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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-04 · 48 (4.12.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
48 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seie 844 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 48 der öffentlichen Verwaltung - ich möchte sagen kapitelweise — die Rechtspflege, die Sicherhcitspflege, die Sanitätspflege ic. aufzählen, gilt dort in jenem Barbarenreiche Mord und Plünderung, geübt an friedlichen Bewohnern mitten im Frieden, gilt die Pogrompflege als ein ungeschriebenes Gewohnheitsrecht, als ein .,us «jiirwilrm, als eine von staats- und rechtswegen zu erjüllende Aufgabe, welche von öffentlichen Gewalten geübt, von unsichtbaren, bis in die höchsten .Streife reichenden Mächten beschützt, gefördert, ja gefordert wird. Das ist dort Zivilisation. *:irv by ns?“!“ nnen pesra Vom Norden kommt das Unglück, kündet schon unser alter Prophet Jeremias. Ten vom Norden drohenden Einbruch moskowitischer Barbaren wollen, werden wir abwehren mit vereinten Kräften. Viriles unit-is“ zum Heile und Wöhle unseres Vaterlandes, zur Retrung europäischer Gesittung und Zivilisation. Möge es unserem vielgeliebten Monarchen beschieden sein, ein glückliches Ende dieses blutig-heißen Ringens zu erschauen, möge es dem gütigen Herrscher, dessen Streben stets dahin gerichtet war, den Frieden zu erhalten, gegönnt sein, wieder im Frieden durch lange, lange Jahre, wie bisher, mit milder, weiser, gerechter Herrschaft seine Völker zu beglücken. Gott segne, Gott schütze, Gott erhalte unfern Kaiser Franz Josef I.!" . Mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und die verbündete Armee schloß die Festsitzung. KeneraMaßsarzt Dr. Jacoö Juckermann. Vom Giebel des Tempels iit der Schmalzhofgasse weht eine schwarze Fahne; denn Dr. Jacob Zuckcrmann, einer der besten jener wackeren Männer, die sich der Verwaltung dieses Gotteshauses gewidmet haben, hat sein irdisches Dasein beschlossen. In Deutschböhmen geboren, Sohn eines Lehrers, widmete er sich der ärztlichen Laufbahn und trat nach erlangtem Doktorgrade in das militärärztliche Offizierskorps ein, in welchem es ihm alle Stufengrade bis zum Generalstabsärzte zu erreichen vergönnt war. Und daß er dies als gläubiger, überzeugungstreuer, feine Religion stets offen bekennender Jude imstande war, war der Stolz feines Lebens, sein höchster Ruhm. Er hatte eine hohe Auffassung von den sittlichen Pflichten seines Berufes, dem er sich aus innerster Zuneigung gewidmet, denn seinem edlen Herzen war Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Linderung der Leiden aller Art aufrichtiges Bedürfnis. Und für diese edlen Charaktereigenschaften fand er ein reiches Feld der Betätigung, als er nach ehrenvoller, vielfach ausgezeichneter militärischer Dienstleistung den wohlverdienten Ruhestand bezog. Er war Obmann der Tempelsektion des Mariahilfer Teinpelvereines, Vorstandsmitglied der Armenanstalt der isr. Kultusgemeinde, Vizepräsident der Mensa-Academica, Komiteemitglied der Freiwilligen Rettungsgesellschaft und nahm an der Verwaltung vieler anderer humanitärer Institute lebhaften Anteil. Alle diese Ehrenstellen bekleidete er mit ungewöhnlichem Pflichteifer und seltener Hingabe, besonders als Vorstandsmitglied des Mariahilfer Tempelvereines entwickelte er eine emsige, reiche Tätigkeit, die bch allen seinen Kollegen und den Mitgliedern, du' ihn aufrichtig verehrten, dankbarste Anerkennung fand. Wohl wissend, daß die Zukunft des Judentums in der religiösen Erziehung seiner Jugend liege, trat er immer mit großem Eifer für die Heranziehung der Jugend zum Gottesdienste ein und war stets ein warmer Fürsprecher für die künstlerische Gestaltung des Jugendgottesdieustes. Der Mariahilfer Tempelverein, der in der letzten Zeit von vielfachem Mißgeschick heimgesucht ward, erleidet durch seinen Heimgang einen schweren, fast unersetzlichen Verlust. Und die Liebe . und Freundschaft, die er in seinem Leben so reichlich gesät, sie fand ihren Ausdruck in der allgemeinen Teilnahme, die der schwergeprüften Gattin zuging und in der großen Beteiligung an dem Leichenbegängnisse, das am 2. d. M. am Zentralfriedhofe stattfand. Als Vertreter des Platzkommandos erschien k. u. k. Oberst Pfob, ferner mehrere General- und Oberstabsärzte; in Vertretung der Kultusgemeinde I. Vizepräsident k. k. Landesschulrat Dr. Ko hu, Bezirksschulrat Dr. Marcus Spitzer und I. Sekretär kais. Rat Dr. Theodor- Lieben; weiters der Gesamtvorstand des Mariahilfer Tempelvereines und viele Vereinsmitglieder; Reichsratsabgeordneter Dr. Ofner sowie eine überaus zahlreiche Trauergemeinde, die dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen gekommen war. Nach den ergreifenden Trauergesängen des Herrn Oberkantors D ü n m a n n hielt ihm Herr Rabbiner Dr. Drobinsky einen warmempfundenen, formvollendeten Nachruf, in dem er in großen Zügen ein meisterhaftes Charakterbild des Entschlafenen entwarf, der aus alle Anwesenden ben tiefsten Eindruck machte. Dann trat der Präsident des Mariahilfer Tempelvereines, Herr Dr. Jacob Engel, an die mit dem Generalshute und dem Degen geschmückte Bahre und hielt folgenden Nachruf: Von aufrichtiger Trauer erfüllt, entbiete ich namens des Mariahilfer Tempelvereines seinem leider so früh dahingeschiedenen ausgezeichneten Vorstandskollegen Herrn Generalstabsarzt Doktor Jakob Zuckermann unseren letzten Grutz. Kurze Zeit war es ihm leider nur vergönnt, in unserer Korporation zu wirken, kaum zwei Lustren. Aber seine ungewöhnlich vornehme Art im Verkehre mit Menschen, sein hoher Ernst, mit welchen! er das ihm übertragene Amt eines Obmannes der Tempel-Sektion verwaltete, wird in den Annalen unseres schönen, dem Dienste Gottes geweihten Vereines stets mit goldenen Lettern eingezeichnet sein. Dr. Zucker mann war ein fanatischer Jude — nicht etwa nn dem von keinem währen Vertreter unseres heiligen Maubens gebilligten Sinne des unbedingten Gutheitzens aller Vorkommnisse in unserer Nation, sondern ein fanatischer Jude in seiner Anhänglichkeit an unsere erhabene Religion. Er wies die Lockungen, die wiederholt an fein Ohr ertönten, mit Verachtung zurück und blieb trotz seiner hohen militärischen Stellung ein Jude, ein Jude in des Wortes hehrster 'Bedeutung! Dafür und für all die Liebe, Treue und Güte, welche er unserem Vereine erwiesen, sei ihm in dieser Abschiedsstunde tausendfacher Dank gesagt! Wir begleiten ihn nun hinaus auf den Acker Gottes, wir betten ihn in die kühle Erde. Möge sie ihm leicht werden! Sein Angedenken aber sei gesegnet für alle Zeiten! Schließlich richtete noch Reichsratsabgeordneter Dr. Ofner Worte herzlichsten Abschiedes an den Heimgegangenen langjährigen Freund, worauf der Sarg gehoben und von allen Leidtragenden zur letzten Ruhestätte geleitet wurde. B. . . y. Eingesendet. Geehrte Redaktion! In der letzten Ausgabe Ihres gesch. Blattes veröffentlichen Sie eine Zuschrift des Herrn Rabbiners Dr. Friediger in Oderberg, deren Inhalt sich dringend empfiehlt, demselben uüherzutreten und ihn zur Durchführung zu bringen. Wenn man bedenkt, welche Wirkung der Befehl enthält, die durch Jahrzehnte liebgewonnene Stätte plötzlich verlassen zu müssen, nur das nackte Leben zu retten, ferner in solchen Mornenten sich bewußt zu feilt, in die weite Ferne ziehen zu müssen, aus dieser Reife von den Liebsten, von Frau und Kindern, getrennt zu werden und derart das Kriegselend noch mehr und in stärkster Auflage initzumachen, dann wäre es wohl die erste Pflicht und die dringendste Aufgabe aller großen der Flüchtlingssürsorge sich widmenden Korporationen, in ihrer Mitte eine Sektion zu errichten, derer! Tätigkeit diesem hochbedeutsamen Momente: der

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