Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 49 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 859 manche Eltern sogar eine Unterstützung erhielten. Aus den Reihen dieser Schüler kamen auch jene Abtrünnigen heraus, die nach Absolvierung der Schule Palästina verließen und dann in Frankreich oder England zum Christentum übertraten. Die letzten Wüßten in den Pereinigten Staaten. Die jüngst verlaufenen Wahletl in den Bereinigten Staaten von Nordamerika haben manch interessantes Ergebitis gebracht. So wurde Colonel Benjamin L. Rosenblum zum Senator des Staates Birginia gewählt und hat dabei die größte Stimmenallzahl auf sich vereinigt, welche bisher ein Senator erlangen konnte. Großes Interesse erweckte auch die Wahl des Kongreßmitgliedes Meyer London, welcher aus Grund eines sozialistischen Programnies gegen den bekannten srüheren Kongreßmanll Goldfogle den Sieg davontrug. Meyer London wird der einzige sozialistische Vertreter am Kongreß sein. Den größten Erfolg erzielte jedoch der neugelvählte Gouverneur des Staates Idaho, Moses Alexander. Er erlangte die höchste Amtsstufe, welche die Bürger eines Staates zu vergeben haben. Moses A l e x a n d e r ist der erste jüdische gewählte Staatsgouverneur in Amerika. Es hat wohl schon früher einen jüdischen L.erritorialgouverneur in Amerika gegeben, doch wurde dieser vom Präsidenten ernannt. Moses A l e x a n d e r, der im öffentlichen Leben des Staates Idaho auch bisher schon Hervorragendes geleistet hat, ist jedoch der erste Jude, der durch das Vertrauen seiner Mitbürger im Wege der Wahl in dieses hohe Amt gesetzt wurde. Ein patriotischer Entschluß der Hörer des Pudapester Landesraööinerseminars. Die Hörer der oberen Abteilung des Budapests Landesrabbiuerseminars, neunzehn an der Zahl, haben sich ans eigener Initiative an den Honvedminister Baron Samuel H a z a i mit einer Eingabe gewendet, in welcher sie ersuchen, daß die Kriegsverwaltung von den ihnen gesetzlich gewährleisteten Rechten und von ihrer gesetz liehen Enthebung vom Dienste absehen und sie zur Dienstleistung heranziehen Möge, da sie es nicht ruhig ansehen können, wie alles, was wehrfähig ist, in den Krieg zieht und sein Leben aufs Spiel setzt, während sie untätig im (Genüsse eines allerdings gesetzlichen Rechtes zu Hause bleiben. Sowohl der Rektor des Seminars Dr. Ludwig Blau wie auch der Präsident des Kuratoriums königlicher Rat Dr. Franz Mezcy haben den jungen Theologen, als sie von deren Entschlüsse Kenntnis erhielten, erklärt, daß sie durch diesen patriotischen Schritt weder hinsichtlich des Genusses der Stipendien, noch in bezug auf das Studienjahr irgend einen Verlust erleiden werden. — Die Hörer des Budapester Landesrabbinerseminars haben übrkgens auch gemeinsam die ungarische Kriegsanleihe gezeichnet. Weserveteulnanl Julius Kroß. Dem „Egyenloszeg" entnehmen» wir die folgende Mitteilung: Im Spitale der Ungarischen Bank in der Palatingasse in Budapest liegt mit einem Kopfschuß ein tapferer Soldat: Julius Groß, Reserveleutnant des 27. Honvedregiments. Julius Groß erhielt jetzt das Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes und hat diese Auszeichnung durch seine Heldentaten auch redlich verdient. Der Leutnant, der im bürgerlichen Leben Oberbeamter der Versicherungsgesellschaft „Generali" ist und auch als Sportkämpfer seinen Namen bekanntgemacht hat, vollbrachte noch im vorigen Monate eine kühne Ta-t au der serbischen Grenze. Unsere Soldaten wollten die Drina übersetzen, und Groß nahm es auf sich, mit seiner kleinen Abteilung durch den angeschwollenen Fluß hinüber zu schwimmen, zu dem Zwecke, den Feind zum Kampfe zu zwingen, damit unsere Armee unterdessen abseits vom Schauplatze des Kampfes ungehindert eine auf feindliches Land führende Brücke schlagen könne. So war es auch. Groß sprang in die Drina, die jenseits des Uferö befindlichen Serben hatten ihn bald bemerkt und empfingen die tapfere Abteilung mit heftigem Feuer. G r o ß und seine Mannschaft stiegen ans Ufer, wo zwischen ihnen und dem Feinde ein wilder Kampf entbrannte. Diese Zeit haben nun unsere Pioniere dazu verwendet, um 5 Kilometer weit vom Schauplatze des Kampfes eine Brücke zu schlagen, welche Arbeit von dem durch Groß und seine Leute beschäftigten Feinde nicht gestört werden konnte. Groß lvurde am Fuße verwundet, die Serben nahmen ihn gefangen, aber unsere auf der inzwischen fertiggeftellten Brücke vordringenden Soldaten befreiten ihn aus der serbischen Gefangenschaft. Später erhielt Leutnant Groß beim Srbskier Beter einen Kopfschuß und lag während sechzehn Stunden bewußtlos unter Toten und Verwundeten auf dem Kampfplatze, bis er erkannt wurde. Jetzt liegt er in Budapest, wird jedoch binnen kurzem geheilt fein und wahrscheinlich zu seinen bisherigen Heldentaten neue hinzufügen. Neue Pogroms in Südrußkanb. Nachrichten aus Kischinew zufolge kam es nach dem strategischen Rückzug der österreichisch-ungarischen Armeen aus Polen neuerdings zu schweren Pogroms in Südrußland, besonders in Podolsk, Radom, Grodisk und Cholm. Zu den Ausschreitungen gegen die russischen Juden wird noch gemeldet: In Radom wurden, nachdem die Truppen der Verbündeten diese Stadt verlassen hatten, einige Juden gehängt; ebenso auch in Kielce, wo außerdem die russischen Soldaten die jüdischen Häuser gründlich geplündert haben. Einen weit größeren Umfang haben die Judenpogrome in den Städten und Ortschaften des Warschauer Gouvernements Ende Oktober und Anfang November angenommen. In Lowicz und Sochaczew wurde eine größere Anzahl von Juden getötet und ihre Habe geplündert und vernichtet. Speziell in S k i e r n i e w i c e wurde mit besonderer Grausamkeit gegen die Juden vorgegangen. So wurden zum Beispiel, als der russische Generalstab in dieser Stadt eingezogen war, sämtliche Juden unter militärischer Eskorte über die Stadtgrenze gewaltsam hinausgeführt und auf freiem Felde, in Frost und Kälte, einige Tage und Nächte gehalten. Schöne Seelen finden stch! Die offiziöse „Nowoje Wremja" und die „Times". Wie der Berliner „Lokalanzeiger" von zuverlässiger Seite erfährt, ist die „Nowoje Wremja" seit zwei Jahren im Besitze eines Konsortiums, dem auch die Londoner „Times" gehören. Im Herbst 1913 wurde in Petersburg eine Aktiengesellschaft zur Uebernahme der „Nowoje Wremja" gegründet, und die Anteile dieses Unternehmens sind alle von der „Times"-Gruppe übernommen worden. Diese außerordentlich interessante Tatsache, die bisher unbekannt war, wird dem „Lokalanzeiger" von einem Fabrikanten bestätigt, dessen Forderungen an die „Nowoje Wremja" durch die „Times" bezahlt worden sind. Das Blatt, das zu allen Pogromen gehetzt hat, gehört somit Engländern.