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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-20 · 46 (20.11.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
46 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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feilte 802 •Jit. 46 Dr. Bloch's Wochenfchlrift Sonntag den 18. Oktober hat man zehn der angesehensten Juden der Stadt in ein zweites Gefängnis eingesperrt und auf Befehl des Kommandeurs mußten alle jüdischeil Männer, auch Kinder vom 10. Jahre an, die Stadt verlassen. Russische Kavallerie ritt hinter den Juden her, schlug sie unbarmherzig und trieb sic in ein 10 Kilometer entferntes Dorf: dort wurden sie, 240 Personen, in einer Scheune eingesperrt und ohne Nahrung gelassen. Das Militär raubte und schändete die jüdischen Frauen und Mädchen; viele Frauen stürzten sich in das Wasser, um der Schande zu entgehen. Nachts ist dann das preußische Militär in Biezun angekommen. Die Russen verließen die Stadt und nahmen die neun Juden, die sie ins Gefängnis gebracht hatten, mit sich. Auch das Dorf verließen sie bei Ankunft des preußischen Militärs, und so sind die Juden, die in der Scheune eingesperrt waren, durch das preußische Militär gerettet und nach Biezun zurückgebracht worden, aber von chrcnr Hab und Gut haben sie nichts mehr angetroffen. Varvarische Veljandl'ung der Juden in HuMsch-^oken. Eine systematisch organisierte russische Denunziatiousbande in Polen denunzierte bei dem zurückgekehrten russischen Militär die polnischen Judengemeinden, sie hätten dem deutschen Heere in den vorübergehend besetzten Gebieten Spiondienste geleistet und auch Flugblätter gegen das russische Heer verbreitet. Das russische Militär übte die schrecklichste Vergeltung. In fast allen Städten des polnischen Gebietes wurde die jüdische Bevölkerung der Raub- und der Mordgier des Pöbels ausgeliefert. Viele jüdische Wohnungen wurden ausgeraubt und zerstört, viele angesehene Juden gehängt und erschlagen. Unermeßliches Elend herrscht in diesen Kreisen. Tausende flüchten von kleineren Orten nach-Warschau z«"Fuß, da der Verkauf von Fahrkarten an dortige Juden behördlich untersagt wurde. Den russischen Zeitungen ist strengstens verboten worden, hierüber zu berichten. Nur eine kleine offizielle Kundgebung der russischen Regierung deutet diese Ereignisse an und behauptet, das deutsche Heer habe die jüdische Bevölkerung zur Dienstleistung gezwungen. Weit» nunmehr Vergeltung eintrete, so sei dafür ausschließlich das deutsche Heer verantwortlich. Die Jugend Lehrer der taimudi scheu Zeit. Von 8. Wiesner. (13. Fortsetzung aus Nr. 41.) Aus derselben Zeit erfahren wir von einem Schullehrer in Palästina, der in einem samaritanischen Orte, in der Umgebung der ehemaligen Stadt Samaria, wirkte. Die Berge Samarias waren wegen ihres Weinreichtumes schon in ältester Zeit berühmt?-) Der fromme Safra enthielt sich jedoch des Weingenusses daselbst, weil die Samaritaner zu dieser Zeit dem Heidentum zuneigten. Als R. Simon b. Eleazar einmal in diesen Ort kam und die Synagoge betrat, ersuchte er den dort weilenden Schullehrer, ihm einen verschlossenen Krug Wein zu holen. Der Schullehrer sagte: „Hier ist die Quelle > Wasser), trinke." Auf die wiederholte und dringende Bitte des R. Simon b. Eleazar sprach der fromme Schullehrer: „Wenn du Herr deiner Begierde bist, so trinke Wasser, ist aber die Begierde Herr über dich, so denke an den Spruch: Du setzest ein Messer an deine Kehle, wenn du ein gieriger Mensch bist." (Spr. XXIII, 2.)™) Eine Anekdote aus der Knabenzeit des später so berühmten Leiters der Akadeniie von Nahardea, Mar 12) Jereuua XXXI. 4, 5. ") Jer. Aboda gara V. 4: Bergt. Debarim r II. 3.°) mib Cholin 6 a. Samuel, macht uns mit einem daselbst in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts wirkenden Schullehrer bekannt. Samuel kani einmal tveinend aus der Schule nach Hause. „Warum weinst du?" fragte ihn sein Vater. „Mein Lehrer hat mich geschlagen." „Warum?" forschte der Vater. „Er sprach zu mir, du gibst meinem Sohn zu essen, ohne dir die Hände zu waschen." „Und warum hast du dir nicht die Hände gewaschen?" „Wie," sagte der Knabe, „er ißt und ich soll mir die Hände waschen?" Der gelehrte Vater bemerkte dazu: „Nicht genug, daß er (der Lehrer) selbst die Bestimmungen über das Händewaschen nicht kennt, schlägt er noch."^) Ein Landlehrer pflegte alljährlich einmal nach Jerusalem zu kommen. Die Bewohner Jerusalems erkannten in ihm einen großen Gelehrten und boten ihm fünfzig Goldstücke für das Jahr, für 'den Fall, als er sich bei ihnen niederlassen wollte. Der Landlehrer schlug aber das Anerbieten mit der Begründung aus, daß er in seinem Wohnorte einen Weinstock besitze, dessen Erträgnis ihm bedeutend mehr einbringe?'') In der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts, wahrscheinlich gleichzeitig mit dem bereits genannten hervorragenden Samuel b. Schelath in Sura, wirkte in einer Landgemeinde Babylons ein gleichfalls durch große Frömmigkeit wie durch Gewissenhaftigkeit und pädagogisches Geschick sich auszeichnender Kinderlehrer. Rab, der Schöpfer und Leiter der Akademie zu Sura, kam eiumal in diese Gemeinde und ordnete wegen anhaltender Dürre ein allgemeines Fasten an. Der Regen blieb jedoch aus. Da trat der Schullehrer als Vorbeter hin und kaum hatte er die Lobesworte „Er läßt beu Wind wehen" gesprochen, erhob sich ein Wind und nach dem Aussprechen des Schlußsatzes: „Er läßt den Regen niederströmen" stellte sich auch schon der ersehnte Regen ein. Ueber die schnelle Wirkung des Gebetes dieses Mannes erstaunt, fragte ühn Rab nach seinem Berufe. Jener antwortete: „Ich bin ein Kinderlehrer und unterrichte mit gleicher Gewissenhaftigkeit die Kinder der Armen wie die der Reichen. Wem es aber nicht möglich ‘ ist, zu -zahlen, von dem nehme ich gar nichts. Ich halte mir einen Fischteich und wenn ein Kind nicht lernen will, so beschenke ich es daraus und rede ihm so lange freundlich zu, bis es wieder liest?'') Lehrer, welche nur gelegentlich Jugendunterricht erteilten. Nebst den Lehrern, die sich berufsmäßig mit dem Jugendunterrichte befaßten, begegnen wir im Talmud einer Reihe von hervorragenden.Gelehrten, welche entweder ihren eigenen Kindern Unterricht erteilten oder gelegentlich die Kinder von Verwandten oder eines Genossen zum Unterrichte übernommen haben. Letzteres galt als sehr verdienstlich?) Wir nennen zunächst R. Tarphon. Dieser große Tanna zu Anfang des 2. Jahrhunderts unterrichtete die Kinder seiner Schwester in Bibel. Als die Kinder einmal beim Unterrichte etwas zerstreut waren, wandte er, um sie zum Gegenstände zurückzuöringen, das Mittel an, daß er beim Vortrage des Verses Genesis XXV, 1, anstatt des Namens Ketura, den ihnen wahrscheinlich sonst bekannten Namen Jochani setzte. Die Schüler fielen sofort berichtigend ein: „Es steht doch Ketura!" Von nun an wurden sie von R. Tarphon scherzweise „Söhne der Ketura" genannt?) ") Cholin lo7b. 15) Tanchuma Tezaweh. 181 Taanith 24 a, vergl. B Me.'ia 85 l>. l) B. Mezia 85 a. *) Zebachim 62 d 1. Bacher, Ag. Tannaim 12. 350 Aiim. 4.

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