Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 48 (4.12.1914)
- Date
- 1914-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 842 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 48 heldenmütiger Tapferkeit hat er gekämpft — die anderen mußten ihn warnen, besser für Deckung besorgt zu sein — und beim mutigen Voranftürmen traf ihn die Kugel, der er erliegen mußte. Wenn auch viel zu früh, so hat sein Leben einen Abschluß gefunden, der im Einklang mit seinem Denken und Fühlen stand. Auch die Wissenschaft erleidet mit seinem Ableben einen großen Verlust. Er war ein hervorragender Jurist und Verfasser mehrerer staa tsw isse n scha stlich e r Werke, so ist mit ihm eine seltene, lautere Persönlichkeit dahingegangen — ein gescheiter, bescheidener Mensch —, dessen glühendste Vaterlandsliebe seine hervorragendste Eigenschaft war." Soweit das nationalliberalc Organ. Wir fügen hinzu, daß Dr. Kahn ein Beweis dafür gewesen ist, daß auch schon lange vor dem Kriege die konservativ gerichteten Parteien unseres Reiches unter der jüdischen Jungmannschaft Deutschlands begeisterte Anhänger besaßen. Dr. Kahn war ein Großneffe des bekannten Berliner Arztes und Schriftstellers Dr. Arthur Kahn und ein Verwandter eines bekannten Helden aus dem 70er Feldzug, des Chambordkämpfers A. Kahn-Mainz, dessen Bildnis erst vor kurzem die Blätter brachten. Möge der Allgütige dem schwergeprüften Vater, dessen Stolz und Hoffnung er gewesen, seinen Trost senden. * * * Assistenzarzt Dr. Heinrich Ellern erhielt das Eiserne Kreuz. Alexander W e t> l a r, Unteroffizier im kgl. bayerischen Jnfanterie-Leibregiment, Sohn des kgl. Hofjuweliers M. T. W e tz l a r in M ü n ch e n, wurde wegen Tapferkeit vor dem Feinde nach dem ersten Gefechte zuut Unteroffizier vor der Front ernannt und mit dem Eise r n e n Kreuz dekoriert. Sowohl der im Felde gefallene Dr. Julius Kahn aus Mainz, als auch der dekorierte Assistenzarzt Doktor Heinrich Ellern aus Frankfurt a. M. und der wegen Tapferkeit ausgezeichnete Unteroffizier Alexander Wetzlar aus M ü n ch e n sind Neffen unseres Mitarbeiters Herrn Oberrabbiners Reich in Baden. Uulsische Juden in Uakästina — türkische Untertanen. Fünftausend jüdische Kolonisten aus Palästina, die russische Untertanen sind, haben den türkischen Oberrabbi (Grand Rabbi) ersucht, zu vermitteln, daß sie ottomanische Untertanen werden können. Dieses Ersuchen würde an die Pforte weitergeleitet, die erklärte, daß sie bereit sei, die fremden Inden als türkische Untertanen aufzunehmen, wenn sie sich verpflichten, nach dem Kriege ihre Staatsbürgerschaft nicht zurückzufordern. Auch Mendel Beilis, der Angeklagte im Kiewer Ritualmorprozeß, der sich in Jaffa niedergelassen, hat die ottomanische Staatsbürgerschaft angenommen. Die türkischen Juden in Frankreich. Wie der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet, hat die französische Regierung allen in Paris wohnenden Türken erlaubt, dort zu bleiben: von dieser Erlaubnis sind jedoch die türkischen Juden, deren Zahl mindestens 1600 beträgt, ausgeschlossen worden. Kin AenKmat für jüdische Melden. Aus Sofia wird berichtet: In Biddin (Bulgarien), von wy fast sämtliche Juden an den letzten zwei Balkankriegen teilgenommen hatten, hatte sich gleich nach Beendigung des Balkankrieges ein Komitee zur Sammlung eines Fonds zur Errichtung eines Denkmals für die in den Balkankriegen gefallenen jüdischen Soldaten aus Bulgarien gebildet. Die Sammlung dieses Komitees hatte ein günstiges Ergebnis, und auch das Kriegerdenkmal ist bereits fertiggestellt. Es wird dieser Tage unter besonderen Feierlichkeiten im Hose der Synagoge von Viddin zur Aufstellung gelangen. Eine, die von den Müssen kernen will'. Der Jurist Hugo E. fuhr am 10. Oktober mit der Stadtbahn von Klosterneuburg nach Wien. Während der Fahrt hörte er, wie die ihm gegenübersitzende Postbeamtin G e r i t s ch bei der Lektüre einer Zeitung zu ihrer Begleiterin sagte: „Da schau her, in Russisch-Polen sind schon wieder Judenverfolgungen. Da könnten wir von den Russen was lerne n." Ueber diese Aeutzerung geriet der Student in große Aufregung, zumal die Dame, von ihm zur Rede gestellt, ihre Worte unumwunden zugab, woraus Herr E. die Aeutzerung in sehr scharfen Worten kritisierte. Die Szene fand auf dem Polizeikommissariat ihr Ende, wo E. die Anzeige gegen die Postbeamtin wegen Vergehens der Aufreizung nach tz 302 erstattete. Fräulein Eeritsch gab an, datz sie bei der Aeutzerung nur meinte, datz dann weniger polnische Juden nach Wien kommen würden. Das Verfahren über die Anzeige führte zu keinem Einschreiten der Staatsanwaltschaft. Dagegen hafte die Angezeigte gegen den Juristen wegen der sie beleidigenden Aeutzerungen die Ehrenbeleidigungsklage beim Bezirksgericht Döll ng angestrengt. Der Angeklagte gab bei der Verhandlung an, datz er als nationaler Jude über die Aeutzerung der Klägerin in große Auftegung geraten war, zumal in einer Zeit, wo so viele Juden im Felde stehen. Bezirksrichter Dr. Ehrenzweig: Andere stehen ja auch im Felde. — Angekl.: Ja, aber sie finden auch Anerkennung, die jüdischen Soldaten hingegen nicht. — Der Verteidiger Dr. Ernst Schubert beantragte die Freisprechung des Angeklagten, da die inkriminierten Ausdrücke nur eine berechtigte Kritik der äußerst taktlosen und einer Dame unwürdigen Bemerkungen der Privatklägerin darstellen. Der Richter verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 50 Kronen, wobei er die berechtigte - Aufregung als besonderen Milderungsgrund annahm. Der Verteidiger meldete gegen Schuld und Strafe die Berufung an. Botschafter Graf Uernstorff üöer die Behandlung der Juden in Deutschland und Uußl'and. Der deutsche Botschafter in den Vereinigten Staaten Graf Bernstorff hat, wie der „Berliner Morgenpost" berichtet wird, Herrn Bern st e i n, dem Redakteur der in Newyork erscheinenden jüdischen Zeitung „Der Tag", ein Schreiben zugehen lassen, in welchem er die Beschuldigung russischer Zeitungen widerlegt, deutsche Soldaten hätten sich -in Russisch-Polen schwere Grausamkeiten zuschulden kormnen lassen, speziell an der jüdischen Bevölkerung. Der Botschafter schreibt u. a.: „Die deutsche Heeresleitung hat alles getan, um die unschuldige Zivilbevölkerung in den von ihren Truppen besetzten feindlichen Gebieten nach Kräften vor den Schrecken des Krieges zu schützen. So haben die deutschösterreichischen Okkupationsarmeen schon im August ein Manifest an die Inden in Russisch-Polen gerichtet, das in hebräischer und jiddischer Sprache verbreitet wurde. Hier wird beit Inden mit der Befreiung vom russischen Joche volle religiöse und bürgerliche Freiheit zugesagt, ihre Gleichstellung ans allen Gebieten des ökonomischen und geistigen Lebens. Es ist nicht bei Versprechungen geblieben. Man hat der jüdischen Bevölkerung, trotzdem an ihrer Loyalität gegenüber dem feindlichen Rußland doch nicht gezweifelt werden konnte, die Kriegslasten zu erleichtern versucht. Man hat den ökonomisch schwachen Ortschaften die Kriegskontribution erlassen, man hat ltctct) Möglichkeit jüdische Häuser vor Zerstörung bewahrt, man hat jüdische Gefangene mit Rücksicht behandelt, usw. Es liegen zahlreiche Berichte vor, die diesen guten Willen der Deutschen aiterfeimeit. Deutschland hat seinen Juden alle bürgerlichen Rechte gegeben, die wenigen letzten Schranken werden mit diesem Kriege fallen. Deutschland bietet der: Juden iir Russisch-Polen offen und ohne Rückhalt alles, was sie unter dem russischen Regime entbehren mußten, wozu auch heute in Rußland nicht der geringste Anfang zu verspüren ist. Wie ist es da auch nur denkbar, daß die deutschen Truppen sich Grausamkeiten gegen die Juden zuschulden kommen lassen? Die Absicht der russischen Kreise, die solche Ta-