Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 46 (20.11.1914)
- Date
- 1914-11-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 804 Dr. Bloch's Wochenschrift . Nr. 46 der Bukowina, die als Flüchtlinge in Wien weileu, die schwangeren Frauen sind, die sich in ihrem Zustande den furchtbaren Aufregungen und Strapazen der Flucht aussetzcn mußten. Aller Mittel entblößt und in Zorge um ihre übrigen ohne Pflege und Aufsicht bleibenden Kinder sehen sie ihrer schweren Stunde entgegen. Dank dem Entgegenkommen der Wiener Gebäranstalt gelang es der Sektion, die Frauen für die Zeit ihrer Entbindung in einem Spital unterzubringen, doch werden die Frauen nach fünf Tagen entlassen und kehren — noch nicht gesund — in die tust- und lichtlosen Massenquartiere zurück. Meist fehlt ihnen dort sogar das Bett, und auf dürftigem Strohlager, bei ungenügender Kost und kaum, mit der allcruötigsten Wäsche versehet:, können sie nicht wieder zu Kräften gelangen. Kind und Wöchnerin schweben immer in Lebensgefahr. Diesem Elend will die Sektion durch das Rekonvaleszentenheim abhelfen. Aas Hodesco-Kospiz in Waden als Verwundeten spitat. Man schreibt uns aus Baden: Frau Baronin Jella Oppenheimer hat das Todesco-Hospiz in Baden in der sorgsamsten Weise zu einem Spital für kriegskranke Soldaten ausgestaltet und dasselbe am 9. d. M. dem Vertreter des Permanenzkomitees für Kriegskranleusürsorge, Herrn Generalstabsarzt Dr. Schüller, in Gegenwart zahlreicher Gäste — Frau Baronin Agnes Trauttenberg. Exzellenz Gräfin R o s e n b e r g, Exzellenz Gräfin B y l a n d t - R h e i d t, Gräfin C e s ch i, Baronin Paula B a l t a z z i, Baronin H e ß, Baron T o b l h o f s, Herr und Frau Direktor L e i t n e r, Vizebürgermeister Alois B r u s a t t i und andere — übergeben. Die außerordentlich zweckmäßige und komfortable Einrichtung dieses Krankenhauses, das mit Operationsraum, Badezimmer, einem ungemein gemütlichen Tagraum, entsprechenden Küchenräumlichkeiten ausgestattet ist, fand allseits den größten Beifall. Besondere Sorgfalt ist der Einrichtung der zwölf Krankenzimmer gewidmet, die mit liebevollem Verständnis ausgestattet sind und — licht und gut ventiliert — mit ihrer blütenweißen Wäsche einen anheimelnden Eindruck machen. Die Leitung des Spitals führt Medizinalrat Dr. Ludwig Schreiber, die Pflege der Kranken ist deutschen Schwestern unter Leitung der Oberin Hannah Sasse anvertraut. Bei der Adaptierung des Hauses, die in der kürzesten Zeit durchgeführt werden mußte, hat sich Herr Sekretär Heinrich Engel durch große Umsicht und hingebungsvollen Eifer sehr verdient gemacht. Installation des Rabbiners Dr. Arthur Schwarz im Tempel des IX. Bezirkes. Freitag, 13. d. M., fand im Tempel, IX., Müllnergasse, in Anwesenheit mehrerer Vertreter des Kultusvorstandes, einiger Tempelvereine sowie eines außerordentlich zahlreichen Publikums die feierliche Installation des neugewählten Predigers und Rabbiners für den Bethausverein „Beth Hatfi'lah" im 9. Bezirke statt. Vor Beginn des Gottesdienstes versammelten sich sämtliche Vorstandsmitglieder im Zeremonicnsaale des Tempels, wo der Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Moritz Sch nepp den neuen Rabbiner mit folgender Ansprache begrüßte: Euer Ehrwürden! Mit aufrichtiger Freude begrüßen wir Vorsteher des Tempelvereines im 9. Bezirk Euer Ehrwürden als neugewählten Prediger und Seelsorger — nicht nur der Vereinsmitglieder, sondern auch eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung unseres Bezirkes. Ihr Wort und Ihre Lehre sollen alle, die in unserem Gotteshause erscheinen, erbauen und im Glauben befestigen. Nur zu lange war die Kanzel, die Sie heute betreten werden, verwaist, und groß war die Sehnsucht der Gläubigen, das Wort Gottes verkünden zu hören. Wir freuen uns, in Ihrer Person einen würdigen und richtigen Interpreten unserer heiligen Lehre gesunden zu haben. Wir hoffen und erwarte^ daß durch Ihr Wirken die Schönheit und Weihe unseres Gottesdienstes gehoben werden wird und versprechen Ihnen, dieses Ihr Wirken mit allen Kräften zu unterstützen. Wir heißen Sie in unserem Hause willkommen und bitten Sie, vor die Sie erwartende Gemeinde hinzutreten und an diese Ihr Wort zu richten. Nach einer kurzen Erwiderung des Rabbiners begab mail sich unter Vorantritt desselben, von den Kantoren Mayerowitsch und Kogan sowie vom ganzer: Vorstande gefolgt, in den Tempel, bei dessen Betreten der Chor unter herrlichen Orgelklängen ein kräftiges Boruch haboh anstimmte. Nach Kabolas Schabbos bestieg Dr. S ch w a r z die Kanzel ui:d hielt seine Antrirtspredigt, die liefen Eindruck machte. Mit Dr. Schwarz sowie mit den jungen .Kantoren erlebt der Tempel in der Müllncrgasse eine Renaissance, die allseits mit Befriedigung begrüßt wird. KimveiHung eines neuen Aorlgeöändes. Sonntag, den 15. d. M., fand in überaus eindrucksvoller Weife dje Eröffnung des neuen prachtvollen Gebäudes des Knaben- und Mädchenhortes statt, das unter den Auspizien des Vereines zur Errichtung und Erhaltuilg von Horten für schulpflichtige Kinder in der Brigittenau, Denisgasse Nr. 33, errichtet worden ist. Der Verein, an dessen Spitze Kultusvorsteher Dr. I. S a m u e l y und als Vizepräsident Bethaus-Vorsteher Karl Freund steht, hatte bisher den Hort in Mieträumen unterbringen müssen, ohne seiner Absicht, für die Anstalt ein eigenes Heim hrrzustellen, näherkommen zu können: bei den schwierigen Verhältnissen, unter denen auch die philanthropischen Bestrebungen in den letzten Jahren zu leiden hatten, war das eben kaum Erfüllbar. Da ging nun der Vereinigung vor einer Reihe von Monaten, wie damals auch berichtet wurde, von dem Großindustriellen Heinrich M e n d l, dessen ernstes, schulfreundliches Wirken sich auch seinerzeit bei der Schaffung des Hietzinger Gymnasiums geltend gemacht hat, zur Erinnerung an feine verstorbene Gattin Frau Iofefine M e n d l die Widmung eines Betrages von 200.030 Kronen zur Errichtung eines neuen Hauses zu., Dank dieser ysunifizenten Spende konnte demnach unverweilt an den Bau geschritten werden, für welchen Herr M e n d I auch schon in der Denisgasse den nun die Hausziffer 33 tragenden geeigneten Grund ausfindig gemacht hatte. Unter der regen und bis in die kleinsten Details besorgten Einflußnahme des Stifters wurden nun die Pläne des Hauses von dem in Fachkreisen durch seinen künstlerischen Sinn hervorragend bekannten Architekten Friedrich Schön in geradezu meisterlicher Weise entworfen: in die Bauführung teilten sich die Herren Josef Herz b erg und Baumeister F u n k e I. Das Haus, dessen Eröffnung also, wie bemerkt, Sonntag stattsand, erregte in allen Belangen, sowohl was die äußere Ausstattung betrifft, als auch hinsichtlich der Einteilung der Räume und der verschiedenen schulhygienischen Einrichtungen, den hellen Beifall der vielen zur Feier erschienenen Schulmänner und Schulfreunde. Mustergiltig ist es zum Beispiel, wie in dem Hause die Licht- und Luftfragen gelöst wurden. Ferner fiel die überaus geschickte Gruppierung der in einem Schulhause so wichtigen Toiletten Waschgelegenheiten ic. um die in den einzelnen Stockwerken befindlichen Säle herum ins Auge. Viel bemerkt wurde der im ersten Stockwerk untergebrachte große Saal. Durch eine eigenartige Anordnung der Lichteinbruchsstellen wird da ein wirkungsvoller Beleuchtungseffekt erzielt, der dem Saal einen wirklich anheimelnden Charakter verleiht. Dieser Saal dient auch als Vortragsfaal für die Toynbeehalle, jener segensreichen Schöpfung, die den breiten Massen nach mühevollem Tagewerk am Abend Erfrischungen und unterhaltende und belehrende Vorträge bietet. Auf dem Dach des Hauses ist eine weitausgedehnte Terrasse angelegt, von der man einen herrlichen Ausblick auf 'die Donau genießt und auf der die Kinder in der günstigen Jahreszeit Aufenthalt nehmen können. Bei der Eröffnungsfeier waren anwesend: Herr Heinrich M e n d I und sein Sohn stud. jur. Stephan M e n d l, Frau Sophie Deutsch, Rosalie Kahn; dann für den Landesschulrat Bezirksschulinspektor G e r st n e r, für den Bezirksschulrat Bezirksfchulinspektor kaiserlicher Rat K u n d i, ferner der Direktor der Anstalt „Pestalozzi" K r ü tz n e r, Direktor B r u h n s, Bezirksrat L a ch n e r als Vertreter des 20. Bezirkes, der erste Vizepräsident der isr. Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, der Präsident des Verbandes der ist. Humanitätsvereine „Beni Brith" in Oesterreich Universitätsprefesfor Dr. S. E h r m a n n, der Präsident des Humanitätsvereines Rudolf Kohn, kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Sekretär Dr. Emil Adler, Bürgerschuldirektor Holzer, Ilniversitätsprofessor Doktor Roth, kais. Rat Otto B u n z l, Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofner, Schulinspektor Professor K a n i tz, Direktor Mar Fischer,