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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-25 · 51 (25.12.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
51 (25.12.1914)
Date
1914-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 899 Korrespondenzen. Patriotisches Konzert Don Fuchs. Bei ausverkauftem Hause — ein in den gegenwärtigen Zeitlausten äußerst seltener Fall — fand am 17. d. M. das Konzert des Oberkantors Don Fuchs statt und hatte durch die Eigenartigkeit des Programms und die Persönlichkeit des Konzertgebers einen außerordentlichen, weit über den Rahmen ähnlicher Veranstaltungen hinausgehenden Erfolg. Das distinguierte, aus den besten Bevölkerungskreisen zusammengesetzte Publikum stand den ganzen Abend hindurch im Banne des Gebotenen und gab seinen Dank unausgesetzt durch stürmischen, oft sich erneuerenden Beifall kund. Der Konzertgeber kann sowohl mit dem moralischen, als auch mit dem materiellen Erfolge dieser Veranstaltung zufrieden sein. Gleich der erste, dem Lhanukafeste gewidmete Teil des Programms übte in seinen schwermütigen, von den Streichern und Bläsern des Konzertvereins- Orchesters und den vereinigten Synagogenchören begleiteten Tempelgssängen einen tiefgehenden Eindruck auf die gespannt aufhorchende Versammlung. Der feierliche und effektvolle Psalm 111 von S. Sulzer, dem Begründer moderner Synagogenmusik, anläßlich der Thronbesteigung unseres Kaisers komponiert und von seinem Sohne, Professor Joses Sulz er, für Solo, Chor, Orgel und Orchester instrumentiert, war von mächtiger Wirkung. Diese erhöhte sich noch und eine weihevolle Stimmung erfaßte alle Anwesenden beim Anzünden der Lichter. Die Tage der Jugend lebten wieder aus, die alte Heimat erstand aufs neue vor dem geistigen Auge, als die alten, ehrwürdigen, in Freude und Wehmut getauchten Klänge des Moaus Zur durch den großen Raum tönten. Diese gehobene Stimmung hielt auch an bei dem Vortrage des überaus charakteristischen S u l z e r schen (ebenfalls von Josef Sulzer außerordentlich effektvoll instrumentierten und meisterhaft dirigierten) E z ch a j i m, wobei das prachtvoll gesungene Solo des Oberkantors und der ungemein schwungvolle Chorgesang alle Zuhörer entzückte. Die von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. . Mar Grunwald gehaltene Festrede, ein Musterbeispiel glänzender Beredsamkeit, in seiner hervorragenden Eloquenz mehr populär-wissenschaftlicher als pastoraler Art, der Zeit und Gelegenheit trefflich angepaßt, war von zündender Wirkung. Hier ein kurzer Auszug: In der Form einer Parabel wies der Redner auf die drei Arten von Opfern hin, die gegenwärtig von österreichischer Bürgertugend gebracht werden: Opfer des Blutes, des Gutes und der Heimat. Neben dem Heer und den Familien, die durch den Krieg ihrer Gatten, Väter, Söhne und Brüder, vielfach des einzigen Ernährers, beraubt werden, stehen die Verwundeten und Invaliden, neben beiden die große Menge der Flüchtlinge aus Galizien mnd der Bukowina, die sowohl Opfer an Blut, als auch an Gut gebracht und nun obendrein ihre Heimat verlassen mußten, wenn sie nicht unter die Botmäßigkeit des Zaren geraten wollten. Die tapferen Krieger lohnt unsterblicher Heldenruhm, der Trost ihrer Hinterbliebenen. Ihre Taten verbürgen Oesterreichs Zukunft. Ihren verlassenen Eltern, ihren Witwen und Waisen widmet das Vaterland, der Staat dankbare Fürsorge. Für die Schutzbefohlenen des Roten Kreuzes muß aus privaten Mitteln aufgeboten werden, was patriotische Opferwilligkeit nur irgend zu opfern vermag. Was aber die bedauernswerten Flüchtlinge vor allem fordern dürfen, ist wohlwollende Behandlung. An der Hand schlagender Belege wurde vom Redner nachgewiesen, wie viele Krieger sie aus ihrer Mitte gestellt und wie diese sich vor dem Feinde bewähren, wie sie in ihrer Heimat der Verwundeten sich liebevoll angenommen und wie mancher lieber das Leben ließ, als daß er dem Kaiser die Treue gebrochen hätte. Ihre Sprache und Tracht, an der sich dieser und jener stoße, seien nichts als festgehaltene ältere Stufen in der Entwicklung ihrer Umgebung. In der Sprache dieser Juden verfechten jetzt die jüdischen Einwanderer in Amerika dort die Sache Deutschlands und Oesterreichs. Diese Tracht, die altpolnische, war auch in Deutschland modern in der Zeit, in der Goethes „Hermann und Dorothea" spielt. Ihrem Charakter stellt unter anderem Sven Hedin ein glänzendes Zeugnis aus, jeder, der seine Heimat liebt, kann nur mit den Aermsten und für sie fühlen. Sie sind des besonderen Schutzes unseres erhabenen Monarchen sicher. — In eine Huldigung für Se. Majestät klang die Rede aus. In heller Begeisterung erhob sich der ganze Saal und sang stehend die Volkshymne mit, die vom Konzertgeber angestimmt und vom Orchester, Chor und Orgel begleitet wurde. Damit war man in den zweiten, moderner Musik vorbehaltenen Teil des Programms hinübergeleitet worden, und als die vom Opernsänger Arthur Wolf gesungene Ansprache des Königs aus „Lohengrin", 3. Akt, in den Schluß ausklang, „für deutsches Land das deutsche Schwert", erhob sich das Publikum wie ein Mann; weihevoll und ergreifend erklangen die Töne des „Heil dir im Siegerkranz" und stehend wurde auch die türkisch gesungene, von Prof. Josef Sulzer komponierte außerordentlich efseltvo.l:, echt volkstümliche Sultanshymne angehört. Lebendig wurde die Erinnerung an seine einstige Tätigkeit als Opernsänger, da Oberkantor Don Fuchs die Hymne aus „Stradella" mit einem warmen, sieghaften Tenor zum Vortrag brachte, und mit den Arien aus dem „Evangelimann" und ^us „Gioconda" gewann sein biegsamer lyrischer Tenor im Fluge alle Herzen. Herr Opernsänger Arthur Wolf — dem wir noch in einem größeren Wirkungskreise zu begegnen hoffen — ersang sich mit seinen gut gewählten Partien aus „Paulus" und „Judas Makkabäus" stürmischen Beifall. Mühelos beherrschte sein schöner» baritonal gefärbter Baß bis in den letzten Winkel die weiten Räume des großen Saales. Professor Joses Sulzer, der die Werke seines Vaters pietätvoll und meisterhaft einstudiert und dirigiert hatte, erregte durch seine Glanzleistung, den ergreifenden Vortrag des von ihm als Adagio für Violoncell und Orchester komponierten „Kol Ridrei" endlose Beifallsstürme. Wahrlich, die Vielseitigkeit dieses gottbegnadeten Künstlers ist ebenso bewundernswert wie jede seiner einzelnen Prachtleistungen. In die Leitung des vortrefflichen Konzertvereins-Orchesters teilten sich Prof. Josef Sulzer und der rühmlich bekannte Kapellmeister S p ö r r; den Orgelpart führte Hoforganist Pros. Rudolf Dittrich vollendet durch. So fand dieses große patriotische Konzert, dessen Programm mit einer rühmenswerten Präzision, ohne jede Zwischenstörung, unter stets sich erneuerndem Beifalle durchgeführt wurde, einen allseits befriedigenden, überaus harmonischen Abschluß. Neben unserer Bewunderung für seine künstlerische Meisterschaft gebührt aber Herrn Oberkantor Don Fuchs auch noch ein Wort ganz besonderer Anerkennung. Durch Wochen hat er weder Arbeit noch Mühe gescheut, in selbstlosester Art sich in den Dienst patriotischer Pflichterfüllung gestellt, um den Leidenden und Bedürftigen einen größeren Betrag als Unterstützung zuführen zu können. Kein Patronat, kein Protektorat, kein Komitee stand ihm beratend und helfend zur Seite, „keines Medicäers Güte" warb ihm Hilfe und Unterstützung — auf seine Person allein gestellt, im erhebenden Gefühle, einer guten Sache zu dienen und

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