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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-20 · 46 (20.11.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
46 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nc. 46 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 801 Stehle (Westfalen). Gefreiter Hugo Meier, im 7. Husarenregiment, jetzt in französischer Gefangenschaft. Stettin. I a c o b i. Stuttgart. Landauer, Sohn des Herrn Louis Landauer; Fritz K o h n; Dr. L e v y; Dr. Steiner; Dr. Weil. Wangen i. B. Feldunterarzt Dr. Julius Picard. Wiesbaden. Heinrich Fürth; Herz, Gefreiter d. R. im Füsilierregiment Nr. 80. Wikdermann. Fritz Sieg heim, Direktor der Haldzer Pflastersleinbrüche. Waldenburg. Georg Rubensohn, Sanitätsunterofsizier. Zabrze, Oberschles. Kriegsfreiw. Alfred Wienskowitz, im 229. Maschinengewehrzug, bei den Kämpfen im Osten. Aus dem Reichstage. Der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas, der sich als Kriegsfreiwilliger im Felde befindet, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Dr. Haas nimmt als Kompagnieführer an den Kämpfen bei der französisch-belgischen Grenze teil. Aus Oesterreich. Vor Antwerpen: F. T u t t m a n n, k. t. Fähnrich im 10. österr. Festungsartillerieregiment. Sonstige Auszeichnungen. -In der preußischen Armee wurde außer den bereits von uns gemeldeten jüdischen Kriegern zum Reserveoffizier befördert : Mar Gans, Mitinhaber der Göttinger Firma Julius W. Gans, im Reserve-Infanterieregiment Nr. 91. Würzburg. Lehrer H. Kaufmann aus Hainstadl, vor Kriegsausbruch Lehrer in Grünefeld, wegen tapferen Verhallens vor dem Feinde mit dem bayrischen Verdienstorden mit Schwertern ausgezeichnet. Karlsruhe i. V. Herr Fritz B a e r, Sohn des Herrn Nathan Baer, erhielt die badische Tapferkeitsmedaille. Oppeln. Den bayrischen Militärverdienstorden 3. Klasse mit Schwertern: Kaufmann Erich Kassel, Einjähcigsreiwilltzer Unteroffizier des Trains.) Dr. phil. Mar I ü d e l, Einjährig-Freiwilliger Unteroffizier im 2. badischen Grenadierregiment Kaiser Wilhelm l. Nr. 110, 2. Bataillon, erhielt die Silberne Karl Friedrichs-Verdienstmedaille. Mar Sulzberger, Unteroffizier im Fußartillerieregiment Nr. 14, 6. schwere Munitionskol'onne, erhielt denselben Orden. Grenadier Ludwig A l t st ä d t e r, 2. badisches Grenadierregiment 110 „Kaiser Wilhelm", erhielt für gefährliche Patrouille denselben Orden. Er ist ein Sohn des Herrn Leoy Altstädter in Weinheim. Inden aks deutsche Knttnrträger in der Türkei. Mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei darf vielleicht an einen Bericht der „Köln. Zeitung" ans dem Jahre 1871) erinnert werden, nach welchem es jüdische Dilettanten waren, die zum erstenmale Schillers „Räuber" auf einer türkischen Bühne anfführten. In fpaniolischer Ueberfetzung erntete dieses Jugendwerk des nationalsten deutschen Dichters in dem Theater Gedek Pascha in Stambul rauschenden Beifall. Unter den Schauspielern zeichneten sich besonders aus: Jakup Nahum (der alte Moor,?, Nissim Nachmias (Karl) und Mose Pesaro (Franz). Kirr hervorragender amerikanischer FiavViner gegen den Aeutschenhak. Zur Beurteilung der Stimmung in Nordamerika mag ein Schreiben beitragen, das auf dem vor annähernd drei Wochen stattgefulidenen Deutschen Tage in Philadelphia verlesen wurde. Verfasser desselben ist der Rabbiner Dr. Kraus köpf, ein hochangesehener Mann, der als der hervorragendste jüdische Kanzelredner in den Vereinigten Staaten gilt. Der Brief lautet in der Hauptsache : Ich kann nicht begreifen, weshalb das deutsche Volk, das ich auf meiner Reise um die Welt als eines der am besten gebildeten, der am besten regierten, der gesetzliebendsten und der Kunst und Wissenschaft ergebensten fand, als Hunnen, brutale Gesellen, Wilde und Barbaren gebrand'mark: wird. Ganz unbegreiflich aber ist es mir, daß in den Vereinigten Staaten, einem Lande, das nicht in den europäischen Konflikt hineingezogen ist, das behauptet, strikt neutral zu fein, ein Haß gegten Deutschland sich kund gibt, der an Bitterkeit alles über trifft, was ich in Deutschland nach Ausbruch des Krieges gegen die Völker wahrnahm, mit denen es fetzt im Kriege sich befindet. Es ist mir um so unbegreiflicher, als die deutsche Regierung und das Volk alle Amerikaner, welche nach der Kriegserklärung sich in Deutschland befanden, in liebenswürdigster und aufmerksamster Weise behandelten. Ist eine derartige Charakterisierung des deutschen Volkes vereinbar mit der Führung der Millionen von Leuten, welche aus Deutschland hier herüber gekommen und hier eine neue Heimat gefunden haben? Ist sie gerechtfertigt einem Volke gegenüber, dessen Söhne unter den ersten Ansiedlern sich befanden, welche die erste Bibel druckten, den ''Ackerbau ausbreiteten, Industrie einführten, den ersten Protest gegen Negersklaverei erhoben und für die Freiheit und die Unteilbarkeit der Union Ströme von Blut vergösse»? Hätte mir jemand vor drei Monaten erklärt, daß eine solche Erbitterung gegen das deutsche Volk hierzulande möglichsein würde, so würde ich ihn für verrückt gehalten haben. Antisemitismus im englischen Heere. Der „Jewish Chronicle" berichtet aus London: „Juden meldeten sich zum Heer als Freiwillige. Man wollte sie aber nicht annehmen. Es ist interessant, den Grund zu hören, den der RekrutierungSoffizier für die Ablehnung angegeben hat. Er bedauere sehr, erklärte er, daß er die Juden ablehnen müsse, er tue es aus Mit leid mit ihnen. Die jüdischen Rekruten hätten sehr viel in der Armee von ihren nichtjüdischen Kameraden zu leiden. Die Engländer spotten über sie, machen sich über ihre Namen lustig und beleidigen sie auf die gröbste Weise. Er werde sich aber bemühen, besondere jüdische Freiwilligenscharen zu bilden, damit die Juden nicht mit den Engländern in Berührung kommen müssen! . . ." Im Anschluß au diesen höchst bezeichnenden Bericht des „Jewish Chroniele" mögen hier einige Angaben über die Zahl der Juden im englischen Heere Plaü finden. Wie englisch-jüdische Zeitungen melden, beträgt die Anzahl der Juden in der in Frankreich und Belgien stehenden englischen Armee etwa 19.000 Manu. Es wird versichert, daß 25 Prozent der englisch jüdischen Soldaten auf den Schlachtfeldern von St. Ouentin, an der Oise und in Belgien gefallen sind. Das englische stehende Heer zählt 2 jüdische Generale, 8 Oberste und 149 sonstige jüdische Offiziere. In der Territorialarmee befinden sich annähernd 30.000 Juden. Ein Militär-I'ogrom in Piezurr. Wie die Russen in Polen wüten. Ueber einen Mitte Oktober von russischem Militär' veranstalteten Pogrom in Biezun (Gouvernement Plock) berichtet in der „Frankfurter Zeitung" ein Augenzeuge: Der Kommandeur des russischen Militärs in Biezun hat am 16. Oktober den Rabbiner zu sich gerufen und ihn gefragt, weshalb die Juden nicht für das Kriegsglück des Zaren beten. Der Rabbiner antwortete, daß die Juden als russische Untertanen dies tun, so lvie ihnen das Religionsgesetz gebietet. Am folgenden Tage, einem Sabbat, erhielt der Rabbiner wieder einen Vorführungsbefehl des Kommandeurs, er wurde eine halbe Stunde mörderisch geschlagen, kam ohnmächtig in sein Haus zurück und liegt nun sterbenskrank darnieder. An demselben Tage wurden neun Juden inS Gefängnis geschleppt.

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