Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 49 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022139--23676-3048887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 861 Dir Jugendlehrer der lalmudischen Zeit. Von L. Wiesner. (15. Fortsetzung aus Nr. 47. Schluß.) 80") Raba. der große Amora Babylons und Schulhaupt zu Machuza im vierten Jahrhundert, unterrichtete seinen Sohn in Bibel. Es scheint, daß er bei diesem Unterrichte dasselbe Verfahren beobachtete, welches in seiner hagadischen Schriftauslegung häufig zu finden ist/6) nämlich die Gegenüberstellung zloeier scheinbar einander widersprechender Bibelstellen und die Lösung des Widerspruches. Im vorliegenden Falle handelte es sich um den Widerspruch zwischen Sam. II, 24, 24 und I. Chronik 21, 25. Nach der ersten Angabe betrug der Kaufpreis, den David für die Tenne bezahlte, 50 Schekel Silber, nach der zweiten hingegen 600 Lchekel Gold. Raba löste diesen Widerspruch seinem Sohne in der Weise, daß er David von jedem Stamme Silber im Werte von 50 Goldschekel einheben, für zwölf Stämme also 600 Schekel in Gold, zahlen ließ/?) “Q ptTD "1 R. Simon b. Zabdai. R. Simon b. Zabdai, wahrscheinlich aus Babylon stammend/) erteilte dem Sohne des R. Josi,-) Schul Hauptes zu Tiberias, um das Ende des dritten Jahrhunderts Unterricht in Mischua. Schon die Autorität des R. Josi verbürgt uns die hervorragende Eignung des von ihn: für seinen Sohn gewählten Mischnalehrers, wenn uns auch von dessen pädagogischer Tätigkeit sonst nichts bekannt ist. Der Mischnaunterricht bot nämlich eine besondere Schwierigkeit dadurch, daß der Text nicht überall feststand. Sei es infolge der Unsicherheit der Ueberlieferung oder daß von allem Anfang an einzelne hervorragende Lehrer manche Lehrsätze in anderer als der vom Redaktor der Mischna überlieferten Fassung gelehrt hatten,"') es gab sowohl hinsichtlich einzelner Wörter als auch ganzer Sätze nicht wenige von einander abweichende Lesarten, welche durch maßgebende Autoritäten vertreten waren. Es ist bezeichnend, daß zuweilen schon dem zweiten Geschlecht die Lesart einer Autorität nicht mehr sicher stand. So gab der Sohn des R. Josi gelegentlich einer Kontroverse über den Wortlaut des ersten Satzes der Mischna, Sabbath VII. 1, aus Be fragen an, daß sein Vater die eine Lesart gelehrt habe, während sein Lehrer, R. Simon b. Zabdai, von R. Josi die andere Lesart vernommen haben soll/) ITOT 21 R. Jirmeja. In jungen Jahren und noch unbedeutend in Wissen hatte R. Jirmeja, dessen Autorität gegen Mitte des vierten Jahrhunderts zur allgemeinen Anerkennung emwuchs, seine Heimat Babylon verlassen, um sich, dem Beispiele seines späteren Lehrers R. Zeira folgend, in der „weisemachenden Atmosphäre Palästinas"/ dem Studium zu widmen. R. Ami, gleichfalls Babylonier von Bacher, Agada d. babyt. Amoracr S. 124, Anm. 42, wo mehrere Beispiele angeführt werden. 17) Zebachim 116 b. 0 Vergleiche Bacher, Ag. p. '.Hm. III. 624 Anm. 5 mit ö80 Anm. 5. 2) Im babyl. Talmud Asi genannt. Bacher Aa. p. Am. II. 151 Anm. 8. 3) Siehe Brill sna II. S. 121 —184 und Weiß in II S. 190—193. *) Jer. Sabbath VII. 1. *) B. Bathra 158 b. Geburt und zu dieser Zeit einer der angesehensten Schulhäupter zu Tiberias, nahm sich auch dieses jungen Landsmannes, dessen Fähigkeiten er erkannte, liebevoll an und betraute ihn auch mit dem Bibelunterrichte seines Sohnes. Mit demselben Eifer, mit welchem Jirmeja seinen eigenen Studien oblag, widmete er sich der Unterweisung des ihm anvertrauten Schülers. Selbst am Sabbat pflegte er den Unterricht schon mit Tagesanbruch zu beginnen. Dem Zögling freilich behagte es nicht sehr, auch an diesem Tage so frühzeitig aufzustehen und als der Lehrer am Sabbat wieder einmal zur gewohnten Stunde kam, fand er die Türe verschlossen. Das Rufen des Vaters, der herbeikam, um den Knaben zu wecken, erwies sich als vergeblich, und er sah sich daher genötigt, an die Tür zu klopfen. Da ertönte aus dem Innern des Zimmers die Stimme des witzigen Jungen: „Vater, ist es gestattet, am Sabbat zu klopfen?"* 2 3) Korrespondenzen. Huldigung der Wiener isruet. Kuttusgemeinde. Das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde hatte aus Anlaß des Gedenktages an die.Kabinettskanzlei folgende Huldigungsdepesche gerichtet: „Der am Vorabende des 66 jährigen Jubiläums der glorreichen Regierung Euerer Majestät im Anschluß an einen Festgottesdieust zu öffentlicher feierlicher Plenarsitzung versammelte Vorstand der Wiener israelitischen .Kultusgemeinde unterbreitet Euerer Majestät ehrfurchtsvoll den Ausdruck alleruntertänigster Huldigung. Dankbarst gedenkt die Judenschast Oesterreichs all der Segnungen der weisen, milden, gerechten Regierung Euerer Majestät. Vereint mit allen Völkern, allen Bürgern dieses Reiches, ist sie auch heute, wie immer, bereit, Gut und Leben für Euerer Majestät geheiligte Person, für unser geliebtes Vaterland zu opfern. Möge die unerschütterliche Tapferkeit unsrer heldenmütigen Armee zu vollem Siege über alle unsere Feinde führen, möge es Euerer Majestät beschieden sein, noch viele, viele Jahre in voller Kraft die Geschicke dieser Monarchie zum Segen aller ihrer Söhne als unser weiser, gerechter, heißgeliebter Kaiser zu lenken. Dies ist unser heißester Wunsch, unser tägliches inniges Gebet. Der Präsident Dr. Alfred Stern. Der Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann. Der I. Sekretär kaiserlicher Rat Theodor Lieben". Auf diese Huldigungsdepesche ist nun folgendes Antivorttelegramm eingelaufen: „W i e n, Burg. Herrn Dr. Alfred Stern, Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien! Seine Majestät der Kaiser haben die vom Vorstande der Wiener israelitischen Kultusgemeinde anläßlich des 66. Jahrestages der Allerhöchsten Thronbesteigung im Namen der Israeliten Oesterreichs dargebrachten Segenswünsche mit aufrichtiger Befriedigung entgegenzunehmen geruht und danken huldvollst für diesen neuerlichen Beweis treu erprobter Anhänglichkeit und patriotischer Hingebung. Im Allerhöchsten Auftrag: Freiherr v. Schi es; l m. p.“ Ter Dank des Kaisers an die galizischen Juden. Die in Wien weilenden Juden Galiziens hatten anläßlich des Gedenktages des Regierungsantrittes des Kaisers eine Huldignngskundgebung beschlossen, die eine Abordnung dem *) Jer.KBezah V. 2.