Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 46 (20.11.1914)
- Date
- 1914-11-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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>»' 46 Dr. Bloch's Wochenschrift ce\u 80) Tn ^2 Jssi b. Hini. Ein Babylonier, der, wie so viele andere, durch den Ruf der Schule R. Jochanans veranlaßt, in den ersten Jahrzehnten des dritten Jahrhunderts nach Palästina kam und auch seinen jungen Sohn mitbrachte. Die Schule Rabs in Sura dürfte sich in jener Zeit wegen der Kürze ihres Bestandes noch nicht zur durchschlagenden Anerkennung dnrchgerungen haben, und so begab sich Jssi nach Palästina, um aus der Quelle zu schöpfen und den frisch geschöpften Trank auch seinem Sohne zu reichen. Einmal kam R. Jochanan dazu, wie Jssi seinem Sohne die Mischnah über die Abgaben von der ersten Schafschur^ vortrug und hörte, daß er c*Sm sür mSm tradiere. R. Jochanan machte ihn aufmerksam, daß der Wortlaut der Mischnah r,Lnlaute. Als Jssi den von ihm gebrauchten Plural durch Genesis XXXII, 15, rechtfertigte, sagte R. Jochanan: „Die Sprache der Thora ist für sich und die Sprache der Weisen ist für sich."-) Wir ersehen daraus, mit welcher Strenge über die treue Nebermittlung des Mischnahtcxtes gewacht wurde und wie selbst ganz unbedeutende Abweichungen nicht geduldet nmrden. (Forts, tzung folgt.) Korrespondenzen. An das jüdische Herz! Ich komme aus dem Lager der jüdischen Flüchtlinge in Pohrlitz. Die Regierung sorgt für Obdach und Ernährung, die „Israelitische Allianz" hat Bettzeug geliefert und finanzielle Unterstützung gewährt. Aber 6000 Menschen, zu denen in den letzten Tagen noch 2000 hinzugekommen sind, gehen in Fetzen. Es fehlt an den notwendigsten Kleidern, an Wäsche und vor allem au Schuhen. Das jüdische Hilfskomitee von Pohrlitz mit seinem wackeren Obmann, Kultusvorsteher Hermann Schnabl, leistet Außerordentliches, aber angesichts des ungeheuren Bedarfes müßte es seine Anstrengungen verzehnfachen. Der Winter steht vor der Tür und die unglücklichen Flüchtlinge, unter denen sich Scharen von Xtinbent befinden, friere n. Auch w a r m e Deck e u zum Schutze gegen die Nachtfröste werden benötigt. Dringend bitte ich meine wohlsituierten Glaubensbrüder, u n g e s ä u m t durch Geldspenden an die Adresse des obgenannten Kultusvorstehers, ferner durch Ueberseudnug aller entbehrlichen Kleidungs- und Wäschestücke, insbesondere aber von Schuhen, dem ungeheuren Elend abzuhelfen. Doppelt gibt, wer schnell gibt. Das Gesagte wird wohl größtenteils auch für die Flüchtlingslager in Nikolsburg, Gaya und in Böhmen gelten, in Pohrlitz aber konnte ich die harte Not aus eigener Wahrnehmung feststellen. Siegfried F l e i s ch e r, Sekretär der „Oesterr. Jsr. Union". ') Taanith 24a, verql B. M.'zia 85 h -) B. Mezia 85a. 0 Zebachim 625 s. Bacher, 'Aq. Tannaiten I* 350 xUnm. I. *) Cholin XI. 1. -> Cholin 137 b, s. Stasi. Ein neues Heim für die Iiküchlkinge. Tie Depositenbank, die das Haus Hernalser Haupt ftraße 73 für Umbauzwecke angetanst hatte, überließ das gesamte Gebäude zur Errichtung eines H.imes für Flüchtlinge aus (Galizien und Bukowina ohne Unter sch'ed der Konfession. Außerdem hat sie!20> Kronen zur Verfügung gestellt, um die Adaptierung ,ür diesen Zweck zu ermöglichen, so daß eS an die Hilfsaktion der Gemeinde Wien angeschlossen werden konnte. In rascher Folge fanden sich viele Private, w.'lch? Möbel, Einrichtungsstücke, Wäsche, Kleider lieferten: auch Na turalien kamen herein. Die Baumeisterfirma Rou- & Stiegler, Herr Architekt Postelberg, dann die bekannte Verglasungsfinna Pschierer lieferten Arbeit und Material in großherzigster W?i e. Etiva 150 Flücht lingc der besseren Stände leben hier in eigenen kleinen Wohnungen und werden vorläufig so unterstützt, daß sie ein menschenwürdiges Dasein führen können. Weitere Gaben, um das kleine Werk fortzuführen llnd um ähnliche Asyle gründen zu können, werden in der Kanzlei des Asyls selbst dankbarst entgegengenom men, eventuell nach vorheriger Verständigung abgeholt. (Geldspenden werden an die Gründerin des Asyls, Frau Irma W e i ß e n b e r g, 3. Bez., Albertgasse 55, oder an Herrn Bezirksrat Josef H a s l i u g e r, 2. Bez., Stephaniestraße l l, dem Kassier des Jüdischen Asyls, erbeten. Die Ausspeisung II., Rotensterngasse 23. Herr Redakteur! In Ihrem geehrten Blatte lese ich von einigen humanitären Vereinen, welche sich in die Dienste der Unterstützung der armen Heimatlo en gestellt haben und Ausspeisungen veranstalten. Nun ivürde ich Ihnen sehr dankbar sein, ivenn Sie die geschätzten Leser Ihres Blattes auf eine Ansspeisung ausmerksam machen würden, welch? schon seit zwei Mo nuten in aller Stille wirkt. Aus Anregung des sehr bekannten Leopold st ü d t e r A r z t e s |>?nit Dr. Gustav H o h n, II., Roten serngasse Nr. 6, sowie seiner rührigen Gattin Flora haben es einige Damen und Herren unternommen, armen Flüchtlingen mittags und abends kräftige Suppe sowie Brod zu verabreichen. Anfangs für 50 Personen be rechnet, ist die Zahl der Hungrigen, die täglich vor dem Lokal, II., Rotensterngasse Nr. 23, der Suppe harren, auf 1000 gestiegen. Wiewohl man keinen der Bittenden ab weisen wil', den verlangenden hungrigen Augen der vielen entnährten Kinder nur schwer N?'.n sagen kann, ist es unmöglich, diese Aktion wei.e : zu führen, wenn matt nicht an die Güte mitfühlender Menschen appelliert, dieses Werk zu unterstützen, sei es durch Geld oder B'wd: die kleinste Gabe stillt den Hunger eines einzelnen, und so können viele einzelne es bewerkstelligen, daß diese Aktion, so lange die armen Flüchtlinge bei uns in Wien weilen, durchgeführt wird. I. K ö n i g. Das Elend der gati,zischen Wöchnerinnen. Die Sektion „Wöchnerinnenfürsorge der Zentralstelle' für die Fürsorge der Flüchtlinge aus Galizien und de? Bukowina" (Frau Annita M ü l l e r, magistratisches Be zirksamt, 2. Bezirk, Karmelitergasse Nr. 0) wird in den nächsten Tagen ein Rekonvaleszentenheim für Wöchnerinnen errichten, in dem Wöchnerinnen noch während einer Woche nach ihrer Entlassung aus dem Spital verweilen können. Begründet wird die Errichtung und die Bitte um Spenden für das Heim mit einem Aufrufe, in dem es heißt, daß die Hilfsbedürftigsten unter den vielen Tausenden unglücklicher Mitbürger aus Galizien und