Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 49 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 862 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 Ministerpräsidenten Grafen S t ü r g k h mit der Bitte übermittelte, sie an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Als Antwort auf die Loyalitätskundgebung der Juden Galiziens ist nunmehr von dem Ministerpräsidenten an den Führer der Abordnung, den Präsidenten der Lemberger Handelskammcr Samuel v. H o r o w i tz, nachfolgendes Schreiben cingelangt: „An Seine Hochwohlgeboren den Herrn Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer in Leinberg, Samuel Edlen v. H o r o w i tz. Euer Hochwohlgeboren! Ich habe nicht ermangelt, die von Euer Hochwohlgeboren in Gesellschaft mit den Herren Reichsratsabgeordneten Dr. v. L ö w e n st e i n, Dr. Adolf Groß, Dr. K o l i s ch e r, Dr. Steinhaus und Rauch sowie den Lemberger Kultuspräfidcntcn Dr. Simon Schaff mir vermittelte Loyalitätskundgebung der galizischen Judenschaft anläßlich des Erinnerungsmges des Allerhöchsten Regierungsantrittes an die Stu'en des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Seine Majestät haben allergnädigst geruht, den Allerhöchsten Auftrag zu geben, daß den Herren für die dargebrachte Huldigung der Allerhöchste Dank bekanntgegeben wird. Ich beehre mich, Euer Hochwohlgeboren von dieser allergnädigften Aufnahme der Loyalitätskundgebung in Kenntnis zu fetzen und Sie zu ersuchen, auch die andern Herren entsprechend verständigen zu wollen. Empfangen Euer Hochwohlgeborcn die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung. S t ü r g k h. Kaiserfeier des Vereines „Frauenhort", IX., Müllnergasse 21. Am 2. Dezember hat dieses Jahr der „Frauenhort" erst seine Bekleidung veranstaltet, um diesen Tag der Wiener und galizischen Jugend besonders einzuprägen. Der Verein ist ungleich vielen anderen in diesem Jahre von der Tendenz ausgegangen, womöglich noch reichlicher zu beschenken, weil die armen Mütter weniger als je in der Lage sind, ihre Kinder vor der Kälte zu schützen. Es wurden nicht nur zweihundert Wiener, sondern zahlreiche galizische Flüchtlingskinder in altbewährter Weise mit Wäsche, Schuhen, Kleidern, Mänteln, Hüten und Handschuhen versorgt, außerdem hat der „Frauenhort" diesmal eine große Menge erwachsener Galizianer vollkommen mit Winterkleidung versehen. Wer die Bekleidung in den gütig vom Mädchenunterstützungsverein und Herrn Direktor P a p p e n h e i m zur Verfügung gestellten Räumen sah, überzeugte sich von der Vortrefflichkeit des Geleisteten. Der „Frauenhort" trat bis jetzt nicht an die Oeffentlichkeit mit der Bitte um Spenden heran, in dem Vertrauen, daß seine Freunde chn nicht im Stiche lassen werden. Er beschäftigt sich intensiv mit der Pflege seiner alten Schützlinge, unter denen sich so viele Reservistenfrauen und Erwerbslose finden. Alle seine alten Gönner sind ihm treu geblieben und haben ihn reichlich mit Stoffspenden versehen. Das rührige Präsidium (Regine Kopstein, Olga von Döhr und Regine Bettelheimverdient, daß der „Frauenhort" reichlichst Mit Spenden bedacht werde, besonders da er sein Kaiser Franz Josef-Arbeiterinnenheim in Seebenstein unter großen Adaptierungskosten dem Roten Kreuz als Erholungsheim für Krankenschwestern zur Verfügung gestellt hat. Der Minister des Innern bei den Flüchtlingen. Der Minister des' Innern Dr. Freiherr von He in old besuchte am 3. d. M. in Begleitung des Sektionschefs Dr. S ch r e y e r und des Sektionsrates Dr. von Marquet die Zentralstelle für die Fürsorge der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in der Zirkusgasse 5 und die in der Taborstraße 10 gelegene Teestube, deren Einrichtung und Zweckmäßigkeit wir schon oft lobend erwähnten und die sich noch immer eines steigenden Zuspruches erfreut. Der Minister begab sich sodann in die Ausspeisesektion der Zentralstelle, die sich seit Anfang dieses Monats im Prater im ehemaligen Römersaal befindet, wo die Bureaus entsprechend erweitert und für die Wartenden große' gutgeheizte Räume geschaffen wurden, die den Unterstützungsbedürftigen das lästige Warten in: Freien ersparen. Freiherr von Heinold ließ sich den ganzer: Betrieb, der ein großes Hilfspersonal beansprucht und der nmsterhaft genannt zu werden, verdient erklären und sprach der Leitung seine besondere Zufriedenheit aus und fuhr dann in die bei den „Praterspatzen" befindliche Gartenschule, die bekanntlich eine Schöpfung der Frau Anitta Müller ist. Gegenwärtig befinden sich in der Anstalt fast 200 Kinder. Es ist erstaunlich, wieviel in sozialer und pädagogischer Richtung in der kurzen Zeit des Bestandes geleistet wurde. Es ist dies ein Verdienst der unermüdlichen Leiterin Frau Steffi Glas und der selbstlosen Verwalterin Frau Bernstein. Frau Glas und einer genügenden Anzahl Lehrerinnen ist es gelungen, die Kinder in den wenigen Wochen auf ein unglaublich hohes Niveau zu bringen. Die Kinder werden bei ihrem Eintritt ärztlich untersucht, gereinigt und gekleidet und bald lernen sie deutsche Lieder, Reigen und Spiele- Handfertigkeiten und Handarbeiten, und es ist ganz seltsam, wie schnell die Kinder alles erfasse:: und wie gerne sie nach Ueberwindung der ersten Scheu die Schule betreten. Alles, was ihnen in der Fremde Mangelt, finden sie hier: liebevolle Behandlung, reichliches Essen, Zerstreuung, Licht und Luft. . . . Freiherr von Hein old äußerte wiederholt seine Bewunderung und versprach, dieser Institution seine besondere Aufmerksamkeit zu widmen, die er einen L i ch tpunkt in der Flüchtlingsfürsorge nannte. Der Minister verabschiedete sich daun in der liebenswürdigsten Weise, nachdem er fast eine Stunde bei den Kindern geweilt hatte. Humanitätsverein für die westlichen Bezirke. In der vom Magistrat genehmigten öffentlichen Ausspeisestelle, die der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke, VI., Esterhazygasse 30, errichtet hat, fand Mittwoch, den 2. d. M., vor Beginn der Ausspeisung, an welcher täglich mehr als 150 Frequentanten teilnehmen, eine kleine Kaiserfeier statt. Derselben wohnten als Ehrengäste der Bezirksvorsteher des 6. Bezirkes Herr Wolfgang Dirnbacher und die n:eisten Vorstandsmitglieder des genannten Vereines mit den beiden Präsidenten Dr. Carl Löwy und Dr. Ludwig Landau an der Spitze sowie mehrere andere angesehene Bewohner der westlichen Bezirke bei. Präs. Dr. Löwy würdigte in einer schwungvollen Festrede, die in ein dreifaches Hoch auf den Kaiser ausklang, die Bedeutung des Tages. Hierauf richtete Bezirksvorsteher D i r n b a ch e r, dem der Präsident für sein Erscheinen gedankt hatte, einige warmempfundene Worte namens der Genwindeverwaltung an die Versammelten. Schulausspeisung des „Ferienheims". Am 2. Dezember fand in der -vom Verein „Ferienheim" geleiteten magistratischen Schulausspeisung für den 4. Bezirk vn den von Baron Heinrich Königswarter (im Palais Königswarter, Favoritenstratze 30) zur Verfügung gestellten Räumen eine feierliche Ausspeisung von Schulkindern statt. Das Arrangement der Veranstaltung lag in den bewährten Händen der Damen vom „Ferienheim", das unter dem Präsidium der Frau Sophie Grünfeld steht. Die Feier wurde durch die Anwesenheit der Gemahlin des Statthalters Frau Baronin Anka V i e n e r t h ausgezeichnet. Baronin Bienerth erschim in Begleitung ihrer Mitarbeiterin auf wohltätigem Gebiete Frau Dr. Sidonie Bauer und wurde von den Damen des Vorstandes: Frau Sophie Erünfeld, Sophie Q u i t t n e r, Rosa Freyberg, Karoline Brünn-Rothberger, Helene P o r g e s, Adele Zins, Karoline Deutsch und Nelly O r n st e i n begrüßt. Die .Feier, der auch Herr und Frau Baron Heinrich Königswarte r.