Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 49 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift Leite 86b Ihnen überlassend, diese in Ihrem gesch. Blatte Raum zu geben. Gegen Ende August d. I. erging an alle deutschen imd österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen, nachdem ein großer Teil Deutscher, im militärpflichtigen Alter stehend, interniert und nach dem iveiten Rußland deportiert worden war, die strenge Weisung, innerhalb zwei Stunden sich zur Bahn behufs Verschickung tlach Warschau zu begeben, mit der drohenden Bemerkung, daß wer dieser Aufforderung keine Folge leistet! sollte, tagsdaraus erschossen werden würde. Innerhalb dieser kurzen Frist versammelten sich bei der Bahn viele Tausende von Leuten, darunter die angesehensten Kausleute und Industriellen, Arbeiter jeglichen Alters sowie Frauen und Kinder, Schrecken und Angst aus ihren Gesichtern. Die im militärpflichtigen Alter Stehenden wurden einige Stunden darauf nach Warschau verschickt, dann ging ein zweiter Zug mit deutschen Frauen und Kindern ab. Spät ank Abend wurde wieder ein Train mit Deutschböhmen und Deutschösierreichern abgelassen, während im letzten Moment den Tschechen und galizischen Posen sowie denjenigen ans Posen der Bescheid wurde, daß sie in Lodz zuruckbleiben dürsten. Tagsdaraus veröffentlichte die Behörde die Ankündigung durch die Presse, daß die galizischen Polen und Böhmen w. um die russische Untertanenschaft nachsucheu könnten. Es meldeten sich hierauf mehrere hundert Polen, deren Gesuche entgegengenommen wurden, tvährend die Gesuche von Oesterreichern jüdischen Glaubens von vornherein refusiert wurden. Den nicht inehr militärpflichtigen älteren Personen tvurde, nachdem sie sich in Warschau tvochenlang ob dach- und schutzlos heruingetriebetl und ihre wenigen Ersparnisse verzehrt hatten, gestattet, nach Lodz zurückzukehren, da die Behörde keine Weisung hatte, wie sie tnit diesen Personen verfahren sollte. Unmittelbar nach der erfolgten Kriegserklärung schloß die Reichsbank ihre Tore, ihr Domizil nach Moskau verlegend. Die Privatbanken folgten dem Beispiele der Reichsbank und stellten ihre Tätigkeit ebenfalls ein. Infolgedessen gerieten auch die Fabriken und die großen Geschäftshäuser in Stockung, jede Tätigkeit lahmlegend. Tausende von Arbeitern gehen arbeitslos herum und sind dem größten Elend preisgegeben. Was unsere armen Glaubensgenossen anbetrifft, so befinden sich diese angesichts der traurigen Verhältnisse in einer sehr prekären Lage und sind auf die Unterstützung der Bessersituierten angewiesen. Der bekannte Israelitische Wohltätigkeitsverein in Lodz leistet Hervorragendes, indem derselbe u. a. au bessersituierte Leute, die in den Banken Depots haben, in Form von Darlehen die Mitte! für die bescheidenen Lebensbedürfnisse vorstreckt. Die an den Verein gestellten Anforderungen sind derart immens, daß er außerstande ist, dieselben annähernd zu befriedigen." Vermischtes. Vorträge aus jüdischer Keschichte, Kuttur und Literatur. Donnerstag, den 17. Dezember 1914, II 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Heinrich Port - Steiner, Schriftstellers, statt über „Studien und Skizzen vom Kriege". Eintritt frei. Wien. Anläßlich des 66. Jahrestages der Thronbesteigung des Kaisers fand am 2. d. M. im großen Tempel in der Tempelgasse ein Feftgottesdienst für die hier weilende israelitische Jugend der Mittelschulen in Galizien statt. Etwa tausend Schüler in ihren Uniformen füllten das Gotteshaus unter Führung ihrer Lehrer. Nachdem Oberkantor M o r g e n st e r n einen Festpsalm mit Chorbegleitung vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Dr. M. Taube r, k. k. Religionsprofessor aus Lemberg, eine patriotische Ansprache, woraus er das Kaisergebet verrichtete. Die Feier schloß mit der Absingung der Volkshymne. Makkadüerfeier. Der Jüdische Turnverein Leopoldstadt, II., Tabor straße 118, veranstaltet am 20. Dezember int großen Saale des Hotel „Bayrischer Hof", II., Taborstraße 39, eine Makkabäerfeier. Nebst dem Feste angepaßten Rezitationen und Liedervorträgen wird die Vorführung lebender Bilder so wie turnerische Darbietungen der Feier ein würdiges Ge präge verleihen. Die Festrede hält Herr Rabbiner Doktor Mar G r u n ro a l d. Ein Teil d e s R e i n e r t r a g e s i st z u r U n t e r ft ü tz u lt g d e r g a l i z i s ch e n F l ü ch t l i n g e b e st i m m t. Karten im Vorverkauf Kr. 1. , an der Kassa Kr. 1.50, Familienkarten für 5 Personen Kr. 4. sind zu haben täglich von 8 9 Uhr im Jüdischen Handlnngs gehilsenverband, II., Obere Donaustraße 65. Ehannkkafeier in der Toynbeehalle, XX., Denisgaffe 33. Samstag, den 12. d. M., 7 Uhr abends, Festrede Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Bauer und das darauf folgende Konzert, von Herrn Oberkantor Reumann arrangiert. — Mittwoch, den 16. d. M.. Gesangsmeisterin Frau Funk-Freund. Die Channkkafestjanse unter Leitung des Obmannftellvertreters der Kinderhorte im XX. Bezirk Herrn Karl Freund findet heuer für 200 Hortkinder und über 100 Flüchtlingskinder Sonntag, den 13. Dezember, im Josefine M e n d l s Wohlfahrtshause statt. Beginn halb 3 Uhr nachmittags. Ehannkka-Gottesdienft für die Kinder der Flüchtlinge ans Galizien und der Bukowina. Der Vorstand der israelitischen Kultnsgemeinde veranstaltet Dienstag, den 15. Dezember 1914, 6 Uhr nachmittags, in nachbenannten Bethäuiern siir die Schulkinder der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina einen feierlichen Chanukka-Gottesdienst. Zu diesem Gottesdienste haben ausschließlich die Schulkinder der Flüchtlinge, von der 4. Volksschuiklasse auswärts, Zutritt. Besondere Einladungen werden nicht ausgegeben. Der Gottesdienst findet statt: I., Seitenstettengasse 4, 11., Tempelgasse 3 und II., Pazmanitengasse 6, 111., Untere Biadnktg. 13, IX., Müllnergasse 21, X., Humboldtgaffe 27, XV1.. Huber gaffe 8, XX., Kluckygasse 11. Kaiser Franz Joseph - Jubiläums - Frauenverein zur Bekleidung nnd Unterstützung armer alter Franen, Wien, II., Finliergane I. Der vorstehend genannte Verein, dessen lmmanitäres Wirken im II. Bezirk mit Recht viele Anerkennung findet, har am 6. Dezember d. I. feine Jahresfeier gehalten, bei welcher Gelegenheit 200 bedürftige alte Frauen bekleide! wurden und namhafte Unterstützungen erhielten. Zum Feste halten sich ein gefunden nebst den Vertretern des Bezirksvorstandes Delegierte verschiedener Vereine, so des Elisabeth-Mädchenhorts -kan. Rat Dr. K r ü g e r u. Frans, Präsidemin des Döblinger Frauenvereines Frau Dr. K a h n. Zionistischer Frauenverein, Hosrar Dr. Julius Schlag, Gemeinderar N e u st a d t l, Bezirksrat Philipp B a k,