Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 47 (27.11.1914)
- Date
- 1914-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nl' 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 815 Truppen anzuwerberr und auszurüsten. Sie leisteten ihm auch Folge. Sie schlossen sich dem Heere des Feldherrn Scharbarza an, unter dem Perse'rkönig Chosru II-, und nahmen im Fahre 644 das von den Byzantinern verteidigte Jerusalem ein. Durch vierzehn Jahre hatten dann die palästinensischen Juden Jerusalem gemeinsam mit den Persern in Besitz. Aber sie wurden dann, wie so oft schon, von ihren persischen Bundesgenossen elend behandelt; es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich wieder den Byzantinern, über die der Kaiser Heraklius herrschte, anzuschließen, der mit ihnen ein förmliches Bündnis schloß, so daß dieser wieder mit ihrer Hilfe in den Besitz der ihm entrissenen Ländereien kam. Aber auch dieser übte dann einen Treubruch gegen die mit großen Opfern ihm bereiten Juden. ES war die Zeit der Erlösung für Palästina nicht gekommen. Heraklius ließ sich sogar herbei, die alten strengen hadrianischen Edikte gegen die Juden zu erneuern. Die Verfolgung der Juden, seinen früheren Helfershelfern, war sogar so gräßlich geworden, daß sie zu der Sage Veranlassung gab, Heraklius habe eine astrologische Weissagung erhalten, daß das byzantinische Reich, durch ein semitisches Volk untergehen werde; seine Räte hatten ihm diese Verkündigung auf die Juden bezogen. Indessen sollte sich diese Weissagung wohl bald bewahrheiten. Sein Reich kam auch durch ein Semitenvolk in Auflösung; es waren dies die Araber, die mit dem Auftreten MahommedS wie in einem geflügelten Siegeszug alle alten Reiche des Orients niederstürmten und tief bis in den Okzident die mächtigsten Staaten erzittern machten. Jüdische Opferwilligkeit i m K r i e g e hat sich auch bei allen Freiheitsbewegungen unterjochter Völker bewährt. So hat der Jude Jofselowitz im polnischen Befreiungskriege ein Korps auf eigene Kosten geworben, welches sich auch durch Heldenmut und besondere Tapferkeit ausgezeichnet hatte. Im zweiten Türkenkriege, als dieselben gegen Wien stürmten und der Staat in finanzieller Bedrängnis war, hatte der Jude Samuel Süß-Oppenheim — ein Verwandter des Jud' Süß, dessen dramatisches Leben durch den deutschen Dichter Hauff aus der Geschichte in die Literatur übergegangen ist, — die Geldbeschaffung zu besorgen, und als Dank hiefür war sein Auge nicht etwa auf wucherische Bereicherung gerichtet, sondern erließ sich nur vom Prinzen E u g e n i u s — dem edlen Ritter —, der ihm schr zugetan war und der ihn außerordentlich schätzte, Bücher und kostbare Manuskripte aus seinem Feldzuge gegen den Orient sammeln und aus diesen seinen Büchersammlungen stammt die großartige Bibliothek, die später für die Universität Oxford in England angekauft wurde und unter dem Namen der „Bodleyana" bekannt ist. Da gab es in den deutschen Befreiungskriegen einen Juden Simon Lämel, der die bei den Franzosen verpfändeten österreichischen Kanonen um einige Millionen zurückkaufte, und er hat seinen Namen dadurch verewigt, daß von seinem Gelde die schönste österreichische Schule in Jerusalem erbaut worden ist, die den Patriotismus der österreichischen Juden in der heiligen Stadt stärkt, den Namen Oesterreichs im Orient verherrlicht und zu Ehren bringt und ein starkes Gegengewicht gegen die so weidlich politisch ausgenützte französische „Tunisierung" Syriens gebildet hat. - Von jüdischer Opferwilligkeit im Kriege stammt auch der Aufgang des großen Welthauses Rothschild. Als Kurhessen im Jahre 1806 von den französischen Truppen okkupiert wurde, der Kurfürst aus dem Lande flüchten mußte und sich nach Böhmen begab, vertraute dieser sein ganzes Vermögen der Obhut und Verwahrung Rothschilds an. Nur mit großer persönlicher Gefahr für sich und seine herangewachsenen Söhne vermochte M a y e r A n s e l m Rothschild diese Schätze vor dem Angriff der französischen Polizei, die bis zur Hausdurchsuchung schritt, zu retten. Als der Kurfürst wieder in seine Heimat zurückkehren konnte, erhielt er sein millionenreiches Vermögen unversehrt zurück, ohne daß dessen Verwahrer sich hiefür belohnen ließ; es geschah auS einem Patriotismus für den geliebten Landesherrn, daß sich der Jude den Gefahren mit eigenem Gut und Blut ausgesetzt hatte. Auch Bismarck wußte sich der jüdischen Opferwilligkeit im Kriege in den entscheidendsten Augenblicken seiner Weltpolitik zu bedienen. Die preußische Verfassung war sistiert; der Krieg von 1866 sollte geschlagen werden; daS Parlament fehlte, welches die Gelder hiezu bewilligen sollte. Aber Bismarck wußte sich zu helfen. Er hatte seinen opferbereiten Juden G e r s o n Bleichröder in Berlin. Mit dem verständigte er sich, und dieser führte die millionenreiche Anleihe durch. Was wäre aber mit seinen Millionenanlehen geschehen, wenn das Schwert Moltkes nicht gesiegt hätte!? Wer hätte sie dem Juden zurückerstatten können!? Das war ein gewagtes Geschäft, das man nicht mehr als Geschäft bezeichnen kann, sondern, was eS wirklich war, eine jüdische Opfer Willigkeit im Kriege! Bismarck hatte auch noch dem durch Alter bereits gebrochenen und auf einem Stocke einherwackelnden G e r f o n B l e i ch r ö d e r feine Freundschaft bewahrt, er betrachtete ihn als den großen Mitschöpfer seines Weltstaates. Er zog ihn zu allen wichtigen finanziellen Entscheidungen vertraulich heran und wurde auch der Verwahrer seiner eigenen finanziellen Hauswirtschaft. Als im Jahre 1870/71 nach der Niederwerfung der französischen Militärmacht die Verhandlungen Bismarcks mit Thiers um die finanzielle Kriegsentschädigung sich wendeten und Bismarck die für die damaligen Verhältnisse horrende Summe von fünf Milliarden aussprach, da rief der Franzose erschüttert aus, daß diese Summe in kleinen Münzen abzuzählen nicht einmal die Zeit seit Beginn unserer Zeitrechnung ausreichen würde. BiSmarck jedoch antwortete, er habe einen jüdischen Finanzmann, und wies hiebei auf Gerson Bleichröder hin, der seit der Schöpfung der Welt zähle. Ob sich nach einem Siege in diesem Weltkriege dieses spannende Schauspiel wiederholen dürste und wen ein neuer Bismarck bei der Bemessung der Kriegsentschädigung heranziehen müßte, um da mit der Zeit der Zählung auf jemand Hinweisen zu können, der noch vor der Schöpfung der Welt mit der Zählung beginnt!? Das müßte nun -ein Naturforscher sein, der nach seiner wissenschaftlichen Auffassung den Beginn der Welt nach Billionenjahren zählt. Jedoch zur Finanzierung müßte doch auch wieder auf die jüdische Opferwilligkeit im Kriege und im Frieden zurückgegriffen werden. üom Jahrmarkt des Lebens. Kriegsauszeichnungen jüdischer Offiziere. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen das Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration dem Major Moriz Seinfeld des Infanterieregiments Nr. 43; dem Oberleutnant d. R. Rudolf A l m o s l i n o, Infanterieregiment Nr. 34; das Ritterkreuz des Eisernen Kronen-Ordens mit der Kriegsdekoration dem Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. Adolf Schönbaum, Festungschefarzt (Przemysl), in Anerkennung hervorragender und aufopferungsvoller