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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-04 · 48 (4.12.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
48 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 837 so hieß es zum Beispiel, er sei bisher sozialdemokratischer Agitator gewesen. Aus Leoben wird nun hierzu geschrieben, daß sein aus hem Felde zurückgekehrter Bruder dies entschieden in Abrede gestellt habe. Reis entstamme einer sehr frommen katholischen Bauernfamilie in Kallwang in Steiermark. Er habe noch fünf Brüder." Das ist denn doch etwas zu stark! Um ferneren Phantastereien vorzubeugen, sei wahrheitsgemäß folgendes festgestellt: Julius Reif, 1891 in Mühr.-Schönberg geboren, kam als vierjähriges Kind mit seinen Eltern nach Mähr.- Ostrau, wo er die Volks- und Bürgerschule besuchte und das Kaufmannsfach erlernte. Nur die letzten zwei Jahre verbrachte er in Mähr.-Schönberg als Handelsgehilfe. Nach einer^amtlich noch nicht bestätigten Nachricht soll er am 9. September bei Lublin gefallen sein. Allgemein bekannt ist es.hier, daß Reif ein treuer Jude, seinen Eltern ein selten-braves Kind und auch seinen Geschwistern (ein jüngerer Bruder ist soeben vom Kriegsschauplätze als Verwundeter zurückgekehrt) äußerst zugetan war. So sandte er die ihm vom Armeeoberkommando überreichte Ehrengabe von 200 Kronen sofort seinen Eltern. Ein Brief voll zärtlicher Anhänglichkeit begleitete die Sendung. Diese Feststellung geschieht auf Grund persönlicher Mitteilung seitens der hier wohnenden Frau Emilie Reif, der Mutter des Genannten. Dr. R. F a e r b e r. Aas Keldenmädchen von Zlvac. In den ersten Augusttagen griffen die Serben das an der Einmündung des Uvacflusses in den Lim gelegene Militärlager Uvac an. Drei Bataillone rückten aus Osten von: Crni vrh heran, während eine Umgehungsgruppe vor: Westen vom Goli brieg gegen den kaum einen Kilometer vom Lager entfernten Friedhofsberg heran marschierte und von dort aus das Feuer eröffnete. In diesem kritischen Augenblicke war es ein Mädchen, die Kunststickerin Elsa Kuhn aus Uvac, die ungeachtet der einschlagenden Geschosse, unbesorgt um ihre eigene Rettung, vor allem auf die Bergung der in den Magazinen befindlichen Waffen, Munition und anderwärtigen Vorräte bedacht war. Im Vereine mit dem Jäger Moritz G r ü n b a u m lud sie die Vorräte auf vier Streifwagen und führte sie, vom Feinde fortwährend beschossen, glücklich bis zu der ziemlich weit entfernten Bahnstation. Ihrem besonnenen und schneidigen Verhalten in erster Linie ist es zu verdanken, daß dem Gegner nichts Wertvolles in die Hände fiel. Das tapfere Mädchen wurde mit dem silbernen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet. Ein jüdischer Fähnrich mrch seinem Ael'dentode znm Leutnant ernannt und mit der silbernen Tapserkeitsmedaisse ausgezeichnet. Vor einigen Tagen ist auf der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes die Leiche des auf dem südlichen Kriegsschauplätze gefallenen Fähnrichs i. R. Oskar Fried mann des Feldjägerbataillons Nr. 21 in aller Stille beigesetzt worden. Oskar Fried m a n n, «ohn des Wiener Hutfabrikanteil Eugen Friedman n, hatte sich bis zum Ausbruch des Krieges als Fabriksleiter in dem Unternehmen seines Vaters betätigt und galt in seinem zivilen Berufe als ein Muster von Tüchtigkeit und Charakterstärke. Der erst 24 jährige junge Mann erfreute sich bei Untergebenen wie bei Freunden der größten Wertschätzung. Der junge Offiziersaspirant war ein bekannter Hochtourist und leidenschaftlicher Freund der Bergwelt. Gelegentlich einer militärischen Uebung hatte er im vorigen Jahre, als er eingerückt ivar, als Skifahrer bei Schladming einen schweren Unfall erlitten; er war von einer Lawine verschüttet worden und hatte sich hiebei ein Bein gebrochen. Trotzdem lehnte er es beim Kriegsausbruch ab, sich einer Ueberprüfungskommission zu stellen, und rückte sofort am ersten Mobilisierungstage mit seiner Truppe auf den südlichen Kriegsschauplatz ab. In den Gefechten, die seine Kompagnie zu bestehen hatte, zeichnete er sich durch besondere Bravour und Unerschrockenheit aus und gab so seinen Soldaten ein glänzendes Beispiel musterhafter Pflichterfüllung. Gelegentlich der ersten größeren Schlacht, die er am 10. September mitmachte, machte er in sein Notizbuch, das seinen Angehörigen nunmehr zugestellt wurde, folgende Eintragungen: „Heute ist der erste Schlachttag für mich. Ich gehe ruhig d e m Feinde entgegen, erfüllt von dem hohen Gedanken, dem Vaterlande, w e n n es sein muß, auch mein Leben zu opfern. — Wenn ich fallen sollte, so empfanget, meine teuren Eltern und liebste Schwester, meine letzten innigen Grüße. Bestellet auch, allen meinen Bekannten viele Grüße und bewahrt mir ein freundliches Andenken." Am 21. September wurde Fähnrich Friedmann durch einen Schuß in den Unterleib schwer verletzt. Er starb kurze Zeit daraus im Hilssspital zu Jarak und wurde dort provisorisch bestattet. Als die unglücklichen Eltern die Militärbehörden um die Erlaubnis zur Ueberführung tzer Leiche nach Wien ersuchten, wurde ihnen dies gestattet, und vor einigen Tagen ist die Beisetzung in Wien erfolgt. Nachträglich ist an die Eltern ein Schreiben des Bataillonstommandos gelangt, in welchem ihnen milgeteilt wird, daß der als Held Gefallene mit der s i l b e r - neu Tapferkeitsmedaille erfter Klasse ausgezeichnet wurde, und gleich darauf brachte auch das Militärverordnungsblatt die Ernennung des gefallenen Fähnrichs zum Leutnant. In dem bezüglichen Schreiben, das der Bataillonskommandant Oberstleutnant Haas an die Eltern gerichtet hat, heißt es unter anderm: „Für das tapfere Verhalten Ihres Sohnes in dem Gefechte, in dem er den Ehrentod fand, wurde ihm die silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse verliehen. Ich teile mit Ihnen das Leid! Ich habe einen braven, pflichttreuen Offiziersaspiranten verloren und spreche Ihnen mein innigstes Mitgefühl aus." Den unglücklichen Eltern, die sich in der Wiener Gesellschaft großer Sympathien erfreuen, und ihrer einzigen Tochter, die seit dem Ausbruch des Krieges als freiwillige Krankenpflegerin in der Stiftskaserne Dienst versieht, wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Gefaü'ene Melden. Ueberaus tragisch ist das Schicksal des am 7. November im 58. Lebensjahre am südlichen Kriegsschauplätze gefallenen Oberstleutnants Adolf Fleischer, Kommandanten eines Landsturmbataillons, der sich nach 35 jähriger Dienstzeit als Ruheständler freiwillig zuur Kriegsdienst gemeldet hat, sich jedoch mit einer ihm verliehenen Lokalanstellung nicht zufriedenstellen wollte. Nach mehrfachen Bitten wurde dem tapferen Offizier, der einer angesehenen jüdischen Familie in Prag entstammte und selbst treu zum Judentum hielt, ein selbständiges Kommando verliehen. Nun hat er seine Vaterlandsliebe mit dem Herzblute besiegelt, sein Name wird in den Annalen der Armee und in unserer Glaubensgemeinschaft ruhmvoll fortleben. Ehre seinem Angedenken. Tie Verlustliste meldet den Tod des Hauptmannes Bertold Scharf vom 19. Landwehr-Infanterieregiment (Lemberg?, eines tüchtigen, von Vorgesetzten und Untergebenen ' gleich geschätzten Offiziers.

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