Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 50 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 50 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 885 Jahreszeit womöglich in gleicher Weise wie die hier ständig ansässigen armen, sich wenigstens des eigenen heimatlichen Herdes erfreuenden/Schulkinder mit Winterkleidung zu versehen. Der unter dem Protektorate Ihrer Exzellenz der Frau Baronin Anka Bienerth stehende humanitäre Verein „Leopoldstädter Kinderschutz" kann sich dieser ernsten Pflicht, die ihm ein wenngleich sicherlich nur vorübergehendes schweres Geschick armer Mitmenschen auferlegt, umsoweniger entziehen, als das Feld seiner Wirksamkeit vorzüglich die Leopoldstadt und Brigittenau sind, wo die meisten der hilfesuchenden Flüchtlinge sich ungesammelt haben, daher auch das größte Elend zu lindern ist. Mur durch das hilfsbereite Zusammenwirken aller, die in der Lage sind, in welch bescheidenem Maße immer zu dem Werke edelster Menschenliebe beizutragen, kann es uns gelingen, den unter den härtesten Entbehrungen leidenden Kindern, die in weit größerer Anzahl denn je unserer Hilfe harren, gegen die hereinbrechende Kälte Schutz zu gewähren. In diesem Sinne richten wir zuversichtsvoll unseren inständigen Appell an die geehrte Bevölkerung, uns durch einen gütigen Beitrag in unserem schwachen Können freundlichst zu unterstützen, und statten wir für jedes uns dargebrachte Scherflein im voraus unseren wärmsten Dank ab. Hochachtungsvollst Der Vorstand des humanitären. Vereines „Leopoldstädter Kinderschuh": Obmann: Hofrat Dr. I. Schlag I. Obmann-Stellvertreter: II. Obmann-Stellvertreter: Dr. Rudolf Wohlmuth Richard Wohlmuth Schriftführer: Schriftführer-Stellvertreter Ferdinand Hauser Hermann Körner Kassier: I. Schönherz Vorstandsmitglieder: Leopold Bauer, Ignaz End, Rudolf Freiwirth, Emerich Kauders. Siegmund Kauders, Franz Knauer, kais. Rat Rudolf Mandler, Siegmund Schindler, Dr. Eduard Thaler Revisoren: Hans Liwora, Siegmund Löwy. Eine interkonfessionelle Ansprache des Feldrabbiners Dr. Funk beim Abmarfchieren der Honveds in Preszburg. Anläßlich des Abmarsches einer Honvedersatzkompagnie richtete Feldrabbiner Dr. Funk*) auf Ersuchen des kommandierenden Hauptmannes an die gesamte Mannschaft die folgende Ansprache: »Ungarische Honveds! Ihr zieht mit Gottes Hilfe für die Zukunft des tausendjährigen Magyaren tum s. Im Vereine mit unseren Brüdern des allgemeinen Heeres und der deutschen Bundestruppen werden alle Eure Waffengriffe eine nie trübbare Lebensquelle jener Menschen verbrüdernden historischen Traditionen bleiben, für welche die ungarischen Honveds leben und kämpfen, und diese Traditionen heißen: wahre Freiheit, voraussetzungslose Gleichheit und Brüderlichkeit im Geiste der Prophetie. Euere bewunderungswürdige Todesverachtung am Felde der Ehre ist eine weltgeschichtliche Offenbarung jener Versöhnungsfäbigkeit der idealen ungarischen Volksseele, welcher die Prophetehgestalt unseres Landesvaters gestaltend und schöpferisch vorschwebt. Darum ist Euch der Eid, den Ihr nun ablegen werdet, kein militärisches Reglementgebot, sondern das heiligste Bedürfnis des Herzens, das nur pocht für die bald anbrechende Morgenröte der ungetrübten Lebensfreude unseres erhabenen obersten Kriegsherrn. Der 'Königseid sei uns das Ideal der. Rassen und Konfessionen nicht kennen wollenden Versöhnung, weil dies die einzige Glücksquelle der Völker der Monarchie ist.« *) Ein Mitarbeiter unseres Blattes, welcher zugegen war, hatte persönlich Gelegenheit, sich von der unausgesetzten, vom frühen Morgen bis in die späte Nacht sich hineinziehenden selbstlosen Tätigkeit des Feldrabbiners Dr. Funk in den Spitälern, auf den Bahnhöfen bei Ankunft der Verwundetentransporte als auch bei den dortigen Truppen ein Bild zu machen. Den Kasernenhof durchdrangen die stürmischen Eljenruse der Mannschaft, die Honvedkapelle ließ den Hymnus ertönen und auf Ersuchen des Hauptmannes begleitete Dr. Funk bei klingendem Spiel die Mannschaft zum Bahnhofe, wo er an die jüdischen Soldaten Gebetbücher verteilte und auf deren Wunsch den Segen spendete, um den sich auch nichtjüdische Soldaten bewarben. Karlsbad. Verehrte Redaktion! Im Interesse der galizischen Flüchtlinge, als der allgemeine Vertreter derselben, ersuche ich die verehrte Redaktion um freundliche Aufnahme folgender Bemerkung: Von mancher Seite wurde öffentlich dem Hilfskomitee in Karlsbad der Vorwurf der schlechten Behandlung gemacht, in Wahrheit mit Unrecht. Um dagegen Verwahrung einzulegen, bagab sich am 2. d. M. eine Abordnung der galizischen Flüchtlinge in Karlsbad, bestehend aus den Herrn Moses Bodnar, Bürgermeister aus Nadworna, Meiloch G o l d b e r g, isr. Kultusvorsteher aus Sambor, und Dr. Juda Peiper. Advokat aus Krakau, in die isr. Kultuskanzlei und sprach dem Vorsteher der isr. Kultusgemeinde in Karlsbad, Herrn Ludwig Moser sen., den tiefempfundenen Dank aller Flüchtlinge für die väterlich wohlwollende und aufopferungsvolle Tätigkeit des Hilfskomitees aus. Die Abordnung wurde von dem Herrn Vorsteher und den anwesenden Komiteemitgliedern sehr herzlich empfangen und der weiteren ersprießlichen Sorge um das Wohl der.Flüchtlinge versichert. Auch den Karlsbader Rabbiner Herrn Dr. Ziegler besuchte die Abordnung und versicherte chn der unauslöschlichen Dankbarkeit für seine und seiner verehrten Frau Gemahlin geradezu rastlose Tätigkeit bei Tag und bei Nacht in bezug auf die Unterbringung, den Unterhalt und die Bekleidung der notleidenden Flüchtlinge. Die Arbeit des Hilfskomitees in Karlsbad ist auch eine außerordentliche gewesen und ist die Tätigkeit des Komitees noch immer eine unermüdliche. Von der Behörde wurden der Gemeinde Karlsbad 300 Evakuierte zugewiesen, es haben sich jedoch bald außer den behördlich Evakuierten noch 600 selbst zugereiste Notdürftige gemeldet, so daß die Zahl bald auf 900 Personen stieg. Für eine solche Anzahl von Personen sofort die geeignete Unterkunft zu finden, war natürlich schwer und mußte tzu den vorhandenen Notunterkünften gegriffen werden. Dank jedoch dem gemeinschaftlichen Eingreifen der berufenen Faktoren, namentlich des Herrn k. k. Statthaltereirates, des Bürgermeisteramtes, der isr. Kultusgemeinde, des Rabbiners und der ganzen Stadtbevölkerung, wurde die große Arbeit bewältigt. Alle notleidenden Flüchtlinge sind gehörig untergebracht, teilweise in Massenquartieren, teilweise in Privathäusern. In Mayerhöfen allein sind 69 Personen untergebracht, im Hotel Glattauer 200 Personen, in der Imperial-Markthalle werden vom Stadtamte sogar Oefen aufgestellt, um den Flüchtlingen die Führung eigener Küchen zu ermöglichen. Jetzt geht das Komitee ' gar daran, entsprechend kleinere Quartiere für zwei bis drei Familien zu schaffen, ein Privatwohltäter hat sein Haus für die Unterbringung mehrerer Rabbinerfamilien zur Verfügung gestellt. Die Auszahlung der Unterstützungen an die Bedürftigen leitet die isr. Kultusgemeinde, von der Bevölkerung wurde an milden Gaben der Betrag von 10.000 Kronen aufgebracht, welcher zur Unterstützung und Bekleidung der besonders Notdürftigen verwendet wurde. Ein Konzert zum Wohle unserer Kämpfer im Felde und der Flüchtlinge hat für die letzteren den Betrag von 800 Kronen abgeworfen.