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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-20 · 46 (20.11.1914) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
46 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seit- 806 Dr. Moch» WscheMchnft. Nr. 46 fehlt, welchen Mangel die edlen Spenderinnen schmerzlich empfinden. Aus den Quartieren der Armut führte uns der Weg am Montag zur Eröffnung der Ausspeisung des Ferienheims in die eleganten westlichen Bezirke, in das Palais des ■ Barons Hermann K ö n i g s w a r t e r. Der gesamte Borstand, an der Spitze die schwergeprüfte Präsidentin Sofie Grünfeld, die Damen Quittner und Z i n s empfingen 150 Kinder mit einem trefflichen Mahl. Baronin Margarethe K ö n i g s w a r t e r erschien im reizeirden Wärterinnenkostüm bei der Ausspeisung, und wieder mußte ich heiterer Jugendtage gedenken, wo weibliche und männliche Backfische, wenn das Wort erlaubt ist, ihr Taschengeld gern hergegeberr hätten, .um von dem reizenden Burgtheaterbackfisch bedient zu werden. Den Kindern, unter denen sehr viele rrett und wohlerzogen schienen, mundete es ausgezeichnet, und ist zu wünschen, daß das Ferienheim, welches sein köstliches Tischnowitzer Gemüse jetzt zu anderer Zeit und in anderer Form der Wiener Jugend darbietet, auch mit seiner neuesten Schöpfung vollen Erfolg habe, bei der den hygienischen Anforderungen in einer Weise genügt wird, wie bei keiner anderen Ausspeisung. Schließlich ist mir eine Berichtigung angenehme Pflicht. Nicht tausend, sondern zweitausend Personen hat die von Frau Dozent Grünfcld geschaffene und von Frau kais. Rat Lieben geleitete Kleidersammelstelle versorgt, ein zu erfreulichees Resultat für die beiden organisatorisch so glücklichen Damen und ihre Schützlinge, als daß ich es nicht gerne berichtigen würde. C. Benedikt. Ein jüdischer Gemeinderichter. Man meldet aus Jolsva: Die Gemeinde Korpas ,'Komitat Gömör) hielt vorige Woche die Richterwahl ab. Die Einwohner, die ausschließlich christlicher Konfession sind, gaben bei dieser Gelegenheit einen schönen Beweis ihrer Toleranz, indem sie öen einzigen dort wohnenden jüdischen Kaufmann Alexander Holländer einstimmig zum Gemeinderichter wählten. Herrenhausmitglied Alois Neumann. In der Nacht vom 13. d. M. ist in Reichenberg der Präsident der dortigen Handels- und Gewerbekammer Herrenhausmitglied Alois N e u m a n n im Alter von 63 Jahren gestorben. Präsident Alois Reumann zählte zu den hervorragendsten Persönlichkeiten im heimischen Wirtschaftsleben, und es hat kaum eine Frage aus wirtschaftlichem Gebiete gegeben, zu deren Lösung Neumann nicht in entscheidender und richtunggebender Weise beigetragen hätte. Persönlich von größter Liebenswürdigkeit, Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit, verstand er es, sich überall Freunde zu erwerben, und seinem konzilianten Wesen ist es oft bei den schwierig steil Verhandlungen gelungen, bestehende Gegensätze zu überbrücken, so namentlich in den Sitzungen der Handelspolitischen Zentralstelle, in der er eine hervorragende Rolle spielte, und im Jndustrierate, der ihm eine Reihe der wichtigsten Referate zu danken hatte. A. Nenmann gehörte auch dem Verwaltungsrat der Kreditanstalt an und war Mitglied des Direktionsrates der A. E. G. Union-Elektrizitätsgesellschaft in Wien. Vom Kaiser war das Wirken Neumanns durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse, des Komturkreuzes des Franz Josef-Ordens mit dem Stern und durch die Berufung in das Herrenhaus anerkannt worden. Als Anhänger der deutschen Fortschrittspartei in Böhmen nahm er an den Ereignissen des politischen Lebens den lebhaftesten Anteil. Wiederholt hat er in den Versammlungen dieser Partei im Deutschen Hause in Prag das Wort ergriffen, und alle politischen und nationalen Kundgebungen der Reichenberger 'Kammer tragen das Gepräge seines Geistes. Im Herrenhause war er als Mitglied der Versassungspartei bei den Verhandlungeil über die Erneuerung der Handelsverträge in den letzteil zwei Jahrzehnten und bei den Beratungen über alle wichtigen Gesetze auf allen Gebieten des industriellen, gewerblichen und sozialeil Lebens ein unermüdlicher Vertreter der wirtschaftlichen und politischen Interessen des deutschen Volkes. Hier schöpfte er aus dem reichen Born. seiner Erfahrung und seines starken Geistes, und Staat und Land verlieren in ihm nicht minder als die deutsche Fortschrittspartei einen unersetzlichen Berater. Er hat fast ben halben Tag den Agenden der Handelskammer gewidmet, sich im persönlichen Verkehr mit den Industriellen über ihre Bedürfnisse orientiert mrd empfand eine aufrichtige Freude, wenn er jemandeni nützlich sein konnte. Im Interesse der Oeffentlichkeit, vor allem der Industrie, zu wirken, war ihm ein Bedürfnis. Hiebei hat er nicht nur die eigene Branche berücksichtigt, sondern sich aller Produktionszweige des Reichenberger Kammerbezirkes angenommen. Die Reichenberger Handelskammer verliert in ihm cinell unersetzlichen Präsidenten, seine Freunde einen Mann voll seltener Verläßlichkeit und Lauterkeit des Charakters. Zum 50. Geburtstage von Alfred Fried. Einer der tätigsten Apostel der Friedensbewegung vollendet iit diesen Tagen des Weltkrieges sein 50. Lebensjahr. Dr. Alfred Fried, der Träger des Friedensnobelpreises von 1911. Am kl. November-1864 ist er in Wien geboren. Seit fast 25 Jahren verkündet er die Friedensidee, 1892 gründete er die Deutsche Friedensgesellschaft. Seine Schriften predigen fast sämtlich den Friedensgedanken. Am Verbreitesten ist wohl sein Handbuch der Friedensbewegung. Eines' seiner letzten .Werke heißt „Der kranke Krieg". Seine Arbeit über die moderne Schiedsgerichtsbewegung, über die zweite Haager Konferenz, sein Buch über den Kaiser und den Weltfrieden werden, trotzdem die Tatsachen Einspruch erhoben, ihren Wert behalten. Fried ist Mitglied des Internationalen Friedensin'stituts und Ehrendoktor der Staatswissenschasten. Die Salonikier Juden in Konstantinopel. Wie erinnerlich, hat anläßlich des zweiten Balkankrieges nach Eroberung von Saloniki durch Griechenland eine große Anzahl von angesehenen Juden aus Saloniki ihre alte Wohnstätte verlassen und ist nach Konstantinopel übersiedelt. Diese Juden sind dem Ottomanentum so treu ergeben, daß sic es vorzogen-,- ihre Vaterstadt zu verlassen, um nicht die griechische Staatsbürgerschaft annehmen zu müssen oder unter ihrer unausrottbaren Vaterlandsliebe unter der Fremdherrschaft zu leiden. Diese Salonikier Juden in Konstantinovel haben sich anläßlich der letzten hohen Feiertage zu einer eigenen Betvcrsammlung vereinigt, wo der Grund zu einer ständigen Vereinigung dieser Juden gelegt wurde. Der auch in Wien bekannte Advokat Moise Cohen, welcher bekanntlich unter dein türkischen Regime Landtagsabgeordneter und Ausschußmitglied von Mazedonien war und zu den einflußreichen Politikern des alten Saloniki zählte, hielt an seine versammelten Kompatrioten eine zündende Ansprache, welche bei den Versammelten so große Begeisterung hervorrief, daß sie, Ort und Anlaß ihres Beisammenseins vergessend, dem Redner Beifall zujubelten. In dieser Versammlung gelobten die Juden aus Saloniki, dem Vaterlande auch in diesem kritischen Momente mit Gut und Blut beizustehen. Die-gesamte türkische Presse besprach dieses Verhalten der „alten/ bewährten Salonikier Garde" mit großer Befriedigung.

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