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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-11 · 49 (11.12.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
49 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 860 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 K. k. assgemeine Kerkehrsvank Waidhofen a. d. Höbs. Herr Siegfried Baumgarten aus Waidhofen a. d. Ybbs schreibt uns: Ich wohne feit zirka 40 Jahren hier, habe ein ziemlich großes Konfektionsgeschäft und lebe, wie auch die anderen Glaubensgenossen, trotz der antisemitischen Strömung mit den Mitbürgern in größter Zufriedenheit und Eintracht. Seit die k. k. priv. allgemeine Verkehrsbank hier eine Filiale hat, stehe ich auch mit derselben in Verbindung. Ich glaube auch, daß diese Bank unter ihren Aktionären viele Juden zählt, so daß sie mancher vielleicht mit Recht „Judenbank" nennt. Wie empörte mich daher der in dem antisemitischen Blatte „Bote von der Abbs" ausgeschriebene Konkurs, daß diese Bank einen Beamten sucht, der aber nur Christ und deutscher Nationalität sein darf. Nicht einmal in Friedenszeiten hätte man dieses von einer Bank erwartet, die soviel Geschäfte mit Juden macht. Umso größeren Verdruß erregt aber dieses Vorgehen jetzt, wo wir glauben und hoffen, daß auch nach dem Kriege jeder nationale Haß aufhören werde. Es hätte ja keiner was dagegen haben können, wenn diese Bank einen Nichtjuden anstellen würde, wenn aber öffentlich in einem antisemitischen Blatte verlangt wird, daß der Bewerber ein deutschnationaler Christ sei, wodurch der Rassenhaß geschürt wird, so muß ein solches Institut von Juden gemieden werden. Wir merken uns wohl dieses Vorgehen und werden darnach handeln. Lügen über Wien in der Kriegszeil. Der Herr Bürgermeister Dr. Weiskirchner sieht sich veranlaßt, durch diverse Druckschriften und Publikationen den im Auslande Wer Wien verbreiteten Lügen nach Kräften entgegenzutreten. Allein es wäre dringend notwendig, auch jenen abscheulichen Lügnern das Handwerk zu legen, die von Wien aus nach der Provinz böswillige Erfindungen tragen und die Vorgänge in Wien in entstelltem Lichte darstellen. So erhalten wir die Mitteilung aus Budweis: An die Dr. Bloch’sche »Oesterreichische Wochenschrift« in Wien. Ein Industrieller in Budweis erhielt heute eine Korrespondenzkarte $on seinem in Wien - Währing, XVIII. Bezirk, ansässigen Schwager, deren S hluß lautet: »lieber den Fall Belgrads ungeheurer Jubel! Alle christlichen Villen, aber auch nur di se reich beflaggt.« Ich kann nicht annehmen, daß diese Nachricht auf Wahrheit beruht, vielmehr eine böswillLe Erfindung ist. Da jedoch solche aus Wien in die Provinz verbreitete Berichte Beunruhigung hervorrufin, wäre es erwünscht, daß Sie in Ihrem viel verbreiteten Blatte feststellen, ob es auf Wahrheit beruht, daß in Währing nur christliche Villen aus Anlaß des Falles Belgrads beflaggt waren. Daß diese Nachricht eine erlogene ist, weiß jeder Wiener. Die Juden haben geradeso beflaggt wie die christliche Bevölkerung- Selbst die Tempelgebäude, die israelitischen Gotteshäuser in allen Bezirken und natürlich auch in Währing und selbstverständlich auch die Villenbesitzer hatten Fahnen ausgesteckt. Allein die Bekenner des antisemitischen Dogmas können sich von dem Kultus der Lüge nicht emanzipieren, und es wäre Aufgabe des Herrn Bürgermeisters, auch diesen Lügen entgegenzutreten. Mach 3827 Jahre«. Von Abraham Galante. Im Konstantinopler „Aurore" veröffentlicht der bekannte Gelehrte Galante die folgende interessante Betrachtung: Ein amtliches Communique des Hauptquarlie.s der kaiserlich ottomanischen Armee vom 18. November besagt folgendes: „Unsere an der ägyptischen Grenze operierenden Truppen besetzten Kalatel-Nahl, welches 120 Kilometer im .Inneren des ägypiifchen Territoriums gelegen ist, und haben daselbst die ottomanische Fahne gehißt. x Kalat-el-Nahl ist eine Oase der Sinaihalbinsel, 150 Kilometer nordwestlich von Akaba und 120 Kilometer südwestlich von Suez. Auf dieser Oase pflegen die Pilgerkarawanen, aus Aegypten kommend, auf dem Wege nach Mekka sich von den Mühen und Entbehrungen der Reise zu erholen. Gegenwärtig sieht man dort eine Moschee, einige Wasserquellen und mehrere Palmenhaiue. Kalat-el-Nahl bedeutet im Arabischen „Festung zu den Palmenhainen". Der Name Kalat (Festung) hat seinen Ursprung in der Tatsache, daß an dieser Stelle mit der Zeit ein Festungswerk zum Schutze dieser Oase gegen die Angriffe seitens der Beduinen errichtet wurde. Die Benennung Oase zu den Palmenhainen (arabisch: Ezbat-el- Nahl) entspricht dem hebräischen Jr-hate-marim (Palmenstadt). Dieser letztere Ausspruch findet sich Deute.onomi m, Kap. 34, V. 3. Geographisch genommen ist das obenerwähnte Jr-hate-marim nicht identisch mit dem in Rede stehenden Kalat-el-Nahl. Im allgemeinen pflegen die Araber jede Wüstenstation, welche von Palmen umgrben ist und Wasserquellen hat, mit dem Namen Palmenoase zu benennen. In der nächsten Nähe von Kairo gibt es auch eine mit demselben Namen. Im Pentateuch ist die Benennung, welche dem Kalat-el- Nahl entspricht, die Oase Elimi, Prüfen wir die Route, welche die Hebräer bei ihrem Auszuge aus Egypten eingeschlagen haben, so sehen wir, daß sie nach Verlassen des Landes Goschen*), we.ches der Pharao Ramses Jakob und seinen Söhnen (Genesis Kap. 47, V. 6) zur Verfügung gestellt hat, sich gegen, den Suez gewandt haben, das Rote Meer überschritten, dann den Weg durch die Wüste nahmen und nach einem Marsch von drei Tagen in Mara, bekannt wegen seines untrinkbaren Wassers, anlangten, welches sie dann verließen, um nach Elim Zu kommen, wo sie sich dann niederließen: „Sie (die Juden) kamen in Elim an, dort waren zwölf Wasserquellen und 70 Palmen. Sie lagerten an den Wassern." (Erod.us Kap. 15, V. 27.) Die Beschreibung, welche in diesem Vers von Elim gegeben wird, kann vollständig auf Kalat-el-Nahl Anwendung finden, denn dieser Platz ist' die einzige Oase, welche die von Aegypten über die Straße des Suez kommenden Karawannen auf ihrer Route finden. Auch Elim war nach der Bibel dir erste Oase, welche die Juden auf ihrem Wege fanden, da das Wasser von Mara zum Trinken nicht gut war. Von Elim schlugen die Juden ihren Weg gegen dir Wüste Sin ein und lagerten in Residim, wo es kein Trinkwasser gab, was ihre Klagen gegen Moses vermehrte. Dieser beruhigte sie und führte sie zu dem Fuße des Berges Horeb, wo er Wasser fand. Ich werde hier — so sprach der Ewige — da drunten aus dem Felsen am Berge Horeb erscheinen. Du wirst auf den Felsen schlagen und er wird Wasser geben und das Volk wird trinken. Moses tat so in Gegenwart der Aeltesten Israels. (Erodus Kap. 17, V. 6.) : | :; Der Berg Horeb ist wahrscheinlich der Djebel-Chassa, welche im Osten den Golf von Akaba beherrscht, wo auch die gleichnamige Stadt gelegen ist, durch welche auch der südliche Flügel der kaiser'.ichottomanischen Armee auf ihrem siegreichen Wege nach Aegypten gezogen ist. Nach dem Vorangegangenen war die Route, welche die Juden, laut Erzählung der Bibel, bei ihrem Auszug aus Aegypten genommen haben, die folgende: Goschen (Gizeh), Mizrastm (Kairo), Suez, das Rote Meer, Elim (Kalat-el-Nahl), Residim (in der Nähe des Horeb, östlich von Akaba). Alle diese Städte und Oasen liegen fast in derselben Breite. Heute ist die Route des südlichen Flügels der ottomanischen Armee genau dieselbe, jedoch in entgegengesetzter Richtung. Die offiziellen Verlautbarungen sprachen von Akaba und Katat-el-Nahl und werden auch bald uns die Ankunft der Armee vor Suez verkünden. So haben denn die Juden vor 3227 Jahren (die Juden sind nach dem hebräischen Kalender im Jahre 2443 aus Aegypten ausgezogen) Aegypten verlassen, um ihre Freiheit wieder zu finden. Heute also, nach 3227 Jahren, verfolgt die mächtige ottomanische Armee denselben Weg, um in Aegypten einzudringen uUd dahin die Freiheit zu tragen, welche dieses Land verloren hat. Damals war es ein Ieziath-Mizrajim. Heute ist es Hozaat-Mizrajim! *) Das biblische Goschen ist das heutige Gizeh. Gizeh ist der Name sowohl der Provinz als auch ih ec Hauptstadt, welche unmittelbar im Westen von Kairo liegt.

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