Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 50 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022140--23692-3048904- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWW Seit 876 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 50 Wiederholt im heftigsten feindlichen Feuer bis in die 'Schwarmlinie vorgehend, um dort nach Verwundeten zu sehen und ihnen Hilfe angedeihen zu lassen, scheute er keine Gefahr in restloser Erfüllung seiner Pflicht, bis er inmitten seines Samariterwerkes selbst verwundet wurde. Kuszeichnung^des WedaKleurs Dr. Krrgo Klaser. Der Kaiser hat dem Landsturmoberarzt Dr. Hugo Glaser beim Feftungskommando Przemysl das goldeneVerdienstkreuz mit derKrone am Bande der Tapserkeitsmedaille in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde verliehen. Dr. Hugo Glaser, seit vielen Jahren Mitglied der Redaktion des „Neuen Wiener Tagblattes", ist als Landsturmoberarzt in Przemysl eingerückt, wo er als dldjutant des dortigen Sanitätschefs tätig ist und bereits die zweite Belagerung der Festung miterlebt. Pie Auszeichnung nach dem Höbe. Es wurde bereits berichtet, daß der Reserveleutnant des 70. Infanterieregimentes Alexander Szasz, der am südlichen Kriegsschauplätze den Heldentod fand, zur Allerhöchsten Auszeichnung empfohlen war. Dieser Tage erhielt nun die Witwe des tapferen Offiziers vom Kaderkommando des Regiments das folgende Schreiben: Hochgeehrte Frau! Der Reserveleutnant Alerandrr Szasz wurde am 17. August d. I. bei einem Sturmangriff aus dem südlichen Kriegsschauplatz bei Tupci tödlich verwundet und ist infolge dieser Verwundung ani darauffolgenden Tage für das Vaterland den Heldentod gestorben. Szasz war laut der wahren Erzählung seines Kompagniekommandanten ein ganzer Mann. Er vereinigte in sich in hervorragendem Matze alle jene Tugenden, welche den Soldaten auszeichnen sollen. Edelmut, Selbstverleugnung und Tapferkeit waren in höchstem Matze seine Eigenschaften. Bei dem Sturm gegen eine verschanzte feindliche Stellung, welche stärkere serbische Kräfte hartnäkig verteidigten, hat er seine Mannschaft inmitten des mörderischen Kugelregens durch sein Beispiel förmlich mit sich hingerissen. Seine Leute mit seinen elektrisierenden Zurufen aneifernd, rannte er unaufhaltsam mit wahrer Todesverachtung und bewundernswürdiger Selbstverleugnung an der Spitze seiner wackeren Truppe gegen die feuerspeienden Kanonen, alles mit sich fortreitzend. Einem solchen Vorwärtsstürmen vermag auch der beste Feind nicht standzuhalten. Die am Leben gebliebenen Serben zogen sich in wilder Flucht zurück. Für diese glänzende Tat sah sich Se. Majestät veranlaßt, dem tapferen Offizier das Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration zu verleihen. Wollen Euer Hochwohlgeboren diese hohe Auszeichnung im Namen Ihres heldenmütigen Mannes übernehmen mit jener Hochachtung und Bewunderung, welche wir diesem wackeren Kameraden zollen. Das Andenken an diese seine letzte Tat wird in dem Gedenkbuche des 70. Peterwardeiner Regimentes als das Gedenken unvergeßlichen Ruhmes als Aneiferung für die Nachkommen ewig leben. Mit dem Ausdruck unserer vorzüglichen Hachachtung P ap h az i m. p. Major. Grotzwardein, 17. November 1914. ^Aer Tod des Konveds Armer. (Briefwechsel zwischen Mutter und Kommandanten.) Dem „Egyenlöseg" entnehmen wir die folgende rührende Geschichte: Die Witwe Breuer in Budapest hat ihren einzigen Sohn, ihren Ernährer Samuel Breuer, Angestellten in einer Schuhfabrik, in den Krieg geschickt. Der junge Mensch zog mit seinen 23 Jahren fort und wurde gewöhnlicher Honved. Am 20. November erhielt dann die Witwe Breuer von dem Hvnvedhauptmann Flora die folgenden Zeilen: „Ich verständige Sie hiermit amtlich, daß Ihr . lieber Sohn Samuel Breuer, Honved, der in Heöcsaba im Jahre 1891 geboren wurde, am nördlichen Kriegsschauplatz in tapferer und gewissenhafter Erfüllung seiner Pflicht den Heldentod gefunden hat. Wie wir diesen heldenmütigen Jungen mit Stolz unseren Kameraden nennen, so teilen wir mit wahrem Beileid den Mutterschmerz Euer Hochwohlgeboren. Ihr Sohn ist ohne jeden Schmerz (infolge eines Kopfschusses) zu seinen früher verstorbenen Kameraden heimgegangen. Sein Name wird in der Kompagniegeschichte mit goldenen Lettern verzeichnet sein. Mit vorzüglicher Hochachtung Flora m. p., Hauptmaun." Die Witwe schenkte diesen Zeilen keinen Glauben. Abgesehen .von verewigen Hoffnung des liebenden (Mutterherzens, konnte sie es nicht fassen, daß sie von dem Tode ihres Sohnes in einem so schönen Schreiben von einem so hohen Offizier verständigt werde. Sie ging nun der Sache nach und erhielt nach einigen Tagen den folgenden Brief: „Ueber Ihre Zeilen vom 30. November beehre ich mich. Sie zu verständigen, daß die Korrespondenzkarte, mit welcher Ihnen von dem Ableben Ihres lieben Sohnes Kenntnis gegeben wurde, von mir eigenhändig geschrieben worden ist, und der Fall entspricht den Tatsachen. Gewiß haben wir weder die Zeit noch auch die Gelegenheit, jedem in solcher Form zu verständigen. Wer aber ein so wackerer, pflichtbewußter, hervorragender Spldat war, als Ihr verewigter lieber Sohn, verdient es, daß ich ihn auch hierin von den anderen unterscheide. Ich glaube, daß der teilnahmsvolle höfliche Ton das Ungewohnte war, worüber Euer Hochwohlgeboren und Ihre Bekannten sich jedoch sicher nicht wundern würden, wenn Sie den in unserem Regimente herrschenden Geist kennen wurden. Den Heldenmütigen Honvedmann nenne Ich mit Stolz meinen Kameraden. Beruhigen Sie sich, gnädige Frau, in dem Willen des guten Gottes. Und mögen Sie Trost finden in dem Bewußtsein, daß Ihr Sohn wie ein Held gekämpft hat und wie ein Held gestorben ist. Hochachtungsvoll Stefan Flor a, Hauptmann." In 22 Schlachten gestanden. Wohl zu den seltensten Heldentaten selbst in diesem Kriege gehören diejenigen des jungen Korporals Philipp Spitz, der im Verlaufe dieser vier Monate in 22 Schlachten gekämpft hat. Philipp Spitz, der im bürgerlichen Leben Tapezierer in Budapest ist, ist der Sohn des Kaffeesieders Samuel spitz und dient beim 71. Trencsener Infanterieregiment. Aus 21 Schlachten kam er unversehrt zurück. In der 22. bei Strzyowice wurde er in einem blutigen Sturmangriff, wo er an der Spitze feiner Kameraden ins Feuer stürmte, verwundet. Er wurde nach Wien gebracht, und im Krankenbette wurde ihm die Zuschrift des Generals Dankt zugestellt. Sie lautet: „Für Ihre im Gefechte bei Str. besonders beim Sturme bezeigte Tapferkeit spreche ich Ihnen meine Anerkennung und die Belobung im Namen des Allerhöchsten Dienstes aus. Dan kl m. p." Der junge Held von so unvergleichlicher Ausdauer wurde in Wien alsbald hergestellt und ist bereits diese Woche wieder ins Feld eingerückt, der — 23. Schlacht entgegen.