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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-27 · 47 (27.11.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
47 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 821 Kittgesendet. Vorigen Samstag ging ich in ein kleines Gasthaus üttl Anfang der Währingerstraße. An einem Tische saßen etliche verwundete Soldaten aus dem Universitätsspital, am Tische gegenüber einige feiste Bürger vom Grund mit den charakteristischen niedrigen Stirnen und politisierten. Der eine, der das Wort führte, erklärte springgiftig, daß er den Herrn Bürgermeister nicht begreifen könne, der es dulde, daß so viele polnische Juden nach Wien kommen dürfen, daß man diese „ungebetenen" Gaste auswersen sollte und daß die Russell ganz recht hätten, den Juden in Galizien alles kleinzuschlagen und änzuzünden. Daraufhin stand wortlos einer der verwundeten Krieger auf und versetzte dem „Redner" eine derart wuchtige Ohrfeige, daß er sich buchstäblich unter dem Tisch wälzte. Der Soldat war edelmütig genug, den hirnlosen Schimpfer hierauf sanft unters dem Tische hervorzuholeu und. ihn ebenso sanft aus dm Stuhl gleiten zu lassen. Nicht ohne die Belehrung an den gefühlsrohen Patron, daß er eigentlich dem Gerichte überanttvortet werden könnte, weil er die Greueltaten der Russen gutgeheißen, daß es aber vorläufig mit der schallenden Ohrfeige fein Bewenden habe, setzte sich der Soldat wieder Zu seinen Kollegen, die ihn 'zu dieser Tat beglückwünschten. Ganz gedeftet und ohne mehr ein Wort von sich zu geben, saßen weiterhin die antisemitischen Maulhelden bei ihren Krügen. Hoffentlich lernten diese Herren aus dieser „schmerzlichen" Begebenheit, tvelche unsägliche Gemeinheit uitd Roheit es ist, sattgefressen urrd vott den Kriegsschrecken unbehelligt beim Bier zu sitzen und über tvehrlose Menschen herzufallen, die voin Kriege wohl am schwersten betroffen sind, indem sie von Heimat, Haus itnd Hof flüchten mußten, um nur das nackte Leben zu retten. A. Die Iitgerrdlehrer der talmudischrrr Zeit. Vyn L. Wiesner. (14. Fortsetzung ans Nr. 46.) p jm ’an R. Josua b. Levi, einer der bedeutendsten Amoräer in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts, erteilte seinem Sohne Bibelunterricht selbst. H Es betraf dies allerdings schon den höheren Bibelunterricht, bei welchem das Schriftwort als Basis zur Ableitung halachischer Normen behandelt wurde. R. Josua b. Levi entwickelte dabei eine so leichtsaßliche Methode, daß sich das Ergebnis dem Geiste förmlich aüfdrängte. Diese einfache, ansprechende Art der Ableitung der Halachischen Norm aus dem Schriftworte fand sogar im Lehrhause den Beifall der Gelehrten und sie beriefen sich daraus wie auf etwas Unwidersprechliches mit den Worten: „Wie R. Josua b. Levi seinem Sohne diesen Bibelvers erklärte."?) Nach R. Josua b. Levi ist das Verdienst desjenigen, der seinem Sohne oder Enkelkinde die Kenntnis der Thora selbst vermittelt, so groß, daß es ihm die Schrift anrechnet, als ob er vor dem Berge Sinai gestanden und die Thora daselbst empfangen hättet) Bereits im hohen Alter stehend, pflegte er sich an jedem Rüsttage des Sabbates von seinem Enkelkinde den laufenden Wochenabschnitt vortragen zu lassen. Als er es einmal vergessen hatte und sich erst im Badhause daran erinnerte, war er, trotz des Hinweises des ihn begleitenden Chija b. Abba darauf, daß er in diesem Falle ohne Bedenken vorerst das Bad nehmen 9 Sabbath 68 b, Jebamoth 9 a, Horajoth 8a, an letzter Stelle 'b onib. 2) Daselbst. h Berachoth 31 b, Kidd. 30 a. dürfe, nicht dazu zu bewegen, sondern eilte nach Hause, uni der sich auferlegten Verpflichtung nachzukommen. „Chija, mein Sohn," sprach er, „erscheint es dir als etwas'Geringes, daß, wer von seinem Enkelkinde einen Thoraabschnitt vernimmt, diesen gleichsam vom Berge Sinai vernommen hätte, denn es heißt:4) „Tue sie kund deinen Söhnen und den Söhnen deiner Söhne — Tag, an dem du gestanden vor dem Ewigen, deinem Gotte, am Horeb."'>) R. Josua b. Levi war aber auch ein Freund des Schulunterrichtes und lvar selbst bemüht, sein Enkelkind täglich der Schule zuzusühren. Als ihm einst R. Chija b. Abba mit einer flüchtig umgeworfeneu, für Gelehrte unpassenden Kopfbedeckung auf der Straße traf und ihm darüber seine Verwunderung ausdrückte, entschuldigte er dies mit der großen Eile, das Kind zur Schule zu bringen, welche Pflicht jeder anderen vorangehen muß, abermals auf Deuter. IV, 9, 10, hinweisend/') Auch auf die Lebensführung bezügliche Lehren pflegte R. Josua b. Levi seinen Söhnen einzuschärfen. Von diesen werden besonders hervorgehoben: 1. Zu den Ersten zu gehören, die morgens das Gotteshaus aufsuchen und von den Letzten zu sein, die es am Abend verlassen: 2. jede Woche den laufenden Thoraabschnitt durchzugehen und 3. einen Alten auch dann zu ehren, wenn ihm infolge seiner Gedächtnisschwäche die Thorakenntnis entschwunden ist?) Als Seitenstück zu R. Josua b. Levi in Palästina erscheint sein Zeitgenosse 2*1 Rab, der Rektor der Akademie zu Sura in Babylon und Freund und Förderer des Jugendunterrichtes daselbst. Wie R. Josua b. Levi, so erteilte auch Rab den höheren Bibelunterricht, bei welchem der Traditionsstosf an den Schriftvers ange^rüpst wurde, seinem Sohne Chija selbst, und wie auf des Ersteren, nahm man auch auf des Letzteren Schristauslegung im Lehrhause Bezug und berief sich auf sie mit den Worten: „Wie Rab seinem Sohne Chija lehrte."^ Gleich R. Josua b. Levi pflegte auch er außerdem noch mannigfache auf den gesellschaftlichen Anstand und auf die Erhaltung der Gesundheit bezügliche Lehren seinem Sohne einzuprägen.-) Zuweilen übertrug jedoch Rab den Unterricht seines Sohnes Chija dem einen oder anderen seiner hervorragenden Schüler. Es werden uns nicht weniger als fünf Schüler Rabs als Lehrer dieses Chija namhaft gemacht: na X'vr 'n R. Chija b. Aschi, i«3i 13 pn R. Chanin b. Raba, Sspirr in min' "i R. Jehuda b. Jechezkel, 13 3) '1 R. Chanina b. Schelemja, 13 R. Simon b. Chija. Diese Lehrer hatten keinen leichten Stand, da Rab beim Unterrichte stets persönlich zugegen war, zuweilen dem Vortrage aus einem Nebenraume aufmerksam zuhörte und bei der geringsten Entgleisung des Lehrers keinen Anstand nahm, seine Worte zu korrigieren oder zu ergänzen. So hatte er dem Chanina b. Schelemja, als dieser einmal dem Chija eine Mischnah vortrug, den Kopf aus dem Nebenraume zum Fenster hereinfteckend, zugerufen: „So ist es nicht" und wies ihn 0 Deuter. IV. 9, 10. 5) Jer. Sabbath I. 2, Jer. Kidd. I. 7. 6) Kidd. 30 a s. Bacher, Ag. pal. Am. l. S. 128, Anm. 7. 7) Berachoth 8 a und b. 0 Pesachim 70 a. 2) Daj'elbst 113 a, Tamid 27 a. *) Auch «33-n, K'33n genannt.

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