Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 46 (20.11.1914)
- Date
- 1914-11-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 46 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 805 Direktor Benno K a h a n e, die Advokaten Dr. Albert 5t u I), Dr „Julius S ch o r r, Dr. M. Schnabl, Dr. Josef Jerusalem, Herr und Frau Adolf Gelber, kais. Rat Dr. Ascher, 5lomm.- Rat S. Rosenzweig und seine Tochter Frau Annita Müller, Direktor Alerander Hecht, kais. Rat Dr. Krüger für den Elisabeth-Lehrmädchenhorl, Frau Emilie Weiß für den Brigittenauer Frauenverein, Herr Isidor Schwarz für den Verein zur Bekleidung armer alter Männer, Frau Fischler-Landeis für den Franz Josefs-Kinderhort des 12. bis 15. Bezirkes, Frau Direktor U l l m a n n für den Mädchenunterstützungsoerein, Herr Dr. Eisenstädler für den Frauenverein „Zuflucht", Frau Klothilde Benedict für den Verein „Frauenhort", Frau Doktor Eharkotte F r i s ch a u e r für den Franz Josef-Kinderhort des 2. Bezirkes, Herr Siegftied Stein und Herr Sam. Reumann für den Ausspeisungsverein des 16. und 17. Bezirkes, Frau Henriette G r ü n w a l d für den Frauenverein des 21. Bezirkes. Dr. I. S a m u e l y eröffnete die Feier mit einer Ansprache, in der er in ergreifender Weise auf den schweren Krieg zu sprechen kam. in dem Oesterreich sich jetzt befindet. Er erinnerte, nachdem er des edelmütigen Spenders gedacht hatte, an die große und rührende Erscheinung unseres Kaisers und an sein letztes Manifest, In diesem Manifest, das der Geschichte angehören wird, habe der Kaiser aller Welt in Erinnerung gerufen, wie sein Streben immer aus die Erhaltung des Friedens, auf die Weckung des menschlichen Sinnes, auf die Stiftung von Friedenswerken, auf die Humanisierung der menschlichen Gesellschaft, auf die Fü.'sorge für die Armen und Bedrückten sowie auf die Erziehung des Heranwachsenden Kindergeschlechtes gerichtet gewesen sei. Kein Auge blieb trocken, als der Redner in schlichten Worten dies ausführte. Als dann von Kinderstimmen gesungen das „Gott erhalle" ertönte, sang die ganze Versammlung stehend mit: und die Ergriffenheit mehrte sich dann noch, als dieselben lieben Kinderstimmen das heute so zeitgemäße Lied „Ich halt' einen Kameraden" anstimmten. Dann folgten Ansprachen des I. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, der Bezirksschulinspektoren E e r st n e r und K u n d i und Prof. Dr. Ehrmanns und anderer. Prof. Dr. E h r m a n n sprach unter endlosem Beifall der Versammlung von der Zeit nach dem Friedensschlüsse, die hoffentlich Oesterreich in derselben Einigkeit wiederfinden werde, wie sie sich jetzt während des Krieges so stark und eindrucksvoll gegenüber dem Auslande gezeigt habe. Lebhaft begrüßt wurde das Erscheinen Karl Freunds, des „Vaters der Kinderhorte", auf der Tribüne, dem die Versammlung die Sympathien bekundete für seine rastlosen Bemühungen im Dienste der Jugend. Er erbat auch für die Zukunft das Wohlwollen der Wohltäter für das Institut. Das Schlußwort hatte der bekannte Sozialpädagoge Oberlehrer S ch m i e d I. Sodann folgte die Besichtigung des prachtvollen Hauses, wobei es an immer neuen herzlichen Beglückwünschungen für den großmütigen Spender nicht fehlte. Kin Mundgang durch Wiener WolMäligkeilsanstatten. l IV. Anläßlich der feierlichen Eröffnung des neuen Wohltätigkeitspalastes, den Herr Heinrich M e n d l dem Andenken der verstorbenen Gattin Josesine gewidmet hat und bei der dem edlen Stifter zu Ehren sich wohl alle vereinigt hatten, welche in unserer Gemeinde in großem oder kleinstem Maße ihre Straft sozialer Arbeit zur Verfügung stellen, wurden wir Damen der „Weiblichen Fürsorge" angeregt, einige nächstgelegene Einrichturlgen auszusnchen, die uns entweder schon angeschlossen sind, oder deren kameradschaftliche Freundschaft uns einen Allschluß erwarten läßt. Zunächst folgten wir dem Getrippel der dreihundert Hortkinder in die Bo lksküch e in de r K luckygasse, wo ihnen Frau Kadi s ch, den Intentionen des Präsidiums der Kinderhorte, der Herren Karl Freund und Dr. I. S a m u e l y, gemäß, ein besonders gutes Mittagruahl nach den Aufregungen der Eröffnung, den Mühen des Gesanges und der Deklamation bereitere. Nur schwer rissen wir uns von der freudig erregte» Schar, unter der wir so manchen Schützling unserer Vereine erkannten, los, um die ehrwürdige Präsidentin des Ausspeisungsvereines für hungernde Schulkinder, Frau Luise Kuffler, in der nahegelegenen Treustraße aufzusuchen. Zu einer Lonntagsstunde, zu der inan benfcn sollte, daß Damen, wie die Präsidentin und Frau Mathilde P e r g e r, int Wohltun und häulicher Tätigkeit ergraut, behaglich an einer eigenen Mittagstafel schmausen, sahen wir die Damen in Küchenschürzen und Arbeitskleid in keineswegs bequemen oder freundlichen Lokalitäten mit Feuereifer und erhitzten Wangen teils am Herde, teils im Speisezimmer bei der Verteilung. Allerjüngste Dämchen aus dem Kreise des Vorstandes, die in den Tagen, als wir jung waren, schon aus hygienischen Gründen ängstlich von jedem Anblick des Elends ferngehalten worden waren, amtieren im Vorraum bei der Verteilung der Karten. Wahrlich, es erblüht ein besseres Geschlecht, das nicht Kummer, Lebensenttüuschungen abwarten muß, um sozial zu lvirken, der .Krieg hat auch darin seine Ehren! llebrigens entspricht es der Verelendung unserer Glaubensgenossen in der Brigittenau, daß in dieser nichtrituellen und konfessionellen Ausspeisung sich auch jetzt immer mehr Inden finden. Der Verein beschränkt sich großzügig nicht mehr auf .Kinder, wir sehen sehr bedauernswerte Erwachsene, Männer und Frauen. Von hier führen uns ein paar Schritte unter dem Geleite der trefflichen Direktorin Julie Marx zu dem I f r a e l i t i f ch e n Kind e r g a r t e n in dem breiten Straßenzug der Dthmargasse, wo ein kräftiger Wind und der Anblick des Kahlenberges die Kinder bei ihrem Anlnarsch in die Schule begrüyt. Wenn die Räume des Gartens trotz der enorm hohen Miere nach dem Besuche des M e n d l p a l a st e s gar sehr abstechen, so ist es eben nicht möglich, vorderhand ein eigenes Heim, mit Garten zu erwerben. Wenn aber die Räume schon heute allen sanitären Anforderungen entsprechen und sich hell und freundlich präsentieren imb seit Wochen nicht mehr dem Tadel verdienen, der ihnen von berufener Stelle bei der Eröffnung 'des Mendlhauses zuteil wurde, so ist dies das Verdienst einer einzigen Dame. Wer kennt nicht den Namen des Fräulein Nelly von Gomperz, so sehr sie sich auch in der Dessentlichkeit verbirgt. Als der Verein „Kinderbewahranstalt" in Ermangelung eines geeigneten Lokals mit einer Festveranstaltung in die Dessentlichkeit treten wollte, war es Fräulein von Gomperz, die von dem Lärm der Dessentlichkeit für ihren Verein, dem ja die Elite jüdischer Frauen als Vorsteherinnen angehört i Präsidentinnen: Frau Sarah von S t e r n, Hosrätin G o m p e r z, Baronin Eh. K ö n i g s w a r t e r > abriet und aus eigenem eine viel größere Summe hergab, als die mühevollste Veranstaltung ergeben hätte. Auch in diesem neuadaptierten .Kindergarten hat sich die Familie Gomperz ein Andenkeil aero p* lvimuis geschaffen: ISO Kinder begrüßen uns in drei Sälen: sie werden nach dem System des Fröbel haufes in Berlin nicht in Bänke gezwängt, sondern sitzen frei in fleinen Lehnstühlchen. Besonders seitdem Flüchtlingskinder hier Ausnahme gesunden haben, wird aus gu es Sprechen größten Wert gelegt, weshalb der Handarbeitsunterricht zugunsten des Sprachunterrichtes gekürzt wurde. Ein vierjähriges Mädchen deklamiert uns ein inniges Friedensgebet, das rvahrhaftig kindlich gehalten, einem .Kindergemüt entsprungen sein könnte und uns umsomehr Tränen entlockt, weil schon eine stattliche Anzahl von R e se r v i ste n w a i se n unter den Kindern sind, die aber in ihrer kindlichen Unschuld von dem Verlust noch nichts wissen. Die Ausspeisung der .Kinder zeigt uns, daß hier besonders schmackhaft gekocht und appetitlich serviert wird, der Speisezettel, daß für genügende Abwechslung gesorgt wird. Diese Zweiganstalt der unter der Leitung des Direktors Max Fischer stehenden „J s r. K i n d e r b e w a h r a n ft a 1t", die so viele hundert Mädchen dem .Kindergärtnerinnenberuf zugeführt hat, ein Berus, der für ein Mädcheli, eilte künftige Mutter, wohl als anstrengend, aber höchst geeignet betrachtet werden muß, verdient uneingeschränktes Lob, Rinnt auch vorläufig dem „Garten" der effektive Garten