Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 49 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 854 SK 49 Dr. Bloch's kämpft ausgewcchlt. Nachdem schon zwei von den Hora t Lern gefallen waren, flieht auch der dritte derselben. Die schon durch Wunden entkräfteten drei Curatier verfolgen den einen noch unverwundeten H o r a t i e r; jetzt wendet sich dieser plötzlich um, ersticht den nächsten Gegner, dann den zweiten, der eine Strecke zurückgeblieben war, schließlich in gleicher Weise auch freit dritten. Rom war Sieger! Das Geschlecht der Hora t Le r wurde dann ein altes, berühmtes, patrizisches. Den Helden dieses Zweikampfes ist auch ein Denkmal alter, berühmter etruskischer Kunst gestellt. Diese Erzählung hat aber ihr viel älteres Gegenstück in der Bibel; es spielte sich 200 Jahre vor dem von Rom, unter König David ab. Saul war gesalien, David war König von Juda geworden. Jedoch der Feldherr Abner hielt noch die Regierung für Ischboscheth, dem Sohne Sauls, aufrecht und kämpfte für ihn. So standen sich noch zwei Heere gegenüber, das eine unter I o a b für David, das andere unter Abner für Jschboscheth. Da entstand ein Kampfspiel mit Einwilligung der beiden Feldherren. Je zwölf Männer traten von jeder Schlachtreihe hervor, um den Kampf für ihre Heere zu entscheiden. „Und der eine ergriff den anderen beim Kopf und stieß sein Schwert an die Seite des anderen und sie fielen zusammen," wird es da int Buche Sam u e l, II, 2, erzählt. Sie hatten sich also in gleicher Kampfeswut gleichzeitig getötet. Selbstverständlich blieb der Kampf unentschieden, und wir begreifen es daher, wenn dann fortsetzungsweise erzählt wird: „Und der Streit war sehr heftig an demselben Tage und Abner und die Männer Israels wurden geschlagen von den Knechten Davids." So endete dieser Zweikamps einzelner Helden, dem auch von den Israeliten ein Denkmal gesetzt worden ist; wohl nicht in bildlicher Form, da dies religiös verpönt ist, aber Ln der Weise, daß der Ort des Kampfes durch einen Namen verewigt worden ist. Er hieß von nun an: „Chelkath-hazurim". Nach dem aramäischen Targum bedeutet dies: „Geschärfte Schwerter". Nach Mendelsohn: „Das Feld d e r F e l s e n st a r k e n"; denn stark wären die Kämpfer, gleich Felsen, die einer gegen den anderen stießen, sich nicht überwältigen konnten, sondern gemeinsam in gleichem Kampfe fielen. Das war altes, jüdisches Kriegsheldentum. Wird ja auch ein bestimmt in den alten biblischen Zeiten vorhanden gewesenes Buch unter dem Namen „das Buch der Kriege" genannt, welches aber nur einmal in der Bibel angeführt wird und verloren gegangen ist. Wieviele Beispiele von jüdischem Kriegs- Heldentum mögen nun durch den Verlust dieses Buches der Kriege in Vergessenheit geraten sein, auf die wir, gleich anderen Völkern, Hinweisen könnten, wie die Jliade bei den Griechen oder das Nibelungenlied bei den Germanen. Umsomehr sind die wenigen Beispiele, die uns die jüdische Literatur zurückgelassen, zu beachten, die uns zeigen, daß jüdischer Mut und jüdische Tapferkeit zu allen Zeiten im Judentum heimisch waren und der jüdische Krieger immer seinen Mann stellte. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man bei der Erinnerung an jüdische Kriegshelden auf das Geschlecht der Makkabäer Hinweisen. Sind dieselben doch sogar unter den Kälenderheiligen der Katholiken ausgenommen, weil sie das heilige Land durch ihren Heldenmut den Händen der hellenisch-syrischen Heiden entrissen haben. Jedoch ein Beispiel soll hier in der Erinnerung an Chanukka seine Stelle finden, als Seitenstück zu einer geschichtlichen Heldentat eines Schweizers. Wochenschrift Als Leopold von O e st e r r e i ch im Jahre 1386 in der Schlacht bei Sempach den Schweizern gegenübertrat, stiegen die Reiter Leopolds vom Pferde, rückten mit einem starren undurchdringlichen Wald von vorgehaltenen Lanzen an und drohten das kleine Häuflein der Eidgenossenschaft zu umzingeln. Da umfaßt der starke Arnold von Winkelried mit seinen Armen einige Lanzen. „Ich will euch eine Gasse machen, Brüder, sorgt für mein Weib und Kind!" ruft er — drückt die Lanzen -in seine Brust und fallend macht er eine Lücke unter den Feinden, deren Reihen nun gebrochen waren. Die Schlacht wurde durch diese Heldentat für die Eidgenossenschaft gewonnen. Nicht so glücklich war mit dem gleicharrigen Heldenstück 1500 Jahre vorher Eleazar, einer der fünf Brüder der Makkabäer. Auch er wollte eine Schlacht gegen A n t i o ch u s in dieser Weise entscheiden. Die Tatsache wird im Buche der Makkabäer schon erzählt, aber dort erscheint sie trocken und nüchtern. Josephus Flavins in seinem Bellum judaicum beschreibt das Ereignis mit Geist und Herz folgendermaßen: „An t i o ch u s sammelte (165 v.) 50.000 Mann zu Fuß, etwa 5000 Reiter und 80 Elefanten, drang durch Judäa ins Bergland ein, eroberte das Städtchen Bethsura und stieß bei.dem Engpaß Bethzacharia mit Judas und seinem Heere zusammen. Ehe die Heere handgemein wurden, ersieht sein Bruder Eleazar den höchsten, mit einem großen Turme und vergoldeten Schutzwehren geschmückten Elefanten in der Ferne; er vermutet auf demselben den Antiochus selbst, eilt den Seinigen weit voran, durchbricht den Haufen der Feinde und dringt bis zu dem Elefanten vor. Den vermeintlichen König selbst konnte er nun wegen der Höhe des Tieres nicht, erreichen. Das Tier verwundete er aber am Bauch, daß es über ihn zusammenstürzte und ihn zu Tode drückte. So erreichte er nichts weiter, als daß er, das Leben dem Ruhme hintansetzend, ein Großes gewagt." „Das Leben dem Ruhme hintansetzen," das ist also der schöne große Gedanke, der Helden in die Welt setzt und sie ^iber die Allgemeinheit erhebt. Josephus hat oen herrlichen Satz wohl ausgesprochen, aber scheinbar nicht an sich selbst betätigt. Er war der einzige Ueberlebende nach der Einnähme der heldenmütig verteidigten Festung Jotapata gegen die Römer. Unfr deshalb wurde er auch von seinen Volksgenossen des Verrates an seinem Volke geziehen. Dieser Beschuldigung gegenüber hat er sich auch veranlaßt gesehen, sein Buch: „Bellunt judaicunt" zu verfassen, gleichsam a*s Verteidigungsschrift. Diesem Buche haben wir auch die herrliche ausführliche Beschreibung des heldenmütigsten Kampfes der Welt zu verdanken, den die Juden gegen das große Rom geführt hatten. Ein Bild von der Größe Roms gegenüber der Kleinheit und Winzigkeit des Ländchens P a l ä st i n a gewinnen wir aus einer Rede des A g r i p p a, die Josephus wörtlich anführt, die an die aufständischen Juden gehalten wurde, aber an dem Heldenmut der Palästinenser resultatlos abprallte. Sie wollten frei leben mit ihrer Religion und ihrer Nationalität — oder den Tod! Dieses Kapitel in dem Buche des Josephus ist ein Denkmal von jüdischem Kriegsheldentum. Josephus führt auch aus der Belagerung der von ihm selbst befehligten Festung Jotapata ein Beispiel jüdischen Kriegsheldentumes an. Er schreibt: „Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich auch ein Jude namens Eleazar, Sohn des S e m a i o s, gebürtig aus Saab in Galiläa, auf eine rühm- und denkwürdige Weise aus. Er hob einen ungeheuren Stein und schleuderte ihn von der Mauer herab mit solcher