Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 50 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 877 Zugsführer Keza Klein. Der Zugsführer Geza Klein lagerte mit seiner Abteilung nordöstlich von Grodek, als am 6. September frühmorgens eigene Flieger die Meldung brachten, daß ungefähr 12 Kilometer nördlich von dieser Stelle stärkere russische Truppen sich befinden. Im Sinne eines von seinem Hauptmanne erhaltenen Befehles, hatte er nun mit einer Patrouille von 5 Mann auszuspähen, wo sich der Feind befindet und wie Diele ihrer sein mögen. Dieser Aufgabe entsprach Zugsführer Klein, zahlreichen Gefahren ausgesetzt, stundenlang bis zu den Knien im Wasser stehend, mit der größten Genauigkeit und kehrte mit einem bis ins Detail genauen Skizzenplan unversehrt zu seiner Truppe zurück. Einige Stunden später erhielt er den neuerlichen Befehl, die ganze Kompagnie auf demselben Wege, den er genommen hatte, zu führen und die Sache so zu arrangieren, daß der Feind in seinem Schlafe gestört werde, und die ganze Nacht nicht zur Ruhe gelange. Dies gelang auch. Das Schnellfeuer der Unsrigen verführte den Feind, der in der Befürchtung eines größeren Angriffes sich rasch in der Richtung unserer Stellungen entwickelte, was zur Folge hatte, daß unsere Truppen beim Morgenanbruch mit einem gelungenen Flankenangriff einen erfolgreichen Sieg errangen, wobei zahlreiche Gefangene, darunter auch mehrere Offiziere, gemacht wurden. Gefangene russische Offiziere gaben damals unumwunden zu, daß der Nachtangriff der Abteilung des Zugsführers Geza Klein uns einen so leichten und glänzenden Sieg verschafft habe. Für diese Heldentat erhielt Geza Klein dieser Tage das silberne Verdienstkreuz 2. Klaffe. Er wurde bei diesem Treffen auch durch einen Schuß in die Hand verwundet. Er hat bereits das Spital verlassen und versieht jetzt Ausbildungsdienste Zum drittenmal verwundet. Aus Budapest wird geschrieben: Ein in Künstlerkreisen sowohl als auch in Kreisen der Kunstförderer bekannter sympathischer junger Maler Ludwig Gimes wurde dieser Tage verwundet in ein Budapester Spital gebracht. Es ist bereits die dritte Verwundung, die er auf dem südlichen Kriegsschauplätze erhielt, wo er als Leutnant gleich bei Kriegsausbruch eingerückt war. Die erste Verwundung erhielt er bei Visegrad von zwei Granatenkugeln. Das Blut floß ihm über die Bluse, aber Leutnant Gimes kümmerte sich darum nicht, denn er hatte seine Abteilung zum Sturm zu kommandieren. Dieser Sturm war auch wichtig, denn er endete mit der Erbeutung von 10 serbischen Geschützen und 2 Maschinengewehren. Auch seine zweite Verwundung erhielt er bei einer späteren Affäre, wahrend er seine Leute zum Sturm führte. Gimes legte auch dieser Verletzung keine Bedeutung bei, nannte sie wegwerfend einen Streifschuß und ging, nachdem er einen Notverband angelegt hatte, wieder an seine Arbeit. Die letzte Verwundung allerdings zwang ihn, an sich zu denken. Während eines Sturmangriffes bei der Quarratshöhe wurde sein linker Ellenbogen von der Kugel eines feindlichen Maschinengewehres Zerschmettert. Die Klinge entfiel seiner Hand und er mußte mit Hilfe seines Dieners auf den Hilfsplatz gebracht werden, von wo er zunächst in ein Militärspital einer Provinzstadt und von dort behufs Durchführung einer Operation nach Budapest gebracht wurde. Dieser Tage wurde die Operation mit Erfolg burchgeführt, Leutnant Eugen Korein. Der Budapester Großkaufmann Eugen Ko re in, Leutnant des 20. Landsturmregimentes, ist am 22. November auf dem nördlichen Kriegsschauplatz im Alter von 38 Jahren an der Spitze seiner Abteilung heldenmütig kämpfend gefallen. Seine Verwandten in Papa, woher er stammte, erhielten von einem seiner Offizierskollegen ein Schreiben, in welchem es wörtlich heißt, daß Eugen K o r e i n. wie ein Löwe kämpfte und auf eine wirkliche Heldenvergangenheit zurückblicken konnte. Er nahm an 11 Schlachten teil und zeichnete sich immer durch seinen Wagemut und seine selbst den größten Todesgefahren trotzende Tapferkeit aus. Seine Offizierskollegen sowie seine Soldaten brachten dem stets frohgemuten und lustigen Kameraden aufrichtige Liebe entgegen. Am 22. November führte er seine Abteilung zum Sturme und besetzte im feindlichen Feuer mit bewunderungswertem Heldenmut eine exponierte Höhe. Hier an der sSpitze seiner Tapferen trafen ihn gleichzeitig zwei Kugeln, welche ihn sofort töteten. Soldaten aus Papa verrichteten das traurige Zeremoniell seiner Bestattung, ein Unteroffizier sagte an seinem Grabe das Kaddischgebet. Zu den Leidtragenden gehört auch der Oberrabbiner von Nyireghaza Dr. Bela Bernstein, der in dem Heimgegangenen Helden seinen Schwager betrauert. Ietdpostörief des Höeroffiziats Sigmund Kirschmann an seine Kattin Louise Kirschmann in ^reßburg. „19./11. 1914. Meine Teuren! Nun sitze ich den dritten Tag in dem gottverlassenen Städtchen — Der hiesige Aufenthalt hat doch was Gutes für sich. Den Janover-Akt, den ich drei Monate mit mir herumschleppe und nie Zeit, Gehuld und Raum fand, ihn zu machen, habe ich nun fertiggestellt und alle sonstigen Känzleirückstände. Es schneit den ganzen Tag, die vorbeifahrenden Züge bringen Verwundete; es wogt der Kampf mit guten Erfolgen für uns! (einen so guten Fischfang an Gefangenen sollen wir während des ganzes Feldzuges noch nicht gemacht haben). Gute Nachrichten kommen von allen Seiten. Meine Erkältung dauert an, doch hindert sie mich nicht an der Arbeit; unangenehm ist mir nur, daß ich während der Schnupfenzeit schlechter höre. Lange Zeit habe ich mich gegen das Anlegen der Kälteschutzmittel gewehrt, aber seit zirka zehn Tagen trage ich Barchenthosen und Barchentsweater, dann starke, wollene Strümpfe — lang wie für Frauen —, alles sehr angenehm, wenn man im Freien arbeitet; geht man aber dann in eine warme Stube, so wirkt es wieder unangenehm. Nochmals, liebes Frauerl, bitte ich Dich um Euer gemeinsames Bild; ich weiß ja, daß Du keines hast, aber man kann ja eines Herstellen, die Kosten zahle ich gern. Ich habe so große Gebühren und brauche fast nichts, weil man nichts bekommt. Es wird noch sehr lange dauern, bis wir uns Wiedersehen, der Kampf wogt hin und her, gegenwärtig wieder mit glücklichem Erfolge für uns, und es wird so lange dauern, bis wir in Ehren wieder heimkehren können. Nun sind wir im Winterfeldzug, trotz aller Schrecken eines Krieges ist es doch eine Freude, in solch einer Zeit zu leben und mitzutun. Was habe ich nicht schon alles in diesen dreieinhalb Monaten erlebt? Wieviele Orte und Länder gesehen, wohin ich sonst nie gekommen wäre. .Freilich, wem es beschieden ist, muß abdampfen, das ist Gottes Fügung, so war's und so wird's bleiben.