Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 50 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 874 Dr. Bloch's Wochenschrift R-. 50 Da erscheint in Newyork eine große Tageszeitung im Jargon, die von vielen Tausenden unserer Mischen Glaubensgenossen gelesen wird. Die Gedanken, die sie ausspricht, sind die Verdolmetschung einer weitverbreiteten öffentlichen Meinung, und in einem neutralen Staate erscheinend, hat sie es nicht nötig, sich zu maskieren, Worte zu sprechen, die, nach Talleyrand, nur dazu dienen, die Gedanken zu verheimlichen. Diese jüdische Tageszeitung heißt „Die jüdische Gazette n". Sie brachte einen ausführlichen Artikel mit der schlagenden Aufschrift: „Schlecht, schändlich und närrisch." In demselben geißelt sie mit berechtigter Entrüstung das Vorgehen eines englischen jüdischen Großen, des Sir Francis Montefiore, der als früherer erster Vizepräsident der Zionisten seinen Austritt aus diesem Weltverbande anzeigt. Er schickt seinen früheren jüdischen Gesinnungsgenossen eine geharnischte Absage, weil — nun ja, weil — höret, staunet — nicht weil etwa der Zionismus seinem Prinzip untreu geworden ist — oder weil er sich anders besonnen und vom Zionismus abgefallen ist — nein, dies alles nicht! — sondern nur, weil in dem Zionistenverbande auch Deutsche, Oesterreicher, Ungarn und Galizianer vorhanden sind! Mit Feinden seines englischen Vaterlandes könne er nicht in einem Vereine Zusammenwirken. Herzl! Seliger Herzl! Selig schon darum, weil du diesen Zusammenbruch nicht mehr erlebt hast —. Höre es von den Gefilden des Jenseits; wenn du jetzt noch unter den Lebenden gewesen wärest, man hätte dich, den Begründer des Zionismus — ausgestoßen! — Wolfsohn — auch du bist zur rechten Zeit gestorben! Du, der zweite Präsident und Nachfolger deines Meisters. Wien und Berlin mit ihren Zentral- und Hauptbureaus des zionistischen Weltverbandes müssen als „Ir - hanidachat h", als Verstoßene in den Bann getan werden. Gewiß, die jüdische Zeitung in Amerika hat recht, wenn sie auf diese englische Absage an den Zionismus den Titel setzt: „Schlecht, schändlich und närrisch!" Aber eine Reinigung in den Jdeengängen bringen solche Aberwitze dennoch zuwege. Sir Francis Montefiore hat ja noch einen Vorgänger in anderer Form: einen gewesenen Zionistenführer, aber noch immerhin eine Abzweigung des zionistischen Gedankens, und zwar einen Territorialisten — den führenden. Zangwill wendet sich an die Juden der n e utraten United States, sich im Kampfe gegen die deutschen Bundesmächte anzuschließen. Man sieht, der erstere wie der letztere wollen sich durchaus als echte Engländer ihren Landsleuten geben; sie wollen an ihr Judentum vielleicht vergessen machen. Es erinnert dies an drei Täuflinge, die, im Eifenbahncoupee sich begegnend, sich über die Ursache ihrer Taufe freimütig aussprachen. Der eine sagte, was hätte ich tun sollen, ich habe jahrelang studiert, um eine Professur zu erreichen: es war nicht möglich, so lange ich Jude war. Der andere erzählte, er habe ein Brotstudiutn erwählt, konnte als Jude keine Anstellung in einer Fabrik erhalten, mußte also zur Taufe greifen. Der dritte verhielt sich bei Erörterung dieser Frage still und verschlossen; umsomehr drangen die zwei anderen in ihn, zu hören, was ihn zur Taufe veranlaßte. Getragen und selbstbewußt antwortete er endlich: „Ich habe mich aus Ueberzeugung getauft!" Wie aus einem Munde riefen die beiden anderen: „Das können Sie einem Goy einreden, aber nicht uns!" Herr Sir Francis Montefiore, Herr I. Zangwill! Was Ihr da schwätzt, um Euch als rassenreine Engländer zu geben, niemand glaubt Euch, nicht einmal der Engländer selber. Kniet nieder vor dem Zaren, der Engländer denkt: „Wem wollen die was einreden?" Fürwahr, der Weltkrieg hat auch dem Zionismus die wahre Gestalt und das richtige Aussehen wiedergegeben. Wir erkennen jetzt mit Schrecken, daß dieser Weltverb'and in Kriegs Zeiten wertlos ist, daß sein Organ nicht mehr den Namen „Die Welt" verdient, da er doch keine Welt, sondern nur einzelne Ländergruppen in sich schließen kann — der ganze Traum zeigt sich als eine Vision, die in Schall und Rauch aufgeht. Ebenso aber auch ist,es mit den großen Projekten, nach solchen Vorgängen, die einen ganzen W e l t v e r - band in seinen'letzten Konsequenzen aäabmuäum führen. Das Ziel ist doch eine Heimstätte für die verfolgten Juden. Prüfen wir da die Projekte, die nach und nach aufgetaucht sind, wie diese Heimstätte in diesem Weltkriege ausgesehen hätte. Da ist vor allem Uganda, das letzte Schmerzenskind Herzls, an dem er sich verblutete! Nun wäre diese Heimstätte Englands Gewalttätigkeit ausgeliefert gewesen. David Trief ch schwärmte für El Arisch-, nun spielen sich dort auf der Sinaihalbinsel die erstaunlichsten Kämpfe ab und die Heimstätte der Juden wäre zwischen den feindlichen Kämpfen zerstampft worden. Zangwill hat von Angola geträumt; darüber hätte jetzt Portugal, das nun auch in den Kampf eintritt, mit Deutschland zu kämpfen. Gerade dieser Weltkrieg muß nun doch den Juden aller Länder den unpolitischen Kopf aufmachen — wie der Jude sich auszudrücken pflegt. Diese Kriegszeiten, die eine Welt in Bewegung gesetzt haben, sie lehren uns, daß es nur einen Weltverband gibt, der den Juden in der Welt eine Heimstätte sichern kann; der Weltverband der wahren Kultur Mächte muß vorerst siegen; jene Barbarenmacht, die seit einem halben Jahrhundert den Juden ein neues schreckliches Goluß bereitet hat, schrecklicher als es je die Welt erschaute, die muß zertrümmert, zerstückelt werden, die Muß untergehen; dann wird die Judenheit kein Separat Heilmittel nötig haben, keine gesuchte Heimstätte, keinen Charter, kein Kunstgebilde, kein Phantasiegebäude, und diese gereinigte Erkenntnis schöpfen wir aus diesem Weltkriege für den zionistischen Weltverband, wie er sich in diesen K^iegszeiten erwiesen hat! Vom Jahrmarkt des Lebens. Kriegsauszeichnungen jüdischer Offiziere nnd Soldaten. Hohe Auszeichnung eines gefallenen Offiziers. Se. Majestät der Kaiser hat dem vor dem Feindegefallenen Hauptmann Hermann Ritter von E i ß, Sappeur-Bataillon Nr. 14, für besondere Verdienste das Ritterkreuz des Eisernen Kronenordens 3. Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Kurz vor seinem Heldentod erhielt Hauptmann Eiß, der ein Sohn des Generalmajors Alexander Ritter von Eiß ist, die Allerhöchste belobende Anerkennung (Signum laudis). Sonstige Dekorierungen. Der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienftkreuzes dem Stabsarzt Dr. Josef Heller,