Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 49 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022139--23670-3048881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 855 Gewalt auf den Sturmbock, daß er der Maschine den Kopf abschlug; dann sprang er hinab, holte diesen mitten aus den Feinden und trug ihn mit großer Unerschrockenheit auf die Mauer. Die Feinde machten ihn aber alle zu ihrer Zielscheibe, und da er durch keine Rüstung geschützt war, ward er von fünf Geschossen durchbohrt. Ohne sich darum zu kümmern, stellte er sich jedoch auf die Mauer, wo sich aller Augen aus ihn wegen seiner Heldentat richteten, stürzte aber gleich darauf, unter seinen Wunden sich krümmend, auf den Widderkopf herab." „Nächst ihm erwiesen sich als die Tapfersten die zwei Brüder N e k i r a s und PhilipPos aus dem Dorfe R u m a, gleichfalls Galiläer. Sie drangen auf die Soldaten der zehnten Legion ein und stürzten sich mit so gewaltigem Ungestüm auf die Römer, daß sie ihre Reihen durchbrachen und alles, was ihnenin den Weg kam, in die Flucht schlugen." Mit dem Untergange Jerusalems, des letzten großen Krieges der Juden, war jedoch das Heldentum des jüdische!: Soldaten nicht ausgestorben. Die Annalen der jüdischen Geschichte beinhalten eine große Reihe heldenmütiger Kämpfe in den arabischen, persischen und nordasrikanischen Staaten des Mittelalters, die noch einer kundigen, historisch geübten Hand zur Hebung und Verbreitung der Kenntnis nach dieser Richtung harren. Daß dieselben nicht so allgemein bekannt sind, das hat auch tieserliegende Ursachen. Es ist das parteiische Verhalten der historischen Wissenschaft jüdischen Vorzügen gegenüber. Ein solches zeigt sich — als einzelnes unter vielen anderen — in der Geschichte des Königs Otto II. Dieser Kaiser hatte einen italienischen Juden mit Namen K a l o n y m o s in seinem Gefolge, der ihm mit zärtlicher Liebe zugetan war. Er begleitete ihn im Jahre 982 in die Schlacht gegen die vereinigten Sara eenen und Griechen bei Basantello. Als die Blüte der deutschen Ritterschaft gefallen war und der Kaiser sein Roß verlor, führte ihm Kalony mos das seinige zu, damit er sich vor den ihn verfolgenden Feinden retten könne. Er selbst verzichtete auf seine eigene Rettung, um nur das Leben des Kaisers zu. erhalten, lvetches demselben auch mittels dieses Rosses gelang. Der Kaiser mußte nicht erst, wie esShakespeare im Drama „Richard III." wiedergibt, ausrufen: „Ein Pferd! Ein Pferd! Ein Königreich für'n Pferd!" Der Jude Kalonymus hat es ihin gegeben, und Otto hatte dann das Pferd, das Leben und das Königreich behalten. Und doch hat fälschlicherweise 2 ch l o s s e r in seiner Weltgeschichte die Geschichte dieser Rettung des Kaisers so dargestellt, als hätte der Jude sie nur in Aussicht auf Gewinn ausgeführt. Er will das Heldentuul des Juden nicht gelten lassen. Die Kriegsgeschichte unserer Zeit legt nun aber Zeugnis ab, daß das jüdische Kriegshelde n t u m nicht geschwunden ist; Hunderte und aber Hunderte unserer Glaubensgenossen, die im Kriege stehen, sind ausgezeichnet auf dem Felde der Ehre; sie stehen keiner Konfession und keiner Nationalität int Kampfe für das Vaterland nach, und wenn das Kriegsbuch dieser Zeit mit Gottes Hilfe geschlossen sein wird, werden wir mit Stolz und Genugtuung Hinweisen können auf das goldene Buch, in welchem auch in stattlicher Zahl die Namen jüdischer K r i e g s h e l d e n zur Verherrlichung der Judenheit fortleuchten werden! Die Namen jüdischer K r i e g s Helden als würdige Nachfolger der M a k - k.a b ä e r! Vom Aabrmarirt des Lebens. Der Anteit der jüdischen Soldaten an den Kämpfen unserer Armee. Die Auszeichnungen derselben und ihre Opfer. Von Moritz Frühling. Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, nähert sich das gewaltige Ringen um den endgiltigen Sieg dem Höhepunkte, das Ende dieses unglückseligen Krieges ist jedoch noch lange nicht abzusehen. Aber dieser noch im Gange befindliche Krieg, in welchem Anforderungen an den Mann gestellt werden wie nie zuvor, bringt uns auch bezüglich unserer draußen kämpfenden Volks- und Glaubensgenossen Tatsachen zur Erkenntnis, die, mit so vielen Tränen sie auch durchwoben sind, uns andererseits zu größtem Stolz gereichen. Gewisse Kreise, die ihre konfestionelle Unduldsamkeit auch in dieser großen Zeit zu betätigen für gut und passend finden, können es nicht verwinden, daß noch ein jedes Verordnungsblatt zahlreiche jüdische Offiziere und jüdische Soldaten des Mannschaftsstandes unter den Ausgezeichneten anführt. Daß auch die Verlustlisten Tausende von Namen der angeführten Soldatenkategorien verzeichnen, wird loyalerweise — verziehen. Nachdem aber die gerechte Wertung kriegerischer Leistungen seitens unseres Armeekommandos eine Tatsache ist, die nun einmal nicht aus der Welt geschasst werden kann, wird — um die Leistung des jüdischen Soldaten doch zu verkleinern — zu einem Verlegenheitsmittel gegriffen, das auf bewußt falschen Prämissen aufgebaut ist. Die jüdischen Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee, so wird nun in jenen Kreisen geurteilt, trotzdem sie vier- oder fünfmal so stark vertreten sind als in der deutschen, haben nicht einmal die Zifferhälste der Tapserkeitsmedaillen der durch die deutschen Juden bereits errungenen Eisernen Kreuze. Es wird wohl an der Zeit sein, in diese Sophystik hineinzuleuchten. Der einzige Maßstab, ob die Juden gleich den anderen Nationen ihre Braven stellen, ist die eigene Armee. Die auf jüdische Soldaten entfallenden Auszeichnungen sollen perzentuell mehr weniger dem Verhältnis entsprechen, in welchem sie in der Armee beteiligt find. Und der Leser der Berordi ungsblätter har sich bereits heute sein Urteil, gewiß kein ungünstiges, gebildet. Die Tapferkeitsmedaille der österreichisch-ungarischen Armee, die noch dazu aus drei Kategorien besteht, das Signum laudis, das Militärverdienstkreuz und die noch höheren Orden mit dem einheitlichen deutschen Eisernen Kreuz zu vergleichen, zeugt von einer befremdenden Unkenntnis der verschiedenen, in beiden Armeen traditionell bleibenden Dekorierungsarten. Die österreichisch-ungarischen Orden und Medaillen werden nur für Tapferkeitstaten verliehen; das Eiserne Kreuz auch für Wohlverhalten vor dem Feinde, wofür noch lange nicht jenes Merkmal beansprucht wird, das für die Verleihung des sichtbaren Ehrenzeichens in unserer Armee ausschlaggebend ist. Auch die materielle Seite spielt hier keine geringe Rolle. Der Träger der Tapferkeitsmedaille erhält lebenslängliche, mit Statut systemisierte Bezüge, der mit dem Eisernen Kreuz Dekorierte keine. Ueber den Anteil unserer Soldaten in dem jetzigen Kriege mögen hier noch einige Ziffern angeführt sein, von denen jedoch bemerkt werden muß, daß alle, aber nur nach aufwärts, eine Korrektur erfahren können. Zu Beginn des Krieges waren in den regulären Truppentörpern über 100.000 jüdische Krieger eingeteilt. Wieviel durch die inzwischen erfolgten Neuaushebungen