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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-01 · 1 (1.1.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 7 bald verwehen, aber Ihr Lied wird bleiben und wird Ihnen zu dem Siegerkranze auch den Lorbeer des Dichters um die Schläfe winden. Gott sei mit Ihnen und führe Sie gnädig wieder heim. In treuer Waffenbrüderschaft Ihr aufrichtig ergebener Dr. jur. v. Dickhuth-Hg.rrach Generalleutnant, Gouverneur von Thorn. Dr. Z u ck e r m a n n, der bis zu seiner schweren Verwundung in 31 Gefechten die höchste Bravour betätigte, gehörte von frühester Jugend der jüdischnationalen Bewegung an, arbeitete literarisch auf verschiedenen Gebieten und verfaßte in freien Stunden reizende Gedichte, die er in mehreren jüdischen Blättern und Sammelwerken veröffentlichte. Als jüdischnationaler Parteimann gehörte er während seines Aufenthaltes in Wien dem zionistischen Distriktskomitee an. Hugo Zucke r m a n n war ein Großneffe des kürzlich verstorbenen Generalstabsarztes Dr. Zucker mann und sein frühzeitiger Heldentod erregt in weiten Kreisen aufrichtige Teilnahme. Die israelitische Kultusgemeiude Eger widmete ihm ein Ehrengrab. Km Lieöesgaveiigedicht. Frau Berta S ch w a r z b a r t, geborene Ferber, in Jamnitz (Mährenf hat in anerkennenswerter Weise > arbeitsfreudigen Mädchen und Frauen des Städtchens eine Strickstube in ihrem Heim zur Verfügung gestellt und eine große Anzahl Brustschützer, Bauchbinden, Schneehauben re. als Kälteschutzmittel für unsere Soldaten dem Kriegsfürsorgeamt zugesendet. Die genannte Dame legte jedem Stück ein kleines Gedicht bei, deren eines lautete: ..Bekomm' ich Antwort auf die Fragen, Wer wohl die Haube hier wird tragen. Ist es ein Held im Süden, Osten, West? So halt' ihn. liebe Haube, warm und fest. Mögst zärtlich Du ihm dann ins Ohr auch sagen, Daß alle Maschen gute Wünsche tragen Für die. die draußen für uns streiten, Mög' Gott stets ihre Schritte leiten. Daß bald, was wir ja stets erwartet hatten, Begrüßen uns're tapf'ren Söhne, Brüder, Gatten." Aus diese Sendungen langten bereits Dankzuschriften vom Kriegsschauplatz an die patriotische Spenderin ein. Kirr Aeldpostvrief. Ein alt Herrn Rabbiner Dr. Lew in in Nikols bürg gerichteter Feldpostbrief: 26./XI. 1914. Euer Ehrwürden? In Rußland im Felde stehend, habe ich beim Beziehen einer Feldwache einen Massengräberfriedhof von 40 gefallenen österreichisch-ungarischen Soldaten gesehen. Unter anderen war ein Grab separat, worin ein Leutnant mit Namen Jakob P a s z t e r n a k aus Eperjes, Ungarn, vom Infanterieregiment Nr. 67, bestattet ist. Er ist am 19. November im Gefechte beim Walde von Goravjes gefallen. Bitte den Angehörigen die Nachricht zu geben, daß er, obwohl fern von feinen Anaehörigen begraben und verlassen, von seinen Glaubensbrüdern, die im Felde stehen. beute am Grabe seinen Kaddisch bekommen hat, da wir fünf Mann das Gebet verrichtet und dabei zum Allmächtigen uw baldigen ehrenvollen Frieden gebetet haben, damit alle Krieger ohne Unterschied zu ihren Lieben zurückkehren können. Bitte auch zu Hause für die vielen getalKnen Glaubensbrüder und für die Lebenden Gebete verrichten zu lassen. Zugsführer Ludwig Eisler, k. k. Landsturmbataillon Nr. 5, 2. Kompagnie, Feldpost 186. Verleihung des Gemeinde-Khrenbürgerrechtes an eine Krau. Die Gemeindevertretung von Proßnitz hat der Frau Johanna L a s u s in Würdigung ihrer mehr als sechzigjährigen erfolgreichen humanitären Tätigkeit als Borsteherin des Proßnitzer Frauen-Wohltätigkeitsvereines einstimmig das Gemeindeehrenbürgerrecht verliehen. Es ist dies wohl der erste Fall der Verleihung des Gemeindeehrenbürgerrechtes an eine Frau. Grausame Behandlung der Juden in Bußland. Der Kopenhagener „Sozialdemokrat" veröffentlicht folgenden Brief aus den Reihen des Bundes jüdischer Arbeiter in Litauen, Polen und Rußland, datiert Genf, 12. November 1914: Wir bitten Sie, in Ihrem Blatte folgender Mitteilung Raum zu gewähren, die uns aus absolut sicherer russischer Quelle zugegangen ist: Unter dem Vorwand, daß die Juden mit den Deutschen sympathisieren, behandeln die obersten Autoritäten des russischen Heeres in Polen die dortigen Juden mit der größten Grausamkeit. Eine große Anzahl Juden sind erschoswn, gehängt, ins Zuchthaus geschickt oderkörperlich mißhandelt worden. In Lodz und anderen Städten haben militärische und zivile Pogrome stattgefunden. Die ganze israelitische Bevölkerung in Grodzisk. Skierniewice,' Lowicz, Sochaezow, Govo Kalwavie ist binnen einer Frist von drei bis vierundzwanzig Stunden ausgewiesen und ihre Häuser sind geplündert worden. Die Tausende von Männern, Frauen, Kindern und Greisen, unter ihnen auch Kranke, die so von Haus und Heim gejagt worden sind, haben sich Tage und Wochen im Hevbstregen weiterschleppen müssen. Unterwegs haben mehren Frauen geboren und mehrere Kinder sind gestorben. Hunderttausend Juden haben in Warschau Zuflucht gesucht. Die gleichen verzweifelten Zustände herrschen in dem Teile Galiziens, der von der russischen Armee besetzt ist. Bufsifcher Belpekl vor Amerika. Beim Einmarsch der Russen in Rzeszvw wurde unteranderem der amerikanische Bürger Mendel B i g a i e r, der seinen Kuraufenthalt in Pistyan zu einem Besuch seiner Verwandten in Galizien unterbrochen hatte und vom Kriege überrascht worden war, von Kosaken überfallen und seiner Barschaft von 1300 Kronen vor den Augen des Kommandanten beraubt. Bigaier rief diesen entrüstet zu: „Herr Kommandant, Sie haben nicht Soldaten, sondern Räuber hierhergeführt." Ter Offizier antwortete: „In einer halben Stunde werden Sie gehenkt" und ließ den Inden abführen Dieser rief ihm aber noch im letzten Moment zu: „Das werden Sie teuer büßen, ich bin amerikanischer Bürger." Ter Russe erkundigte sich unter der Hand nach Bigaiers Nationalität und man bestätigte ihm, daß er aus New-syork stamme und amerikanischer Untertan sei. Hierauf erfolgte sofort die völlige Freilassung. Das Gebetbuch aks Lebensretter. Die „Illustrierte Zeitung" vom 19. November bringt die Abbildung eines Gebetbuches, durch welches seinem Besitzer das Leben gerettet wurde. „Ein schlesischer Landwehr-Unterofsizier, der gegen die Russen gekämpft, hat sein Leben dem Umstande zu verdanken, daß die russische Schrapnellkugel, die ihm Kochgeschirr und Tornister durchschlagen, in dem Gebetbuch stecken blieb, das ihm seine Mutter vor dem Auszug ins Feld noch zugesteckt hatte." So der lakonische Bericht, der die Abbildung „der durchschlagenen Seilen des Gebetbuches mit der steckengebliebenen ^chrapnellkugel" begleitet. Und auch wir könnten uns damit begnügen, in diesem glücklichen Zufalle mehr das Walten physikalischer Gesetze als eine göttliche Fügung zu sehen und das Wunder dieser Lebensrettung mit einer mathematischen Formel zu erklären, nach welcher die mit einer gewissen Anfangsgeschwindigkeit abstoßende Schrapnellkugel durch eben die Hindernisse des Tornisters und Kochgeschirres so sehr in ihrer Stoßkraft abgeschwächt wurde, daß dieselbe sodann in den schwachen Blättern eines Buches wirkungslos enden mußte.

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