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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-04 · 48 (4.12.1914) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
48 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 846 Dr. Btoch's Wochenschrift Nr. 48 Fleisch bekommen, zuteil werden. Ich muß gestehen, das; mir der ungezwungene, luftige Ton der hiesigen Ausspeisungsjugend, unter der das männliche Element ungefähr drei Vierteile bildet, besonders aufsiel. Befangenheit, Afsektarion und Drill fallen hier weg, die Kinder machten den Eindruck, einer Familie anzugehören. Das; ich hier nicht so verhungerte Kinder traf wie anderwärts, gereicht dem Verein zur besonderen Ehre, denn diese sehr sorgfältig aus den ärmsten Schichten ausgesuchten Kinder speisen zumeist seit den allerersten Kriegstagen hier, nur einige Flüchtlingskinder sind hinzugckommen. Sonst sind 120 Kinder täglich, seit der Kriegs erklärung aber 500 bis 600 tägliche Gäste Pestalozzis. Das weibliche Element, unter dem besonders Frau Dr. G r u n w a l d tätig ist, tritt übrigens mehr zurück. Herr Bürgerfchullehrcr Ster k, Herr Armenrat Lemberger und Herr Michael Honig gewinnen sich täglich die Zeit ab, hier als liebevolle Väter zu wirken; die Kinder sind besonders zutraulich und offen mit ihneit, ein Beweis, das; es nicht nur Frauen sind, die verstehen, auf Kindergemüter zu lvirken. Herr Dr. G r u n w a l d hat dieser Ausspeisung seine besondere Fürsorge zugewendet und beklagt es, daß die Tätigkeit dieses Vereines noch lange nicht genug gewürdigt wird. Die Leopoldstädter Frauen und Männer haben alle Ursache, aus ihren „Pestalozzi"' stolz zu sein und ihn zu fördern und weitere Kreisefür ihn zu interessieren. C. Benedikt. Wien. Als vor zwölf Jahren eine kleine Schar junger Mädchen und Frauen in humaner Gesinnung sich vereinigte, um in den Wiener Spitälern den verlassenen armen kranken Glaubensgenossen durch geregelten Besuch und dargereichte Erfrischungen wohltuende Teilnahme zu zeigen und den der materiellen Hilfe dringend Bedürftigen nach Möglichkeit beizustehen, auch beim Verlassen des Spitales den Fremden über die ersten Schwierigkeiten hinwegzuhelfen und Heimreisen zu befördern — erweckte diese edle Betätigung einen Widerhall in dielen humanfühlenden Herzen, und der Mädchen- und Frauenverein „Krankenbesuch" (Bikur-Chaulim) fand bald eine stattlich große Zahl von Mitgliedern und Gönnern und ist schon längst eine anerkannte Wohlfahrtsinstitution in dem nun zusammenwirkenden Kreise unserer Humanitären Hilfsvereine. Die bestehenden Krieg;ere'gniss« haben leider unseren armen kranken Glaubensgenossen die Ausnahme in den Spitälern arg geschmälert, fast unmäglich gemacht, weil fast alle Räume für unsere verwundeten und kranken Soldaten gebraucht werden. Dadurch fühlte sich der wackere Vorstand dieses Vereines bewogen, in neuer Art für unsere armen Kranken zu sorgen, indem er anstrebte, eine größere Anzahl hilfsbereiter Frauen für die Krankenpflege erst theoretisch im Rothschildfpitale und dann praktisch im Rudolfsspitale ausbilden zu lassen. Die Herren Armenärzte sind bereits von der Hilfsstelle des Vereines avisiert und sobald sie einen der Pflege bedürftigen Hauskranken angeben, übernimmt eine der freiwilligen Pflegerinnen den Tagesdienst beim vom Arzte empfohlenen Patienten. - Da ist aber oft in erster Linie der Wäschebedarf fürs Krankenlager und die Leibwäsche für den oder die Patienten dringend nötig und die Pflegerin sieht sich gezwungen, solche zu bringen. Der Vorstand des Mädchen- und Frauenvereines appelliert daher an die stets bewährten edlen Menschenfreunde und bittet um allerhand alte zurückgesetzte Bett- und Leibwäsche, auch warme Unterkleider, an denen es in der jetzigen kalten Jahreszeit so sehr mangelt und die armen Kranken schädigt. Jede Spende und Gabe, auch warme Kleider für Männer, Frauen und Kinder werden abgeholt und ihrem edlen Zwecke zugeführt. Gütige Zuschriften oder Spenden sind zu richten an den Mädchen- und Frauenverein „Krankenbesuch", Wien 1. Be;., Seitenstettengasse 2, 2. Stock. Zur Konskription der Juden in Budapest. Aus Budapest wird uns geschrieben: Vor kurzen; hat die ungarische Regierung eine Verfügung erlassen, wonach die in Ungarn lebenden Ausländer konskribiert werden und den Angehörigen der mit Oesterreich-Ungarn im Kriege stehenden Staaten die wöchentliche Meldepflicht auferlegt wird. Diese Maßregel erstreckt sich naturgemäß auch aus jene große Zahl russischer Juden, welche schon vor mehreren Jahren vor der russischen Tyrannei nach Ungarn geflüchtet sind. Nun hat die ungarländische zionistische Organisation an die-Regierung eine Eingabe gerichtet, in lvelcher darauf hingewiesen ivird, daß diese vom Schicksal verfolgten Menschen eine besondere Beurteilung verdienen würden. In der Eingabe, welche von den Vizepräsidenten Dr. Bela O e st e r r e i ch e r und Dr. Josef Schönfeld verfaßt ist, wird unter anderem ausgeführt: „Die in unseren! Vaterlande sich aufhaltenden russischen Juden haben auf der Flucht vor russischer Tyrannei und vor den dortigen Judenverfolgungen in unserem Vaterlande Zuflucht gesucht und sich hier durch ehrliche Arbeit ein bescheidenes Heim gegründet. Die zu uns eingewanderten russischen Juden, deren großer Teil bereits seit Jahrzehnten in unserem Vaterlande lebt, sind vollständig verschmolzen mit den übrigen Staatsbürgern und die meisten von ihnen haben bisher nur deshalb die ungarische Staatsbürgerschaft nicht erlangen können, weil sie nicht die Möglichkeit hatten, die hiezu notwendigen Dokumente zu beschaffen, da dieselben ihnen in ihrer früheren Heimat nicht herausgegeben wurden. Diesen Menschen gegenüber würde jede Repressivmaßregel ihr Ziel verfehlen. Hält doch Rußland seine jüdischen Untertanen selbst zu Hause nicht für vollberechtigte russische Staatsbürger, viel weniger noch ist es mit jenen der Fall, welche es durch die verschiedenartigsten Verfolgungen zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen hat. In unserem Feldzuge gegen Rußland haben sich die russischen Juden — aber besonders die russischj-polnischen Juden — als die verläßlichsten Leute unserer verbündeten Heere erwiesen, die mit uns die Niederlage der russischen Waffen vom Herzen wünschen. Die aus Rußland vertriebenen und in unser Vaterland geflüchteten Juden sind durchwegs Opfer ihres Glaubens und ihrer Abstammung und hängen mit schwärmerischer Hingabe an dem neuen Vaterlande, welches ihnen Schutz bot, und so wäre es nicht eine Retorsion, sondern ein liebenswürdiger Dienst für die russische Regierung, wenn wir sie durch die, Schuld der russischen Regierung auch hierzulande als Russen behandeln würden." Das Warackentager in Mikolsöurg. Die Abg. Dr. v. Löwenstein, Ko lisch er, G r o ß, Steinhaus und Rauch überreichten dern Minister des Innern Baron Heinold ein Memorandum in Angelegenheit des Flüchtlingslagers in Nikolsburg. Die genannten Abgeordneten hatten vor einigen Tagen das Lager besucht und dabei trotz; unleugbarer Vorzüge und der anerkennenswerten Tätigkeit der mit der Fürsorge für das Lager betrauten Persönlichkeiten getvissc Uebelstände vorgefunden, deren Beseitigung aus humanitären und sozialen Rücksichten von dein Minister erbeten wurde. Minister Freiherr v. H e i n o l d, der ein außerordentliches Interesse für das Schicksal der Flüchtlinge an den Tag legte und sich über alle einschlägigen Fragen auf das beste informiert zeigte, versprach den Abgeordneten, sofort alle notwendigen Schritte zur möglichsten Beseitigung der in dem Memorandum angeführten Uebelstände zu unternehmen. Auch der Referent für Flüchtlingsfürsorge, Sektionsrat v. Marquet, versprach den Abgeordneten, int Sinne der Ausführungen des Memorandums auf Grund der voin Minister erhaltenen Weisungen vorzugehen. In denr Memoranduin wird insbesondere die Errichtung von Abteilungen in den Hallen der Baracken gewünscht, damit die Familien und auch die sonstigen Flüchtlinge gesondert untergebracht werden können. Bei der Unterbringung in Barackenlagern sei auf eine tunlichst einheitliche soziale Schichtung der Barackenbetvohner zu sehen, zum Mittelstände gehörende Personen sollen aus die Art versorgt werden, daß ihnen der vom Staate

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