einkommen beträgt ungefähr 500 bis 600 Kronen, auch ist er durch seine gegenwärtige Stellung der Pflicht der Musterung enthoben. Ob außer dem Abgeordneten Teufel auch andere Kriegsfreiwillige eine ähnliche Stellung bekleiden, ist uns nicht bekannt. Der Mrief der Schwester Marie Iherefe. Samuel Schwarz, der Sohn des Kleinwardeiuer Schneidermeisters Armin Schwarz, war Beamter der Genossenschaftsbank der Landwirte in Kleinwardein und absolvierte sein Freiwillige.tjahr im 65. Infanterieregiment, als der Krieg ausbrach. Er rückte als Fähnrich ein und wurde bald zum Leutnant befördert. Am 3. November trug er auf dem südlichen Kriegsschauplätze eine schwere Verwundung davon und wurde nach Wien gebracht, wo er im Reservespital Nr. 2 hingebungsvoll gepflegt wurde. Leider konnte er nicht gerettet werden und ist am 27. November seinen Wunden erlegen. Seine Eltern korrnten der Beerdigung nicht beiwohnen, aber Armin Schwarz erhielt, wie „Egyenlösseg" meldet, eine Woche nach dem Ableben seines Sohnes das folgende Schreiben:

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