Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 1 (1.1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 1 Artisseriekeulnant Andre ^5uKacz. Es wurde bereits kurz berichtet, daß der Großwardeiner Großkaufmann Dr. Endre Lukacs, Reservelcutnant des 19. Artillerieregimeuts, am 27. November bei Homonna den Heldentod gefunden hat. Doktor Endre Lukacs hatte vorerst den serbischen Feldzug kämpfend mitgemacht, kam dann auf den russischen Kriegsschauplatz, wo er an mehr ats 20 Schlachten teilnahm und überall unvergleichlichen Heldenmut bekundete. Bei dem Einbruch der Russen in die Karpathen hat ihn dann schließlich sein tragisches Schicksal ereilt. Seine Kameraden, welche ihn schwärmerisch liebten, referierten in rührenden Mitteilungen seinen Eltern über den Tod des jungen Helden. Artillerieoberleutnant Ludwig Zenk schrieb an die Eltern des gefallenen Helden unter anderem wie folgt: „In meinem Briefe vom 27. November habe ich Jhnea in größter Eile die auch mich tief'niederschmetternde Nachricht bekanntgegeben, daß mein guter Freund Endre Lukacs als mutiger Verteidiger des Vaterlandes gefallen ist. Der infolge des Verlustes meines so sehr geliebten Freundes empfundene große Schmerz hinderte mich damals, mit so recht vom Herzen kommenden Worten Ihnen alles mitzuteilen, wie ich es in meinem Innern empfand. Ich mußte meine Tränen trocknen, um in dem schwersten Augenblicke meines Lebens nicht schwach zu erscheinen. Deshalb ist der Tenor meines letzten Brieses so trocken. Heute habe ich ein wenig Zeit, um mein Herz auszuschütten, deshalb kann ich, heute die näheren Umstände seines Todes beschreiben. Am 27. November standen wir in der Homonnaer Schlacht im heftigsten Kanonenfeuer. Morgens 9 Uhr erhielten wir den Befehl, dem Feinde näherzurücken und die in Deckung liegende Infanterie und Artillerie unter Feuer zu nehmen. Nachmittags 1 Uhr 30 Minuten besetzten wir unsere neue Stellung; damit jedoch die Batterie eine entscheidende Wirkung erziele, mußten wir sie auf eine Höhe bringen. Und dann begannen wir das Feuer. Aber es währte nicht lange und der Feind hatte unsere Stellung entdeckt. Ein wahrer Hagel von Flinteukugeln, Granaten und Schrapnells hatten den Boden um uns herum förmlich aufgewühlt. Ich blieb ruhig beim Telephon. Da — ich wollte meiner: Augen kaum trauen — schlägt eine Granate gerade vor einem Geschütze irr den Boden ein. Ich sehe noch, wie die Granate explodiert und sah dann bloß noch eine verworrene dunkle Masse. Endre als Abteilungstommandant kniete gedeckt hinter der Kanone. Die Granate ging durch der: Geschützpanzer durch und traf ihn und den neben.ihm befindlichen Einjährig- Freiwilligen namens K l o r. Wir feuerten weiter und wie das Ergebnis zeigte, war unser Opfer nicht vergebens. Wir sprengten drei feindliche Maschinengewehre in die Luft und machten einige Geschütze unschädlich. Endre konnten wir erst am Abend begraben. Jede seiner Verletzungen war tödlich. An jener Stelle, wo er als Held bis zur letzten Minute aushielt, wo er als braver Soldat gefallen ist, dort wölbt sich über ihm jetzt der Grabhügel und über demselben der Geschützpanzer, den er so heldenhaft verteidigte, als schönste Zierde seines Heldengrabes." Hauptmann Karl Mäuler, Batteriekommandant, schreibt unter anderem: „Ihr Kind ist den Heldentod gestorben. Und wir alle wurden tief erschüttert von dem Bewußtsein, daß wir in ihm einen Kameraden, dessen Heldenmut sich im Kampfe erprobte, und einen braven Soldaten verloren hoben. Wir werden sein heldenhaftes Andenken ewig in unserem Herzen bewahren. Er ist jetzt schon der ewigen Ruhe teilhaftig. Wir beugen uns in tiefster Ergebenheit vor dem Schmerze, den Ihnen diese Zeilen bereiten müssen." Zwei Mitglieder der Familie reisten auf den Kriegsschauplatz, um den Leichnam zu exhumieren und heimzubringen. Das Leichenbegängnis in Großwardein war eine imposante Kundgebung nicht nur der Bevölkerung der Stadt, sondern auch der Umgebung, denn Dr. Endre Lukacs genoß auch im Zivilleben die Hochachtung aller Gesellschaftskreise. Das Leichenbegängnis fand unter dem Auswande des üblichen militärischen Pompes statt. Zahllos waren die Blumenspenden, und auf einem besonderen Wagen wurde jener durchschossene Geschützpanzer geführt, hinter welchem Dr. Lukacs seinen Heldentod gesunden hat. Als nach Absingung der hebräischen Gebete durch Oberkantor Jenö Weiß Oberrabbiner Dr. Leopold Kecskemeti dem jungen Helden einen Nachruf hielt, da ging ein Schluchzen durch die Reihen der Anwesenden. Es wurden noch mehrere Reden gehalten, welche alle Zeugnis ablegten von der großen Liebe und Verehrung, deren sich der Verblichene Zeit seines Lebens erfreute. Kel'denlod des Leulnanls Ar. Zuckermann. Dr. Hugo Z u ck e r m a n n, Leutnant des Landwehr- Infanterieregiments Nr. 76, ist seinen auf dem nördlichen Kriegsschauplatz erlitt eilen Verletzungen erlegen. Doktor Zucker mann, Vorsteher der Kultusgemeinde Meran, war u. a. der Verfasser des bekannten Liedes: „Drüben am Wiesenrand hocken zwei Dohlen. . .", das in seiner Einfachheit, in seiner todbereiten Ruhe, in seinem schlichten, tiefen vaterländischen Gefühl wert ist, von vielen gesungen zu werden. Das Lied, das eigentlich schon im Vorjahre entstand, ist bei Beginn des Krieges neu aufgetaucht und ging binnen wenigen Tagen durch die gesamte deutsche Presse. Vortragsmeister wie Marcell Salzer oder Harry Walden trugen es mit zündendem Erfolg vor und nicht weniger als sieben Komponisten haben es bisher vertont. Hier steht es: Drüben am Wiesenrand Hocken zwei Dohlen — Fall' ich am Donaustrand? Sterb' ich in Polen? Was liegt daran? Eh' sie meine Seele holen, Kämpf' ich als Neitersmann. Drüben am Ackerrain Schreien zwei Raben — Werd' ich der erste sein, Den sie begraben? Was ist dabei? Viel hunderttausend traben In Oesterreichs Reiterei. Drüben im Abendrot Fliegen zwei Krähen Wann kommt der Schnitter Tod, Um uns zu mähen? Es ist nicht schad't Seh' ich nur unsere Fahnen wehen Auf Belgerad! Danzers „Armee-Zeitung" druckt folgendes Schreiben ab, das Seine Exzellenz Generalleutnant Dr. von Dickhnth-Harrach an Dr. Z u ck e r m a n n gerichtet hat und folgendermaßen lautet: Sehr verehrter Herr Kamerad! Lassen Sie mich Ihnen herzlich die Hand drücken für Ihr herrliches Reiterlied: Drüben am Wiesenrand Hocken zwei Dohlen . . . Das ist echte Kriegspoesie! Ihre Verse werden tausend Reiterherzen höher schlagen lassen und fortreißen zu unsterblichen Taten. Ich kann. gar nicht sagen, wie Ihre Worte mich gepackt haben. Wie wundervoll haben Sie Ton und Klang der alten Landsknechtsgesänge getroffen. Der Krieg läßt die Soldatenlieder hervorsprießen wie wilde Blumen. Die meisten wird der Wind