Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 48 (4.12.1914)
- Date
- 1914-12-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 838 Dr. Blüch s Wochenschrift Nr. 48 Eins.-Frei)v. Korporal Bernhard Löwen!)erg, In fanterieregiment 30, von dessen Dekorierung mit der silbernen Tapferkeitsmedaille in der vorivöchige)) Nununer die Rede war, ist am 26. November im Rudolfsspital in Wien seinen im Gefechte von Magiern erlittenen Wunden und einem in weiterer Folge ausgetretenen Leiden erlegen. Nebst der gramgebeugte)) Mutter und den Brüdern betrauern auch, viele Freunde den vorzeitigen Hingang diejes hoffnungsvollen jungen Mannes, der in seinem Zivilberufe eine höhere Stellung bei der Lemberger Filiale der „Assicurazioni Generali" bekleidete. Die irdische Hülle wurde am 29. November auf der isr. Abteilung des Zentralfriedhofes unter überaus zahlreicher Beteiligung in einem von der Kultusgemeindc gewidmeten Ehrengrabe bestattet. In sehr stattlicher Zahl hatten sich die Mitglieder der Kultusgemeinde Lemberg eingefuuden, uur ihrem Landsmann die letzte Ehre zu erweisen. Unter anderen sah man den Präsidenten der Gemeinde Dr. Schaff, dann den Beamtenkörper der „Assizurazioui Generali^, militärischerseits war Major Schiffmann, ferner offiziell eine Einj.-Freiw.-Deputation vom Infanterieregiment Nr. 4 unter Führung eines Offiziers erschienen, von der Kultusgemeinde Amtsleiter Freistadt. Nachdem I. Kantor Herr Matyas das' Hazur Tumimgebet ergreifend zum Vortrag gebracht, hielt der tut militärischen Ornat erschienene Feldrabbiner Dr. Guttmann aus Lemberg dem heldenmütigen Vaterlandsverteidiger einen wirkungsvollen Nachruf, den er mit warmen Trostworten an die Familie schloß. Namens der Angehörigen svrach dann Rabbiner Dr. Herzog aus Graz einige Worte des Abschiedes. Dann wurde der Sarg zu Grabe getragen. Kin jüdischer Arzt als Held. Hamburg, 20. November. Herr Dr. med. D. Wolfs, ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde und einer der hervorragendsten Spezialärzte unserer Stadt, der als Stabsarzt ins Feld gezogen war. ist in Flandern gefallen. Die Leiche wurde hieher gebracht, und es fand im Krematorium in Ohlsdorf eine erhebende Trauerfeier statt. Auf dem Sarge lagen allster den vielen Kränzen und Blumen, die als Zeichen der Liebe und Verehrung von Verwandten und Freunden gespendet waren, Helm und Säbel des Entschlafenen. Ans einem schwarzen Kisten ruhte das für bewiesene Tapferkeit verliehene Eiserne Krenz und daneben stand ein schlichtes weistes Soldatenkreuz, wie es die Gefallenen in Feindesland auf ihr Grab bekonunen. Es trug unter den Worten .Ein Held" den Namen des Gefallenen, den Namen seiner Truppe und den Todestag. Dieses Kreuz war zusammen mit dem ausgegrabenen Leichnam vom Kriegsschauplatz hieher befördert worden. Unter den zahlreichen Leidtragenden bemerkten wir u a. die Herren Professoren Dr. Brauer, Dr. S a e n g e r, Tr. Rumpf, D r. A l l a r d und viele andere Berufskollegen, Mitglied'r der Bürgerschaft. Als Vertreter des Stadtkommandanteir von Hamburg und Altona war'Herr Hauptmann v. Stechow erschienen, ferner Herr Hauptmann Dr. Mensching, viele Offiziere und zwei Gefreite, die die Leiche aus dem Feindesland begleitet haben. Der Hamburger Kriegerverein nahm mit der Fahne an der Trauerfeier teil. Nachdeni der Chor des israelitischen Tempelverbandes .Stille deinen bitteren Kummer" vorgetragen hatte hielt der Schwager des Verblichenen, Reichstags- und Landtagsabgeordnetcr Justizrat Waldstein, die Gedenkrede. Er schilderte den Mut und die Tapferkeit des Verblichenen Ein Soldat, der uns als Führer zu seinem Grabe diente, sagte uns: „Der Herr Doktor habe so sehr für die Verwundeten gesorgt, er habe nid)* gewollt, daß^sie^lange ohne richtige Hilfe blieben, und so habe er sich die Verwunderen immer selbst aus den Schützengräben herausgeholt." Deshalb habe er and) als einer der ersten das Eiserne Kreuz bekommen. Der General habe ihm in das offene«Grab die Worte nachgerufen: „Dieser hier ist uns allen ein Vorbild gewesen als Mensch, Soldat und Kamerad." Dieses Helden* tum ruhte auf dem Grunde einer unbegrenzten Menschenfreundlichkeit, eines nimmermüden Pflichtgefühls, eines lebendigen Dranges, anderen zu helfen! Wir wollen ilm glücklid) preisen, dast er aus der Höhe des Lebens den schönsten Tod fand, den Tod für das Vaterland'und für seinen ärztlid)en Berns. Möge and) dieses Menschenopfer neben den aeh so vielen anderen dazu beitragen. demIVaterland einen ruhmvollen änsteren nn i inneren Frieden zu schassen und zu sichern. Als Vertreter des ärztlid)en Vereins widmete Herr Dr. Gust. Cohen dem Entschlafenen ein herzliches Abschiedswort. Unter dem Gesänge des Tempelchors „Es ist bestimmt in Gottes Rat" sank der Sarg in die Tiefe um die irdischen Uebcrreste dem Flanimentod zu übergeben. Heldentod des Hteservefäljnrichs im 3. Inf.-Hteg. Ernst MaczeL, Beamter der n.-ö. Kscompte-Kef. In Nr. 43 waren wir in der Lage, einen interessanten Feldpostbrief des Reservefähnrichs Herr)) Ernst Pläczek zu veröffentlichen. Leider ist der Genannte, lvie aus mehreren Feldpostbriefen seiner Kameraden hervorgeht, am 23. Oktober am nördlichen Kriegsschauplatz gefallen. Geliebt von den Offizieren und der Mannschaft des Infanterieregiments Nr. 3, wurde sein Tod voir den Kameraden tief beweint. Weinend erzählten die zurückgekehrten Verwundeten, daß der Tod des von seinen Kameraden vergötterten Placzek tiefe Trauer im Regime'nte hervorgerufen hat. Das heitere Wesen und die seltene Gutmütigkeit des Vereivigten machten ihn bei seinen Kameraden äußerst populär. Herr Ernst Placzek war Alter Herr der jüdischnationalen Verbindung „Libanonia", welche durch seinen Tod in tiefe Trauer versetzt worden ist. Placzeks edler Sinn, sein gutes Herz und endlich sein heldenmütiges Verhalten vor dem Feinde sichern ihm ein bleibendes Andenken. Auf dem Aelde der Khre gefallen. Ans Oedenburg wird geschrieben: Der tu der vorigen Woche vom nördlichen Kampfplatze hiehergebrachte Ernst Weiß aus Atzgersdorf ist im hiesigen Garnisonsspital seiner schweren Verwundung erlegen und wurde mit militärischen) Prunke in) Orthodoxen-Friedhos unter großer Beteiligung bestattet. Den Sarg umstanden nebst zwei Offizieren 24 Soldaten. Zwei vornehme Damen der Soproner Gesellschaft, die als Delegierte des Roten Kreuz- Vereines den schwer verwundeten Weiß eifrigst gepflegt hatten, führen auf den Friedhof und brachten einen schönen Blumenkranz, um den Sarg des Helden zu schmücke)). Diesem Wunsche konnte jedoch mit Berufung auf den Ritus der Orthodoxen nicht stattgegeben werden. Ergreifend waren die Abschiedsworte des Oberrabbiners Einanuel Grünwald am Grabe des Dahingeschiedenen. Am 18. Novemberfand Herr Berthold Frankl, Feldwebel im Landfturmregimente Nr. 25, den Heldentod. 'Frankl, Inhaber einer Lederhandlung in Göding, war ein Schwiegersohn der Olmützer Hausbesitzerin Fanni N a tz l e r. Dr. Heinrich Kohn. Aus Brünn wird gemeldet: Dr. Heinrich K o h n, Leutnant in einem Landsturmregirnent, ist am Montag, den 23. November, in einem großen Gefecht bei Mihalow in Rußland einer feindlichen Kugel, die ifym ins Herz drang, zum Opfer gefallen. Er war auf der Stelle tot u))d wurde an Ort und Stelle neben seinem Oberst, der in demselben Gefecht gefallen, begraben. Freudig war Dr. K o h n, wohl der Heiterste im Bataillon, ins Feld gezogen. Nach seiner Einberufung bot' sich ihm Gelegenheit, in eine Kanzlei zu komme)), doch er )vollte, wie er sagte, sich nicht „drucken", sondern mitkämpfen. Wo Hunderttausende ins Feld müssen, erklärte er seinen Freunden, habe er die Pflicht, keine Ausnalstnsstellung zu beanspri)che)).