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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-04 · 48 (4.12.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
48 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 88n ^Die Hände tzoch" Auch weniger festen Bibelkennern wird jene Epi'ode aus dem dritten Buche Mosis bekannt sein, da Moses, von Aaron und Ben-Hur unterstützt, die Arme betend gen Himmel hält, während Iosuah als Anführer des Volkes eine blutige Schlacht gegen Amalek schlägt. Wie der Sieg sich dem Feinde zuneizt. sobald Moses die Hände sinken läßt, wir aber Israel am Abend des heißen Tages dennoch als Sieger auf der Walstatt bleibt, da Moses bis zum Schlüsse seine betenden Hände trotz Ermüdung nicht erschlaffen ließ und so von ferne die glückliche Entscheidung mit herbeiführen half. Den tiefen Sinn und die hohe sittliche Schönheit dieser Erzählung auszuschöpfen, mutz den Kennern unserer reichen Literatur überlassen bleiben. Allein auch der Laie wird derselben die leichtsatzliche Unterweisung entnehmen, wie sich der Nichtkämpfer in Kriegeszeiten zu benehmen habe, um seinerseits das Richtige zu tun und den Sieg der vaterländischen Waffen herbeiführen zu helfen. Die Hände hoch! aber nicht allein zum Beten, sondern auch zur werktätigen Hilfe für die wirtschaftlich Schwachen, zur Mitarbeit an allem, was die Kämpfer im Felde, die Verwundeten in den Spitälern, die Genesenden in den Heimen, die Zurückgebliebenen der Gefallenen benötigen, zum regen Schaffen und zu ernstem Tun! Das hat man im großen und ganzen denn auch sogleich begriffen, und Ermahnungen in dieser Richtung erübrigen sich uw, so mehr, als ja in edlem Gemeinsamkeilssinn alle Schichten der Bevölkerung, alle Konfessionen geradezu darin wetteifern, die Hände zu rühren und immer neue Kriegsbedürfnisse in unermüdlichen! Tatendrang herauszufinden und zu befriedigen, Nicht in letzter Reihe ist es der jüdische Mittelstand, der gebefreudig und tatbereit bei allen Fürsorgeaktionen wacker 'mitmarschiert und Gut und Blüt auf dem Altäre des Vaterlandes opfert. Hunderttausendfach wird das Vorbild Mosis trefflich nachgeahmt und unzählige Hände sind rührig und unentwegt erhoben, um teilzuhaben an dem Verdienste des Sieges, wenn dieser lange Schlachtentag sich seinem Ende zuneigen wird! Allein es ist in unserer biblischen Erzählung zwischen den Zeilen zu lesen, daß unser Lehrer Moses nicht nur die Hände, sondern auch den Kopf hochgehalten habe, und da scheint mir ein deutlicherer Hinweis auf sein erhabenes Vorbild nicht unangebracht zu sein. Es naht die Zeit, in welcher die nichtjüdische Bevölkerung ihre zwei populärsten Feste begeht, so populär, daß auch die jüdische Bevölkerung zum großen Teile sich bemüßigt sieht, si: mitzumachen. Was kann mehr zur Popularität verhelfen, als Geschenke geben? Und so sieht man denn seit Jahren unsere jüdischen Frauen und Mädchen, und nicht weniger auch die Herren, die Nikolo- und Weihnachtsbazare als Käufer belagern, und die Nikolo- und Weihnachtsfeste als Veranstalter inszenieren und mit Besuchern füllen. Und da man schon einmal so schön beim Geben und Schenken ist, so wird man doch nicht bei den eigenen Kindern haltmachen, und so wird denn der Nikolo und Krampus, weiß und rot maskiert, den erschreckten Kindern aus die Stube geschickt, um erst Rutenstreiche und dann Leckereien auszuteiken, während drei Wochen später der Weihnachtsmann mit dem leuchtenden Baum die arglosen Kindecherzen dem Judentum um ein 'weiteres Stück entfremdet. Das herrliche jüdische Lichterfest aber, das so tröstend und verheißend in die langen Winternächte fällt und mit seiner Vorgeschichte von dem Eristenzkriege eines friedliebenden Volkes und mit seinem'herrlichen, durch Gottes Beistand errungenen Siege so recht geeignet ist, die jugendlichen Herzen zu entflammen, das Ehanukafest, dessen symbolische Kraft uns jetzt erst recht eigentlich zum Verständnis kommen könnte das findet dieselben Kinderstuben, die von dem Angst- und Jubelgeschrei des Nikolofestes gegellt haben und von dem Weihnachtsbaum erstrahlen werden, finster und still, und die kleinen Bewohner der modernen jüdischen Kinderstube sind um die reinste und erhabenste und, wenn dies Heuer wieder geschieht, auch um die zeitgemäßeste Freude betrogen worden. Wenn dies Heuer wieder geschieht! Daß es nicht geschähe, daß im Gegenteile das Ehanukafest beiter in allen jüdischen Häusern freudigen Einzug halte, daß es als ein hochwillkonimener Tröster in allen jüdischen Familien Einlaß und festlichen Empfang finde, das erlaube ich mir im Namen aller für das Große und Schöne empfänglichen jüdischen Kinderherzen von den jüdischen Eltern zu erbitten. Weg mit der Nachahmung und Nachäfferei, fort mit der Kopie! da wir ein unerreicht schönes Original unser Eigen nennen. Wie wir im bürgerlichen Leben die Ausländerei von uns abtun wollen, um endlich der Eigenart unseres teuren Vaterlandes zur Geltung zu verhelfen, so wollen wir in unserem häuslichen Leben nun endlich einmal alle entstellenden Masken fallen lassen, unser eigenes ungeschminktes Gesicht offen und unseren Kopf hoch tragen! Lassen wir das Nikolofest, ohne unsere Gaben an nichtjüdische Bedürftige einzu'chränken, an unseren eigenen Kindern vorüberg.hen und sagen wir dem Dienstmädchen und der Hausbesorgerin, der Milchfrau und dem Kohlenmann, daß wir uns jeden maskierten Besuch im Kinderzimmer ini Interesse der Nerven unserer Kinder verbitten eine Maßregel, die nebenbei gesagt jeder Arzt billigen wird. Sagen wir ihnen auch, daß in wenigen Tagen unser eigenes Lichterfest einziehen wird und daß es dann unseren Kindern weder an Geschenken und Lichtern und Zuckecwerk und Spielen, noch auch an guten Lehren und erhebenden Erzählungen fehlen wird. Daß dieses Fest acht helle, lichterfilllte Abende lang andauern und unsere Kinder reichlich erfreuen, uns selbst aber Trost und Kraft und Zuversicht und frohes Siegeshoffen bringen wird. Und kommt dann mit Pomp und Jubel Weihnachten heran fo hahen wir von der Begehrlichkeit unserer Kleinen nichts zu fürchten. Kinder, die acht Tage lang ein richtiges Ehanukah gefeiert haben, haben kein Verlangen nach andersgearteten Festen mehr! Treu und stolz bewahren sie in dem willigen Herzen die Schätze an Gottvertrauen, Todesverachtung und Selbstgefühl, welche das Chanukahfest ihnen gebracht hat, und die Liebe zur angestammten Religion wird sie vor der Begehrlichkeit nach allem, was gleißt und glitzert, schützen. Mehr als je tritt an die Ellern die Aufgabe heran, die Charakterbildung ihrer Kinde? zu fördern, nun da wir sehen, daß durch Charakterlosigkeit auch Weltreiche ins Wanken geraten. Darum nicht allein die Hände rührig, sondern auch den Kopf hoch, Ihr jüdischen Mütter und Väter,. dann wird der Sieg auf allen Linien unser sein. Machen wir mit dem Chanukahseste den Anfang, öffnen wir ihm alle Türen und Herzen, lassen wir in jeder Kinderstube die täglich sich mehrenden Lichtlein erstrahlen, erzählen wir unseren Kleinen, wie die Tapferkeit und das Gottvertrauen unserer Ahnen gegen eine rohe Uebermacht gesiegt hat. Lehren wir sie den Kopf hoch halten wie die Hände rühren, und dieser Kriegeswinter wird künftigen Kämpfern und Streitern was unsere Kleinen von heute ja doch sind — geistige Waffen von unermeßlicher Schlagkraft und ein seelisches Arsenal voll unvergänglicher Munition gebracht haben. R a h e l E d e l st e i n. Vom Aabrmarkl des Lebens. Per Wogen Ponid ats jüdisches Erkennungszeichen im Keld- und Spitatsdienü. Es hat sich erwiesen, daß die Anbringung eines Mögen Dovid (Davidsschild) an der Armbinde neben dem roten Kreuz zur Auffindung jüdischer Verwundeter die besten Dienste geleistet hat. Dadurch find auch verwundete Juden auf,jüdische Spitalnachbarn erst aufmerksam geworden. Wir empfehlen allen irgendwie Beteiligten das Tragen dieses Abzeichens, für das sich patriotische Rahmungen leicht Herstellen laffen. G. Hßerst Baron Hppeln üver jüdiliüe Soldaten und Sfstziere. Der Berliner Korrespondent des „Eygenlöszeg" halte dieser Tage mit dem Oberst Baron Oppeln, Leiter jener Sektion des Großen Generalstabes, in welcher die zur Vorrückung eingelangten Vorschläge zur Erledigung

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