Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 48 (4.12.1914)
- Date
- 1914-12-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 836 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 48 gelangen, eine Unterredung. Auf die Frage des Korrespondenten, welche Entwicklung das in Preußen, besonders im Parlament so oft diskutierte Problem der Ernennung jüdischer Offiziere nach dem Kriege nehmen dürfte, antwortete Baron O p p e l n wie folgt: „Hierüber kann ich natürlich nicht viel sagen, denn das gehört nicht in meinen Wirkungskreis. Meine perliche Ansicht hierüber war auch in Friedenszeit schon die, daß man sich nicht davor verschließen könne noch dürfe, daß wir unsere Mitbürger jüdischen Glaubens — soweit sie hierzu geeignet sind — ohne Rücksicht auf chre Religionszugehörigkeit zur militärischen Laufbahn zulasfen. Auf die militärischen Tugenden, glaube ich, kann die Religion nicht von Einfluß sein, der Jude ist ein genau so guter Soldat wie der Protestant oder der Katholik oder selbst der Hindu. Für die militärische Laufbahn beschaffen sein ist Frage der Individualität, der Willenskraft und der physischen Beschaffenheit des Körpers, nicht aber der Religion. Wir können unseren Gott auf verschiedene Weise anbeten, das ist Sache des Wissens und der individuellen Auffassung. Den Feind können wir nur in der einen Weise schlagen, wenn glühende Baterlaudsliebe sich mit soldarischer Bereitwilligkeit und Tauglichkeit paart. Die glühende Vaterlandsliebe nun — dies hat der Krieg auch für diejenigen bewiesen, welche bisher daran vielleicht aus anderen Gründen nicht geglaubt haben - lodert in unseren Kompatrioten jüdischen Glaubens ebenso kräftig wie z. B. in mir. Und ich darf wohl, ohne unbescheiden zu erscheinen, sagen, daß die Barone Oppeln gute Patrioten sind und vor allem immer Germanen waren. Die Juden sind genau' so gute Germanen, sprechen doch — wie uns wenigstens die Gelehrten versichern — neunzig Prozent der auf denr Erdball lebenden Juden die deutsche Sprache und fühlen sich auch infolge ihrer Hingezogenheit zum Deutschtum als Deutsche. Was die jüdischen Soldaten betrifft, so ist es überflüssig, darüber zu reden, wie tapfer, opferbereit und hingebungsvoll sic sind. Sie sind so wie die übrigen. Die deutschen Soldaten, die im Klampfe mit dem Feinde stehen, sind, ich kann es stolz sagen und sehe es mit freudiger Genugtuung, alle Helden, und hier gibt es nicht Juden oder Christen. In unserer Armee gibt es nur Deutsche, die vor Sehnsucht brennen, die Feinde ihres Vaterlandes für die Frivolität, mit welcher sie Deutschland in diesen Krieg getrieben haben, zu züchtigen. Die Unsrigen sind alle, einer wie der andere, hervorragende Soldaten, und es ist nur natürlich;, daß wer sich besonders ausgezeichnet hat, bei dessen Beförderung oder Ernennung zum Offizier weder Seine Majestät der Kaiser, noch aber die Heeresleitung darauf schauen oder danach forschen, welcher Religion er sei. Und noch etivas! Die neuen 152 Offiziere jüdischen Glaubens stehen nicht allein im,Heere. Das fällt vielleicht nur deshalb auf, weil ihre Ernennung in einer Masse erfolgte. Noch vor Beginn des Krieges lagen uns Vorlagen betreffend die Ernennung jüdischer Offiziere, und lzwar in recht großer Zahl, vor. Ich wiederhole: Meiner Meinung nach handelt jedermann schlecht, lucim er konfessionelle Unterscheidungen sucht. Der deutsche Jude ist ein genau so guter Patriot - wie der deutsche Christ, und so ist es nicht nur billig, sondern auch natürlich, daß das Judentum eiuc ebensolche Behandlung erfahre wie die übrigen. Wir sind gleich, und ich hoffe, daß wir auch in Zukunft gleich bleiben werden." Kaiserliche Auszeichnungen für jüdische Krieger. Der Kaiser hat dem Oberstabsarzte 2. Klasse Doktor Alexander Reichenberg, Sanitätschef der 32. Jns.- Division, für sein aufopferungsvolles Verhalten vor dent Feinde das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes, dem Oberärzte Dokwr Robert Koritschone r, 'Infanterieregiment Nr. 4, das goldene Verdienstkreuz am 'Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen, dem vor dem Feinde gefallenen Hauptmaun R. von Eiß die Allerhöchste belobende Anerkennung ausgesprochen (signum liiudi.s. Letztere Auszeichnung wurde auch zuteil zum zweitenmale dem Leutnant der Reserve Otto Gold stein, Sappeurbataillon 13; ferner dem Leutnant der Reserve Rudolf Kohn, Telegraphenrcgiment; dem Leutnant der Reserve Samuel Frankl, Infanterieregiment 83; dem Leutnant der Reserve Kurt Popper, Jägerbataillon 6. Der Kaiser hat dein Leutnant Rechnungsführer Karl Goldmann, Landsturm- Infanterieregiment 11, und dem Verpslegsakzessisten Ernst B r a n d e i s, Intendanz des I. Korps, das goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Der Kaiser hat dem Hauptmaun Rechnungssührer Ludwig Löwy des 16. Korpskommandos für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeits- Medaille, dem Landsturmleutnant Dr. Emmerich Kohlt das Militärverdienstkreuz niit der Kriegsdekoratiotl verliehen. Silberne Tapferkeitsmedaille e r ft e r Klasse: Infanterist Jakob R e i ch, Infanterieregiment Nr. 40; Unterjäger Markus Prager, 3. Tiroler Jägerregiment; letzterer hat inr heftigsten Feuer von: ersten Zug die verlorengegangene Verbindung mit der Kompagnie wieder hergestellt und hat als Schwarmkommandant seine Leute vorwärts gerissen, wurde hierbei am Fuße verwundet und führte seinen Schwarm immer weiter, bis er zusammettbrach. Silberne TapferkeitsmedailIW zweiter Klas s e: Infanterist Pinkas F r i e d m a n n, Landsü- Jnfanterieregiment 16; Vormeister Abraham Sam et, Feldkanonenregiment 32; Feldwebel Emanuel Malz, Eisenbahnregiment. Silbernes B c r d i c n st k r e u z am Bande der T a p s c r k e i t s m e d a i l l e: Titularseuerwerker Maximilian S t e i n h a r t, Feldhaubitzenregiment 2. B e l o b e n d e A n e r k e n n u n g des Armeeo b e r k o m m a n d o s: Rechnungsmlteroffizier Abraham Wolf Heringe r, Infanterieregiment 38; Korporal Jakob Gutwein, Pionierbataillon 4; Landsturmarzt Dr. Jonas Hauser, Festung Przemysl; Assistenzarzt Dr. Max Breuer. Die belobende Anerkennung des Oberk o m m a n d o s der B a l k a n st r e i t k r ä f t e für glänzende Leistungen vor dem Feinde wurde ausgesprochen dem Regimentsarzte Dr. Robert P i o w a t y, Landwehr- Infanterieregiment 23. Leutnant Benno E i s e n st e i n vom 3. Ulanenregiment, der bei der Nordarmee im Felde steht, nmrde vom Kaiser durch die Verleihung des „Signum laudis" in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde ausgezeichnet. Julius Weif. M ä h r. - O st r a u. Nach einem bekannten Epigramm stritten mehrere Städte des Altertums um die Ehre, Homers Geburtsort zu sein. Auch Julius Reis, der Held von Suchodal, wurde bereits von einigen Städten reklamiert. Verschiedene Zeitungen und Lokalblätter registrierten seine Zugehörigkeit bald nach Teschen, bald nach Mähr.-Schönberg, Oderfurt oder sonst wohin. Nun läßt sich neuerdings eine weitere Stimme vernehmen. Das in Tetschen a. d. Elbe erscheinende „Nordböhmische Tagblatt" von: 10. November schreibt wörtlich: „lieber die Person Reifs waren verschiedene Gerüchte im Umlauf,